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Slovenia (SloMSIC)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Nora, Kiel

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Motivation

Ich wollte schon immer eine Zeit lang im Ausland arbeiten und es hat mich sehr interessiert, wie es in anderen Ländern im Krankenhaus ist und wie das Gesundheitssystem dort funktioniert.
Ursprünglich wollte ich einen Austausch nach Ghana machen, aber leider habe ich dafür keinen Platz mehr bekommen. Deshalb habe ich kurzerhand ein Land auf der Restplatzliste ausgesucht und das auch nicht bereut.
Wir haben vorher eine sehr schöne PDF-Datei über die Stadt und den Austausch bekommen und ich bin voller Vorfreude nach Slowenien gereist.

Vorbereitung

Ich habe vorher keine Kurse oder Seminare besucht und mich lediglich mit den Formalitäten beschäftigt. Am Anfang wirkte alles noch sehr unübersichtlich und als würde eine ganze Menge an Arbeit mit Dokumenten und Zetteln auf mich zukommen. Im Nachhinein habe ich es aber gar nicht als besonders aufwändig empfunden. Wenn man rechtzeitig die entsprechenden Unterlagen hochlädt und Impf- und Gesundheitsbescheinigungen zusammensammelt, dann kommen keine großartigen Schwierigkeiten auf einen zu. Ich brauchte lediglich eine Versicherungsbescheinigung und eine Bescheinigung über meinen Impfstatus für das Krankenhaus. Wir wurden vorher auch immer wieder vom slowenischen Austauschteam mithilfe einer Facebook und einer Whatsappgruppe an alle wichtigen Dinge erinnert.

Visum

Ich musste kein Visum beantragen, da ich meinen Austausch innerhalb der EU gemacht habe.

Gesundheit

Ich habe über die Apobank eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen. Impfungen hatte ich nur die entsprechenden Impfungen, die man auch in Deutschland braucht, wenn man im Krankenhaus arbeitet. Es ist allerdings eine Überlegung wert, sich für Slowenien eine FSME Impfung zu holen, da es dort sehr viele Zecken gibt.
Röntgen-Thorax etc. war nicht notwendig.

Sicherheit

Slowenien ist ein sehr sicheres und unbedenkliches Land. Ich habe mich nicht anders verhalten müssen, als ich es in Deutschland auch tue.
Ich habe vorher keine Angst gehabt, nach Slowenien zu reisen.

Geld

In Slowenien wird mit Euro gezahlt, dementsprechend musste ich vorher keine weiteren Vorkehrungen treffen. Ich konnte sowohl meine Bankkarte, als auch meine Kreditkarte problemlos benutzen und überall abheben.
Die Preise sind vergleichbar. Gemüse und Obst erschienen mir günstiger als in Deutschland, Snacks und Salate aus dem Supermarkt ebenso.
Drogerieprodukte sind allerdings deutlich teurer.
Normale Restaurantbesuche sind preislich ebenso vergleichbar mit Deutschland.

Sprache

In Slowenien sprechen die Menschen alle sehr gut englisch, vor allem die jungen Leute. Man kann sich deshalb eigentlich problemlos überall auf englisch verständigen.
Im Krankenhaus sprechen auch fast alle Ärzte und Ärztinnen ein sehr gutes englisch. Allerdings arbeiten im Krankenhaus auch viele Leute, die weniger gut englisch sprechen, dort war die Kommunikation manchmal etwas komplizierter.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Flixbus von Berlin angereist. Das ist zwar eine sehr lange und anstrengende Fahrt, war jedoch auch die günstigste Alternative. Ich habe pro Strecke ca. 40 Euro gezahlt.
Von Slowenien bin ich nach Italien und nach Ungarn gereist und habe für diese Wochenentrips auch immer ein Flixbusticket gebucht. Man kann von Slowenien aus relativ günstig in die Nachbarländer reisen.
In Ljubljana ist die Verkehrsanbindung auch überragend. Wir haben am ersten Tag eine Urbana Card gekauft, die man für die Busse und Fahrräder benutzen kann. Die Karte kostet ca. zwanzig Euro und ich habe vorab für 3 Euro im Internet die Jahresoption Bicikelj gebucht.
Mit den Fahrrädern kann man immer eine Stunde fahren und es gibt überall in der Stadt die Stationen um sich ein Fahrrad zu nehmen und wieder abzustellen.
Die Freiheit überall mit dem Fahrrad hinfahren zu können habe ich sehr genossen.
Die Busverbindungen sind auch zuverlässig und ich bin morgens von unseren Studentendorms häufig mit dem Bus zum Krankenhaus gefahren.

