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Indonesia (CIMSA-ISMKI)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Zunächst einmal gibt es viele Gründe, warum ich unbedingt eine Famulatur im Ausland absolvieren wollte. Zum einen und wichtigsten bin ich davon überzeugt, dass die Freiheit, die unserer Generation heutzutage obliegt, frei und erschwinglich reisen zu können, studieren zu dürfen und das auch beides in Kombination, nicht nur ein unbezahlbares Geschenk sondern Privileg, Chance, die man nutzen sollte, wenn man die nötigen Mittel dazu hat. Gerade als angehende Mediziner ist es extrem wichtig weltoffen zu sein, Vorurteile gegen andere Völker und Kulturen abzubauen, andere Gesundheitssysteme kennenzulernen, sich auszutauschen und Erfahrung zu sammeln, dass bereits im Wortstamm nicht ohne Grund das Verb fahren beinhaltet. Zum anderen hatte ich 3 Jahre Englisch für Mediziner, wollte dieses Wissen gern praktisch anwenden, denn was ist eine gelernte Sprache schon ohne praktische Übung. Nicht zu vergessen muss ich aber auch gestehen, dass ich einfach neugierig war und ich für mein Leben gern reise und noch mehr Praktika absolvieren mochte, da ich mir noch nicht sicher bin, welchen Facharzt ich später anstreben soll.

Vorbereitung

Hat man einmal den Entschluss gefasst, kann man eine Auslands-Famulatur auch ohne eine unterstützende Organisation auf die Beine stellen. Allerdings ist oftmals die größte Hürde, dass die Verwaltung einen auf die Bewerbung nicht antwortet und es nervenzerrend sein kann, wenn die Krankenhäuser (ausländische) Famulanten nicht gewohnt sind. Einen Vermittler und Ansprechpartner zu haben, die über Jahre den Kontakt zu den Austausch-Krankenhäusern pflegen und die Organisatoren vor Ort, wie auch der Bonus einer Austausch-Studenten Gruppe, in der man unterwegs ist/ sein kann, ist allerdings Gold Wert und kann ich nur empfehlen. Durch Kommilitonen kannte ich die BVMD und hatte durch mein Sprachzertifikat Englisch für Mediziner alles was ich für die Bewerbung brauchte, die ich dann ein Jahr zuvor abschickte, bereits mit dem Wunsch Indonesien.

Visum

Als ich dann wusste, es geht nach Java, habe ich mich online bei der Botschaft erkundet. Für mehr als 30 Tage braucht man ein Touristenvisum. Ich kann euch nur nahelegen, Indonesien mit ein paar Tagen Urlaub/ Reisen zu verknüpfen, da der Flug allein 18 Stunden dauert, 5 Stunden Zeitverschiebung, die ganzen Impfungen und Vorbereitung es Wert sind und die Inseln einfach wunderschön sind, besonders für den Studenten-Geldbeutel. Ich hatte die Zusage für Surabaya auf Java aber erst 1,5 Monate vor Antritt der Famulatur und diese benötigt ihr für den Antrag. Außerdem kann man erst 3 Monate vor dem Flug das Visum beantragen. Je nach dem wo man in Deutschland wohnt sind verschiedene Konsulate zuständig. Für Leipzig ist das Berlin. Da kann man dann alles hinschicken oder persönlich hingehen. Ihr braucht dafür das Online-Formular, 50 Euro, Reisepass im Original, Hin- und Rückflug Bestätigung, Kontoauszug, dass ihr liquide seid, und die Zusage von dem Krankenhaus (nicht nur von IFSME!). Das dauert dann so 1-2 Wochen und ihr bekommt das Visum in den Reisepass geklebt.

