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Poland (IFMSA-Poland)

Orthopädie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

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Motivation

Ich wollte eigentlich schon immer eine Famulatur im Ausland machen, um mal ein anderes Gesundheitssystem kennenzulernen, mein Englisch ein bisschen zu verbessern und Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Meine erste Wahl war Finnland, weil mich die skandinavischen Länder allgemein besonders interessiert haben. Hier hab ich allerdings eine Absage erhalten und bin über die Verteilung der Restplätze nach Polen gekommen.

Vorbereitung

Die bvmd hat an unserer Universität immer wieder Informationsveranstaltungen angeboten und auf das Austauschprogramm aufmerksam gemacht. Außerdem glaube ich ist es einfacher eine Famulatur über die bvmd zu organisieren, als komplett selbstständig, da man zwar auch hier einige Formalitäten ausfüllen muss usw., im Großen und Ganzen aber ziemlich viel organisiert ist, wie z.B. Unterkunft, Krankenhaus und Betreuung vor Ort. Die Vorbereitung im Allgemeinen war eigentlich einfach, da meine CP mir direkt alle Fragen beantwortet hat und auch eine Facebook Gruppe mit allen Incomings bestand, wo wichtige Informationen ausgetauscht wurden. Die IFMSA Polen hat z.B. auch ein Handbuch geschrieben, das Informationen zu Polen selbst enthält, aber auch Tipps gibt, was man unbedingt mitbringen soll. Ich habe dann auch versucht mit der Duolingo App ein paar Grundlangen in Polnisch zu lernen, die Sprache ist aber doch ziemlich schwierig und kompliziert, sodass ich nur ein paar einzelne Wörter kannte, als ich nach Polen gereist bin.

Visum

Da Polen zur EU gehört, war für mich kein Visum notwendig und auch sonst habe ich bezüglich der Einreise keine Vorbereitungen getroffen.

Gesundheit

Auf der Seite der IFMSA Polen stand direkt, was für Untersuchungen alle notwendig sind, um in Polen Famulatur machen zu können. Dafür musste ich einen Hbs Titer und einen Tuberkulosetest machen lassen, wobei der Tuberkulosetest nur vom Gesundheitsamt durchgeführt wurde und ich ein bisschen spät dran war, wodurch ich nicht gemeinsam mit anderen Personen getestet werden konnte, sondern eine komplette Flasche, die eigentlich für 10 Personen, ausreicht alleine bezahlen musste, was dann 50€ gekostet hat. Des Weiteren musste man einen vollen Impfschutz haben und 3 Monate vor Abreise Stuhlproben und einen MRSA Test machen lassen, was nochmal über 100€ gekostet hat. Weitere gesundheitliche Vorkehrungen habe ich nicht getroffen.

Sicherheit

Grundsätzlich hatte ich keine Bedenken wegen der Sicherheit in Polen. Auch habe ich mich dort genauso sicher gefühlt wie in jeder anderen Stadt in Europa. Wir haben darauf geachtet, dass niemand nachts alleine nach Hause geht, sondern dass wir immer mindestens zu zweit sind.

Geld

In Polen wird in Zloty bezahlt: 1 Euro sind ungefähr 4,25 Zloty. In jeder Stadt gibt es mehrere Orte (in Polnisch „Kantor“), an denen man Geld wechseln kann, wobei der Kurs am Flughafen und in großen Einkaufszentren oder Touristenregionen bedeutend schlechter ist als in kleineren Städten. Fast alle Geschäfte akzeptieren aber auch Kreditkarten, nur in Restaurants, wenn man mit mehreren zusammen essen geht ist es oft einfacher, bar zu bezahlen. Insgesamt war der Alltag im Vergleich zu Deutschland relativ günstig, insbesondere das Essen. Für ca. 8€ hat man im Allgemeinen ein Hauptgericht mit Getränk in guten Restaurants bekommen und auch das Einkaufen im Supermarkt war etwas günstiger als in Deutschland.

