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Belgium (BeMSA)

Radiologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Ina, Halle

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Motivation

Nachdem ich an einem Informationsabend meiner Universität zu Auslandsaufenthalten teilgenommen hatte, wusste ich, dass ich auch einmal eine Famulatur im Ausland machen möchte, da die Berichte allesamt sehr positiv ausfielen. Außerdem wollte ich meinen sprachlichen, kulturellen und medizinischen Horizont erweitern, viele neue Eindrücke gewinnen und bestenfalls noch internationale Freundschaften schließen.

Vorbereitung

Meine Universität bietet einen Englischkurs für Mediziner an, den ich vor Antritt meiner Famulatur abgeschlossen habe. Es stellte sich nämlich sehr schnell heraus, dass man als Deutscher flämisch gut verstehen kann, wenn man es liest, beim Sprechen sind die Unterschiede allerdings zu groß. Die Kommunikation fand somit auf Englisch statt.
Ansonsten habe ich mich nicht besonders vorbereitet und lediglich beim Packen darauf geachtet, die Dinge zusätzlich mitzunehmen, die die Organisation empfohlen hat (in meinem Fall zum Beispiel ein Plastikteller und Besteck).

Visum

Für meinen Austausch nach Belgien musste ich kein Visum beantragen.

Gesundheit

Da ich schon im Voraus eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen hatte, musste ich vor dem Austausch nur noch überprüfen, ob meine Impfungen vollständig sind. Mitgenommen habe ich dann eine kleine Standard-Reiseapotheke mit Erkältungsmitteln, Pflastern und etwas gegen Durchfall sowie Sonnencreme und Insektenschutz.

Sicherheit

Die Sicherheit in Gent und Belgien im Allgemeinen ist sehr gut und mit Deutschland zu vergleichen. Natürlich muss man auch dort vor allem in den Großstädten und bei Nacht vorsichtiger sein. Ich habe mich jedoch nie unwohl gefühlt, bin aber nachts auch nur in Ausnahmefällen alleine nach Hause gefahren.

Geld

Das Zahlungsmittel vor Ort ist der Euro. Ihr solltet euch vor Ankunft bei eurer Bank erkunden, ob Gebühren beim Geldabheben am Automaten entstehen. Im Allgemeinen empfiehlt es sich vor allem für die ersten Tage etwas mehr Bargeld dabei zu haben, da wir zum Beispiel ein Fahrrad zur Verfügung gestellt bekommen haben, das 60€ Kaution kostete, die man am besten in bar bezahlen sollte. In puncto Geld ist es auch noch gut zu wissen, dass Trinkgelder zwar gern gesehen, aber durchaus unüblich sind!
Für den Aufenthalt in Gent gibt es auch noch 80€ Taschengeld, womit man sich vergünstigt mit seinem „hospital badge“ im Krankenhausrestaurant ein riesiges Mittagessen kaufen kann.

Sprache

Die Sprachverhältnisse in Belgien sind für Ausländer zunächst einmal unübersichtlich. Vereinfacht kann man aber festhalten, dass im Norden des Landes eher Niederländisch (Flämisch), im Süden eher Französisch und in kleinen Teilen vereinzelt im Land Deutsch gesprochen wird. Brüssel ist in Niederländisch und Französisch aufgeteilt. In Gent sprechen die Menschen also Niederländisch, manche verstehen und sprechen Deutsch, und mit Englisch kommt man IMMER zurecht. Also keine Sorge!

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Zug nach Gent gefahren, weil der Weg mit dem Flugzeug zwar etwas kürzer, dafür aber auch unverhältnismäßig viel teurer gewesen wäre. Einen Fahrtkostenzuschuss gibt es nicht. In Gent haben wir ein Fahrrad von der Uni ausgeliehen bekommen. Das hat 65€ gekostet, wovon ihr aber 60€ wieder zurückbekommt, wenn mit dem Rad alles in Ordnung ist (5€ sind Versicherungsgebühr). Nehmt auf jeden Fall auch ein Fahrrad, wenn ihr könnt, das ist unwahrscheinlich praktisch, da alles in Gent mit dem Fahrrad erreichbar ist! Für das Bereisen von Belgien kann ich euch eine MOBIB-Card empfehlen. Die kostet 25€ fürs Smartphone bzw. 30€ für eine Plastikkarte, wenn ihr sie euch am Bahnhof kauft. Damit könnt ihr einen Monat lang durch ganz Belgien mit dem Zug fahren, wann immer ihr wollt und wie oft ihr wollt. Das lohnt sich auf jeden Fall! Sämtliche Fahrpläne kann man ganz einfach mit einer App einsehen.

