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Nepal (NMSS)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Ann-Christin, Düsseldorf

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Motivation

Ich hatte das Glück bisher einige Male für längere Zeit im Ausland zu leben und zu arbeiten. Jedes Mal habe ich eine Menge dazugelernt und mich persönlich weiterentwickelt. Ein asiatisches Land habe ich bisher noch nicht bereist und Nepal wurde mir von mehreren Seiten aufgrund seiner Gastfreundschaft und seiner ausgezeichneten Trekkingrouten weiterempfohlen.

Vorbereitung

Insgesamt war es relativ unkompliziert sich für Nepal vorzubereiten. Ich habe mich im Vorhinein ein bisschen mittels Reiseführer und Sprachführer eingelesen. Sich Nepali anzueignen ist ein eigenes Studium, glücklicherweise sprechen aber die meisten Nepalesen Englisch.

Visum

Am einfachsten lässt man sich das Visum am Flughafen ausstellen. Man hat die Wahl zwischen einem 15-, 30- und 90-tägigen Visum. Ich musste aufgrund meines 40-tägigen Aufenthalts das 90-tägige Visum beantragen, das 90 Euro gekostet hat.

Gesundheit

Zunächst habe ich mich um eine Auslandskrankenversicherung gekümmert. Die Apo-Bank bietet eine Versicherung mit zusätzlichem Schutz während der Famulatur selbst an. An Impfungen fehlten mir noch Tollwut und Japanische Enzephalitis. Leider habe ich mich zu kurzfristig um die Impfungen gekümmert und bin letztendlich ohne Tollwutschutz losgeflogen. Zwischen den Straßenhunden und Affen habe ich mich dann teilweise relativ unwohl gefühlt. Kümmert euch also frühzeitig darum.

Sicherheit

Ich habe mich in Nepal zu jeder Zeit auch als Frau sehr sicher gefühlt. Es gilt die Grundregel ohne Schmuck und wenig Geld rumzulaufen. Für den Bus und Kleinigkeiten am Kiosk hatte ich immer ein bisschen Wechselgeld in meiner Hosentasche. Im Touristenviertel Thamel in Kathmandu wird man an jeder Ecke angesprochen, um irgendetwas zu kaufen. Das ist auf Dauer nervig und unangenehm. Man geht am besten gar nicht darauf ein und läuft einfach weiter.

Geld

In Nepal bezahlt man mit nepalesischen Rupien. Dollar und Euro sind aber auch immer gerne gesehen. 80 Rupien entsprechen ca. 1 Euro bzw. 100 Rupien einen Dollar. Am Anfang finde ich es immer schwierig einzuschätzen wieviel man für ein Taxi, Wasser etc. bezahlen sollte. Als Nicht-Nepali wird einem am Anfang natürlich erst einmal ein höherer Preis genannt. Dann muss man anfangen zu handeln und wird mit der Zeit auch immer besser. Eine Taxifahrt innerhalb Kathmandu kostet eigentlich nicht mehr als 500 Rupien. Kreditkarten werden nur in wenigen Restaurants und Geschäften akzeptiert. Am besten holt man sich einen relativ hohen Betrag von der Bank ab, denn unabhängig vom Betrag bezahlt man immer 500 Rupien Bearbeitungsgebühr. Die meisten Banken sind auf 10000 Rupien begrenzt. Es gibt aber auch Banken z.B. die Nabel-Bank bei der man höhere Beträge abholen kann. Sich im Vorhinein Rupien in Deutschland zu besorgen macht keinen Sinn und ist auch nicht möglich.

Sprache

Mit Englisch kommt man zumindest in den Städten während des Alltags sehr gut zurecht. Natürlich freuen sich die Nepalesen über jedes Wort Nepali und Namaste (Hallo und Tschüss) gehört zum täglichen Sprachgebrauch dazu. Im Krankenhaus ist es schon ein bisschen schwieriger. Die Patienten sprechen kaum Englisch und das Englisch der Ärzte ist oft schwierig zu verstehen. Man gewöhnt sich nach einer Weile an die Aussprache und man kann die Nepalesen natürlich immer freundlich darum bitten etwas langsamer zu sprechen.

Verkehrsbindungen

Nach Nepal selbst habe ich einen günstigen Flug von Amsterdam über Indien gefunden. In Kathmandu kommt man am besten zu Fuß oder mit Taxi von A nach B. Wenn man einmal herausgefunden hat, wo die Busse abfahren und in welche Richtung es gehen soll, kommt man auch sehr günstig mit dem Bus durch die Stadt. Man kann eigentlich so gut wie jeden englischsprechenden Nepalesen nach dem Weg fragen und bekommt stets eine freundliche und hilfreiche Antwort.
Innerhalb von Nepals kann man z.B. die Reise von Kathmandu nach Pokhara mittels Flugzeug oder Bus bewältigen. Der Flug ist relativ teuer und lohnt sich eigentlich nur, wenn man keine Zeit zur Verfügung hat. Der Bus ist sehr günstig, leider aber auch komplett unzuverlässig. Dann sitzt man schon mal gut 12h statt 8h im Bus. Es gibt in der Regel nur eine Straße und wenn die blockiert ist, dann steht der Verkehr.