Sprache

In Polen sprechen die Menschen nur zum Teil Englisch, man hat es also bedeutend leichter, wenn man Polnisch spricht. Vor allem im Supermarkt, in unserer Unterkunft oder beim Kauf von Zugtickets kommt man mit Englisch oft nicht weit, allerdings haben sich meistens nette Leute finden lassen, die einem beim Übersetzen helfen konnten oder man musste Google Translator benutzen. Auch die Schwestern und Pfleger auf Station und die Sekretärinnen im Krankenhaus haben kein Englisch gesprochen, was das ganze etwas erschwert hat, die meisten Ärzte konnten aber sehr gut Englisch. Wenn man Zugfahrkarten aber am Automaten kauft, kann man meistens Deutsch einstellen und auch sonst hat man manchmal Glück, dass ein paar alte Leute Deutsch sprechen, allerdings eher selten. Relativ viele Leute sprechen wirklich nur Polnisch.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit Lufthansa von Frankfurt direkt nach Bydgoszcz geflogen, weil das für mich am bequemsten war. Die meisten anderen sind in Warschau gelandet und dann mit dem Zug von dort nach Bydgoszcz gefahren. Wenn man im Osten von Deutschland zuhause ist, bietet sich eventuell auch eine Zugfahrt an.

Kommunikation

Die Kommunikation nach Hause war super einfach, da inzwischen keine Roaming-Gebühren mehr anfallen und wir im Studentenwohnheim zusätzlich Internet hatten und in den universitären Gebäuden auch das eduroam funktioniert hat, sodass es hier überhaupt keine Probleme gab.

Unterkunft

Alle Incomings wurden im selben Studentenwohnheim untergebracht. Wir haben uns immer zu zweit ein kleines Zimmer mit Toilette geteilt und hatten die Duschen auf dem Gang und auch eine Gemeinschaftsküche. Insgesamt war alles ziemlich sauber und wenn mal ein Problem bestand konnte man (auf Polnisch) der Frau an der Rezeption Bescheid sagen, die sich dann darum gekümmert hat. Der einzige Nachteil war, dass die Küche relativ klein war und es keinen Gemeinschaftsraum gab, sodass wir uns zum Abendessen häufig in ein Zimmer gequetscht haben. Die Lage des Studentenwohnheims war perfekt. Direkt vor der Tür waren Bushaltestellen in alle Richtungen und eine Tram-Haltestelle. In die Innenstadt ist man ca. 5-10 min. gelaufen und zum Krankenhaus ca. 20min, hier ist aber auch ein Bus gefahren.

Literatur

Wie vorher schon erwähnt war das Handbuch der IFMSA Polen ganz hilfreich, ansonsten habe ich mir Internetseiten zu den Sehenswürdigkeiten in Bydgoszcz und anderen Städten, die ich in der Zeit in Polen besuchen wollte, angeschaut. Allerdings machten die CPs immer wieder Empfehlungen und Vorschläge, was man sich in der näheren Umgebung angucken könnte oder unternehmen könnte.

Mitzunehmen

Besonders nützlich war ein Teller, Tasse und Besteck, da in der Küche im Wohnheim nicht alles vorhanden war und die meisten anderen Incomings sich diese Sachen im Supermarkt kaufen musste, was allerdings auch ziemlich günstig war. Dann hatte ich noch eine Wäscheleine dabei, die ich quer durchs Zimmer gespannt habe und dort die Sachen getrocknet habe, die ich von Hand gewaschen habe (es gab aber auch einen Raum mit Waschmaschine, wo man seine Wäsche aufhängen konnte). Ansonsten habe ich eigentlich nichts Besonderes mitgenommen. Man sollte halt darauf achten, dass es nicht immer nur warm ist im Sommer in Polen, also auch etwas wärmeres zum Anziehen und einen Regenschirm mitnehmen.

