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Kuwait (KuMSA)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Christopher, Berlin

Motivation

Fremde Kulturen zu entdecken ist seit langem eine große Leidenschaft von mir. Durch die ehrenamtliche Mithilfe in einer Flüchtlingsunterkunft bin ich zum ersten Mal intensiv mit der arabischen Kultur in Kontakt gekommen. Diese hat mich sofort fasziniert und ich wollte sie näher kennen lernen.
Anders als beispielsweise Dubai ist Kuwait deutlich weniger touristisch. Die Famulatur in Kuwait ist eine einzigartige Möglichkeit Land, Leute und natürliche die medizinische Versorgung kennen zu lernen. Durch die Arbeit im Krankenhaus erhoffte ich mir allgemein, den kulturell angemessenen Umgang mit muslimischen PatientInnen zu erlernen.

Vorbereitung

Die Vorbereitung meines Aufenthalts verlief äußerst unproblematisch. Ich habe mich auf einen Restplatz beworben, innerhalb weniger Tage meine Zusage der bvmd erhalten und konnte meinen Aufenthalt planen. Die Kommunikation mit der Gastorganisation war unkompliziert und Fragen wurden innerhalb eines Tages beantwortet.

Visum

Das benötigte Visum wird deutschen Staatsangehörigen „on arrival“ für maximal drei Monate erteilt. Man bezahlt lediglich 3 KD (ca. 9€) und muss ein Formular ausfüllen. Bei meiner Ankunft um ein Uhr nachts gab es keine Schlange oder ähnliches und ich habe das Visum in wenigen Minuten erhalten.

Gesundheit

Es sind keine besonderen Vorkehrungen zu treffen. Der Impfstatus nach STIKO und Hepatitis A Impfung sind ausreichend. Die medizinische Versorgung in Kuwait ist gut. Eine normale Reiseapotheke mit Schmerztabletten, Pflastern etc. genügt.

Sicherheit

Kuwait ist, trotz der zum Teil angespannten Lage in den Nachbarländern, ein sehr sicheres Land. In keiner Situation habe ich mich bedroht oder unsicher gefühlt. Ich habe während meines Aufenthalts von keinem Diebstahl oder ähnlichem in meinem Umfeld gehört. Die größte Gefahr geht vom chaotischen Straßenverkehr aus. Laut meiner Kontaktperson sterben täglich ungefähr zwei Menschen auf Kuwaits Straßen und bei einer Autofahrt sieht man so manchen Unfallwagen neben der Straße stehen.

Geld

Die Währung ist der Kuwait Dinar (KWD). Es ist die stärkste Währung der Welt, 1KWD sind ca. 3€. An Bargeld kommt man leicht mit der Kreditkarte am Bankautomaten oder man kann auch Euros in Wechselstuben umtauschen.
Die Preise im Supermarkt sind in etwa mit denen in Deutschland zu vergleichen. Im Restaurant essen zu gehen ist relativ teuer, dagegen sind Taxifahrten deutlich billiger.
Insgesamt ist das Preisniveau ungefähr gleich wie in Deutschland.

Sprache

Die offizielle Amtssprache ist Arabisch. Die Kommunikation mit dem medizinischen Personal im Krankenhaus ist jedoch problemlos in Englisch möglich. An der Universität wird im Medical English und nach nordamerikanischen Leitlinien unterrichtet.
Die Kommunikation mit den PatientInnen ist dagegen schwieriger ohne heimische Sprachkenntnisse. In Kuwait gibt es jedoch auch sehr viel GastarbeiterInnen, die größtenteils ebenfalls Grundkenntnisse in Englisch beherrschen.

Verkehrsbindungen

Das Transportsystem in Kuwait ist auf den Individualverkehr mit Autos ausgelegt. Die Wege sind weit, ein öffentliches Verkehrssystem existiert nur sporadisch und Fußwege sind nicht immer vorhanden. Besonders im Sommer gibt es Temperaturen bis zu 50°C, die lange Fußwege verhindern. Die Unterkunft lag relativ weit außerhalb der Stadt. Glücklicherweise habe ich relativ viel mit Kollegen von der Arbeit und Freunden von der Austauschorganisation unternommen, die mich in der Regel mit dem Auto abgeholt haben. Alternativ gibt es die Möglichkeit ein Taxi zu nehmen. Die Fahrt in die Stadt kostet pro Richtung ca. 2-3 KD (6-9€). Es ist günstiger den Preis vorher mit dem Fahrer zu vereinbaren, statt das Taximeter zu benutzen.

Kommunikation

Am ersten Tag habe ich mit meiner Kontaktperson eine Sim-Karte gekauft. Mobiles Internet ist günstig (25 GB für ca. 24€) und der Empfang überall gegeben. Die Kommunikation verlief meistens über WhatsApp und Sprachanrufe. Social Media sind extrem wichtig in Kuwait, besonders Snapchat und Instagram erfreuen sich großer Beliebtheit bei den Einheimischen.

