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Romania (FSMR)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Sandra, Aachen

Motivation

Ich wollte ins Ausland um ein anderes Gesundheitssystem kennen zu lernen und viele nette Leute aus unterschiedlichen Ländern kennenzulernen.

Vorbereitung

Ich habe mich nicht besonders auf den Auslandsaufenthalt vorbereitet. Lediglich benötigt man ein Zertifikat vom Hochschularzt, das einem bescheinigt, dass man weder Tuberkulose noch andere infektiöse Erkrankungen und einen protektiven Hepatitis B Titer hat. Darum sollte man sich frühzeitig kümmern.
Für EU Bürger ist kein VISUM notwendig. Günstige Flüge gibt es zu vielen Rumänischen Flughäfen mit WizzAir ab Dortmund.

Visum

Für EU Bürger ist kein VISUM notwendig. Günstige Flüge gibt es zu vielen Rumänischen Flughäfen mit WizzAir ab Dortmund.

Gesundheit

In Rumänien gibt es alle gängigen Reisemedikamente günstig zu kaufen, weshalb es sich nicht unbedingt lohnt sie in Deutschland einzukaufen. Wer wandern gehen möchte, sollte sich gegen Tollwut impfen (ein Bekannter wurde beim Wandern von einem Hund gebissen und musste aufgrund unklarem Tollwut-Status nachträglich geimpft werden).

Sicherheit

Da Rumänien ein armes Land ist, sollte man auf seine persönlichen Wertgegenstände gut aufpassen. Ich habe mich jedoch stets sicher gefühlt und auch von niemandem gehört, dem etwas passiert wäre. Die meisten Rumänen sind sehr nett und hilfsbereit, auch würde ich Cluj-Napoca als Studentenstadt eher sicher einstufen.

Geld

Die Landeswährung sind Lei, wobei 1€ in etwa 4,65 Lei entspricht. Am einfachsten ist es, mit einer Kreditkarte Geld vom ATM abzuheben, da es hiervon zahlreiche gibt. Lehnt man dann den angebotenen Wechselkurs ab, so erhält man den tatsächlichen, aktuellen Umrechnungskurs, der meist besser ist als in den Wechselstuben.

Sprache

Es wird Rumänisch gesprochen, die meisten jungen Menschen sprechen gutes Englisch. Ältere Menschen sprechen häufig kein Englisch, hier kann es helfen, mit Händen und Füßen zu kommunizieren oder Google translator zu verwenden.

Verkehrsbindungen

Man kann günstig mit Zug oder Bus reisen. Die Züge sind dabei zwar günstiger, aber auch deutlich langsamer als Busse. Außerdem ist Blablacar sehr beliebt und bietet eine gute Möglichkeit, sehr günstig und schnell ans Ziel zu kommen.

Kommunikation

Es gibt von Orange und Vodaphone sehr günstige Prepaid Karten mit großem Datenvolumen (Bsp.: Vodafone 1 Monat Internet 50GB und 500 internationale Freiminuten für 5€). Daher lohnt es sich, die deutsche SIM-Karte durch eine Rumänische zu ersetzen.

Unterkunft

Alle Studenten sind gemeinsam in einem Wohnheim untergebracht. Dabei teilen sich immer jeweils 2 Incomings ein Appartement mit Küche, Bad und Balkon. Die Küchen beinhalten jedoch keine Ausstattung, weshalb es sich empfiehlt einen Topf/Teller/Tasse mitzubringen.

Literatur

Ich habe mir den Marco Polo Reiseführer zu Rumänien besorgt und teils vorher, teils erst vor Ort durchgelesen. Er enthält unter Anderem ein kurzes Vokabular auf Rumänisch. Jedoch ist dies nicht wirklich notwendig und man kommt auch ohne Reiseführer gut zurecht, da die Locals viel Social program organisieren.

Mitzunehmen

Ich hatte sowohl weißen Kittel als auch OP-Bekleidung dabei, wobei ich den Kittel nicht benötigt habe, da man im Krankenhaus Kasak trägt. Ich habe ansonsten eher minimalistisch gepackt, was auch gut war, da es 2 Waschmaschinen auf jeder Etage gab, die meistens frei waren. Sehr nützlich war auch meine Regenjacke und Wanderschuhe, da Rumänien sich wunderbar zum Wandern eignet.