Gesundheit

Jeder muss letztendlich selbst entscheiden, ob sie oder er sich impfen lässt. Das kommt auch darauf an, was man so vorhat. Ich habe alle empfohlenen Impfungen durchführen lassen, sprich Typhus, Japanische Enzephalitis, Tollwut, Cholera, Hepatitis A und B Titer kontrolliert. Malaria Prophylaxe habe ich nicht genommen, aber, wenn man auf die Inseln östlich von Bali möchte oder viel in der Natur, abseits der Städte, unterwegs ist, sollte man auch das auf jeden Fall überlegen.
Gerade wenn man einen Ausflug in den Dschungel oder monkey forrest plant, oder einfach ängstlich ist, oder wie ich, keine Angst vor Impfungen, ist es nicht verkehrt. Man muss aber gute 2 Monate einige Besuche beim Hausarzt einplanen, einige Impfungen bekommen einen mehr, einige weniger (Cholera war besonders nebenwirkungsstark), aber das ist ja auch von Person zu Person unterschiedlich. Klärt vorher aber ab, ob eure Krankenkasse das übernimmt, ihr müsst auf jeden Fall in Vorkasse gehen und das kann je nach Impfstoff schon gute 300-500 Euro kosten! Nehmt einen Grundstock an Medikamenten mit gegen Erkältungen (die Klimaanlagen sind überall und alle Räume sehr runtergekühlt), Reiseübelkeit (Reisen in Indonesien ist preiswert aber die Transportmittel und Wege oft auch dementsprechend abenteuerlich), Fiebersenkende Mittel, was gegen Magen-Darm-Probleme (die werden kommen, glaubt mir, nur eine Frage der Zeit aber da helfen die Sachen aus der Heimat meist nur als Placebo, da sollte man sich zur Not vor Ort was empfehlen lassen oder einfach aussitzen ;) ), Sonnenschutz und Anti-Mücken-Spray (die Stiche entzünden sich schnell und ätzend und seid vorsichtig zwecks Dengue!). Manche nehmen prophylaktisch noch Antibiotika mit aber die könnt ihr da auch rezeptfrei kaufen, wenn ihr das unbedingt wollt!

Sicherheit

Ich habe keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht, weder auf Bali noch auf Java. Objektiv beurteilt ist es kein ganz ungefährliches Unterfangen, da zum einen Naturkatastrophen durchaus nicht unmöglich sind. In Indonesien sind noch sehr viele aktive Vulkane und ich war gerade in der Zeit der schweren Erdbeben vor Lombok dort. Ausläufer habe ich auch gespürt. Ansonsten ist Indonesien eines der ärmsten Länder. Natürlich gibt es bei dem teilweise wirklich erschreckenden Elend und der Armut auch Neid, Diebstähle und Überfälle. Ich habe davon zum Glück nichts mitbekommen, mich nicht unbehaglich gefühlt, aber ich bin auch kein ängstlicher Mensch und auf der anderen Seite auch nicht waghalsig oder zu naiv. Für mich war der wüste Straßenverkehr die größte Gefahrenquelle. Ein wenig aufpassen sollte man aber auf jedem Fall stets, auch vor gepanschtem Alkohol und Drogen, abends nicht allein unterwegs sein.

Geld

Das Leben in Indonesien ist wahnsinnig preiswert. Auf Bali durch den wahnsinnig zunehmenden Tourismus weniger als auf den anderen Inseln aber überall kann man für sehr sehr wenig Geld sich eine gute Zeit machen. Essen, Unterkünfte, Transport, Wellness, Sport, alles ein Bruchteil dessen, was man hier bezahlen würde. Aber hier gilt auch wer wagt, spart. Mehr Sicherheit und Garantie kostet auch hier! Generell hört man immer, werden Touristen meist “ausgebeutet“, was man aber gar nicht merkt, weil es immer noch viel preiswerter ist als zu Hause. Kennt man sich aber etwas aus oder ist mit Einheimischen unterwegs, merkt man den Unterschied und kommt sogar noch preiswerter weg. Beim Handeln, dass man gut können muss, kann man getrost mit der Hälfte des Preises rangehen. Die Währung ist Rupiah, mit einem Umrechnungskurs 1:160.000 (daran muss man sich erstmal gewöhnen, genießt das Gefühl Millionär zu sein). Ich habe immer Geld getauscht, und das auch nur bei Central Kuta Banken vor Ort. Zu Hause oder am Flughafen ist das ungünstig. Ich bin nicht so der Kreditkarten-Freund und ein paar hatten da wohl auch Probleme aber insgesamt natürlich möglich und wenn ihr eine Gute habt, kein Problem. Wenn ihr Geld tauscht, nicht in kleinen Buden, die ziehen einen über den Tisch, nicht für umsonst ist der Tauschkurs dort so verlockend.

