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France (ANEMF)

Anästhesie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Solveig, Leipzig

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Motivation

Schon länger wollte ich eine Famulatur im Ausland machen um dort praktische Erfahrung zu sammeln, sowie Land und Leute kennenzulernen. Mir persönlich war es wichtig neben einem Interesse an dem Land auch gewisse Grundkenntnisse der Landessprache bereits zu beherrschen, um im Krankenhaus möglichst selbstständig arbeiten zu können. Somit fiel meine Wahl auf Frankreich (meine angegebenen Wünsche: Marseille, Montpellier und Rennes).

Vorbereitung

Meine Vorbereitungen auf den Auslandsaufenthalt bestanden hauptsächlich aus dem Bewerbungsprozess über die BVMD (Sprachnachweis in Französisch und Englisch, LoM…). Auf der Website der ANEMF steht, dass für die Bewerbung in Rennes ein Skype-Interview erforderlich sei, dieses wurde aber nie eingefordert und hat auch bei den anderen Austauschstudenten nicht stattgefunden.

Visum

Für eine Famulatur in Frankreich ist für Europäer kein Visum erforderlich.

Gesundheit

Ich hatte bereits für vorangegangene Reisen eine Auslandsversicherung über meine Krankenkasse abgeschlossen. Die Impfempfehlungen decken sich größtenteils mit denen in Deutschland und es waren keine weiteren Untersuchungen gefordert.

Sicherheit

Die Sicherheitslage in Rennes meiner Meinung nach vergleichbar mit deutschen Städten und ich habe mich auch wenn ich nachts alleine unterwegs war sicher gefühlt. Auffallend fand ich wie in vielen französischen Städten eine hohe Polizeipräsenz.

Geld

In Frankreich ist es üblich überall mit Karte zu zahlen, aber Barzahlung ist auch möglich. Es gibt an fast jeder Ecke Automaten zum Geld abheben.
Die französischen LEOs haben jedem Austauschstudenten 100€ (dies sollte etwa den Kosten für eine Mahlzeit am Tag entsprechen) gezahlt.
Ich empfand die Preise für Lebensmittel in französischen Supermärkten geringfügig höher (dafür insbesondere bei Käse/Fisch bessere Qualität), die Getränke in Bars im Vergleich zu Leipzig höher. Insgesamt habe ich mehr Geld als in Leipzig ausgegeben, aber das lag wohl eher an zahlreichen Besuchen der Crêperien/Bars von Rennes.

Sprache

Französisch! Ich hatte durch die Schule ein gutes Basislevel, konnte mich so ganz gut verständigen. Ansonsten war ich aber auch überrascht wie schnell man in nur einem Monat in die Sprache reinfindet. Das Buch ‚Französisch für Mediziner‘ hilft die vielen französischen Abkürzungen im Krankenhaus-Alltag zu verstehen. Andere Austauschstudenten kamen auch mit einem geringeren Französischlevel zurecht (die französischen Studenten oder junge Ärzte können meist Englisch).

Verkehrsbindungen

Ich komme aus Freiburg nahe der französischen Grenze, sodass es nicht weit nach Colmar ist. Von Colmar aus bin ich mit dem TGV nach Paris. Dort habe ich mit der Metro den Bahnhof gewechselt und bin dann weiter mit dem TGV nach Rennes. Die Fahrt hat insgesamt nur 5h gedauert. Die TGV-Tickets habe ich über OUIGO (eine Marke der SNCF) gebucht. Dort gibt es auch kurzfristig billige TGV-Tickets, unter 27Jahren erhält man noch Preisreduktionen. Gepäck sollte man mit angeben (+5Euro) ansonsten zahlt man vor Ort zusätzlich. Ich kann die Anreise mit dem TGV nur empfehlen, für die Hinfahrt Colmar-Rennes habe ich über OUIGO nur 25euro gezahlt.
In Rennes fahren zahlreiche Busse und es gibt ein sehr gutes Metronetz (Metroticket für 1h für 1,50€, bei uns wurde oft kontrolliert). Außerdem gibt es in und ums Zentrum Stationen mit Leihrädern. Ich hatte das große Glück das Fahrrad meiner Gastgeberin den Monat über nutzen zu dürfen.

