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Russia (HCCM)

Verschiedene - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Anfangs hatte ich den Wunsch, ein afrikanisches Land zu besuchen. Da ich in der Erstauswahl keine Zusage erhielt, nahm ich an der Restplatzvergabe teil und erlangte einen Platz in Russland. Durch diese Wahl bekam ich die Möglichkeit mir ein Bild eines mir bisher unbekannten Lands zu machen, in dem ich weder schon einmal gewesen war, noch einen starken Bezug hatte, und wie sich herausstellte auch Vorurteile hegte.

Vorbereitung

Da für Vorbereitungen nicht viel Zeit blieb, ging ich ohne starke Erwartungen und Vorstellungen nach Russland und versuchte mich offen auf die Umstände vor Ort einzulassen. Da sich vor Ort noch manches der ursprünglichen Organisation, wie das Famulaturfach änderten, stellte sich so eine Offenheit als Vorteil heraus. Bleibt einem jedoch mehr Zeit zur Vorbereitung, wären Grundkenntnisse in der russischen Sprache sowie das Lesen des kyrillischen Alphabets bestimmt hilfreich.

Visum

Russische Touristenvisa werden für deutsche Staatsbürger nur über einen Zeitraum von 30 Tagen vergeben. Ein längerer Aufenthalt kann nur durch ein Arbeitsvisum ermöglicht werden, dass jedoch im Rahmen einer Famulatur nicht vergeben wird. Da ich mein Praktikum im Krankenhaus allerdings als Anlass nehmen wollte um noch durch Russland zu Reisen und tiefer in das Land einzutauchen nutzte ich meine zweite Staatsbürgerschaft und reiste mit meinen peruanischen Pass ein. So bekam ich die Möglichkeit mich ohne Visum oder anderer Nachweise 90 Tage in Russland aufzuhalten.

Gesundheit

Bezüglich meiner Gesundheit musste ich keine speziellen Vorkehrungen mehr treffen. Mein Impfstatus war schon vorher auf einem aktuellen Stand, als Nachweis hatte ich meinen Impfpass dabei. Auch eine einfache Auslandskrankenversicherung hatte ich bereits von anderen Auslandsaufenthalten.

Sicherheit

Glücklicherweise fühlte ich mich während meines Aufenthaltes nie unsicher oder ängstlich. Da ein tolles „social program“ für uns organisiert war und wir eine große Gruppe von ca. 15 Leuten waren gab es selten Situationen in denen Personen alleine unterwegs waren. War dies der Fall, vergewisserte sich immer jemand von deren Wohlsein.

Geld

In einer großen Stadt wie St. Petersburg stellt es heutzutage kein Problem dar einen Geldautomaten zu finden an dem man direkt in Rubel abheben kann oder eine Bank in der man vertrauensvoll Währungen wechseln kann. Meine Ausgaben hielten sich relativ gering, auch dadurch bedingt, dass Mittagessen sowie Unterkunft von der bvmd getragen werden, was schonmal eine starke Entlastung bietet. Die stärksten Ausgaben entstanden durch den Besuch von Sehenswürdigkeiten besonders der touristisch sehr beliebten wie der Peterhof. Das Leben in Russland ist generell aber wohl günstiger als in Deutschland, gerade Dienstleistungen werden weniger vergütet, sodass man z.B. relativ preiswert essen gehen kann.

Sprache

Trotz meiner Befürchtung, dass Englisch in Russland wenig verbreitet ist bin ich auch ohne Russisch Kenntnisse gut zurecht gekommen. Im Krankenhaus waren besonders die russischen Ärzte/-innen als gute Gastgeber sehr bemüht mir Gesprochenes auf Englisch zu übersetzen und mir viel zu Erklären. In Umgebungen in denen ich unsicher war ob Englisch gesprochen werden würde, wie zum Beispiel am Bahnschalter, war es hilfreich, Dinge im vorhinein aufzuschreiben oder zu verbildlichen und vorzuzeigen.

Verkehrsbindungen

In den Städten St. Petersburg sowie Moskau besteht ein gut ausgebautes U-Bahn Netz, dass seit der Fußball Weltmeisterschaft 2018 auch leicht verständlich und auf Englisch übersetzt, abgebildet wird. Für den Transport in andere Städte eignen sich die Bahn. Hier gibt es sogar eine Internetseite auf englisch auf der die Fahrtzeiten mit Preisen verlässlich nachgeschaut werden können.