Sprache

Die Einheimischen sprechend Indonesisch, was sich von Insel zu Insel auch nochmal etwas unterscheidet. Ich kann lediglich Small Talk Floskeln und ein paar medizinische Fachwörter, die ich dort gelernt habe. Im Krankenhaus und im Alltag kommt man mit Englisch recht gut aus, da Indonesien so lang holländische Kolonie war und es die meisten in der Schule lernen. Auf Bali ist es kein Problem. Die meisten Indonesier auf Java sind allerdings extrem schüchtern und getrauen sich dann oft nicht auf Englisch mit einem zu reden, das ist eine Frage der Zeit und des Feingefühls. Für sie ist man als Tourist eine absolute exotische Spezies und deshalb sind einige nicht so im englisch-unterhalten und generell Kontakt knüpfen geübt. Die Ärzte und Dozenten muss man einfach höflich fragen, allerdings ist es schon auch öfters vorgekommen, dass wir uns 2 Stunden morning reports auf Indonesisch angehört haben. Da muss man Geduld haben, die ist aber generell im Leben auf den Inseln unverzichtbar.

Verkehrsbindungen

Auf die Insel kommt ihr am besten über einen zeitig gebuchten Flug. Reine Flugzeit sind es um die 16 Stunden, aber es gibt keine Direktflüge und schon gar nicht nach Surabaya, auch wenn es die zweitgrößte Stadt Indonesiens ist. Ich bin von Berlin über Qatar nach Bali geflogen, habe da eine Woche Urlaub gemacht, um mich auch erstmal etwas an das Klima und die Kultur zu gewöhnen, und bin dann per Inlandsflug für sage und schreibe 30 Euro, mit Essen und allem, nach Surabaya gereist. Man kann aber auch über die Hauptstadt Jakarta fliegen und als stop-overs bieten sich auch Dubai, Singapur, Thailand an. Auch dort kann man auf Hin oder Rückreise noch ein wenig Zeit verbringen, oder noch einen Abstecher nach Australien machen. Auf jeden Fall sollte man diese lange Reise nicht ungenutzt lassen. Qatar Airways und Turkish, wie auch Singapore Airlines sind sehr gute Fluggesellschaften. Ich habe mit Qatar 900 Euro hin und zurück bezahlt. Es gibt auch noch billigere, oder eben Emirates, aber wie gesagt, über 16 Stunden Flug! Schaut einfach mal bei skyscanner. Der Verkehr auf den Inseln ist über selbst ausgeliehenes Motorrad, Taxi oder Grab (Mitfahrgelegenheit) sehr preiswert möglich. Auf Bali gibt es auch Shuttles. Zug auf Java geht auch, da würde ich aber immer Business-class nehmen, das ist für uns unwesentlich teurer aber doch sehr, sehr viel komfortabler, hygienischer und nicht so unfassbar eng. Die meisten Indonesier sind im Schnitt kleiner und schmaler als wir und haben auch keine Berührungsängste. Von Insel zu Insel gibt es auch Fähren, aber das ist auch etwas waghalsig, da die oft sehr marode sind und der Seegang gern zugunsten des Geldverdienens falsch eingeschätzt wird. Fahrt nur nicht Bus auf Java, das sollten Touristen wirklich nicht machen. Alles andere ist von eurem Bauchgefühl, eurer eventuellen Angst und Präferenzen abhängig. Und noch was - Pünktlichkeit ist sehr, sehr relativ in Indonesien, stellt euch also auf Wartezeiten ein, dafür ist es preiswert und man braucht kaum laufen. Fußwege gibt es eh nicht so wie bei uns, nur auf Bali hier und da Annehmbare. Also wenn ihr gern lauft, Fahrrad fahrt, an der frischen Luft seid, müsst ihr Ausflüge in die Natur machen.