Kommunikation

Meine Gastgeberin hatte in der Wohnung eine WLAN-Verbindung. Eduroam hat bei mir auf dem Gelände von Villejean (eines der Krankenhäuser bei der medizinischen Fakultät) nicht funktioniert. Durch die EU-Roaming-Regelung fallen in Frankreich keine zusätzlichen Gebühren bei der Datennutzung an.

Unterkunft

Die Unterkunft wurde von den LEOs vor Ort organisiert. Alle Austauschstudenten kamen bei französischen Medizinstudenten unter. Meine Gastgeberin war über den Zeitraum selber unterwegs und hat mir ihre Einzimmerwohnung zur Verfügung gestellt. Ich hatte großes Glück, die Wohnung lag sehr zentral und der Kontakt zu meiner Gastgeberin war unglaublich freundlich. So durfte ich ihr Fahrrad ausleihen und sogar eine Woche länger in der Wohnung bleiben.

Literatur

Ich habe mir das Taschenbuch ‚Französisch für Mediziner‘ gekauft. Da die Famulatur im August schon bald nach den letzten Klausuren in Deutschland stattfand hatte ich nicht viel Zeit mich darüber hinaus mit dem Fach/ der Sprache zu beschäftigen.

Mitzunehmen

Da ich meine Famulatur in Anästhesie über ausschließlich im OP war bekam ich im Krankenhaus OP-Kleidung und Schuhe gestellt.
Am Besten Kleidung für jedes Wetter mitnehmen. Bei uns hatte es in der ersten Augustwoche über 30Grad, in den folgenden Wochen wurde es aber vor allem abends kühl, geregnet hat es nur selten.

Reise und Ankunft

Meine Gastgeberin war im August die meiste Zeit unterwegs, stattdessen haben mich ihre Mutter und Schwester vom Bahnhof abgeholt und mir ‘meine‘ Wohnung gezeigt. Es war ein sehr netter Empfang, am Abend wurde ich von der Familie noch zum Crêpes Essen eingeladen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Uns wurde von der französischen Leo nahegelegt uns im Voraus bei dem Chefarzt der Station per Mail anzukündigen und alles Weitere abzusprechen. Es gibt mehrere Lehrkrankenhäuser in Rennes, ich habe einen Platz in Villejean in Anästhesie bekommen. Die Leiter der Anästhesie waren im August in Ferien, sodass ich mich erst am ersten Praktikumstag im Sekretariat der Anästhesie vorgestellt habe, die mich an die Anästhesisten im OP übergeben haben.
Während die anderen Austauschstudenten hauptsächlich mit den Externes (Medizinstudenten) unterwegs waren, war ich im August die einzige Studentin in der Anästhesie. Am ersten Tag wurde mir erklärt, dass ich mich vor allem an die Anästhesieschwestern und die Internes (Assistenzärzte) halten solle. In Frankreich haben die Anästhesieschwestern einen großen Aufgabenbereich, vom Vorbereiten des OP-Saales, Intubieren, bis zum Überwachen der Narkose bei unkomplizierten Eingriffen. Sowohl die Schwestern als auch die zwei Internes auf Station waren sehr nett zu mir und haben sich viel Zeit genommen um mir Sachen zu erklären. In den vier Wochen Famulatur war ich die meiste Zeit über gemeinsam mit ihnen unterwegs. Wir haben eine anästhesiebezogene Anamnese gemacht, den Patienten in den OP-Saal transferiert, überwacht und die Anästhesie eingeleitet usw. Die Internes haben außerdem einen Großteil der lokoregionalen Nervenblockaden ausgeführt. Im Laufe der Wochen konnte ich immer mehr Praxiserfahrung sammeln, wie z.B. die Maskenbeatmung, eine Larynxmaske einführen, ab und zu durfte ich sogar unter Aufsicht intubieren. In der zweiten und dritten Woche war es manchmal etwas langweilig im OP, es gab nur wenige Patienten, sodass wir viel Zeit mit Warten verbracht haben. Der Vorteil bei Anästhesie ist, dass man auch immer den chirurgischen Teil mitbekommt. Falls es von Seiten der Anästhesie wenig zu sehen gab, habe ich auch gerne bei der chirurgischen Seite zugeschaut. Ich war im OP ‘Cur‘ eingeteilt, dort fanden vor allem Unfallchirurgische Interventionen, visceralchirurgische Eingriffe sowie Transplantationen statt. Insgesamt hat mir die Famulatur in der Anästhesie viel Spaß gemacht, insbesondere durch die zwei Internes, die mich immer mehr in ihre Arbeit mit einbezogen haben.
Mein Dienst fing jeden Morgen um 8.00h an, um 8.15 gab es eine Morgenbesprechung. Da ich die einzige Studentin auf Station war wurden mir keine genauen Arbeitszeiten vorgeschrieben und die Internes haben mir offen gestellt wann ich gehen möchte. Ich bin als bis zur Mittagspause um 13h geblieben und abhängig von der OP-Planung bin ich nachmittags oft noch geblieben um mehr sehen zu können.

