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Bulgaria (AMSB)

Verschiedene - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Tanja, Mannheim

Motivation

Meine letzte Famulatur wollte ich gerne im Ausland absolvieren, da ich nicht nur praktische Erfahrungen sammeln wollte, sondern auch einen Einblick in ein neues Land und dessen Gesundheitssystem bekommen wollte. Mit dem Austauschprogramm der bvmd konnte ich diese zwei Dinge perfekt verbinden und habe mich deshalb beworben. Für Bulgarien habe ich mich entschieden, weil durch einen Urlaub im Balkan im Vorjahr mein Interesse für die osteuropäischen Länder geweckt wurde. Es hatte mir damals so gut gefallen, dass ich gerne nocheinmal ein Land in dieser Gegend kennenlernen wollte.

Vorbereitung

Im Vorfeld hatte ich einen Englischkurs für Mediziner besucht, der an meiner Uni angeboten wurde und viele Englische Bücher gelesen, um die Sprache etwas aufzufrischen. Ich hatte mir zwar auch vorgenommen, mir ein paar bulgarische Worte anzueignen, bin aber leider nicht dazu gekommen. Ansonsten war die die Organisation ziemlich einfach und ich wurde immer rechtzeitig informiert, was es zu beachten gibt.

Visum

Für Bulgarien braucht man kein Visum, daher gab es keine Probleme.

Gesundheit

Über die Deutsche Ärzte Finanz hatte ich eine spezielle Auslandsreiserankenversicherung für den bvmd Austausch abgeschlossen. Die kostet nur 8€ und ist speziell für die Famulatur im Ausland gedacht. Ansonsten habe ich eine kleine Reiseapotheke mit den wichtigsten Dingen mitgenommen, aber da ich glücklicherweise keine gesundheitlichen Probleme hatte habe ich sie nicht gebraucht.

Sicherheit

Bulgarien ist ein sicheres Land und auch während des Aufenthaltes hatte ich mir nie Sorgen deswegen gemacht. Man sollte so vernünftig sein wie in Deutschland auch und dunkle Straßen in der Nacht vermeiden, aber ansonsten habe ich mich immer sicher gefühlt.

Geld

Die Währung in Bulgarien heißt Leva. Es gibt Bankautomaten an jeder Ecke und mit einer Kreditkarte kommt man immer an Geld. Die Lebenserhaltungskosten sind ca. halb so teuer wie in Deutschland. Man kommt also mit wenig Geld aus wenn man etwas sparsam ist und sich von den günstigen Preisen nicht dazu verleiten lässt, haufenweise Souvenirs zu kaufen.

Sprache

Im Krankenhaus haben die meisten Ärzte Englisch gesprochen, bei den Krankenschwestern wurde es aber schon schwierig. Viele Menschen, die ich getroffen habe, konnten ein bisschen Englisch sprechen, jedoch war es oft auch schwierig, sich zu verstehen, wenn man zum Beispiel nach dem Weg gefragt hat. Es hätte sicherlich geholfen, etwas bulgarisch zu sprechen, allerdings ist die Sprache auch recht schwierig und man bräuchte eine längere Zeit, um sie zu lernen.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit der günstigen Airline Wizzair nach Sofia geflogen und dann von dort aus mit dem Bus nach Plovdiv gefahren. In Bulgarien gibt es grundsätzlich die Wahl zwischen Bus und Zug, und man sollte immer vergleichen welche Alternative schneller und günstiger ist. Die Ticketpreise sind aber sehr günstig und man muss meistens keine Reservierungen im Voraus machen. Allerdings ist es manchmal schwierig, am Bahnhof den richtigen Bus zu finden, da viele Städtenamen nur auf kyrillisch angeschrieben sind und die Mitarbeiter oft kein Englisch können. Von daher ist es immer hilfreich, jemanden dabei zu haben, der bulgarisch spricht.

Kommunikation

In dem Studentenwohnheim gab es Kabelinternet, allerdings hatte ich keinen Laptop dabei und habe mein deutsches Datenvolumen auf dem Handy genutzt. Ansonsten gibt es aber auch Wlan in jedem Café und Restaurant.

