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France (ANEMF)

Verschiedene - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Antonia, Kiel

Motivation

Ich wollte ausschließlich nach Frankreich, weil ich gut und gerne Französisch spreche und es einfach mal wieder anwenden wollte.
Außerdem wollte ich einerseits die Erfahrung machen, in einem fremden Land im Krankenhaus zu arbeiten, um mal zu sehen, wie es da so abläuft, und ich wollte tolle neue Leute kennenlernen. Andererseits macht sich ein Famulaturaustausch natürlich auch ganz gut im Lebenslauf.
Des Weiteren wollte ich die Wochenenden dazu nutzen, mir die Gegend anzuschauen und dadurch die Pflicht mit dem Vergnügen koppeln.
Meine Erwartungen waren, internationale Freundschaften zu schließen, einen Einblick in das französische Gesundheitssystem zu bekommen, meine Fähigkeiten als angehende Ärztin zu erweitern und tolle Ausflüge zu machen.

Vorbereitung

Auf den Austausch habe ich mich gar nicht vorbereitet, ich habe bloß ein paar medizinische Vokabeln auf Französisch rausgesucht.
Ich kann empfehlen, alle Dokumente, die man so auf dem Computer abspeichert, genaustens zu benennen und in verschiedenen Ordnern zu hinterlegen, sonst wird man durch das ganze Hochladen und Ausfüllen noch irre.
Außerdem kann ich allen ans Herz legen, sich von Anfang an ein Empfehlungsschreiben zu besorgen. Ich erfuhr erst, dass eins nötig ist, als es schon darum ging, seine Lieblingsstadt auszusuchen (wer zuerst kommt, malt zuerst), was mich dann doch ziemlich gestresst hat.
Und man sollte (unbedingt) einen Scanner besitzen, da man verdammt viel einscannen muss.
Ein weiteres Problem hat sich für mich dadurch ergeben, dass in meinem Vertrag mit dem französischen Krankenhaus stand, ich müsse eine Tuberkulose-Impfung haben. Darauf hin bin ich zu meinem Hausarzt gegangen, der mir sagte, in Deutschland impfe man nicht mehr dagegen. Das habe ich dann der französischen LEO geschrieben, die meinte, ich müsse diese Impfung unbedingt haben, sonst könne ich meine Famulatur nicht antreten. Also bin ich in die Uniklinik zur Impfsprechstunde gegangen, wo mir das gleiche wie von meinem Hausarzt gesagt wurde. Das habe ich dann wieder der französischen LEO berichtet, die, nachdem sie sich nochmal erkundigt hatte, herausfand, dass man sich als ausländischer Famulant doch nicht impfen lassen müsse. Aber ich könne ja mal einen Tuberkulin-Hauttest machen lassen (40€, zwei Termine beim Gesundheitsamt während der Vorbereitung auf die Klausuren). Das tat ich dann. Das Ende vom Lied: Es hat Zeit, Geld und Nerven gekostet und niemanden hat das Ergebnis interessiert.

Visum

Ein Visum brauchte ich nicht.
Aber ich muss 50 Zeichen eingeben.

Gesundheit

Eine Auslandskrankenversicherung hatte ich schon, aber ich brauchte noch eine Unfallversicherung.
Zum Thema Tuberkulose-Test siehe Abschnitt „Vorbereitung“.
Ansonsten gab es für mich keine Besonderheiten zu beachten.

Sicherheit

Ich brauchte eine Reihe von Versicherungen (Haftpflich-, Unfall-, Krankenversicherung,…), die ich zum größten Teil aber schon hatte.
Ich schätze Frankreich nicht als gefährliches Land ein und habe mir daher keine Sorgen gemacht.
An ein paar Tagen liefen schwer bewaffnete Soldaten zur Sicherheit der Allgemeinheit (?) auf dem Hauptplatz rum, was wir Incomings zwar ungewöhnlich, aber nicht bedrohlich fanden.