Reise und Ankunft

Ich wurde von meiner Contact person am Bahnhof abgeholt und mit dem Taxi zur Unterkunft gebracht. Von da aus ging es dann auch direkt zum Welcome Dinner. Wäre ich mit dem Flugzeug in Cluj angekommen, hätte man mich sogar vom Flughafen abgeholt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich absolvierte mein Praktikum auf der Herz-Thorax-Chirurgie. Beginnen sollte ich zwischen 8.30 Uhr und 9:00 Uhr. Ich zog mich meistens im Chefarztsekretariat um und ging dann auf Station um auf einen der Ärzte zu warten. Leider hatte ich keinen direkt mir zugeordneten Assistenzarzt, weshalb sich niemand so recht verantwortlich für mich fühlte. So kam es, dass ich ein paar mal nach vergeblichem Warten und Suchen die Station verließ. An einigen Tagen waren jedoch auch örtliche internationale Studenten auf meiner Station, sodass es einen Arzt gab, der sich für unsere Gruppe Zeit nahm und uns ein bisschen was erklärte. Dann gingen wir gemeinsam in eins der Patientenzimmer und sollten eine Anamnese und körperliche Untersuchung des Patienten durchführen, und dies später dem Arzt vorstellen. Dies stellte sich ohne Rumänisch-Kenntnisse ein wenig schwierig dar und auch die internationalen Studenten hatten gewisse Probleme mit der Anamnese, weshalb es zu einer Gruppenaufgabe wurde. Auch an diesen lehrreicheren Tagen konnte ich meist gegen 11.30 Uhr bereits gehen. Ein paar mal folgte ich auch den Ärzten in den Operationssaal, wo ich auf einem Hocker vor Kopf des Patienten stehen und zuschauen durfte. Allerdings durfte ich mich nicht einwaschen und es wurde auch nichts erklärt. Auf meine Fragen folgten nur sehr knappe genuschelte Antworten, woraus ich schloss, dass meine Fragen nicht erwünscht waren. Vielleicht lag dies allerdings auch an den teilweise nicht so guten Englisch-Kenntnissen. Die Anästhesisten waren dabei die einzigen Ärzte, die bereitwillig ein bisschen was erklärten. Ich sah zwei Aortenklappen-Prothesen Operationen und eine Bypass-Operation. Einmal durfte ich auch bei einer Fallot-Tetralogie-OP eines Kindes zuschauen. Alle Herzoperationen sind recht langwierig, da allein das Anschließen der Herz-Lungen-Maschine schon einiges an Zeit kostet. Eine nette Assistenzärztin hatte mir zuvor erklärt, wie wichtig es ist, vor Beginn einer Herzoperation mögliche Infektionsquellen wie Harnwegs- und Hautinfekte auszuschließen. Daher verwunderten mich die Hygienestandards, die doch deutlich niedriger als in Deutschland sind. So werden ZVK-Nadeln beim selben Patienten bei mehrfachen Versuchen häufig wieder verwendet bis es klappt und nach den Desinfektionsspendern muss man fast schon suchen. In der letzten Woche sollte jeder Student einen kurzen 5-minütigen Case-Report halten. Diesen hatte ich mit der Hilfe eines netten Assistenzarztes und einer alten Patientenakte verfasst.

Land und Leute

Ich war ein paar Tage vor Beginn des Austauschs in Sibiu. Dort eignet sich Palatinis als guter Ausgangspunkt für Wanderungen. Überdies gibt es das Astra Museum, ein Freilichtmuseum über das Leben früher. Die Burg Cisnadie, die knapp 12 km von Sibiu entfernt ist, kann mit dem Fahrrad bequem erreicht werden und lohnt einen Besuch.
Der zweite Trip des National social programs ging nach Brasov. Dort kann man in Sinaia das Schloss Peles sehen. Insbesondere die Inneneinrichtung ist sehr beeindruckend. Nahe Sinaia befindet sich der Ort Busteni, der mit dem Zug von Brasov erreicht werden kann. Von dort aus führen zahlreiche beeindruckende Wanderwege, unter Anderem zum Omo Peak. Möchte man den gesamten Berg an einem Tag auf- und wieder absteigen, sowie die Aussicht gemütlich genießen, sollte man bereits gegen 5 Uhr morgens loswandern (wurde mir von mehreren Wander-Erfahrenen empfohlen). Da ich den ersten Zug von Brasov genommen hatte, war ich gegen 8 Uhr im Ort und gegen 8.30 am Parkplatz bei der Gondel, wo auch ausführliche Wanderkarten hängen. Daher entschloss ich mich, mit der Gondel hochzufahren und dort dann weiter zu wandern, was sich als eine wunderschöne Route erwies und sehr empfehlenswert ist. Jedoch begegnete ich ein paar herrenlosen Hunden, was ich ein wenig gruselig fand. Insbesondere als ich später von jemandem erfuhr, der beim Wandern von streunenden Hunden gebissen wurde. Es empfiehlt sich daher, einen Wanderstock dabei zu haben, da dieser die Hunde abschreckt und man ihn auch zur Verteidigung verwenden kann. Oben beim Omo peak gibt es auch ein Wander-Refugium, in dem für 35 Lei sehr einfach genächtigt werden kann. In der Umgebung um Brasov gibt es außerdem das Bran Schloss, welches als Heimat des Dracula gilt und ebenfalls einen Besuch lohnt. Für Wander-Interessierte lohnt sich ebenfalls ein Abstecher nach Poiana Brasov, von wo aus der dortige Berg erklommen werden kann (etwa 2-3 h pro Weg). Am dritten Wochenende organisierte unser Local Committee einen Trip in die Region Maramures. Dort besuchten wir die Stadt Baia Mare, was sich meiner Meinung nach nicht so sehr lohnte. Dort aßen wir allerdings in einem sehr schönen traditionellen rumänischen Restaurant. Auch ging es zum Bodi Lake an der ukrainischen Grenze. Auch der Merry Cemetery war eins meiner persönlichen Highlights, genauso wie die Fahrt mit dem Steam train dort. Wenn man im Juli/August in Cluj-Napoca ist, sollte man auch die Daten des Untold-Festivals checken, welches etwa 7 Minuten Fußweg vom Studentenwohnheim stattfand.
Leute: Meiner Erfahrung nach sind die meisten Rumänen sehr hilfsbereit und bemüht, einem mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Das Local Comittee in Cluj-Napoca ist ebenfalls sehr engagiert.

Fazit

Meine Erwartungen, eine gute Zeit mit vielen internationalen Studenten zu verbringen, wurden erfüllt. Da ich von vornherein keine großen Erwartungen ans Krankenhaus hatte, war ich nur ein wenig enttäuscht, dort nicht wirklich was gelernt zu haben.

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