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Spain (IFMSA-Spain)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich wollte ins Ausland, weil ich meinen späteren beruflichen Werdegang auch gern international ausrichten möchte. Dafür sind jegliche Auslandserfahrungen wertvoll, um sich zukünftig mit mehr Verständnis, mehr Eigeninitiative und mehr Kenntnissen in eine neue Umgebung integrieren zu können. Am sinnvollsten fand ich ein Land, in dem ich die Sprache wenigstens ein wenig beherrsche, deshalb ein Englisch- oder Spanischsprachiges Land. Meine Erwartungen waren, einen Einblick in die medizinischen Möglichkeiten, Standards und Routinen in dem jeweiligen Land zu bekommen.

Vorbereitung

Nachdem ich die Zusage für meinen Restplatz in Spanien erhalten hatte, besorgte ich relativ zügig alle erforderlichen Unterlagen (für Spanien war das polizeiliche Führungszeugnis extrem wichtig!- ich glaube aber nur für ein paar Städte). Dann setzte ich mich mit meiner ContactPerson in Verbindung und buchte meine Flüge. Außerdem besorgte ich mir in der Bibliothek ein medizinisches Wörterbuch, was gut war, wenn man nach dem Dienst dann noch alle Begriffe, d ie man nicht verstanden hatte, nachgucken konnte.
Schwierigkeiten gab es nicht, das mag aber auch daran liegen, dass ich als EU-Bürgerin in ein EU Land ging.

Visum

Als EU-Bürgerin brauchte ich für Spanien kein Visum und hatte damit und auch bei der Einreise mit dem Personalausweis am Flughafen keinerlei Probleme.

Gesundheit

Vor der Abreise stellte ich noch einmal sicher, dass ich alle Standard-Impfungen (v.a. auch Zecke) auffrischen lies und dass ich meinen Hepatitis-Titer bestimmen lies (auch wenn das nicht gefordert war). Ich musste keine Voruntersuchungen in Deutschland, aber auch keinen Besuch beim Arbeitsmediziner im Krankenhaus in Spanien machen.

Sicherheit

Wegen der Sicherheit muss man sich in Spanien in den allermeisten Orten wirklich überhaupt keine Sorgen machen.
Wichtig für ein Praktikum in Spanien ist jedoch, dass du eine Haftpflichtversicherung und eine Auslandsreiseversicherung abgeschlossen hast und nachweisen kannst. Die verantwortliche Person in meinem Krankenhaus in Oviedo beharrte vor allem darauf, dass in den Bedingungen für die Krankenversicherung irgendwo explizit vermerkt war „versichert gegen jegliche Art von Unfällen, die während dieses Praktikums passieren können“ (sinngemäß).

Geld

Währung ist wie in Deutschland der Euro. In Spanien kann man aber mittlerweile fast überall auch mit Karte zahlen (selbst in kleinen Bäckereien usw.). Am besten ihr hebt etwas Geld noch vor dem Ablfug ab, damit ihr nicht erstmal nach einem Automaten zum Abheben suchen müsst.
Die Preise sind sehr vergleichbar mit den Preisen in deutschen Läden, vor allem die der Lebensmittel. Aber natürlich werdet ihr wahrscheinlich auch Trips unternehmen und Ausgehen, deshalb: Es wird wahrscheinlich im Durchschnitt ein etwas teurerer Zeitraum.

Sprache

In Spanisch wird überall castellano (ganz normales und modernes Spanisch) gesprochen, jedoch haben viele Regionen auch ihre eigene Provinzsprache, die vor allem von den älteren Herrschaften noch in Fetzen gebrauht wird. Aber man kommt gut zurecht!
Ein Vorbereitungskurs oder zumindest ein Erlernen einiger Begriffe auf eigene Faust wäre sicher sinnvoll, da in Spanien auch heute noch wenig oder schwer verständliches Englisch gesprochen wird.

Verkehrsbindungen

Man kann nach Spanien mit allen Mitteln gelangen. Flüge sind natürlich die absolut schnellste Möglichkeit. Ich bin in die Hauptstadt Madrid und von dort aus dann mit dem bekanntesten Busunternehmen in meine Stadt gefahren. Deren Fahrpläne fndet man auf allen Transport-Websites und sie fahren regelmäßig und sind sicher.

Kommunikation

Erreichbarkeit im Land selbst war absolut unproblematisch, da man ja auch mittlerweile durch das abgeschaffte Roaming mobil und kostengünstig unterwegs Internet hat. Alle Haushalte, Apartements, Restaurants und alle großen Einkaufszentren haben W-Lan. Wir haben untereinander Bilder ausgetauscht von den gemeinsamen Trips und ich habe Tagebuch geschrieben, umso viele und realgetreue Momente wie möglich als Geschichten mit nach Hause nehmen zu können.