Geld

Ich persönlich kann mit meiner Kreditkarte überall kostenlos Geld abheben, was es mir sehr einfach gemacht hat. So musste ich nicht viel Bargeld mitnehmen.
In Frankreich wird meistens mit Karte gezahlt. Man kann eigentlich überall auch sehr kleine Beträge mit Kreditkarte bezahlen.
Wenn wir mit der Gruppe essen waren und getrennt bezahlen wollten, mussten wir entweder drinnen am Tresen bezahlen oder alles auf einen Haufen werfen. Auf jeden Fall waren die Kellner meistens eher irritiert und es war ein ziemlicher Aufwand.
Im Supermarkt war das Einkaufen im Durchschnitt teurer als in Deutschland, vor allem das Obst und Gemüse. Und was mich verwirrt hat (den Spanier und den Esten nicht), war, dass zum Beispiel die Sorten der 100g Milka-Tafeln unterschiedlich viel kosten; der Preis unterscheidet sich manchmal sogar nur um 1 Cent. Genau so war es auch bei Joghurts gleicher Marke oder bei Haribo Gummikrams und so weiter.

Sprache

Mein Französisch ist ziemlich gut, ich habe ohne Probleme Niveau C1 ausgestellt bekommen. Das hat mir die Sache sehr erleichtert, da das Gerücht, Franzosen sprächen eher weniger gut und ungerne Englisch schon zutrifft. Eine andere Austauschfamulantin aus Polen spricht kein Französisch, es haben sich nur wenige die Mühe gemacht, Englisch mit ihr zu reden.
Ich denke, ein Niveau B2 wäre schon eine sichere Sache, wobei es selbstverständlich auf die Station und die Leute in der Umgebung ankommt.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Flugzeug mit einem Zwischenstopp nach Clermont-Ferrand geflogen, die anderen Incomings sind bis Lyon geflogen und dann 1,5h mit dem Fernbus nach C-F gefahren.
In C-F gibt es ein gutes Liniennetz mit Bussen, die immer pünktlich, und im Vergleich zu Hamburg / Berlin auch deutlich günstiger waren. Außerdem gibt es eine Tram, deren Schienen aber genau während der Zeit meines Aufenthaltes gewartet wurden und sie deshalb nicht fuhr.
Mitfahrgelegenheiten sind wegen der Autobahnmaut oft teurer als in Deutschland und kosten ähnlich viel wie die Fernbusse, mit denen man gut von A nach B kommt.

Kommunikation

Ich habe in der Wohnung einer französischen Medizinstudentin gewohnt, während sie über die IFMSA weg war. Ich konnte ihr WLAN benutzen.
Außerdem gibt es ja die (neue) Verordnung, dass man seinen Handyvertrag in der ganzen EU nutzen kann. Dadurch hatte ich auch kostenlose mobile Daten.

Unterkunft

Ich habe in der Wohnung einer französischen Medizinstudentin gewohnt, während sie über die IFMSA weg war.
Ihre Küche war ganz okay ausgestattet (zwei Herdplatten, ein kleiner Backofen, eine Mikrowelle, einen Wasserkocher und so weiter hatte sie; große Müslischüsseln oder eine Salatschüssel hatte sie zum Beispiel nicht), aber sie hatte leider keine Waschmaschine, da ihre Eltern in der Nähe wohnen und sie dort wäscht. Das war sehr ärgerlich. Letztendlich habe ich dann den Monat bei einem anderen Incoming meine Wäsche gewaschen und sie dann über Nacht dort zum Trocknen gelassen, da meine Host natürlich auch keinen Wäscheständer hat (und seinem Host habe ich etwas Geld für die Wasser- und Stromkosten dagelassen).
Handtücher und Bettwäsche musste ich zum Glück nicht mitnehmen, das hatte ich vorher mit meiner Host abgesprochen.

Literatur

Ich habe mich nicht großartig über das Land belesen.
Und um ein wenig Hintergrundwissen für meine Famulatur in der Neonatologie zu bekommen, habe ich ein bisschen im Endspurt "Pädiatrie" gelesen. Das war ganz gut.

Mitzunehmen

Etwas wirklich Besonderes habe ich nicht mitgenommen. Vor der Famulatur wurde mir von der LEO geschrieben, ich solle unbedingt ein Stethoskop und einen Kittel mitbringen. Den Kittel habe ich gebraucht, das Stethoskop nicht, weil in jedem Patientenzimmer ein eigenes hing. Vermutlich, weil bei den Neugeborenen noch mehr auf Hygiene geachtet wird als bei Erwachsenen.
Außerdem hatte ich ein paar Freizeitbücher dabei, in die ich nur einmal reingeschaut habe, weil ich mit dem Krankenhaus, den anderen Incomings und den Ausflügen gut beschäftigt war.
Was mir für die Wanderungen gefehlt hat, war ein kleines Plastik-Regencape, wie man es auch auf Festivals mitnimmt. Einmal bin ich pitschnass geworden.
Und hätte ich gewusst, dass es in meiner Wohnung keine Waschmaschine gibt, hätte ich wohl auch noch zwei T-Shirts mehr mitgenommen, um weniger Waschdruck zu haben.

