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Eat to Fight your Disease (Ruanda)

Chirurgie - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Deborah, Greifswald

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Motivation

Ich habe mich schon lange für einen Public Health Austausch interessiert.

Vorbereitung

Nach meiner Bewerbung habe ich nach ca. 4 Wochen von Saskia (ETFYD) eine Email mit einer Zusage bekommen. Kurz darauf habe ich auch von Vivi, der Bundeskoordinatorin für Public Health Austausch 2017/2018, eine Zusage bekommen. Ich habe somit die Chance gehabt, mich für einen Fahrtkostenzuschuss über die bvmd zu bewerben, den ich auch bekommen habe. Für Ruanda bekommt man da eine Pauschale von 525€, die man auch braucht! Wenn man nicht in der Hauptreisezeit im Sommer fliegt, dann reicht die Summe aber auch. Ich habe damit meine beiden Flüge mit Brussels Airlines (super: 2x 23Kg Freigepäck) und die Zuganreise nach Berlin zahlen können.
Von Saskia habe ich noch einige Infos zu den nächsten Schritten per Mail bekommen. Ich konnte zunächst meine Station wählen, auf der ich famulieren wollte. Hier kann man zwischen Chirurgie, Innere, Pädiatrie und Gynäkologie wählen. Ich habe mich für Chirurgie entschieden, und noch den letzten freien Platz bekommen. Hier sollte man sich früh entscheiden, denn es gibt auch viele andere, die sich privat (also ohne bvmd) bei ETFYD bewerben.

Für die Unterkunft (wenn man sich für das RVCP-Haus entscheidet) muss man vorher dem RVCP-Koordinator (Kontakt bekommt man auch von ETFYD) schreiben, und nach einer Unterkunftsmöglichkeit fragen. Dann kommt man auf eine Liste, und schreibt eine Woche vorher nochmal eine Email mit einer kleinen Erinnerung und der genauen Ankunftszeit, sodass man sich mit einem Studenten in Kigali treffen kann, der einem dann bei Ankunft zur Bushaltestelle bringt und den richtigen Bus nach Huye zeigt.

Visum

Für das Visum sollte man sich Dokumente wie Passbild (auf weißem Hintergrund), Transcript of Records, Immatrikulationsbescheinigung, ein Empfehlungsschreiben des Studiendekans (gibt’s bei unserer Uni zum Beispiel als vorformuliertes Formular) und wenn zeitlich noch möglich ein polizeiliches Führungszeugnis.
Außerdem sollte man eine Email an Alexis (den Koordinator der Uni in Butare/Huye) mit seinem Motivationsschreiben und Lebenslauf schreiben (stand alles in der Mail von Saskia). Hier ist es wichtig, mehrmals nachzuhaken, dass man einen Bestätigungsbrief per Mail bekommt. Das heißt nämlich dann, dass man auf einer offiziellen Incomingliste des Krankenhauses steht, und dann läuft es bei Anreise alles schneller und besser, wenn alle schon mit einem rechnen!

Gesundheit

Im Vorhinein musste ich mir dann noch die wichtigen Impfungen (Gelbfieber ist Pflicht) besorgen. Zusätzlich zu Gelbfieber habe ich mich noch für eine Impfung gegen Typhus und Meningokokken entschieden. Ich habe mich gegen eine Tollwut-Impfung entschieden, weil es bei mir die Kasse nicht übernommen hätte. Hier kann ich als Reisemedizintipp nur die TKK empfehlen! Die übernehmen eigentlich alles.
Ich habe mich auch gegen eine Malaria-Prophylaxe entschieden, ich habe aber Malarone als Notfallmedikation mitgenommen. Die anderen vor Ort hatten aber alle Malarone als Dauermedikation oder Antibiotika (in Deutschland eigentlich nicht als Prophylaxe erlaubt). Ich habe aber von keinem Malaria-Vorfall gehört und würde mich immer wieder so entscheiden

Sicherheit

Ich habe noch eine zusätzliche Auslandsreiseversicherung für Praktika abgeschlossen (DÄF).
Ich schätze Ruanda als ein sehr sicheres Land ein, ich hatte nie den Eindruck, dass mir jemand was klauen will, oder aufdringlich wurde. Man konnte auch getrost Geld abheben gehen und im Anschluss noch über den Markt schlendern.