Unterkunft

In dem Studentenwohnheim, in dem wir untergebracht waren, gab es Doppelzimmer mit je einem Bad. Einmal pro Woche gab es frische Bettwäsche, ansonsten musste man sich selbst um die Sauberkeit kümmern. Eine Küche gab es leider nicht und da die bulgarischen Studenten gerade Semesterferien hatten, war auch die Mensa geschlossen, sodass wir uns Mittags oft ein Picknick im Supermarkt gekauft haben und abends in der Stadt essen waren.

Literatur

Ich hatte mich im Vorfeld nur etwas über das Internet informiert und mich ansonsten vor allem überraschen lassen. Einen Sprachführer hatte ich mir noch gekauft, aber eigentlich habe ich ihn dann kaum genutzt.

Mitzunehmen

Für das Krankenhaus hatte ich meinen Kittel und mein Stethoskop mitgenommen, und ansonsten das übliche was man auf jeder Reise einpackt. Da es die ganze Zeit über sommerlich heiß war, hatte ich nur zu viele Pullis und lange Hosen dabei, daran hätte ich sparen können.

Reise und Ankunft

Ich bin spät abends mit dem Bus in Plovdiv angekommen und wurde dann am Studentenwohnheim von einer Studentin erwartet, die mir mein Zimmer gezeigt hat. Die anderen Austauschstudenten sind schon vor mir angekommen, so dass ich sie auch direkt getroffen habe. Ich kam am Freitag an und meine Famulatur begann am Montag, sodass ich dann ein Wochenende Zeit zum ankommen hatte, bevor es losging.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Station war die Endokrinologie des Universitätskrankenhauses in Plovdiv. Ich war dort zusammen mit einer Tunesierin eingeteilt und an unserem ersten Tag hat uns eine bulgarische Studentin den Weg dorthin gezeigt. Ein sehr netter Arzt hat sich dann etwas um uns gekümmert und mit uns darüber geredet, was wir uns von der Famulatur erhoffen und was wir schon in diesem Fachbereich wissen. Er konnte sehr gut Englisch und hat mit uns über einige Krankheitsbilder gesprochen, die es auf der Endokrinologie zu sehen gibt. Nach einer Weile hat er sich aber verabschiedet, weil er wohl vieles zu tun hatte, bei dem wir nicht mitkommen konnten und da gerade kein anderer Arzt da war, der uns etwas zeigen konnte, wurden wir nach Hause geschickt. So ähnlich ging es noch ein paar Tage weiter und ich war etwas enttäuscht, da wir kaum Patienten gesehen haben und immer nach kurzer Zeit wieder nach Hause geschickt wurden. Nachdem ich angesprochen hatte, ob es nicht irgendetwas gäbe, das wir tun könnten, wie zum Beispiel Blut abnehmen, wurden wir einer bulgarischen Studentengruppe zugeteilt, die morgens Unterricht bei den Pflegekräften hatten. Immerhin konnten wir so etwas sehen, allerdings konnte die Krankenschwester gar kein Englisch, und die Studenten konnten uns auch nicht immer alles übersetzen. Nachdem der uns zugeteilte Arzt dann auch noch im Urlaub war, hat sich gar niemand mehr für uns verantwortlich gefühlt und die anderen Ärzte haben uns immer nur weitergeschickt, weil sie angeblich keine Zeit hatten. Ich war schon ziemlich enttäuscht, denn offensichtlich wusste keiner auf der Station etwas mit uns anzufangen und wirklich lernen konnten wir so auch nichts. Deshalb bat ich um die Erlaubnis, eine andere Station ausprobieren zu dürfen was ich dann auch gemacht habe. Mit den anderen Studenten vom Austauschprogramm bin ich dann mit in die chirurgische Abteilung gegangen. Dort konnte man sich relativ frei bewegen, so dass ich die Möglichkeit hatte, in der Allgemeinchirurgie, Neurochirurgie, Orthopädie und in der HNO einige Operationen mit anzusehen. Das war dann doch sehr interessant, denn so einfach wäre es in Deutschland nicht möglich, von einem OP in den nächsten zu wechseln. So konnte ich noch einige spannende Dinge sehen, was mich dann auch zufrieden gestellt hat. Es ist also vor allem wichtig, Eigeninitiative zu zeigen und zu versuchen, woanders hinzukommen falls es auf der eigenen Station nicht gut läuft.
Die Verhältnisse in dem Krankenhaus waren ziemlich unterschiedlich zu denen in Deutschland. Die Gebäude und auch die Einrichtung waren sehr alt und man hat gemerkt, dass nicht viel Geld zur Verfügung steht. Auch was die Hygiene angeht, war ich doch teilweise schockiert, wie sehr sie von deutschen Standards abweicht. Alles in allem war es aber eine tolle Erfahrung, einen Einblick in das bulgarische Gesundheitswesen zu erlangen und auch gerade die Unterschiede zu Deutschland festzustellen.