Kommunikation

Auf Bali gibt es überall WLAN und in meiner Unterkunft auf Java auch, aber es empfiehlt sich doch sehr eine indonesische SIM-Karte zu erwerben mit ein bisschen Datenvolumen darauf. Dann ist man im Land erreichbar und mobil und auch zu Hause über whatsapp perfekt erreichbar. Das ist wirklich unverzichtbar und umgerechnet für 12 Euro bezahlbar. Ständiges WLAN haschen macht auf Dauer keinen Spaß. Ich konnte für whatsapp sogar meine deutsche Nummer behalten. Ich habe einfach darüber Nachrichten und Bilder gesendet und hin und wieder bei instagram Bilder hochgeladen. Aber ich bin nicht so der Freund vom exzessiven Bilder und Handy-Wahn. Man sollte wirklich die Zeit nutzen, diese komplett andere Welt erkunden und darin eintauchen. Ich habe lieber Postkarten geschrieben, die brauchen im Übrigen nur 1 Woche nach Hause.

Unterkunft

Die Unterkunft wurde mir gestellt. Ich musste mich dabei um nichts kümmern und war direkt in einer Art Studenten-Hostel/ Mini-Wohnheim, hinter der medizinischen Fakultät. Ich hatte ein kleines Zimmer mit Bett, Schrank, Schreibtisch und Mini-Bad. Es war verhältnismäßig sauber und die Hausfamilie sehr nett. Insgesamt ausreichend. Aber die Familie konnte kein Englisch und da dort am Abend noch etwas unternehmen nicht üblich ist, haben sie immer sehr zeitig einfach Tür und Tor verschlossen (wir hatten nur Schlüssel für die Zimmer). Ich hatte auch kein Fenster, kein Waschbecken, keine Bettwäsche und keinen Spiegel. Warmes Wasser gibt es auf Java generell nicht. Andere hatten auch keine Toilettenspülung. Einer ist freiwillig noch am ersten Tag ausgezogen. Außerdem waren die Unterkünfte wohl alle in „Problembezirken“. Zu mir waren alle Einheimischen nett in der kleinen Straße, aber ich könnte mir auch vorstellen, dass einige, die auch noch nicht groß in arabischen Ländern mit dem Rucksack unterwegs waren, ein mulmiges Gefühl gehabt hätten. Was wirklich etwas anstrengend war, ist, dass überall kleine Moscheen in fast jeder Straße, so auch vor meiner Haustür waren und diese nicht nur wie ich es gewohnt war 5 Mal am Tag zum Gebet rufen, sondern wesentlich öfter und dann immer für eine gute Stunde (auch in der Nacht, um 3, um 5!) laute Rufe spielten.

Literatur

Ich habe ehrlich gesagt, einfach per google die Antworten auf meine Fragen recherchiert und ansonsten vor Ort die Einheimischen gefragt, wenn ich etwas wissen wollte. Für Medizinisches habe ich Amboss auf dem Handy. Bücher sind ansonsten zu schwer und sperrig, wenn man mit dem Backpack unterwegs ist.