Geld

Man sollte vorher ein paar Euros in US-Dollar wechseln. Ich habe insgesamt 50USD für das Klinikum, 50USD für die Unigebühren, 50 USD für das Visum und 200€ für die Unterkunft bezahlt. Hier lohnt es sich, Euros mitzunehmen, denn man kann die Unterkunft nur in Euros oder Rwandan Franc (lokale Währung) bezahlen. Außerdem sollte man noch USD für eventuelle Reisen mitnehmen. Die Eintritte in die Nationalparks und die Touren kann man nämlich nur in USD zahlen (Für einen Park-Ausflug sollte man mit 50-100USD rechnen).

Sprache

Es wird hauptsächlich Kinyarwanda gesprochen (auf dem Markt sehr nützlich!). Im Klinikum sprechen die Ärzte alle Englisch, auch die offizielle Teachinglanguage ist Englisch. Die Patienten sprechen kein Englisch.

Verkehrsbindungen

Es gibt verschiedene Busunternehmen, die dieselbe Strecke fahren. Die Preise sind aber für die Strecken festgesetzt. Das heißt, dass man sich ruhig den besten und größten Bus aussuchen kann, es lohnt sich da sogar nochmal 30 Minuten länger zu warten. Die komfortabelste Busorganisation war ein großer Reisebus sogar mit Fernseher und Handy-Ladestation. Die kleinsten waren solche Mini-Busse, wo man sich zu viert auf eine Bank quetscht und noch Gepäck auf dem Schoß hat.

Kommunikation

Vor Ort haben sich alle eine Sim-karte gekauft. Am Anfang haben sich alle MTN gekauft (weil es am häufigsten ist), aber im Haus hat sich herausgestellt, dass die mobilen Daten besser mit Airtel funktionieren. Damit haben wir sogar auch Filme gestreamt an verregneten Abenden.

Unterkunft

Das RVCP-Haus ist ein kleines Haus in einem eingezäunten Bereich mit noch 3 weiteren Häusern. Hier ist eins ein weiteres Haus von RVCP und noch 2 Häuser, in denen Einheimische leben. Es ist eine Art große WG mit 3 Zimmern, Bad mit warmen Wasser, Küche mit Gas und Kühlschrank, und einem Wohnzimmer mit gemütlichen Sofas. Draußen hängt eine Wäscheleine, auf der man seine handgewaschene Wäsche trocknen kann. Es gibt einen Gärtner/Sicherheitsmann, der theoretisch jede Nacht dort auf dem Hof Wache hält. Meistens schläft er aber die ganze Nacht. Eric ist super nett, spricht kein Wort Englisch, aber räumt immer den Garten auf, bringt den Müll weg und kauft einem einen frischen Tank mit Trinkwasser, wenn der alte leer ist. Im Haus wohnen noch andere Freiwillige, meist MedizinerInnen, aber auch andere RVCP-Freiwillige. Je nach Anzahl der Bewohner teilt man sich ein Zimmer, oder man hat eben eines alleine. Es sind Stockwerkbetten mit Moskitonetzen in den Zimmern. Es bietet sich an, ein paar Kerzen zu kaufen und eine Kopflampe mitzubringen. Manchmal gibt es längeren Stromausfall, und meistens war es bei einer großen Kochveranstaltung… Außerdem geben die Kerzen natürlich ein gemütlicheres Ambiente! Der Strom ist im Preis inbegriffen, manchmal ist der Strom leer, dann muss man sich neuen kaufen, oder aber dem Studenten von RVCP schreiben, dann besorgt der einem eine neue Nummer für den Stromzähler.

Literatur

Zur kulturellen Vorbereitung kann ich neben dem Film „Hotel Ruanda“ das Buch „Ein ganz normaler Mensch“ von Paul Rusesabagina empfehlen, welches eine Autobiographie von dem Manager des Hotels „Le Milles Collines“ ist.

Mitzunehmen

In der Vorbereitung zum Koffer packen hat mir die Facebookgruppe von ETFYD geholfen, hier stehen aktuelle Infos von Austauschlern vor Ort. Ich habe mir 3 Sets Kasacks mitgenommen, die man in der Chirurgie auch für den OP braucht (am besten alles außer weiß). Ansonsten braucht man einen Kittel, Stethoskop, Händedesinfektionsmittel für die Kitteltasche und eine Packung Einmalhandschuhe. Wenn man noch Platz im Koffer hat bieten sich auch solche Gummischuhe für den OP an. Kann man sich sonst aber auch bei dem Chirurgie-Chef am ersten Tag leihen. Mir hat auch das Langenscheidt-Pocket Medical English in der Morgenbesprechung sehr geholfen.