Kommunikation

In unserer Unterkunft und in der Uni gab es WLAN, ansonsten gilt euer Handytarif auch im europäischen Ausland ohne besondere Zusatzkosten. Die Kommunikation verlief von daher völlig problem- und kostenlos. Ihr könnt einfach über das mobile Netz oder Internet zuhause anrufen, die Kommunikation mit den anderen Internationals lief über Whatsapp und Facebook.

Unterkunft

Meine Unterkunft ist von den Leuten von BeMSA organisiert worden. Ich habe in einem Haus mit 5 anderen Internationals gewohnt, die auch alle über die ifmsa SCOPE oder SCORE mitgemacht haben. Ich hatte zusammen mit einem Bolivianer eine Wohnung, jeder hatte sein eigenes Zimmer und wir haben Küche und Bad geteilt. Im Stockwerk direkt über uns hatte ein Mädchen aus Ecuador eine Wohnung ganz für sich allein und im obersten Stockwerk wohnten noch drei weitere Internationals. Unsere Küche hatte leider kein Equipment, worum sich aber unsere Contact Persons aus Gent sofort gekümmert haben. Für uns alle stand auch eine Waschmaschine im Keller zur freien Verfügung, es hat also an nichts gefehlt. Das Krankenhaus war 20 Minuten mit dem Fahrrad entfernt, die Innenstadt 10 Minuten. Mehrere Supermärkte waren auch in direkter Umgebung vom Haus.

Literatur

Ich habe mich vor dem Aufenthalt in Gent hauptsächlich mit der Internetseite der bvmd auseinandergesetzt. Wenn ihr im Krankenhaus etwas nachlesen wollt, könnt ihr gut online auf das AMBOSS-Programm zugreifen. Besondere Literatur war ansonsten nicht nötig.

Mitzunehmen

Erster und wichtigster Tipp: Nehmt auf jeden Fall eine Powerbank für euer Handy mit. Auch wenn ihr sonst euer Handy nicht viel benutzt, hier werdet ihr es: Google Maps zum Zurechtfinden, Whatsapp um sich mit den anderen auszutauschen, Apps, um Züge zum Reisen zu finden und wenn ihr keinen separaten Fotoapparat mitnehmt, die ganzen Fotos, die ihr von den schönen Städten machen werdet! Einen Adapter für die Steckdosen braucht ihr nicht. Wie gesagt habe ich auch noch das mitgenommen, was die Contact Persons uns empfohlen haben: einen Plastikteller und Besteck sowie Bettbezüge und Handtücher (Reisehandtücher sparen sehr viel Platz!). Alles bis auf die Handtücher habe ich dann doch noch vor Ort bekommen aber es schadet nicht, wenn man auf Nummer sicher gehen möchte. Als sehr praktisch hat sich auch eine Trinkflasche herausgestellt.
Was ich nicht gebraucht habe war Kittel und Stethoskop, da ich auf der interventionellen Radiologie die Kleidung gestellt bekommen habe.
Eventuell könnt ihr auch noch etwas Typisches zu Essen und Trinken aus Deutschland für die anderen mitnehmen.