Mitzunehmen

Ich habe mich sehr stark beschränkt, hatte nur das Nötigste mit. Man kann dort sehr, sehr preiswert in den überall vorhandenen laundries waschen. Ihr braucht auf jeden Fall auch lange Hosen/Röcke und Blusen/Hemden oder Poloshirts für das Krankenhaus, da Java wirklich streng muslimisch ist. Und natürlich unbedingt den Kittel. Hier achten alle sehr auf Hierarchie und Stand. Ansonsten ist das wieder vollkommen abhängig von dem, was ihr machen wollt. Aber macht euch auf jeden Fall Gedanken vor dem packen!

Reise und Ankunft

Ich empfand es, wie gesagt, als sehr angenehm, eine Woche vor Praktikumsbeginn anzureisen. Andere waren aber auch erst einen Tag vorher da. Ich wurde am Flughafen abgeholt und an meinem ersten Praktikumstag auch zu meinem Supervisor gebracht. Am Anfang ist Surabaya wirklich erschlagend. Eine Millionenstadt voller Autos und Massen, ohne richtiges Straßensystem wie bei uns und der schieren Lebensgefahr bei dem Versuch, die Straßen zu Fuß zu überqueren. Da ist man mehr als dankbar, wenn einen jemand am ersten Tag an die Hand nimmt. Allerdings muss ich hier auch Kritik üben. Meine Kontaktperson hat sich 2 Tage vor meiner Abreise aus Deutschland gemeldet und dringend Dokumente gebraucht, die ich eigentlich schon dem IFMSA geschickt hatte, bzw. was einfach schlecht realisierbar war und mir gedroht, dass das Praktikum dann nicht möglich sei. Sie hat mir erst nach Praktikumsbeginn gesagt, was ich mitbringen muss für zum Beispiel den Eröffnungsabend und immer nur leere Versprechungen gemacht und war die gesamte Zeit meines Aufenthaltes im Urlaub. Das war eine pure Enttäuschung. Eine andere ist für sie vor Ort eingesprungen und hat mich vom Flughafen abgeholt, war aber sonst in der Organisation selbst nahezu planloser als ich. Der LEO vor Ort war eine Studentin, die mir 2 Tage vor Praktikumsbeginn gesagt hat, dass ich jetzt leider doch nicht auf die Chirurgie kann, da dort einmonatige Praktika nicht möglich seien (!). Ich bin dann auf die Gyn und Geburtshilfe, aber den Schock könnt ihr euch vielleicht vorstellen. Ich wusste bis zum ersten Tag früh um 9 nicht, ob alles klappen wird. Auch die restliche Zeit hat sie uns als Gruppe nie rechtzeitig informiert, auf Nachfragen nicht geantwortet, war stets bei Treffen zu spät und hat uns eigentlich nie weiterhelfen können. Sie war selbst immer vollkommen überfordert und gestresst. Deshalb kann ich nur den Tipp geben: versucht euch nicht auf Hilfe zu verlassen, macht selbst Vorkehrungen, fragt die anderen Studenten und macht so viel Druck wie nur geht, vorher wirklich alles fest zu machen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Tätigkeit auf der Gynäkologie und Geburtshilfe hat sich zunächst einmal hauptsächlich auf das Beobachten beschränkt. Ich durfte mir anschauen was ich wollte, vom Stationsbetrieb über die geburtshilfliche Notaufnahme, den OP und die Ambulanz. Jeden Morgen um 7 Uhr war der morning report angesetzt, in dem die Patienten von den Studenten vorgestellt worden und was von dem Arzt in