Reise und Ankunft

Die Anreise war sehr unkompliziert. Wie gesagt bin ich mit Brussels Airlines geflogen, Berlin-Brüssel-Kigali, und kam abends gegen 19 Uhr in Kigali an. Vom Flughafen fahren Taxen in die Innenstadt zum Hostel. Ich habe im St. Pauls Church Hostel übernachtet, was mir erst recht günstig inklusive Frühstück erschien. Hinterher war klar, dass es noch günstigere in Kigali gab, aber da es auch sehr nah an der Busstation lag, war die Taxifahrt am Sonntag somit auch günstiger. Ich wurde von einem RVCP-Koordinator (Student) in Kigali am Hostel abgeholt und er hat mich zur Busstation mit dem Taxi gebracht und mir beim Ticket kaufen geholfen, und ist erst abgefahren, als ich sicher im richtigen Bus saß. Das war sehr beruhigend und hat mir sehr geholfen. Ich habe zwar schon Afrika-Erfahrung, aber trotzdem ist jedes Land ja anders.
Es gibt verschiedene Busunternehmen, die dieselbe Strecke fahren. Die Preise sind aber für die Strecken festgesetzt. Das heißt, dass man sich ruhig den besten und größten Bus aussuchen kann, es lohnt sich da sogar nochmal 30 Minuten länger zu warten. Die komfortabelste Busorganisation war ein großer Reisebus sogar mit Fernseher und Handy-Ladestation. Die kleinsten waren solche Mini-Busse, wo man sich zu viert auf eine Bank quetscht und noch Gepäck auf dem Schoß hat.
In Huye nach 4 Stunden (124km) angekommen, hat mich ein anderer Student am Busbahnhof abgeholt und mit dem Taxi zur Unterkunft gebracht. Er hat mir die Schlüssel zum RVCP-Haus gegeben und direkt eine kleine „Stadtführung“ mit Markt und Supermarkt gegeben.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Das Projekt:
Das Public HealthProjekt „Eat to fight your disease“ (http://etfyd.eu/), welches der Hauptgrund dieses Austauschs war, hat mich sehr beeindruckt. Vor einigen Jahren wurde es von deutschen Medizinstudierenden ins Leben gerufen um bedürftige Patienten und Patientinnen mit einer warmen Mahlzeit pro Tag zu unterstützen. Die Krankenhäuser hier in Ruanda verfügen nämlich nicht über die notwendigen Ressourcen um ihre Patienten zu ernähren. Genaugenommen müssen die Patienten hier sogar die Handschuhe, die das Personal während ihrer medizinischen Versorgung trägt, selber kaufen (deshalb fühlt man sich gleich besser, wenn man eigene Handschuhe dabeihat!). Häufig bleiben dann Untersuchungen, Bildgebungen oder Entlassungen einfach tagelang liegen, weil Patienten sich die notwendigen Materialien oder Untersuchungen nicht leisten können. Genauso haben viele Patienten auch häufig keine Angehörigen, die sich um die Ernährung kümmern können, oder verfügen schlicht und einfach nicht über die finanziellen Mittel um sich ausgewogen zu ernähren, was aber für eine gute Genesung unerlässlich ist.
ETFYD kooperiert mit der einheimischen Organisation Kuzamura ubizima (KU: http://kuzamuraubuzima.rw/) die auf dem Krankenhausgelände eine Fläche von ca. 4 Hektar landwirtschaftlich bewirtschaftet um mit den Erträgen mittlerweile bis zu 110 der bedürftigsten Patienten täglich mit einer Portion Porridge zum Frühstück und einer warmen Mahlzeit zum Mittag zu versorgen. KU ist zu 100% in ruandischer Hand und völlig autonom. Es gibt einheimische Ehrenamtliche, fest angestellte Köche und Farmer in variierender Anzahl –je nach Saison und Nachfrage. Die Kooperation mit ETFYD dient in erster Linie der Generierung von Spendengeldern. Wir deutsche Freiwillige sind hier mehr oder weniger „überflüssig“, auch wenn unsere Hilfe bei der alltäglichen Essensausgabe gerne angenommen wird. Ich habe das Projekt besucht an einem freien Kliniktag und mir die Felder und die Küche zeigen lassen. Hier kam dann der Kontakt zustande und danach habe ich, wenn ich gegen 12 Uhr mittags Zeit hatte (ist leider auf der Chirurgie sehr selten) bei der Essensausgabe mittags geholfen. Häufig wurden wir dann auch im Anschluss zum Essen unten auf den Feldern mit eingeladen. Morgens um 7:30Uhr gibt es noch eine Porridge-Ausgabe, aber das ist leider auch genau zu der Visitenzeit der Chirurgie. Ansonsten kann man auch an den Wochenenden mitmachen.
Was man allerdings sehr gut für das Projekt tun kann ist einerseits die Spendensuche in Deutschland. Man kann Samen mitbringen (hier am besten vorher in der FB-Gruppe nachfragen, welche gebraucht werden). Man kann auch monatliche Spender sammeln, oder eine einmalige Spende durch eine Party o.ä. organisieren. Denn mit dem Gemüse von den Feldern können sie zwar viele Patienten ernähren, aber da sie auf eine ausgewogene Ernährung achten, kaufen sie noch Fisch und Eier dazu.
Andererseits kann man vor Ort auf seiner Station Werbung für das Projekt machen. Die Studenten vor Ort kannten das Projekt nicht, und auch nicht alle Ärzte meiner Station. Deshalb konnten auch die Patienten nicht von dem Projekt erfahren. Es läuft nämlich so, dass die Schwestern oder Ärzte die Patienten für die Liste anmelden, nachdem die sich bei ihnen gemeldet haben. Man kann also die Werbezettel, die zb auf der Inneren und der Gyn aushängen kopieren, und auch auf den anderen Stationen verteilen. Man kann auch die Patienten aufklären und darauf hinweisen. Oder den einheimischen Studenten davon erzählen, dass sie das weiterreichen.
Es ist ein unglaublich tolles Projekt, was mich wirklich begeistert hat. Die Idee ist so einfach, die Umsetzung ist zu Beginn schwierig, aber mittlerweile ist das lokale Projekt zu einem Selbstläufer geworden. Was mich am meisten begeistert ist die lokale Initiative von lokalen ehrenamtlichen und motivierten Menschen, und der Zuspruch, den das Projekt von allen Seiten erfährt, so z.B. vom Gesundheitsministerium, von der Medizinischen Fakultät und von anderen Agrarfirmen.
Auch wenn ich nicht das Gefühl hatte, dass ich „mitanpacken“ konnte, so hat mich das Kennenlernen dieses Projektes wirklich bereichert und ich freue mich, weiterhin Spenden dafür zu sammeln.