Unterkunft

Untergebracht war ich in einer WG mit allen anderen Studenten, die ebenfalls im gleichen Monat ein Praktikum machten. Wir hatten alle unsere eigenen Zimmer, aber geteilte Bäder und Küche. Organisiert wurde die Unterkunft von der ContactPerson vor Ort. Bei Problemen (z.b. hatten wir am ersten Tag nur kaltes Wasser aus der Dusche) haben wir einfach den Hausmeister kontaktiert und er hat es immer schnell geregelt.

Literatur

An Literatur habe ich nur zwei medizinische Wörterbücher mitgenommen, die sich im Krankenhaus selbst als zu unhandlich erwiesen, aber die zuhause dann als hilfreich beim Nacharbeiten des Tages waren. Andere Bücher hatte ich vergessen, aber wenn ihr Lesen mögt, nehmt euch was mit, ihr werdet genug Zeit zum Lesen haben!

Mitzunehmen

Da es in den Norden Spaniens ging, habe ich eine Mischung aus aller Kleidung mitgenommen, denn dort regnet es die Hälfte der Tage im Jahr (Auch in Sommermonaten!). Ein Regenschirm ist dort extrem sinnvoll. Vermisst habe ich tatsächlich nur Bücher. Wenn ihr sportlich aktiv sein wollt, bringt passende Klamotten mit, und natürlich Badesachen für einen Tag am Strand ;) und natürlich: Kittel und Stethoskop nicht vergessen!

Reise und Ankunft

Die Anreise mit LATAM nach Madrid verlief unproblematisch. Dann stieg ich um Mitternacht in einen Bus nach Oviedo, der mich sicher und bequem dorthin brachte. Die Tickets für längere Strecken sollte man aber im Voraus im Internet kaufen, da die Busse meist sonst ausgebucht sind.
Vom Busbahhof wurde ich dann von unserer ContactPerson abgeholt. Ich hatte noch zwei volle Tage bis Praktikumsbeginn und das war auch gut um sich ein Bild von der Umgebung zu machen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Praktikumstag wurde ich ebenfalls zum Krankenhaus von einer Bekannten meiner ContactPerson begleitet und musste noch einen Praktikumsvertrag unterschreiben und bekam einen „Mitarbeiterausweis“, den man am Ende des Praktkums aber wieder abgeben musste. Ich war ursprünglich für die Notaufnahme angenommen worden, jedoch stellte sich heraus, dass zu wenige Ärtze mit Englischkenntnissen dort waren, weshalb man mich auf die Kardiologie schickte. Dort konnte die Ärztin zwar auch nicht besser Englisch, aber wir gaben alle unser Bestes. Es gab noch ein paar Residents und junge Ärzte in ihrer Facharztausbildung, die dir manchmal etwas erklärten, wenn der Arzt selbst zu beschäftigt war.
Normalerweise begann ich zwischen 8.30 Uhr und 09:00 Uhr morgens mit der Besprechung der stationären und ambulanten Patienten. Dort waren dann aber auch wirklich medizinisches Personal aller Bereiche anwesend, also Pflerger, Ärzte und Chefärzte gemeinsam. Manchmal entbrannte bei der Vorstellung eines Patienten eine regelrechte Diskussion, was aber vor allem von Wissen und Engagement zeugt.
Dann ging es zur Visite und wir auskultierten und sahen Unterlagen wie z.B. EKGs durch. Manchmal wurde ich auch mit einer spanischen Praktikantin zur Anamnese geschickt und konnte so natürlich fachlich und sprachlichc viel lernen. Danach ginng es ans Patientendaten auswerten, und Arztbriefe schreiben, wo ich aber nicht viel mehr machen konnte, als daneben zu sitzen. Das fand ich sehr schade, denn aufgrund der Sprachbarriere ist es dann natürlich auch schwierig, einem Fachgespräch Folge zu leisten oder Akten zu verstehen. Ich empfehle jedem, der die Sprache nicht wenigstens ein bisschen beherrscht, in z.b. die Notaufnahme oder die Chirurgie zu gehen, weil dort noch am meisten „HandsOn-Arbeit“ getan werden kann.
Wenn man aufmerksam bleibt und immer fragt,was man denn heute machen würde, wird man auch normalerweise problemlos wohin mitgenommen. So ging ich ungefähr einmal die Woche in die ambulante Sprechstunde meiner Ärztin mit und konnte dort natürlich noch einmal vertieft den Arzt-Patientenkontakt beobachten, sowie auch viel über Herz-Echos lernen.
Das Krankenhaus war ein sehr modernes und die medizinische Ausstattung sehr gut, jedoch bekam man in Gesprächen mit, dass einige Ärzte das Gebäude eher kritisch sahen, denn es hatte mehr Freiraum als tatsächlich mit Patienten belegten Raum und das ist im Endeffekt natürlich „Verschwendung“.
Interessant war, dass für die Residents und sonstige Praktikaten wöchtlich ein Vortrag zu einer bestimmten medizinischen Disziplin gehalten wurde, z.b. Psychatrie oder Neurologie, egal, in welcher Abteilung man selber eigentlich war. Das fand ich sehr gut, weil man doch in jeder Abteilung mit Patienten zu tun haben wird, die medizinisch sehr komplex zu handhaben sind.
Auch interessant ist, dass es in Spanien für die Spezialisierung nach dem Grundstudium ein Vergabesystem gibt: ein Test namens „MIR“ wird jährlich durchgeführt und die Studenten mit der höchsten Punktzahl können dann die Fachdisziplin ihrer Wahl bekommen (Pro Disziplin gibt es pro Jahr immer nur eine bestimmte Anzahl von Plätzen). Am beliebtesten ist mit Abstand die plastische Chirurgie, und außerdem u.a. Dermatologie und Anästhesie.

