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France (ANEMF)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Meine Motivation, eine Famulatur im Ausland zu absolvieren, war es zum einen, meine Sprachkenntnisse wieder etwas aufzufrischen und zum anderen, mal ein anderes Gesundheitssystem zu entdecken. Frankreich habe ich ausgewählt, da ich schon immer eine Affintät zu diesem Land hatte und die Sprache aufgrund eines zweimonatigen Aufenthaltes zu Schulzeiten gut beherrsche. Mir war es wichtig, die Landessprache zu können, um auch fachlich maximal von dem Austausch profitieren zu können.

Vorbereitung

Ich habe bereits im zweiten Studiensemester durch einen Infoabend von der BVMD und der Möglichkeit, über diese studentische Vereinigung eine Auslandsfamulatur zu machen, erfahren. Für mich stand seitdem fest, dass ich das irgendwann im Laufe des Studiums machen möchte. Die Auslandsfamulatur über die BMVD ist absolut zu empfehlen- der organisatorische Aufwand und die Kosten halten sich absolut in Grenzen und es hat viele Vorteile: die direkte Vermittlung eines Praktikumsplatzes, kostenlose Unterkunft, Kontakte vor Ort… das einzige, was vom organisatorischen etwas schwierig war in Bezug auf Frankreich- die ANEMF fordert ein Empfehlungsschreiben auf französisch. Hierfür muss man dann erstmal einen französischsprechenden Arzt/Professor ausfindig machen. Der Umstand, dass die Praktikumszusagen immer in der Weihnachtszeit kommen, erleichtert dies nicht. Hierum sollte man sich also nach Möglichkeit schon im Voraus kümmern. Hier vielleicht als Tipp: man kann auch Ärzte um das Empfehlungsschreiben bitten, die man aus der Famulatur kennt. Das st möglicherweise unkomplizierter als Professoren der Uni!
Was meine sprachliche Vorbereitung auf den Austausch angeht, habe ich über das Sprachzentrum meiner Heimatuni (Würzburg) einen Französischkurs für Mediziner gemacht. Das war ganz hilfreich, um schonmal ein paar Vokabeln zu lernen und auch um das Studiensystem und die Organisation im Krankenhaus schon etwas kennenzulernen. Ansonsten ist es, insbesondere wenn man in der Inneren famuliert, auf jeden Fall empfehlenswert, sich schonmal Abkürzungen für gängige medizinische Begriffe, Laborwerte oder ähnliches aufzuschreiben. Franzosen lieben ihre „abréviations“ und die unterscheiden sich doch nicht selten von unseren!

Visum

Für Frankreich ist es nicht notwendig, ein Visum zu beantragen ;)

Gesundheit

Wenn man alle in Deutschland allgemein empfohlenen Impfungen, sowie Hepatitis A und B hat, ist man für Frankreich ausreichend gerüstet! Zusätzliche Tests wie ein Tuberkulose-Test bzw. ein Röntgen Thorax zum Ausschluss einer Tuberkulose sind für Frankreich nicht erforderlich.

Sicherheit

Es ist, denke ich, empfehlenswert eine für das Ausland gültige Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen. Dies kann man zum Beispiel für wenige Euro bei der Ärztefinanz. Ansonsten ist in Frankreich nichts weiter zu beachten.

Geld

Da man in Frankreich auch mit Euro zahlen kann, ist das alles ganz unkompliziert ;) Die Lebenskosten sind auch in etwa vergleichbar mit Deutschland- Lebensmittel, Sprit und die Getränke in Bars sind tendenziell ein wenig teurer.

Sprache

Für ein Praktikum, insbesondere in einem Fach mit Patientenkontakt, ist es auf jeden Fall empfehlenswert, gute Französischkenntnisse zu haben. Natürlich sprechen auch viele Menschen in Frankreich Englisch, allerdings ist das Fremdsprachniveau insgesamt doch etwas schlechter als bei uns, denk ich.

Verkehrsbindungen

In Rennes kann man sehr gut Rad fahren (hierfür gibt es auch viele Radleihstationen). Außerdem gibt es eine Metro und natürlich Busverbindungen. Hierbei sind Einzelfahrten relativ teuer. Daher ist es empfehlenswert, sich kostenlos in einer Boutique von STAR (dortiges Verkehrsunternehmen) z.B. am Bahnhof eine „Carte KORRIGO“ ausstellen zu lassen. Damit kann man dann für etwa 30 Euro den ganzen Monat alle öffentlichen Transportmittel nutzen.

Kommunikation

Durch die neuen europäischen Verträge kann man ja nun in Frankreich kostenlos die Mobilfunknetze nutzen. Ich habe allerdings nur ein sehr geringes Datenvolumen und hatte in meiner Unterkunft kein W-LAN. Um trotzdem Zugang zum Internet zu haben, um mal seine Mails zu checken oder ähnliches, sind die öffentlichen Bibliotheken ein guter Tipp. In der Bibliothek „Les champs ibres“ in Rennes gibt es beispielsweise PC’s, die man kostenlos nutzen kann und man kann auch mit eigenen Geräten, unbegrenzt das W-Lan nutzen.