Das Klinikum:
Der Arbeitsalltag auf der Chirurgie ist immer sehr abwechslungsreich. Morgens um 7 Uhr gehts mit der Frühbesprechung los, die kann manchmal nach 30 Minuten vorbei sein, manchmal dauert sie auch drei Stunden. Ich war in der ACS (Acute Care Surgery) eingeteilt und habe deshalb keine eigene Station, sondern die Visite morgens/mittags geht einmal durchs ganze Krankenhaus, weil die Patienten überall verteilt liegen. Das Krankenhaus ist sehr weitläufig, jede Station hat sein eigenes kleines Haus. Hier wird besonders auf den äußeren Schein geachtet, die Gärten sind wunderschön und wahnsinnig gepflegt -jeden Tag sieht man die Gärtner liebevoll Figuren in die Hecken schnitzen -und der Rasen wird noch mühevoll mit Macheten gemäht. Ich kannte mich also recht schnell ganz gut im Krankenhaus aus, und habe mich nur selten verlaufen. An fast jedem Tag sind auch mehrere OPs, bei denen ich zuschauen und assistieren durfte. Hier sind die Stationen wirklich unterbesetzt. Wenn die Studenten nicht da wären, dann würde kaum was laufen. Deshalb gibt es zum Beispiel auch keine OP-Schwester wie bei uns üblich, sondern die Studenten spielen OP-Assistenz und reichen die Instrumente an. Da hätte ich mir vor meinem ersten Tag vielleicht nochmal die englischen Namen der Instrumente (inklusive afrikanischem Akzent) anschauen sollen… Habe also einen nicht so guten ersten Eindruck im OP hinterlassen, aber da ich neben den einheimischen Studenten als externe Studentin ziemlich heraussteche, wurde es mir schnell verziehen.
Die Studenten in Ruanda studieren genau wie wir in Deutschland auch 6 Jahre an der Uni, aber hier gibt es viel mehr Praxis. Die klinischen Jahre (Doc 1, Doc 2, Doc 3, Doc 4 = PJler) werden hier größtenteils im Krankenhaus verbracht und die Theorie wird nur noch im „Teaching“ inmitten des Stationsalltags vermittelt. Die Studenten sind hier jedoch (gezwungenermaßen) hochmotiviert, möglichst viel Praxis zu erlernen, denn nach Abschluss ihres Studiums werden sie sofort als sogenannter „General Practitioner“ in eines der „District Hospitals“ (alle anderen, außer der beiden Universitären Krankenhäusern Kigali und Butare, und natürlich der privaten Häuser) gesteckt und müssen dort 2 Jahre lang ohne Supervision eigenverantwortlich für eine ganze Station alle Patienten jeden Krankheitsbilds versorgen können. Erst im Anschluss dürfen sie zurück in ein Uniklinikum für ihre Facharztausbildung. Um den Studenten möglichst viel Sicherheit und Wissen für diese Zeit mitzugeben, wird hier sehr viel Wert auf das „Teaching“ gelegt. Ich habe davon auch profitiert, und habe neben langen Lehrvisiten auch die ein oder andere Hausaufgabe aufgehabt. Die Tage in der Acute Care Surgery konnten also entweder sehr lang oder aber auch sehr kurz sein -es wäre nicht Afrika, wenn das „Teaching“ und einige OPs nicht immer wieder auf den nächsten Tag verschoben würden…
Mein absolutes Highlight war das Üben der Darmanastomosen an einer Ziege. Das war Teil des Teachings. Wir haben eine Ziege geschlachtet im Anatomie-Saal und dann daran den ganzen Tag Nähen geübt und Thoraxdrainagen gelegt. Abends haben wir die gegrillte Ziege dann gemeinsam mit den Senior-Residents zusammen gegessen. Das war auch das Abschlussessen der Studenten am Ende ihrer Rotation (PJ).