Weiterbildung supervidiert wurde. Danach wurde ich immer verschiedenen Studenten zugeteilt und habe alles Mögliche miterlebt von Spontangeburten, Mehrlingsgeburten über Kaiserschnitte, Hysterektomien, Ultraschall und Vorsorgeuntersuchungen, kleine und große Eingriffe sowie Pflege und Beratung der Frauen. Ich durfte selbst auch bei Operationen assistieren und manuelle Tastuntersuchungen durchführen. Wir waren auch bei allen Diskussionen mit den Ärzten und Fallvorstellungen dabei. Was mir besonders gefallen hat, ist, dass ich einen Einblick in das Klinikwesen und Gesundheitssystem Indonesiens erlangt habe und durchaus einiges gelernt. Man sagt ja immer, man kann den Wohlstand einer Nation an der Müttersterblichkeit ablesen und das stimmt. In Indonesien sterben immer noch viel zu viele Frauen vor, während oder nach der Geburt, was mit religiösen, kulturellen, Bildungs- und Aufklärungsthemen zusammenhängt. Die medizinische Lehre ist gut, die Technik auch absolut nicht schlecht. Leider gab es durchaus Verständigungsprobleme durch mangelnde Englischkenntnisse bzw. indonesisch Kenntnisse meinerseits. Aber was ich wirklich bedrückend empfand sind die Unterschiede in der Empathie und der Arbeitsmoral wie auch dem Hygieneverständnis der Mediziner dort. Der Umgang mit Krankheit und Tod ist augenscheinlich so omnipräsent, dass es selbst Studenten schon vollkommen abgestumpft hat. Es wird nicht im entferntesten so viel Wert auf ein gelungenes Arzt-Patienten-Verhältnis gelegt, wie bei uns. Viel mehr dominiert Hierarchie und Machtrangeleien unter den Ärzten untereinander und auch zur Pflege, wie auch die unausgesprochene Dominanz der Ärzte, die ihre Patienten oft so behandeln, als hätten diese keine eigene Meinung, keine Rechte, einfach wenig menschlich. Dazu scheint oft die Zeit und Einsicht zu fehlen. Das merkt man auch bei Gesprächen mit den Studenten. Diese müssen zwar wesentlich mehr Zeit im Krankenhaus verbringen als wir zu Hause, aber zumeist sind sie recht orientierungs- und motivationslos, nicht zuletzt dadurch sicher begründet, dass die Ärzte und Dozenten meist zu spät oder gar nicht erscheinen und zum Teil sehr ihren Stand heraushängen lassen. Das Austauschstudent bekommt man das nicht zu spüren. Da ist man oft der Star, sobald man den Raum betritt und dann auch wichtiger als der Patient oder die ausgeübte Tätigkeit in dem Moment. Hygiene ist wie gesagt auch ein schwieriges Thema. Es gibt sehr viele postoperative Infektionen, was bei der von mir beobachteten unsterilen Arbeitsweise und mangelnden Desinfektion auch keine Verwunderung hervorruft. Es ist allerdings gut möglich mit den Ärzten in Kontakt zu kommen und solche Probleme auch zu diskutieren, ob es etwas ändert, bleibt offen. Die anderen Studenten waren alle sehr nett zu uns und hilfsbereit. Ihnen haben wir es zu verdanken, dass wir viel sehen und auch viele Ausflüge am Wochenende oder nach dem Dienst unternehmen konnten. Sie haben im Grunde bereitwillig die Aufgabe unserer Kontaktpersonen und Organisatoren übernommen.