Unterkunft

In Frankreich bekommt man kostenlos eine Unterkunt zu Verfügung gestellt. Ich habe bei einer Medizinstudentin gewohnt, die selbst zuvor einen Austausch über die IFMSA gemacht hat und hatte dort mein eigenes Zimmer.

Literatur

Ich habe im Vorfeld einen Kurs "Französisch für Mediziner" am Sprachzentrum meiner Universität besucht und hatte daher etwas Material. Das war sehr hilfreich. Es gibt aber auch viele Bücher zum eigenständigen Erlernen der französischen Fachbegriffe auf dem Markt!

Mitzunehmen

Oft werden bei den Austauschen internationale Abende gemacht, an dem jeder Speisen oder Getränke aus seinem Heimatland mitbringt. Es lohnt sich also vielleicht, eine kleine landestypische Leckerei mit einzupacken! Außerdem denkt an eine kleine Aufmerksamkeit für eure Gastgeber! Als deutsche Studierende müssen wir ja unsere Unterkunft nicht zu Verfügung stellen oder bekommen Geld, wenn wir es tun. In Frankreich stellen die Studenten, die einen Austausch gemacht haben, unentgeltlich ihre Wohnung zu Verfügung. Da ist eine kleine Aufmerksamkeit ganz nett. Ansonsten sollte man an sein Werkzeug denken- Stethoskop, Reflexhammer,… ob Arbeitskleidung notwendig ist, man man sich erkundigen. Ich habe nichts mitbringen müssen.

Reise und Ankunft

Ich bin mit dem Auto angereist und bin daher nicht extra empfangen worden. Die anderen Incomings wurden aber teilweise auch von ihren Kontaktpersonen vom Bahnhof/Flughafen abgeholt. Das muss man individuell absprechen! In der Regel habt ihr schon einige Wochen vor Praktikumsbeginn Kontakt zu den LEOs oder eurer Kontaktperson. Was den Praktikumsstart anging, haben wir ca. eine Woche vor Beginn den Kontakt von dem Chefarzt der Abteilung bekommen und sollten ihm dann selbst eine Mail schreiben, um Beginn und Treffpunkt am ersten Praktikumstag zu erfahren! Das hat gut geklappt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe mein Praktikum in der „Médecine interne“ gemacht. Hier gleich ein kleiner Hinweis- in Frankreich ist dies der Immunologie und Rheumatologie, wie ich dann zu Beginn meinem Praktikums festgestellt habe ;) Eine allgemeine Station für innere Medizin, wie man sie in den peripheren Krankenhäusern in Deutschland häufig findet, würde man als „Médecine polyvalente“ bezeichnen. Gut, das musste ich erstmal herausfinden. Im Studium war ich jetzt eher kein riesiger Fan der Immunologie, aber letztendlich hat es mir auf der Station trotzdem sehr gut gefallen. Zum Einen hatten wir ohnehin auch viele Patienten mit anderen internistischen Krankheitsbildern. Zum anderen konnte ich mir nun zu manchen Erkrankungen wie der Dermatomyositis, der Sklerodermie und ähnlichem, die mir im Studium immer sehr abstrakt vorkamen, nun mal ein Bild machen.
Mein Arbeitsbeginn und der der Ärzte ist um 9 Uhr gewesen- ungewohnt spät aus deutscher Sicht, aber das freut vielleicht den ein oder anderen Langschläfer ;)
Ansonsten ist noch gut, sich ein bisschen mit dem Studiensystem auszukennen, um zu wissen, was die Funktion der Leute im Krankenhaus so ist. In Frankreich ist das Studium in 3 Etappen gegliedert. Zunächst hat man die ersten zwei Jahre- ähnlich wie in Deutschland- auch alle Grundlagenfächer. Ab dem 3. Jahr geht es mit den richtigen klinischen Fächern los und man arbeitet dann parallel zu den Unterrichtsstunden, die hauptsächlich abends stattfinden, als „Externe“ im Krankenhaus. Dabei ist es abhängig von der Station, ob die Studenten Halbtags oder Vollzeit da sind. Die Aufgabe der „Externes“ ähnelt unseren Aufgaben in der Famulatur und im PJ- man macht je nach Kenntnisstand z.B. Demenztests, Orthostasetests, EKGs, begleitet die Ärzte auf Visite oder untersucht eigenständig Patienten und berichtet dann seine Ergebnisse dem Arzt. Das sind auch so ungefähr die Dinge, die man auf Station machen kann. Blut abnehmen im Gegensatz dazu ist in Frankreich nicht Aufgabe der Medizinstudenten, sondern der Krankenschwestern. Wenn man Lust darauf hat und nachfragt, darf man da aber sicherlich auch helfen. Zudem übernehmen die „Externes“ noch einige verwalterische Aufgaben, wie das Aufräumen der Krankenakten, das Anrufen der Hausärzte zur Befundübermittlung oder ähnliches. Das blieb mir als ausländische Studentin aber erspart ;)
Hat man in Frankreich dann letztendlich das 6. Studienjahr beendet, schreibt man einen großen Abschlusstest, anhand dessen Ergebnis man danach seine Spezialisierung wählen kann- beliebte Spezialisierungen oder Studienorte bleiben dann den Studenten mit guten Noten vorbehalten. Einmal mit der Spezialisierung begonnen, ist man in Frankreich „Interne“- man übernimmt quasi alle Aufgaben, die in Deutschland die Assistenzärzte übernehmen, allerdings ist man formal weiterhin Student. Man wird also gleichzeitig für seine Arbeit im Krankenhaus bezahlt, muss aber weiterhin Semestergebühren zahlen. Na ja, hiermit wisst ihr dann also Bescheid, mit wem ihr es im Krankenhaus hauptsächlich zu tun habt ;) Ansonsten gibt es eben noch die Ärzte, die ihre Spezialisierung abgeschlossen haben. Die kommen aber auf Station nur mal zur Visite vorbei und sind sonst mit Konsilen beschäftigt. Hier lohnt es sich aber vielleicht auch, ab und an mal mitzugehen.