Reise und Ankunft

Die Reise verlief unproblematisch. Meine CP war am Tag meiner Ankunft selbst noch im Ausland, sodass sie jemand anderen organisierte, die mich und eine andere Incoming, die ich schon in Frankfurt am Flughafen traf, abholte. Sie zeigte uns das Studentenwohnheim, klärte dort alles Organisatorische auf Polnisch für uns und zeigte uns die Stadt. Wir fühlen uns also schon am ersten Tag gut aufgehoben und hatten auch schon eine Whatsapp-Gruppe mit allen Incomings und CPs, sodass wir schon am ersten Abend mit ein paar anderen Incomings zum Essen waren.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war gemeinsam mit einem Incoming aus Italien in der Orthopädie und wir haben eigentlich alles zusammen gemacht. Jeden Morgen haben wir uns um 8 Uhr bei unserem Tutor gemeldet und uns wurde dann gesagt, ob wir im OP oder in der Notaufnahme sind. Im OP haben wir am Anfang nur zugeguckt, aber uns wurde viel auf Englisch erklärt, sowohl Röntgenbilder als auch der Ablauf der Operation selbst. Ab der zweiten Woche durfte sich zwischendurch immer abwechselnd einer von uns waschen und assistieren. Die häufigste OP war die Hüft-TEP; wir haben allerdings auch eine Knie-TEP, eine OP des Hallux valgus, einige Knie-Arthroskopien und einige Operationen bei dislozierter Fraktur im Kindesalter gesehen; assistiert haben wir aber nur bei Hüft-Operationen, da diese von unserem Tutor durchgeführt wurden. Schon zu Beginn unserer Famulatur wurde uns erklärt, dass im August viele der Ärzte im Urlaub sind und deshalb wohl nicht so viel zu tun ist wie in den anderen Monaten; so war zum Beispiel der Knie-Spezialist die ersten beiden Wochen unserer Famulatur nicht im Krankenhaus, sodass wir am Anfang keine Knie-Operationen sehen konnten. Trotzdem haben sich die Ärzte bemüht, uns verschiedene Operationen zu zeigen und uns immer gesagt, welche Operationen in den beiden orthopädischen OP-Sälen stattfinden. Wir konnten dann immer selbst entscheiden, welche Operation wir uns ansehen möchten. In der Notaufnahme war oft nicht so viel zu tun, sodass erst ab 10 Uhr ein Arzt da war, also warteten wir erst einmal 2 Stunden. Danach kam es auf den Arzt an; wenn der Arzt Englisch sprach, haben wir viel erklärt und gezeigt bekommen und vor allem einige Grundlagen der Untersuchung bei alltäglichen Verletzungen gelernt; konnte der Arzt kein Englisch haben wir nur danebengestanden und zugeguckt und eigentlich nichts gelernt. Einen Tag waren wir auch in der Poliklinik, wo die Nachkontrolle bereits operierter Patienten stattfand. Auch hier hat uns unser Tutor einiges erklärt und uns selbst die Bewegungsgrade der Hüfte beim Patienten untersuchen lassen. In der Regel sind wir zwischen 12 und 3 Uhr nach Hause gegangen, durften aber eigentlich jederzeit gehen, wenn wir gefragt haben. Grundsätzlich hat man sich gut um uns gekümmert und versucht, uns einiges zu zeigen und zu erklären. Es war auch kein Problem, wenn wir wegen eines Ausfluges einen Tag nicht ins Krankenhaus gehen konnten; wir haben unserem Tutor am Tag vorher Bescheid gesagt und meistens hat er uns noch Tipps gegeben, was man in der Stadt noch besichtigen sollte. An zwei Tagen waren wir im Simulationszentrum, das erst letztes Jahr erbaut wurde. Dort haben wir Basic Life Support, Intubieren, das Legen einer Magensonde, Harnblasenkatheter, Venenpunktion, Auskultation von Herz und Lunge und endoskopisches Operieren geübt.