Reise und Ankunft

Ich bin freitags angekommen, montags ging mein Praktikum los. Die zwei Tage Eingewöhnung waren ganz gut, so konnte ich die Stadt in Ruhe erkunden und schon mal die Station im Krankenhaus suchen.
Außerdem war meine Host an dem Wochenende noch in Frankreich, sodass wir gemeinsam zwei tolle Ausflüge machen konnten.
Bei meiner Anreise gab es keine Probleme. Eigentlich wollte meine Host mich am Flughafen abholen kommen, allerdings hatten sich ihre Arbeitszeiten geändert, sodass sie mir geschrieben hat, wie ich mit den Öffentlichen ins Stadtzentrum komme, wo dann eine ihrer Freundinnen auf mich gewartet und mich in die Wohnung gebracht hat.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war auf der Neugeborenen-Station, die sich in Intensiv-Station, normale Neugeborenen-Station und Känguru-Station (Mutter mit ihrem Neugeborenen in einem Zimmer, kurz vor Entlassung aus dem Krankenhaus) eingeteilt war.
Normalerweise soll es vier Assistenzärzte/innen geben, die sich aufteilen (die normale Station bekommt zwei). Arbeitsbeginn ist 08:30-09:00 Uhr. Um ca. 10:00 Uhr kommt dann ein/e Facharzt/ärztin, die mit den Assistenzärzten/innen das weitere Vorgehen bespricht.
Am Anfang meiner Famulaturzeit waren aber immer nur zwei Assistenzärztinnen da, weil die anderen Urlaub oder frei nach dem Nachtdienst hatten. Dadurch waren sie sehr gestresst und hatten keine Zeit, sich um mich zu kümmern. Die „Visite“ dauerte dann von 09:00 Uhr (nur Assistenzärztin) beziehungsweise von 10:00 Uhr (mit Fachärztin) bis ungefähr 12:30/13:00 Uhr, manchmal länger. Während der Visite mit der Fachärztin habe ich gelangweilt daneben gesessen, während die beiden sich über die Babys unterhalten haben, ohne mich miteinzubeziehen, da sie das wohl nicht für wichtig hielten. Auch zu tun gab es nichts für mich, da ja gerade Visite sei.
Grundsätzlich hatten die Assistenzärztinnen unglaublich viel Organisatorisches und viel Papierkram zu erledigen, bei dem ich kaum helfen konnte (zum Beispiel Entlassungsbriefe schreiben).
Dann war eine bis zwei Stunden Pause, je nachdem, wann die Visite mit der Fachärztin zu Ende war. In der Zeit habe ich mich mit den anderen Incomings in der Mensa zum Mittagessen getroffen. Das war immer das Schönste am Tag im Krankenhaus. Und das Essen war auch ziemlich lecker.
Nachmittags waren dann irgendwelche Untersuchungen zu machen: Entlassungsuntersuchungen, EKG schreiben, Langzeit-EKG aufkleben / abnehmen… Alles so kleine Sachen, die man als Famulant am Morgen hätte erledigen können, statt sich zu langweilen, um am Nachmittag früher nach Hause gehen zu können. Denn die Assistenzärztinnen haben nachmittags immer den ganzen Schreibkram gemacht, bei dem man eh nicht helfen konnte.
Was ich sehr unhygienisch und unangenehm fand, war, dass das ärztliche Personal in normalen Straßenklamotten (auch in kurzen Kleidern) und -schuhen (auch in Sandalen) plus Kittel gearbeitet hat. Der französische Famulant hat sogar jeden Tag seinen Kittel mit nach Hause genommen. Ich hatte in der ersten Woche Extraklamotten fürs Krankenhaus mit und habe mich morgens vor Ort umgezogen. In der zweiten Woche habe ich die Arbeitsklamotten der Krankenschwestern (ähnlich wie bei uns) entdeckt und die dann angezogen.