Land und Leute

Da ich schon relativ viel Afrika-Erfahrung hatte, bin ich fast ohne mulmiges Gefühl hingeflogen. Doch mit dem Genozid und der fremden Sprache im Hinterkopf habe ich mich zu Beginn doch vorsichtig verhalten. Man kann aber ganz beruhigt alleine rumlaufen und auch im Dunkeln nochmal eben was auf dem Markt besorgen.
Den Alltag habe ich meistens Zu Fuß erledigt, man kann aber auch für alles immer ein „Moto“ benutzen. Hier sollte man aufpassen, dass die Fahrer nicht zu schnell fahren, denn die Helme sitzen eigentlich nie richtig..
Wir haben meistens abends gemeinsam im Haus gekocht, und vorher auf dem Markt eingekauft. Hier kann man eigentlich nicht handeln wie in anderen afrikanischen Ländern, denn die Preise sind relativ fest. Man kann mittags im Klinikum in der Cafeteria essen, oder wenn man früh Schluss hat auch in der Stadt bei einem Mittagsbuffet. Das warme Essen ist aber eher langweilig und nicht sonderlich speziell. Es gibt auch nicht das typische „Gericht des Landes“, außer man isst Porridge mit Bohnen oder Fleisch, aber das gibt es ja auch in anderen umliegenden Ländern sehr häufig.
Ich habe sehr häufig die Nachmittage in den Cafes verbacht, die selbst angebauten und gerösteten Kaffee verkaufen. Da sitzt man quasi in der Rösterei und trinkt den Kaffee für einen sehr günstigen Preis (40cent).
Das Nachtleben ist der Kleinstadt angemessen, es gibt ein paar Bars, einen Nachtclub, und eine Karaokebar (hier kann man bei Stromausfall auch mal Pech haben). Am besten kommt man aber abends auch mal raus, wenn man sich möglichst schnell mit den einheimischen Studenten auf Station anfreundet, und nicht alles nur mit den anderen Freiwilligen macht. So lernt man schnell die „Insidertipps“ kennen.

Reisen im Land:
Natürlich habe ich die Wochenenden hier auch genutzt um mir das Land ein wenig anzuschauen:
Ich war mit anderen Freiwilligen im Nyungwe-Nationalpark (geht an einem Wochenende) im Regenwald, ein Wochenende haben wir eine Fahrradtour Richtung Grenze zu Burundi gemacht, und am Ende hatte ich noch eine Woche zum Reisen eingeplant. Hier haben wir eine Rundtour erst in den Norden in den Volcanoes-Nationalpark gemacht, und dann am Lake Kivu wieder Richtung Süden. Dann noch 2 Tage Kigali –das Genozid Museum ist ein MUSS! Aber mehr als 2 Tage muss man in Kigali auch nicht verbringen.
Das Reisen ist sehr einfach und sicher. Die Minibusse führen einen überall hin, wo man hinmöchte und es ist wesentlich entspannter Tourist zu sein als in anderen afrikanischen Ländern.

Fazit

Ich kann diesen Austausch nur wärmstens weiterempfehlen, wenn man Lust hat, ein wunderbares Public Health Projekt kennenzulernen, wenn man Lust auf angewandte Lehre im Klinikum hat, und wenn man ein friedliches, fruchtbares und unglaublich sauberes afrikanisches Land kennenlernen will! Bei Rückfragen könnt ihr euch gerne melden unter: deborah.uebermuth@uni-greifswald.de.

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