Land und Leute

Wir waren im August vier Austauschstudenten in Rennes. Unsere Gruppe bestand aber außerdem aus einigen französischen Studenten, die zum Beispiel selber einmal an einem SCOPE teilgenommen hatten. Die drei LEOs haben für uns ein umfangreiches Sozialprogramm geplant, jedes Wochenende wurden uns Ausflüge in und um Rennes vorgeschlagen. Da wir uns untereinander sehr gut verstanden haben, haben wir auch unter der Woche viel zusammen unternommen. Zu empfehlen sind zum Beispiel die täglich stattfindenden Lichtinstallationen im August (‘Illuminations‘) vor dem Parlament, Open-Air-Konzerte vor dem Rathaus (‘Transat en ville‘), sowie zahlreiche Crêperien oder Bars in der ‘rue de la soif‘ bzw. am place Sainte-Anne.
Da ich noch Freunde aus der Bretagne kenne habe ich diese oft besucht und nur teilweise am Sozialprogramm an den Wochenenden teilgenommen. An einem Wochenende waren wir auf einem keltischen Festival in Lorient einem kleinen Ort am Atlantik. Die Stimmung dort war unglaublich, viel Live-Musik zu der Alt und Jung gemeinsam traditionelle Tänze getanzt oder es zumindest versucht haben. Einer der französischen Studenten hat uns alle über das Wochenende in seinem Elternhaus in Lorient beherbergt, inklusive Barbecue im Garten und Ausflug zum Strand. Noch mehrere Male im Laufe meines Aufenthaltes konnte ich solch eine Gastfreundschaft in der Bretagne erleben, die dort oft als selbstverständlich angesehen wird. Am Sonntag haben wir U-Boot-Bunker, riesige Gebäudekomplexe aus Beton, besichtigt, die im zweiten Weltkrieg unter deutscher Leitung erbaut wurde und als wichtiger U-Boot-Stützpunkt am Atlantik dienten. Außerdem standen auf dem Programm ein Ausflug nach St Malo, einer Bootsfahrt auf der Brière, der ‘Marché des Lices` in Rennes, Picknick im Park Thabor und an einem See in der Nähe von Rennes (Etangs d’Apigné), sowie eine kleine Wanderung an der Pointe du groin, einer felsigen Landzunge am Ärmelkanal. Für unsere Ausflüge haben die französischen Studenten meist Autos organisiert, viel Orte in der Umgebung sind aber auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln/ Blablacar erreichbar. Gerne möchte ich das nächste Mal in der Bretagne noch Mont Saint Michel besuchen, eine Felseninsel nordöstlich von Rennes, die wir bei unseren Ausflügen zum Teil aus der Ferne sehen konnten. Ein Monat reicht sicher nicht aus um all die schönen Ecken der Bretagne kennenzulernen, aber durch das Engagement der französischen Studenten haben wir viel in und um Rennes gesehen und erleben dürfen.

Fazit

Meine Erwartungen wurden auf jeden Fall übertroffen, das Praktikum hat mir gut gefallen. Außerdem habe ich wunderbare Menschen kennengelernt mit denen ich eine tolle Zeit in der Bretagne verbracht habe.

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