Kommunikation

Am besten kauft man sich schon direkt am Flughafen eine Sim-Card von Ncell, lädt ein bisschen Guthaben auf und kauft eines der Internetpakete. Man muss sich hierbei ein bisschen von dem Verkäufer helfen lassen. Die Sim-Card kostet vielleicht einen Euro und die Pakete für einen Monat maximal 5 Euro.

Unterkunft

Während meiner Famulatur kam ich bei einer Gastfamilie unter. Die Familie besteht aus den Großeltern, Binod und Shashi, mit ihren zwei Söhnen, Rabish und Devish. Die Söhne sind beide verheiratet und leben mit ihren Frauen im gleichen Haus. Rabish hat einen sechsjährigen Sohn Subish. Die Familie beherbergt seit fast 20 Jahren Austauschstudenten und wurde auch schon in vorherigen Berichten erwähnt. Alle Mitglieder sind sehr hilfsbereit und freundlich. Das Essen schmeckt super. Es ist aber relativ einseitig. Man sollte sich an Dal bhat (typisch nepalesisches Reisgericht) gewöhnen. Nach ein paar Tagen kam außerdem eine zweite österreichische Medizinstudentin in die Familie. Mit ihr habe ich mir ein Zimmer geteilt. Wir haben uns sehr gut verstanden und sind an den Wochenenden immer ein bisschen herumgereist.

Literatur

Vor der Reise empfiehlt sich auf jeden Fall ein Reiseführer zu kaufen. Persönlich fand ich den Lonely Planet sehr gut. Für die Famulatur habe ich mir ein paar englischsprachige Internetseiten mit Grundbegriffen und Definitionen im Bereich Gynäkologie/Geburtenhilfe ausgedruckt.

Mitzunehmen

Für die Famulatur reicht es einen weißen Kittel, ein paar Scrubs und Desinfektionsmittel mitzunehmen. Einmalhandschuhe und Mundschutz bekommt man auf der Station. Mein Adapter hat sich eigentlich als überflüssig herausgestellt. Die nepalesischen Steckdosen sind multi-funktionsfähig und auch die deutschen Stecker passen dort herein. Die Dollar, die ich für das Visum umtauschen lassen habe, waren auch überflüssig. Man kann das Visum genauso gut mit Euro bezahlen. Wenn ihr während der Regenzeit dort seid, rüstet euch mit Regenkleidung aus und bringt Mückenspray mit. Außerdem können Passfotos für Student-ID und Trekking Pass sehr nützlich sein. Man kann sie aber auch vor Ort machen lassen.

Reise und Ankunft

Meine Contact-Person war ehrlich gesagt nicht so hilfreich. Vor der Abreise hat er nur vereinzelnd auf meine Fragen geantwortet und am Flughafen hat mich dann ein Freund von ihm abgeholt und zur Gastfamilie gebracht. Den darauffolgenden Tag wurde ich zum Krankenhaus begleitet und gleich von der Direktorin empfangen. Mir wurde eine Student-ID ausgestellt und ich wurde auf die Station begleitet. Das Teaching Hospital in Kathmandu hat im Monat bis zu 30 Auslandsstudenten, daher sind die anfänglichen Abläufe relativ routiniert.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Famulatur habe ich in der Gynäkologie/Geburtenhilfe verbracht. Auf der Station wurde ich gleich am ersten Tag in eine Unit eingeteilt. Jeder Arzt und Student ist einer Unit zugeteilt, die dann täglich für eine bestimmte Station zuständig ist. In Unit zwei war ich z.B. am Montag in der Geburtenhilfe, am Dienstag in der Ambulanz, am Mittwoch im OP usw. Am besten hängt man sich an die Medizinstudenten oder jungen Krankenschwestern ran, die einem noch am meisten erklären können. Wenn man Glück hat, gibt es auch den einen oder anderen Arzt, der einem etwas beibringt. Am meisten habe ich in der Ambulanz gelernt, in der ich die Spekulum-Untersuchung und bimanuelle Untersuchung übernehmen durfte. Ansonsten habe ich viel beobachtet, leider aber nicht viele praktische Tätigkeiten übernehmen können. Es war häufig sehr schwierig die Ärzte zu verstehen. Entweder haben sie Nepali gesprochen, Englisch genuschelt oder mir war der englische Fachbegriff fremd. Man muss dann einfach noch einmal nachhaken. Der Tag begann morgens um 9 Uhr mit einer Konferenz im Besprechungsraum. Hier wurden dann die Patienten des letzten Tages vorgestellt und einige Bilder aus vergangenen Operationen präsentiert. Ich habe meistens maximal 10% verstanden. Im Anschluss bin ich mit meiner Unit zur jeweiligen Station spaziert und hab dort mehr oder weniger versucht mit anzupacken und einigermaßen kluge Fragen zu stellen. Wenn man Lust und Zeit hat kann man am Nachmittag an den Vorlesungen der Medizinstudenten teilnehmen. Die Qualität der Vorlesungen ist relativ abhängig vom Dozenten und Fach. Es waren aber einige gute Vorlesungen dabei.
In Nepal gibt es keine Krankenversicherung. Die Nepalesen kommen also meistens erst, wenn wirklich Not am Mann ist, wobei das Teaching Hospital in Kathmandu noch relativ preiswert ist. Die Angehörigen werden dann immer beauftragt, die ganzen Medikamente und Materialen für Untersuchungen in der nächsten Apotheke zu besorgen. Schwierige Fälle, die in anderen Krankenhäusern Nepals nicht behandelt werden können, werden zum Teaching Hospital gebracht. Es soll außerdem was die Lehre betrifft das beste Krankenhaus in Nepal sein. Wenn man als Arzt erfolgreich ist, macht man sein eigenes Krankenhaus auf. Daher gibt es auch ziemlich viele in den Städten. Die Versorgung auf dem Land kann ich nur schwer beurteilen. Laut den Ärzten mit denen ich mich unterhalten habe, ist sie aber nicht sehr gut. Sobald man das Studium als Medizinstudent abgeschlossen hat, ist man verpflichtet für mindestens ein Jahr auf dem Land zu arbeiten.