Land und Leute

Das Sozialprogramm in Rennes wurde von den französischen Studenten sehr umfangreich und abwechslungsreich gestaltet und zudem sehr spontan unseren individuellen Wünschen angepasst. Schon einige Tage vor Praktikumsbeginn haben die LEOs uns einen kleinen Flyer geschickt mit den Plänen für das Sozialprogramm. Hierbei hatten sie für jedes Wochenende etwas vorgesehen und man sollte dann jeweils Bescheid geben, ob man mitkommt. Ich habe noch einige Freunde in der Region, da ich in der Schulzeit für zwei Monate in der Nähe von Rennes war und war daher nicht bei allen Wochenendausflügen dabei, was aber auch völlig in Ordnung war! Die konkreten Treffpunkte und Zeiten wurden häufig recht spontan vereinbart. Daher braucht man auf jeden Fall ein gutes Kommunikationsmedium- in Frankreich beliebt ist der facebook messenger. Es lohnt sich also, sich den vor Anreise noch kurz herunterzuladen, falls man ihn in Deutschland nicht nutzt ;) Letztendlich war ich bei zwei Wochenendtrips dabei- an einem Wochenende waren wir in Lorient, einer Stadt an der Südküste der Bretagne. Dort waren wir auf einem großen Festival mit einem Mix aus moderner und traditionsreicher, keltischer Musik- das war eine tolle Gelegenheit, mal ein bisschen was von der in der Bretagne noch präsenten keltischen Kultur zu erfahren. Ansonsten haben wir zum Beispiel auch eine U-Boot-Station aus dem 2.Weltkrieg besichtigt und waren am Strand. Ein anderes Wochenende sind wir gemeinsam an einen Küstenabschnitt gefahren, und haben gepicknickt, sind einen Abschnitt des Küstenwanderwegs der Bretagne gelaufen und haben am Strand die Sonne genossen. Wie man schon raushört, ist das Programm also wirklich sehr abwechslungsreich gestaltet, sodass auf jeden Fall für jeden was dabei ist! Abgesehen von den Wochenendtrips haben wir auch ab und an unter der Woche etwas in großer Runde unternommen z.B. einen internationalen Abend, an dem jeder ein für sein Heimatland typisches Gericht gekocht hat.
Ansonsten haben wir auch noch einiges unter Incomings unternommen. Wir waren alle stadtnah untergebracht, wodurch man sich gut am Abend noch spontan in der Stadt treffen konnte. Rennes ist zudem auch eine überschaubare Stadt, wodurch alles mit Fahrrad oder eben der Metro gut erreichbar ist! Besonders toll fand ich es zudem, dass den kompletten Monat August eine Veranstaltungsreihe stattgefunden hat (transat ville) mit kostenlosen Konzerten und Lichterspielen in der Innenstadt.

Fazit

Ich würde auf jeden Fall wieder eine Auslandsfamulatur machen und kann Rennes als Stadt auf jeden Fall empfehlen. Ich finde, die Auslandsfamulatur über die Bvmd ist einfach eine tolle Gelegenheit, ein anderes Gesundheitssystem und eben auch die Region, die Menschen und die dortige Kultur kennenzulernen. Nun ist Frankreich ja unser Nachbarland und dennoch unterscheidet sich die Organisation des Medizinstudiums und die Funktion der Mitarbeiter im Krankenhaus an einigen Stellen deutlich.

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