Unterkunft

Die Unterkunft, ein Studentenwohnheim, war relativ abgelegen und schon ziemlich in die Jahre gekommen. Zum Zeitpunkt meines Aufenthalts liefen Vorbereitungen in ein neues Gebäude umzuziehen, in dem ein deutlich höherer Standard sein soll. Der Umzug sollte einen Monat nach meiner Abreise vollzogen werden.
Im August sind in Kuwait Sommerferien, was bedeutet das die allermeisten Studenten verreist sind. Glücklicherweise gab es noch einen weiteren Austauschstudenten aus Russland, ohne ihn wäre der Aufenthalt in dem größtenteils verlassenen Komplex recht einsam geworden.

Literatur

Zur Vorbereitung habe ich kaum Literatur gelesen. Ich habe mir den Lonely Planet „Arabische Halbinsel“ gekauft, in dem es ein Kapitel über Kuwait gibt. Für die fachliche Vorbereitung habe ich einige Kapitel im Buch „Sprachkurs Medical English“ von Peter Gross bearbeitet.

Mitzunehmen

Alles mitnehmen, was man in einen Sommerurlaub mitnehmen würde (kurze Hosen, Badehosen…), dabei allerdings nicht vergessen, dass die Klimaanlagen in Kuwait äußerst leistungsfähig sind. Eine lange Hose und ein paar dünnere Pullis sind besonders für das Kino oder die Malls zu empfehlen. Einige Restaurants und Museen verlangen aus kulturellen Gründen für den Einlass, dass man eine lange Hose trägt.

Reise und Ankunft

Nach der Einreise wurde ich von meiner Kontaktperson vom Flughafen abgeholt und in die Unterkunft gebracht. Da dies um zwei Uhr nachts war, haben wir uns am nächsten Tag getroffen um die Sim-Karte und einige Lebensmittel zu kaufen. Die Ankunft und das Abholen hat einwandfrei geklappt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Tag habe ich mich gemeinsam mit meiner Kontaktperson auf die Suche nach meiner Station begeben. Nach längerem hin und her sind wir dort angekommen und ich habe direkt an der täglichen Stationsrunde teilgenommen. Ich habe in der Abteilung für Innere Medizin, in der Unit A auf der Station 25 (Frauenstation) famuliert.

Wichtigster Tagespunkt war während der gesamten Zeit die alltägliche Stationsrunde. Diese hat in der Regel um neun begonnen und dauerte meistens gute zwei Stunden. In dieser Zeit wurden alle PatientInnen begutachtet, neue PatientInnen vorgestellt und das weitere Procedere besprochen.
Tagesbeginn war meistens zwischen 7:30-8:00 Uhr. Bis zur Stationsrunde habe ich mir die wichtigsten Dokumente und Daten der einzelnen PatientInnen angeguckt und gegebenenfalls zu speziellen Krankheitsbildern recherchiert.
In der Stationsrunde selbst konnte ich die Planung der Diagnostik und der Therapie für die einzelnen PatientInnen mit nachvollziehen. Zwischendurch wurde ich gelegentlich zu den Fällen befragt. Während der Runde gab es leider wenige Möglichkeiten, seine praktischen Fähigkeiten zu erweitern. Sie waren jedoch eine gute Möglichkeit sein theoretisches Wissen zu testen und auch in Deutschland seltenere Fälle zu betrachten.

In den ersten zwei Wochen meines Aufenthalts konnte ich nach der Stationsrunde bereits in den Feierabend gehen. Zur zweiten Hälfte des Praktikums kam eine Oberärztin aus dem Urlaub zurück, mit der ich vermehrt Praktisches üben konnte. Eine Woche lang haben wir jeden Tag ein Organsystem systematisch wiederholt und untersucht. Als Prüferin konnte sie mir dabei wertvolle Tipps bei der Untersuchung geben. In der letzten Woche haben wir täglich ein bestimmtes Krankheitsbild wie beispielsweise Diabetes und die Komplikationen, Hepatitis oder Tuberkulose besprochen. Aus der zweiten Hälfte des Praktikums habe ich somit sehr viel für den deutschen Klinikalltag mitgenommen und konnte meine praktischen Fertigkeiten erweitern.

Besonders interessant war für mich das Gesundheitssystem. Die Gesundheitsversorgung ist für Kuwaitis kostenlos, ausländische StaatsbürgerInnen müssen jedoch für ihren Aufenthalt bezahlen. Dies ist vor allem für die sehr schlecht verdienenden GastarbeiterInnen aus Südostasien und Indien eine große Herausforderung.
Generell war der Personalschlüssel auf der Station komplett anders als in Deutschland. Jeder Arzt war lediglich für 4-5 PatientInnen verantwortlich. Seltenst blieb ein Arzt länger als bis zwei Uhr im Krankenhaus. Das Pflegepersonal bestand auf meiner Station nur aus Frauen, die vorwiegend aus Indien kamen. Jede Krankenschwester war für etwa 2-3 PatientInnen verantwortlich. Allerdings haben viele PatientInnen ihre eigene Krankenschwester von zu Hause mitgebracht, die den Großteil der pflegerischen Arbeit übernahm.