Land und Leute

An meinem ersten Wochenende war meine Host noch da. Mit ihr habe ich am Samstag eine Wanderung auf den bekanntesten Vulkan und Wahrzeichen der Region, den Puy de Dôme, gemacht. Man musste eine knappe halbe Stunde mit dem Auto fahren und dann sind wir ungefähr 45 Minuten auf den Gipfel gewandert. Der Ausblick war traumhaft schön! Und an dem Sonntag haben wir eine anderthalbstündige Wanderung auf zwei andere Vulkane der Vulkankette, die zum Zentralmassiv gehört, gemacht. Auch das war atemberaubend schön. Vormittags und mittags, als sie arbeiten war, habe ich die Stadt etwas erkundet und war einkaufen. Der Einkauf hat bestimmt anderthalb Stunden gedauert, da der Supermarkt so unendlich riesig und anfangs unübersichtlich ist. Den anderen Incomings, die zum gleichen Supermarkt gegangen sind, ging es genauso.
Am Sonntag darauf habe ich mit dem Spanier Vichy angeschaut. Wir sind für insgesamt 16€ pro Person vormittags hin und abends zurückgefahren. Die Fahrt hat eine halbe Stunde gedauert. Mir hat das Städtchen, das für seine heilenden Wasserquellen und Pastillen bekannt ist, sehr gut gefallen. Man läuft von einem großen Park zum nächsten, wovon sich einer an einem langgezogenen See erstreckt und die Häuser sind alle klein und schön. Die Wasser aus den natürlichen Quellen konnte man teilweise probieren, wobei sie eher salzig oder schwefelhaltig waren.
Am dritten Sonntag waren wir zu viert (Incomings) auf dem Vulkan, an dem ich schon an meinem ersten Tag war, wobei wir mit dem Bus so nah wie möglich rangefahren und dann knapp zwei Stunden hoch gewandert sind. Wir hatten sehr viel Spaß zusammen und sind nachmittags mit dem Bus wieder zurückgefahren.
An einem Mittwoch war ein Feiertag, an dem wir nicht ins Krankenhaus mussten. Da bin ich mit dem Esten und einer aus der Lokalvertretung mit dem Auto wieder zu dem Vulkan gefahren, um den Sonnenaufgang anzuschauen. Das war wunderschön.
Am vierten Wochenende bin ich freitags mit dem Spanier nach Lyon gefahren (knapp 2 Stunden mit dem Fernbus, nicht teuer). Wir haben uns etwas die Stadt angeschaut, zum Beispiel einen riesigen Stadtpark, in dem es einen kostenlosen Zoo mit Giraffen, Zebras, Bisons, Affen und so weiter gibt. Wir haben in einem tollen Hostel im 16-Bett-Zimmer übernachtet, was mich erst etwas skeptisch machte, doch es wurde sehr auf die Nachtruhe geachtet und wir haben dort großartige Leute aus allen Herrenländern kennengelernt, mit denen wir noch bis spät in die Nacht am Fluss (im Hostel war ja Nachtruhe) saßen und Wein getrunken haben. Am nächsten Tag kam der Este dazu und wir haben erst an einer Free Walking Tour durch die schöne Altstadt teilgenommen, danach die Stadt auf eigene Faust erkundet und in einem „Bouchon“, für Lyon typischen Restaurant, gegessen.
Grundsätzlich haben wir Incomings uns eigentlich jeden Abend in einer kleinen Bar auf ein Bierchen getroffen, uns über unseren Tag ausgetauscht und ihn ausklingen lassen.

Fazit

Von meiner Famulatur an sich bin ich eher enttäuscht, da ich kaum etwas machen durfte. Vielleicht hätte ich mir vorher mehr Gedanken über meine Wunschstation machen sollen, da es ja nicht ganz unlogisch ist, dass man an Neugeborenen nicht so viel als Famulant machen darf wie an Erwachsenen. Aber ein paar mehr Entlassungsuntersuchungen hätte man mir ruhig zutrauen können.
Sprachlich gab es keine Probleme. Allerdings hat es mir nach einer Weile echt gefehlt, normale Gespräche und Diskussionen auf Deutsch zu führen.
Die Zeit mit den anderen Incomings war super! Wir waren eine tolle Truppe, haben uns gut verstanden und hatten auf Ausflügen, auf Partys und bei ganz normalen Treffen viel Spaß miteinander.
Allein dafür würde ich gerne noch einen Famulaturaustausch machen und auch nach Frankreich werde ich wieder reisen.

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