Reise und Ankunft

Die Reise mit dem Zug lief völlig problemlos. In Gent hat mich dann eine meiner Contact Persons vom Bahnhof mit dem Auto abgeholt und mich zu meiner Unterkunft gebracht. Weil ich an einem Sonntag angekommen bin und die normalen Geschäfte alle geschlossen waren, hat er mich sogar noch zu einem Supermarkt gefahren, damit ich etwas einkaufen konnte. Die Ankunft hätte ich mir bequemer nicht vorstellen können.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am nächsten Tag ging es dann schon für mich im Krankenhaus los. Da unsere Unterkunft ca. 20 Minuten mit dem Fahrrad vom Klinikum entfernt war, hat mich meine CP mit dem Fahrrad zum Universitätskrankenhaus begleitet und mir bei den ersten Schritten in meiner Abteilung geholfen (Organisation von Spind und hospital badge…). Die Angestellten waren allesamt sehr nett und zuvorkommend und so hatte ich einen schönen Start in das Praktikum. Die Kommunikation auf Englisch verlief reibungslos. Neben mir gab es keinen anderen Praktikanten auf der interventionellen Radiologie. Vor allem in den ersten zwei Wochen habe ich hauptsächlich beobachtet und mich mit den Krankenschwestern über die Eingriffe unterhalten. In der interventionellen Radiologie gibt es die Operationssäle und davor einen Raum mit Schutzglas, das vor den Röntgenstrahlen schützt. Außerdem kann man von dort aus alle Bildschirme verfolgen. Die Krankenschwestern und -pfleger haben mir die Eingriffe erklärt, während ich den Operationen vom Schutzraum aus folgen konnte. Später im Praktikum konnte ich dann auch mit in den OP-Saal und teilweise habe ich auch steril mit am Tisch gestanden. Da die Operationen aber alle minimalinvasiv mit einem Zugang über die Leiste erfolgen, kann man als Famulant nicht viel „helfen“. Zum Ende meines Praktikums habe ich dann auch immer öfter mit der Anästhesie Kontakt gehabt und durfte ein paar Mal einen venösen Zugang und am letzten Tag auch einen arteriellen Zugang legen. Aus Deutschland bin ich es gewohnt, viel mehr Verantwortung zu übernehmen und regelmäßig Aufgaben zugeteilt zu bekommen, das war leider in meinem Praktikum nicht möglich. Somit habe ich mich oft auch selbstständig in Thematiken eingelesen und mein Wissen zu bestimmten Prozeduren oder der Anatomie aufgefrischt. Im Allgemeinen habe ich mich mit dem gesamten Personal ausgezeichnet verstanden und es herrschte eine freundliche Atmosphäre. Die Ärzte waren allerdings im Allgemeinen eher kurz angebunden. Mir war für die Praktikumszeit auch ein Mentor zugeordnet, der jedoch Professor und Leiter der gesamten Abteilung war. Das war meines Erachtens nach die falsche Person, da er einfach keine Zeit für mich hatte und 2 von 4 Wochen auch im Urlaub war. Dadurch war ich aber gezwungen, immer wieder Eigeninitiative an den Tag zu legen, mit jedem zu sprechen und immer wieder zu fragen, ob ich etwas machen dürfte. Bei einer Patientin mit Schlaganfall aus Deutschland hatte ich dann die Aufgabe, sie zu betreuen und während der Thrombektomie zu übersetzen, da die Patientin während der OP wach war.
Alles in Allem empfand ich das Praktikum als streckenweise etwas langatmig und ich hätte mir gewünscht, mehr machen zu dürfen. Ohne direkten Ansprechpartner habe ich jedoch sämtliche Scheu überwunden, jemanden etwas zu fragen und ich habe an meiner Selbstständigkeit gearbeitet. Und natürlich habe ich auch viel von der interventionellen Radiologie gesehen und gelernt. Es ist wirklich faszinierend was mit der modernen Technik schon alles möglich ist!