Land und Leute

Plovdiv ist eine tolle Stadt. Sie ist zwar nicht besonders groß, hat dafür aber jeden Menge Kultur zu bieten. Man kann stundenlang durch die schönen Sträßchen der Altstadt schlendern, sich Museen anschauen, sich mit einem leckeren Eis in den schönen Park setzen oder sich auf einem der Hügel die Stadt von oben anschauen. Nicht umsonst wird Plovdiv 2019 zur europäischen Kulturhauptstadt, denn es wurde uns in den 4 Wochen nicht langweilig. Das National Program war auch super, denn wir haben Tagesausflüge von Plovdiv gemacht und waren an einem Wochenende in Sofia, sowie in Varna am schwarzen Meer. Somit haben wir bereits in der kurzen Zeit viel vom Land gesehen und zusammen mit den anderen Austauschstudenten hatten wir eine tolle Zeit. Ich hatte nach dem Austausch noch etwas mehr Zeit, Bulgarien zu bereisen, und dennoch habe ich noch längst nicht alles gesehen. Das Land hat also wirklich viel zu bieten, vom Meer über schöne Städte bis zu Bergen ist für jeden etwas dabei. Abseits der überfüllten Strände am bekannten Goldstrand gibt es malerisch schöne Küstenstädtchen und einsame Buchten am Meer, wo man nichts vom Tourismus mitbekommt. Das Highlight in Bulgarien ist der Rila Nationalpark in der Nähe von Sofia. Den hatte ich nach der Famulatur besucht und ist meiner Meinung nach ein absolutes Muss wenn man in Bulgarien ist.Dort kann man tolle Wanderungen machen und auch für weniger Wanderbegeisterte kann man dort Tagesausflüge hinmachen, um die 7 Seen dort in den Bergen zu besuchen. Zu essen gibt es viele verschiedene Gemüse-/bzw. Fleischpfannen in allen möglichen Variationen. In den Restaurants mit bulgarischer Küche kann man sehr günstig essen gehen und es gibt eine große Auswahl an verschiedenen Gerichten, so dass bestimmt für jeden etwas dabei ist. Generell essen die Bulgaren aber auch viel Fastfood, was dann auch ziemlich das Stadtbild bestimmt.
Alles in allem habe ich mich die ganze Zeit über sehr wohl gefühlt, sowohl in Plovdiv, als auch im Rest Bulgariens. Da wir auch mit der Gruppe viel unternommen haben, wurde es uns nicht langweilig und wir haben eine tolle Zeit zusammen verbracht. Auf jeden Fall sollte man die Zeit ausnutzen und versuchen, viel vom Land zu sehen!
Die Menschen in Bulgarien kamen mir stets sehr freundlich und hilfsbereit vor. Selbst wenn sie kein Englisch sprachen, haben sie irgendwie versucht, uns weiterzuhelfen und uns den Weg zu weisen. Ich habe mich immer willkommen gefühlt und wurde sogar oft auf Deutsch angesprochen, weil viele die Sprache lernen und dann endlich mal sprechen wollen

Fazit

Als Fazit kann ich sagen, dass ich sehr froh bin, diese Auslandsfamulatur gemacht zu haben. Auch wenn ich fachlich nicht viel gelernt habe, so war es doch eine tolle Erfahrung, einen Einblick in das bulgarische Gesundheitswesen zu bekommen und vieles darüber zu erfahren. Es war auch toll. Studenten von der ganzen Welt kennenzulernen und Kontakte zu verschiedenen Ländern zu knüpfen. Ich kann einen solchen Austausch also jedem empfehlen!

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