Kommunikation

Da sich alle internationalen Studenten meiner Gruppe eine russische SIM Karte kauften konnten wir uns über whats app vernetzen. Anbieter bieten Handy Pakete ab einem Preis von 250 Rubel pro Monat an.

Unterkunft

Wir waren im Studentenwohnheim untergebracht. Die Verhältnisse dort sind sehr einfach: ein Zimmer teilt man mit zwei anderen Austauschteilnehmern, die Küche sowie Dusche und Toiletten mit dem ganzen Flur. An die hygienischen Bedingungen sollte man also lieber keine Ansprüche haben. Gleichzeitig war es schön mit den restlichen Teilnehmern am selben Ort zu wohnen, sowie Kontakt zu anderen Studenten aufzubauen und Einblick in deren Lebensbedingungen zu erlangen.

Literatur

Lektüre betrieb ich vorallem in Form von Romanen russischer Schriftsteller wie Tolstoy, Chekhov oder Bulgakov. Es macht nicht nur Spaß das Gesehene in deren Büchern wiederzufinden sondern erleichtert auch manchen Umgang der Russen einzuordnen.

Mitzunehmen

Selbst wenn man Dinge vergisst, kann man fast alles eigentlich auch dort kaufen. Bettwäsche wurde vom Wohnheim gestellt und es empfehlen sich Badelatschen zum Duschen. Um das internationale Dinner vielfältig zu gestalten, könnte man Spezialitäten aus dem Heimatland mitbringen und dann dort zubereiten. Auch schön sind kleine Geschenke aus dem eigenen Land falls man mal jemandem eine Freude machen will.

Reise und Ankunft

Es war eine große Erleichterung, als sich eine Woche vor meiner Ankunft Ashish bei mir meldete, um mir anzukündigen, dass er mich am Flughafen abholen würde. So konnte ich unbesorgt ins Flugzeug steigen und wurde in der Fremde empfangen und ins Wohnheim begleitet. Hier empfiehlt es sich auf humane Flugzeiten zu achten. Auch in den folgenden Tagen hatte ich Hilfe des lokalen Komitees auf der Suche nach einer russischen SIM Karte, einem Supermarkt, Geldautomaten,...

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Aufgrund von Ärztemangel durch Sommerurlaub im August gab es nur eine begrenzte Auswahl an Stationen die in Betrieb waren. So landete niemand von uns in seiner vorher gewählten Fachrichtung und mir wurde die pädiatrische Hämato-Onkologie zugeteilt. Am ersten morgen wurde ich von Lilly, der russischen LEO, begleitet, die mich dann auch den zuständigen Ärzten vorstellte. Diese waren mir gegenüber sehr freundlich und bemühten sich alle sehr mir die Abläufe der Station zu erklären, Patientengespräche zu übersetzen und mir fachliches Wissen zu vermitteln. Es tat sehr gut, dass sich jeder Zeit nahm und offen auf alle meine Fragen reagierte. Meist begann mein Praktikumstag um 9 Uhr zur allgemeinen Klinik Besprechung, von der aus jeder auf seine Station ging. Hier las man sich die aktuellen Untersuchungsergebnisse an, machte sich eine Idee zum weiteren Vorgehen und begann die Visite. Nach den Gesprächen mit den einzelnen Patienten in ihren Zimmern begann der ruhigere Teil des Tages, es wurde dokumentiert, beratschlagt und organisiert, bis ein gemeinsames Mittagessen aus mitgebrachten Speisen im Arztzimmer zubereitet wurde. Zu diesem Zeitpunkt des Tages verabschiedete ich mich meist, um mit der restlichen IFMSA Gruppe im nahegelegenen Restaurant Mittagzuessen. Darin, wann ich meinen Tag begann oder beendete, wie ich ihn gestalten wollte oder an welchen Tagen wir aufgrund des „social programs“ nicht zum Praktikum erschienen, wurde mir viel Freiraum gelassen. Da ich möglichst viele unterschiedliche Stationen sehen wollte, bat ich, anfangs mit Hilfe der zugeteilten Ärzte, später dann auch eigenständig um Erlaubnis auf anderen Stationen dabeibleiben zu dürfen. An manchen Tagen begleitete ich auch andere Studenten der Gruppe auf „ihre“ Stationen. Immer wurde ich nett empfangen obwohl die Kommunikation meist erst von meiner Seite ausging, wobei Sprache bestimmt als Hemmung erfahren wurde. So waren meine Tage sehr abwechslungsreich und ich konnte mir ein breiteres Bild von der medizinische Versorgung in St. Petersburg machen. Nachteilig an diesem häufigen Wechsel war vielleicht, dass ich kaum etwas selber gemacht habe. Bleibt man fest bei einem Arzt, der einen gut kennenlernt und bittet man darum, kann ich mir vorstellen, dass eigenständiges praktisches Arbeiten eher mal möglich ist. Insgesamt habe ich einen guten Einblick in die Hämato-Onkologie bekommen durch den ich auf das kommende Modul in ganz anderer Erwartung stehe und das neue Wissen dann besser zu verknüpfen hoffe.