Land und Leute

Während meiner Famulatur habe ich alle Sehenswürdigkeiten in und um Kathmandu abgeklappert. Unter der Woche war ich praktisch jeden Tag nach der Arbeit in Thamel, dem Touristen-Hotspot von Kathmandu. Im Himalayan Java, Nepals Starbucks, habe ich mir dann häufig mit anderen Austauschstudenten erst einmal einen Cappuccino gegönnt und ein bisschen gequatscht und geplant, was wir so am Wochenende machen könnten. An meinem ersten Wochenende bin ich mit dem Bus nach Bhaktapur gefahren. Die kleine mittelalterliche Stadt ist relativ einfach zu erreichen. Mit dem Bus dauert es ca. 45 min vom Ratna Park, dem Busbahnhof Kathmandus. Wundert euch nicht, wenn ihr als Tourist aus der Menge gefischt werdet, um 1500 Rupien für den Aufbau der Stadt zu bezahlen. Von Bhaktapur kann man dann relativ einfach die Aussichtspunkte Nagarkot und Dhulikhel erreichen. Das macht natürlich am meisten Sinn, wenn man auch eine Aussicht hat und nicht bei strömenden Regen die halsbrecherischen Straßen dort hochfährt.
Die Hauptattraktion von Boudhanath, einem sehr nahbelegenden Ort vom Zentrums Kathmandus, ist die große weiße buddhistische Stupa. Hier sollte man unbedingt die scharfen tibetischen Nudeln und die tibetische Nudelsuppe probieren.
Weitere Sehenswürdigkeiten in Kathmandu sind der Monkey Tempel, der Durbar Square und der hinduistische Pashupatinath Tempel. Letzteres kann ich persönlich nicht sehr empfehlen. Irgendwie fühlt man sich hier völlig fehl am Platz und den eigentlichen Tempel darf man als Nicht-Hindu auch gar nicht betreten.
Nach meiner Famulatur hatte ich noch zwei Wochen eingeplant, um den Chitwan National Park zu besuchen, zwei Tage an einem Yoga-Retreat teilzunehmen und im Himalaya eine Trekking-Tour nahe Pokhara zu unternehmen. Besonders das Trekken war einer meiner schönsten und unvergesslichsten Erlebnisse in Nepal. Ich hatte Anfang September wirklich unglaublich Glück mit dem Wetter. Wir hatten einen tollen Blick auf die schneebedeckten Berggipfel.
Insgesamt kann ich den Eindruck anderer Reisender über die Menschen in Nepal nur bestätigen. Die meisten sind unheimlich freundlich und hilfsbereit. Allerdings ist das Land mittlerweile insbesondere in der Hochsaison von Touristen überschwemmt, die Einnahmequelle vieler Menschen geworden ist. Man muss teilweise sehr aufpassen nicht völlig zu hohe Preise zu bezahlen. Kathmandu ist viel zu klein geworden für die Anzahl an Menschen, die dort leben. Die Luft ist völlig verschmutzt. Für den 20-minütigen Fußweg zum Krankenhaus habe ich zum Schluss immer einen Mundschutz getragen.

Fazit

Ich bin ein großer Fan von Auslandsaufenthalten, werde aber im PJ kein Entwicklungsland mehr auswählen. Leider habe ich fachlich zu wenig aus der Famulatur mitnehmen können. Nach Nepal selbst komme ich vielleicht noch einmal zum Trekken zurück.

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