Es gab auf meiner Station viele PatientInnen, die bereits seit 2 oder mehr Jahren dort waren. Diese wurden meist künstlich beatmet und es gab aus meiner Sicht keinen Grund für den Krankenhausaufenthalt. Meistens wollten die Angehörigen die PatientInnen im Krankenhaus behalten und es gab für die Ärzte keine Möglichkeit eine alternative Betreuung zu organisieren. Die palliative Versorgung ist deutlich geringer entwickelt als in Deutschland.

Land und Leute

Kuwait befindet sich im Wandel. Es ist kaum zu glauben, welche Veränderungen hier in den letzten 60 Jahren stattgefunden haben. Die Förderung des Öls hat in Kuwait eine neue Zeit eingeläutet. Kuwait ist ein Wohlfahrtsstaat. Über 90% aller Kuwaitis sind vom Staat angestellt, es gibt keine Steuern und der Benzinpreis ist bei 30 Cent pro Liter. Die Gehälter der Ärzte sind etwas höher als in Deutschland, allerdings gibt es hier keinerlei Abgaben. Brutto ist gleich Netto.
Die StudentInnen in Kuwait erhalten pro Monat 600€ „Taschengeld“ vom Staat. Da sie bei ihren Eltern wohnen und von diesen ebenfalls noch unterstützt wurden, war es keine Seltenheit von einem Studenten im schicken neuen Mercedes abgeholt zu werden.

Kuwait ist das offenste und demokratisch fortschrittlichste Land auf der Arabischen Halbinsel. Die arabische Kultur und gesellschaftliche Erwartungen prägen dennoch das Land und seine EinwohnerInnen. Frauen und Männer können sich beispielsweise, zumindest öffentlich, kaum einfach so auf einen Kaffee treffen. Freizügige Kleidung ist unerwünscht. In manchen Museen und Restaurants wird für den Eintritt gefordert, dass die Kleidung Schultern und Knie bedeckt.

Die Freizeitaktivitäten der Kuwaitis spielen sich vor allem in Malls und Restaurants ab. Das gemeinsame Essen gehen mit Freunden oder der Familie ist eine der Hauptaktivitäten. Die Liebe zum Essen und die mangelnde Bewegung (alle Wege werden mit dem Auto gemacht) führen allerdings auch zu massiven gesundheitlichen Problemen wie Adipositas und Diabetes in der Bevölkerung. Am Wochenende steht abends das Treffen mit der Familie im Vordergrund. Der Familienzusammenhalt ist extrem wichtig.

Die Kuwaitis selbst waren uns gegenüber immer äußerst gastfreundlich. Als Gast steht man der großen Herausforderung gegenüber, für sein Essen oder ähnliches zu selbst zu bezahlen. Immer wenn man mit jemand neuen unterwegs ist, wird man zu allem eingeladen. Dies gilt im besonderen, wenn die andere Person einen Job hat.
Der Umgang miteinander war immer herzlich und äußerst hilfsbereit. Die vielen Gespräche mit unseren Kontaktpersonen und den Ärzten auf Station haben mir einen tiefen Einblick in die Denkweise dieses Landes gegeben. Diese Erfahrung kann man niemals als ein Tourist erleben und war das Highlight meines Aufenthalts.

Auch wenn Kuwait im Vergleich zu beispielsweise Dubai wenig „spektakuläre“ Orte hat und nur wenige Touristen das Land besuchen, hat meine Kontaktperson mir viele versteckte Orte der Einheimischen zeigen können. Für diesen authentischen Einblick in die Lebensweise der Einheimischen bin ich ebenfalls sehr dankbar.

Fazit

Insgesamt war mein Aufenthalt eine wertvolle Erfahrung. Durch den engen Kontakt mit den Einheimischen und den guten Einblick in das Gesundheitssystem habe ich viel über das Land und die medizinische Versorgung lernen können. Suboptimal war für mich die Verpflegung und die Unterkunft. Beides wird sich aber in den nächsten Wochen nach meinem Aufenthalt ändern.
Ich kann empfehlen ein wenig auf die Auswahl des Monats zu achten. Im August sind viele Kuwaitis verreist, es finden keine Kurse in der Universität statt und die meisten StudentInnen in der Unterkunft sind in ihren Heimatländern. Allerdings haben die daheimgebliebenen Kuwaitis viel mehr Zeit für einen und können viel mehr mit einem unternehmen. Ich möchte hiermit keine Empfehlung für oder gegen meinen Reisemonat August aussprechen. Allerdings sollte man sich überlegen, ob dieser Monat für einen persönlich passt.

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