Land und Leute

Die russische IFMSA Gruppe kümmerte sich mit viel Mühe um ein vielfältiges und volles Programm. Meist gab es nach dem Mittagessen eine kurze Pause nach der wir uns versammelten um gemeinsam die Museen, Paläste oder Parks von St. Petersburg zu erkunden. Am Wochenende gab es sogar das Angebot von Ausflügen in die Umgebung der Stadt, z.B. nach Vyborg. Auch lag es unseren Gastgebern am Herzen uns die russische Kultur nahezubringen, sodass wir in den Genuss von russischer Sauna, genannt Banya, kamen und das Glück hatten das Ballett Schwanensee im berühmten Mariinsky Theater zu bewundern. Teil eines guten „social programs“ sind auch die Feiern und das verrückte Nachtleben St. Petersburgs, sodass auch dafür genug Raum gelassen wurde. Da man bei einem so vollen Programm auch mal etwas Ruhe braucht oder eigene Interessen vorzog wurden Ruhetage eingeplant oder man machte sich selbständig und meldete sich von den Gruppenaktivitäten ab. Gefallen hat mir, dass der Aufwand betrieben wurde uns über ganze drei Tage zu einem Ausflug in die Hauptstadt Moskau mitzunehmen. Wir nahmen den Nachtzug und schliefen zwei Nächte in einem Schlafraum im Hostel. In Moskau wurde mir bewusst, dass es einiges an Erfahrung und Durchsetzungskraft bedarf eine so große Gruppe von 14 Leuten zu lenken. Die Tatsache, dass meine Gruppe insgesamt sehr jung und wenig Auslands erfahren war, machte es nicht unbedingt einfacher eine gemeinsame Entscheidung zu fällen oder eine eigene zu vermitteln. So zog sich vieles in die Länge und wir sahen viel von dem nicht was wir uns erwartet hatten. Grundsätzlich hatten wir aber eine gute Zeit zusammen und gemeinsam Erlebtes verbindet, sodass wir alle Freunde und Kontakte fürs Leben gewonnen haben. Gerade auf Reisen in Heimatländer anderer wird man sich bei den Leuten melden oder in der eigenen Stadt eine Unterkunft anbieten. Mit den russischen Ärzten/-innen kann ich mir auch vorstellen in Zukunft wiedermal in fachlichem Austausch zu stehen. Nach Russland werde ich bestimmt irgendwann nochmal zurückkehren. Die großen Städte überraschten mich mit ihrem kulturellen Angebot, ihrer Modernität und Sauberkeit. Das Bild Russlands in meinem Kopf, von einfachen Arbeitern konnte ich so durch eins von einem durch Vielfältigkeit geprägten Land, mit spannender Geschichte, interessanten Menschen und klugen Gedanken der Bevölkerung ersetzen. Gleichzeitig gibt es an wunderbarer Natur in Form von Seen, Bergen und Wäldern noch so viel zu entdecken. Schade, dass es vielen durch die Visums Begrenzung auf 30 Tage nicht mehr möglich war durch Russland zu reisen.

Fazit

Ich sehe ein Praktikum über die bvmd/IFMSA als tolle Möglichkeit ins Ausland zu gehen. Durch die starke finanzielle Unterstützung und Organisation wird einem vieles erleichtert. Persönlich brachte mich das Praktikum dazu in ein Land zu reisen, dessen Wunsch ich nie hatte zu besuchen, und eine besondere Verbindung zu Russland zu knüpfen.
Ich möchte mich bei Allen bedanken die sich in der bvmd einbringen und engagieren und damit einen Austausch erst möglich machen!

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