Land und Leute

Da ich und die anderen BVMD-Praktikanten alle in unterschiedlichen Disziplinen eingeteilt waren, hatten wir auch zu unterschiedlichen Zeiten Dienstschluss. Ich durfte immer schon gegen 14 Uhr gehen. Zuhause kochten wir dann gemeinsam und entspannten, bevor wir nachmittags dann meist nochmal rausgingen, um einen Spaziergang in einer der schönen Parkanlagen zu machen oder einfach durch die Gassen zu schlendern um noch ein Eis zu essen.
An den Wochenenden sind wir meist auch als Gruppe im Land zu relativ nahe gelegenen Orten und Städten (z.B. Leon, Gijon, Aviles, Luanco, Santander etc.) mit dem Bus gereist, natürlich öfter mal ans Meer und haben uns viel im Freien aufgehalten.
Auch wurden wir einmal von ein paar jungen Residents im Krankenhaus eingeladen, auf ein großes Festival, was hier jeden Juli stattfindet, mitzukommen und das war natürlich immer eine klasse Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen.
Die zwischenmenschliche Kultur ist ist Spanien sehr herzlich und sehr direkt, das heißt, man wird sofort mit Du angesprochen, man wird oft eingeladen auf eine Veranstaltung oder einfach etwas zu trinken. Es gibt viel Musik und unglaublich viel tolles leckeres Essen!
Wirtschaftlich ist Spanien nach wie vor nicht sehr stark. Man bemerkt, dass extrem viele Menschen im Dienstleistungssektor angestellt sind und man bekommt in Gesprächen mit, dass die Arbeitslosigkeit gerade unter jungen Menschen extrem hoch ist. Aber auch als hochqualifiziert Ausgebildeter ist es schwer, einen Job zu finden. Die Städte im Norden waren ursprünglich sehr industriell und dieser Sektor ist geschrumpft, weswegen dieser Teil Spaniens nicht sehr wohlhabend ist. Und trotzdem herrscht ein Klima von Ordung, Sauberkeit (die Straßen werden jeden Morgen mit Regenwasser gereinigt) und positiver Einstellung allem gegenüber.
Mit der Bevölkerung kamen wir nicht sehr viel in Kontakt, weil wir eben schon mit insgesamt 11 Studenten gut untereinander selbst Sachen unternommen haben, und dennoch: Wir haben uns stets wohl gefühlt und sind sehr nett behandeltworden.
Auch das Kulturprogramm in unserer Stadt war reichhaltig und kreativ, sodass man ab und zu einfach auch mal beim Abendspaziergang auf die eine oder andere Performance stieß.
Unglaublich gern hätte ich viel mehr Fragen gestellt gegenüber den älteren, eingesessenen Einwohnern. Da diese aber dazu tendieren, kein Englisch zu sprechen und dir dennoch mit einer Flut des Spanischen versuchen, etwas zu erklären, und du dann selbst nicht antworten kannst, hat man sich das nicht immer getraut.

Fazit

Meine Erwartungen (oder wohl eher meine Hoffnungen) an das Praktikum wurden aus medizinischer Sicht eher nicht erfüllt, da ich in meiner Zeit auf der Kardiologie wirklich nicht besonders viel machen konnte. Dies mag aber vor allem dem Fehlen meiner Sprachkenntnisse des Spanischen geschuldet sein. Dehalb müsste das auf der Website mit den Bewerbungsbedingungen für Spanien deutlicher gemacht werden, dass man mit ausschließlich Englisch nicht viel kommunizieren werden kann.
Ich würde trotzdem jeder neugierigen Seele empfehlen, eine Auslanderfahrung zu machen und dann eher auf einer chirurgischen Station und eben mit Kenntnissen der Landessprache. Und trotzdem: Spanien ist ein Land mit einer schönen Kultur und einer guten medizinischen Versorgung und das gelernt zu haben, war es mir es wert, dorthin zu gehen.

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