Land und Leute

Insgesamt war ich echt beeindruckt von Bydgoszcz und Polen. Die Städte sind super schön und sauber und vor allem im Stadtzentrum sind viele neue Gebäude zu finden. Besonders Bydgoszcz hat mir sehr gut gefallen, mitten durch die Stadt fließt ein Fluss mit vielen Parks und Wiesen drum herum, viele Brücken, ein schönes Stadtzentrum und viele Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Auch die Menschen waren sehr freundlich und hilfsbereit und die meisten versuchten, auch wenn sie nur wenig Englisch sprachen uns zu helfen, wenn wir Fragen hatten. Die polnischen Studenten und auch Ärzte haben sich sehr gut um uns gekümmert.
Wir waren 19 Incomings in Bydgoszcz und hatten eine unglaublich schöne Zeit dort. Unter der Woche waren wir morgens im Krankenhaus und haben uns zwischen 13:30 und 15 Uhr immer neben dem Studentenwohnheim in der Kantine zum Mittagessen getroffen, was für uns kostenlos war. Es gab immer relativ viel Auswahl an Fleisch und immer Kartoffeln als Beilage und die Portionen waren riesig. Während des Essens haben wir dann meistens zusammen überlegt, was wir nachmittags und abends unternehmen könnten. Unsere Beschäftigungen am Nachmittag und abends waren dann Dinge wie Kayak fahren, Trampolin springen, Wakeboard fahren, grillen, Eis essen, Karten spielen im Park, Essen gehen, Billiard, Karaoke, Bowling und auch die Clubs und Bars kamen nicht zu kurz. Das beste Eis in Bydgoszcz gibt es direkt am Flussufer: dort werden neben den gewöhnlichen Eissorten jeden Tag drei andere Eissorten angeboten, sodass wir mindestens zweimal pro Woche Eis essen waren. Das allerbeste Eis, das ich in Polen gegessen habe, gab es allerdings in Krakau nahe dem Marktplatz. Die CPs haben sich sehr engagiert und uns immer wieder Vorschläge gemacht, was wir noch alles unternehmen können und angeboten, das alles für uns zu organisieren. Wenn sie Zeit hatten, haben sie uns auch Gesellschaft geleistet. An drei von vier Wochenenden war ein Social Programm (NICE Project) organisiert, für das man sich im Vorfeld anmelden musste: dadurch waren wir in Krakau, Breslau und Danzig und haben auch die Incomings vieler anderer Städte kennengelernt. Das Programm in Breslau, Krakau und Danzig war zwar ziemlich anstrengend, weil wir von morgens bis abends Besichtigungen, Stadtführungen usw. hatten uns jeden Abend eine Party auf dem Plan stand, aber dafür haben wir in der Zeit von Freitag bis Sonntag viel von den Städten sehen können. In Krakau war der Sonntag komplett für die Rückreise geplant, sodass wir den Sonntag genutzt haben um das Konzentrationslager Auschwitz zu besichtigen. Das einzige Wochenende, an dem kein Social Programm stattfand, haben wir genutzt, um nach Thorn zu fahren. Thorn liegt nur ca. 40km von Bydgoszcz entfernt und ist eine wunderschöne Stadt, die besonders für ihren Lebkuchen bekannt ist. Am 15. August ist in Polen Feiertag, sodass wir an dem Tag noch nach Posen gefahren sind. Wir haben also unsere Freizeit ausgiebig genutzt um so viel wie möglich von Polen zu sehen und ich muss sagen, dass wir bei weitem noch nicht alles gesehen haben und ich gerne noch einmal nach Polen reisen möchte. Einige von uns, die nicht an allen Wochenenden am Social Programm teilgenommen haben, haben anstatt Krakau, Breslau und Danzig andere Städte besucht, wie zum Beispiel Warschau oder auch Berlin; einige haben auch die günstigen Flüge von Danzig nach Stockholm oder Kopenhagen genutzt.

Fazit

Zum Abschluss kann ich sagen, dass meine Erwartungen vollkommen übertroffen wurden und es eine wirklich tolle Erfahrung war, die ich nur jedem empfehlen kann. Auch wenn Polen nicht meine erste Wahl war, bin ich nun doch sehr froh, dass ich in Polen gelandet bin, weil die Organisation der IFMSA Polen richtig gut war und man immer einen Ansprechpartner hatte und man viel Zeit mit den anderen Incomings verbracht hat, neue Freunde gefunden hat und es nicht eine Minute langweilig war.

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