Land und Leute

Insgesamt bin ich wahnsinnig glücklich, diese Erfahrung gesammelt zu haben und ein Land, das unterschiedlicher gegenüber unserer Heimat kaum sein kann, kennenzulernen. Indonesien besticht vor allem durch so viel atemberaubende Natur. Wir haben einige Wanderungen auf noch aktive Vulkane und Wasserfällen unternommen, fernab vom Massentourismus, mit den Naturgewalten im Einklang. Wir haben grüne Meere an Reisterrassen und Palmenoasen gesehen. Der Ozean hat mit seinen für Surfen perfekten Wellen Kraft gespendet und ein absolutes Schnorchel- und Tauch-Paradies. Wir waren auf kleinen weiß-sandigen Südseeinseln mit türkisen Wasser, waren zum Paragliding für 25 Euro, haben unendlich viele schöne Sonnenuntergänge gesehen. Auch die Kultur und Religion ist sehr interessant. Der Buddhismus auf Bali, der Islam auf Java. Wir waren in vielen atemberaubenden Tempelanlagen und haben das Leben der jungen Erwachsenen aus anderen Religionen besser verstehen gelernt. Natürlich sind dabei auch Missstände ins Auge gesprungen, die man sonst in 2 Wochen Pauschal-Tourismus auf Bali vielleicht nur erahnt hätte. Denn Indonesien ist ein Land der Extreme. Es zeichnet sich durch atemberaubende Schönheit aus und dann so viel Elend, Armut, Dreck und Krankheit, wie man sich kaum vorstellen vermag. Durch Indonesien fließt der längste Müll-Fluss der Welt. Das zu glauben fällt mir nicht schwer. Wir hatten in Surabaya alle einen kleinen Ausläufer in jedem Viertel. Der Gestank war an manchen Tagen kaum aushaltbar. Es macht einen traurig, wie man die Einheimischen immer weiter einfach jeglichen Müll in die Umgebung werfen sieht, die Plastikflaschen in kristallklares Wasser, Wälder, wie sie auf den letzten lebenden Korallen herumtreten, jeder seine Mülldeponie vor der Wellblechhütte hat, die Kinder, wenn überhaupt, auf Matratzen auf dem Boden schlafen, die Wohnungen verschimmelt, oder einfach obdachlos sind. Und dann hat man da auf der anderen Seite diesen übertriebenen Prunk und Reichtum. Viele der Medizinstudenten hatten eigene Häuser, eigenes Personal, das große Auto mit Fahrer, Einkauf-Malls, die ich so noch nirgendwo in Europa erblickt habe. Aber genau in diesen Malls und Minipalästen verbringen die besser situierten Einwohner ihr ganzes Leben. Zeigen unverhohlen Abscheu oder Gleichgültigkeit der Armut gegenüber, nicht selten auch Rassismus, da viele nie die Grenzen der Insel überschritten haben. So viel unberührte Natur, so viel überfüllte Städte. So viel Freundlichkeit der Menschen auf dem ersten Blick aber auch so viele Vorurteile und leider oft Unzuverlässigkeit auf der anderen Seite. Es ist wirklich schade, dass wir da vor allem von unseren Organisatoren so enttäuscht wurden, die zwar immer gern tausende Bilder mit uns knipsten und veröffentlichten aber ansonsten mit Abwesenheit, Planlosigkeit, Unpünktlichkeit und wenig Einfühlungsvermögen glänzten. Wer nur Urlaub machen will, sollte sich auch nicht über den BVMD auf Indonesien bewerben. Wer neugierig ist und Land und Leute besser kennenlernen will aber wohl. Auch wenn Surabaya an der Küste liegt, gibt es keinen direkten Strand und dann kann man da als Tourist nicht einfach im Bikini antanzen. Das Kontrastprogramm bekommt man dann natürlich auf Bali, dem Mallorca der Australier, oder auch unserem Neuen, so viele Deutsche, wie es dort gibt. Da kann man dann ausgiebig an den Strand und Feiern gehen aber eben auch sich Kultur anschauen und Wassersport betreiben.

Fazit

Zusammenfassend kann ich mich nur bedanken für diese großartige, facettenreiche Erfahrung. Es hat mich erneut sehr unseren Wohlstand und unser Gesundheitssystem schätzen gelernt. Ich habe die Zeit wirklich genossen, tolle Freundschaften in der Austauschgruppe und mit ein paar herzensguten indonesischen Studenten geschlossen. Zudem ist Indonesien natürlich auch eine tolle Möglichkeit mit Studentenbudget Arbeit und Urlaub zu verbinden. Ich habe auch nochmal Einblick in eine Fachrichtung bekommen, die für mich in Zukunft in Frage kommt und somit mich auch in privaten Fragen weiterentwickelt.

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