Land und Leute

Mein Praktikum lief montags bis freitags 8:30-17:00, ich durfte jedoch oft etwas früher gehen. Schon vor Ankunft in Gent hatten unsere Contact Persons ein umfangreiches Social Program aufgestellt. Wenn für einen Tag nichts geplant war, dann haben wir uns doch immer noch kurzfristig getroffen und sind in die Stadt gegangen, haben leckeres belgisches Bier getrunken oder sind etwas essen gegangen. Sehr schön waren die Abende wo wir uns einfach ans Ufer der Leie gesetzt haben und mit ein paar Getränken bis in die Nacht gequatscht und gelacht haben. Im Endeffekt haben wir fast jeden Abend etwas gemeinsam unternommen. Das Social Program umfasste zum Beispiel Filmnächte, ein gemeinsames Picknick an einem See, wo wir danach noch baden waren, ein großes BBQ, Food Festivals, natürlich eine Stadterkundung und eine Bootsfahrt… zum Abschied haben wir uns auch noch zu einer National Food and Drinking Party getroffen, wo jeder etwas typisches zu Essen und zu Trinken aus seinem Land mitgenommen hat. Wenn so etwas angeboten wird, nehmt unbedingt daran teil! Es war alles wahnsinnig lecker und so interessant zu sehen, was die verschiedenen Nationalitäten gerne essen. Wir waren schließlich eine Gruppe von Studenten aus Italien, Dänemark, Taiwan, Kroatien, Ecuador….
Am Wochenende sind wir dann meist in kleinen Gruppen verreist, je nachdem wer wann wohin wollte hat man sich einfach zusammengetan. Das war alles sehr unkompliziert. So habe ich zum Beispiel Brüssel, Antwerpen, Dinant, Namur, Oostende und Leuven gesehen. Oostende bietet sich sehr bei heißen Temperaturen an, da man dort einen schönen Strandtag mit Baden im Meer machen kann. Wir hatten großes Glück im August in Belgien gewesen zu sein, und so konnten wir noch das Brüssel-Stadtfestival sehen und den berühmten Flower Carpet. Das ist ein riesiger Teppich aus Blumen mitten auf dem Hauptplatz in Brüssel mit wunderschöner Lichtershow abends, der nur alle zwei Jahre für wenige Tage aufgebaut wird. Da ich Brügge schon einmal besichtigt hatte, habe ich es hinten angestellt und hatte leider keine Zeit mehr es zu besichtigen. Es ist jedoch sehr, sehr empfehlenswert! Mit einer Italienerin bin ich auch über zwei Tage in Amsterdam gewesen. Dazu haben wir einfach einen Flixbus aus Antwerpen genommen und eine Nacht in einem günstigen Hotel übernachtet. Auch das kann ich euch sehr empfehlen, denn so günstig kommt man sonst nicht nach Amsterdam! Da Belgien im Zentrum von Europa liegt, kann man auch schnell in andere Länder wie Frankreich (Paris!) verreisen.
Gent selber ist eine wunderschöne und sehr vielseitige Stadt. Man kann Sport in den vielen Parks machen, im See schwimmen gehen, toll shoppen und das Essen ist sowieso sehr lecker. Ich empfehle euch vor allem die Waffeln und tollen Pralinen! Die Stadt hat auch eine sehr gute Größe, alles ist wunderbar mit dem Rad zu erreichen. Passt jedoch gut mit den Straßenbahnschienen auf, ein paar Studenten sind in die Schienen gekommen und gestürzt, es gab aber keine ernsthaften Verletzungen.
Die Belgier waren allesamt sehr freundlich und hilfsbereit, ich habe keine unangenehmen Situationen erlebt und um die Sicherheit muss man sich wie gesagt keine Sorgen machen. Wirtschaftlich unterscheidet sich Belgien meines Erachtens nach nicht besonders von Deutschland, politisch ist jedoch zu sagen, dass Belgien ein Königreich ist – apropos: in den Sommermonaten kann man den königlichen Palast in Brüssel kostenlos besichtigen…

Fazit

Der Austausch war genau die richtige Entscheidung. Ich habe so viele neue Dinge erlebt, mein medizinisches Wissen erweitert und auch noch neue Freundschaften geschlossen. Auch wenn das Praktikum nicht ganz meinen Vorstellungen entsprochen hat, so habe ich doch viel für mich und mein späteres Leben mitgenommen. Ich bin an den Herausforderungen gewachsen und hatte eine wunderbare Zeit an die ich mich immer zurückerinnern werde!

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