Kommunikation

Die meisten Austauschstudenten haben eine Prepaidkarte benutzt, die in unserem Willkommenspaket war. Ich wollte allerdings keine neue Nummer benutzen und habe mein normales Roaming benutzt.
Leider war allerdings das Wlan in unserem Studentenheim ziemlich schlecht und hat nicht immer gut funktioniert. Dementsprechend war min monatliches Internet in diesem Monat ziemlich schnell verbraucht und ich konnte es nur noch mit reduzierter Geschwindigkeit benutzen, was manchmal ein wenig nervig war.

Unterkunft

Ich habe in einem Studentenwohnheim direkt neben dem Tivoli Park gewohnt. Wir hatten alle ein Zimmer, welches man sich mit einem anderen Studenten geteilt hat. Ich hatte allerdings Glück und meine Mitbewohnerin schien den ganzen Monat im Urlaub gewesen zu sein. Ich hatte das Zimmer für mich.
Die Unterkunft wurde uns gestellt und ich habe nichts dafür gezahlt. Wir hatten einen Kühlschrank, einen Schrank, ein Bett und einen Schreibtisch im Zimmer. Bettwäsche haben wir bei unserer Anreise bekommen und konnten sie einmal in diesem Monat wechseln, da der Hausmeister nicht öfter dort war.
Wir konnten außerdem für eine Pfandgebühr Geschirr und eine Pfanne etc. von der lokalen Austauschgruppe ausleihen.

Literatur

Ich habe vorher ein paar Mal in einigen Reiseführern über die Stadt und das Land geblättert. Ich habe allerdings nicht wirklich Fachliteratur oder besondere Internetseiten gelesen.
Es hat mir auf jeden Fall geholfen, dass ich Gynäkologie gerade im Semester vor dem Austausch in der Uni hatte.

Mitzunehmen

Ich hatte Klamotten für gutes und schlechtes Wetter dabei, Badesachen, Sportsachen etc.
Es war praktisch, dass ich zwei Tupperdosen dabei hatte. Empfehlenswert ist ein bisschen Waschmittel für zwei oder drei Waschmaschinenfüllungen, damit man keine riesige Packung dort kaufen muss.
Ansonsten das übliche Gepäck, was man so braucht.

Reise und Ankunft

Bei meiner Anreise gab es keine Probleme und ich wurde von einer slowenischen Studentin vom IFMSA Team abgeholt und direkt zu den Studentenwohnheimen begleitet.
Wir hatten ein paar Tage Zeit zwischen Ankunft und Praktikumsbeginn und es gab eine ganze Menge Social Program: zB. einen National Food und Drinks Abend, eine Stadtführung, eine Fotorallye etc.
So konnte man sich ziemlich schnell kennenlernen und auch die Stadt vor Praktikumsbeginn schon genau erkunden.
Ins Krankenhaus wurden wir auch von einem Studenten begleitet und allen vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe in der Gynäkologie und Geburtshilfe gearbeitet und jede Woche einen anderen Bereich angeschaut. Meist habe ich gegen neun Uhr angefangen und in der ersten Woche war ich im OP. Dort wurde mir sehr viel erklärt und ich habe spannende OPs gesehen. Die Ärzte und Ärztinnen waren sehr freundlich und hatten Lust zu lehren, das hat mir sehr gut gefallen. Etwas Selbermachen konnten wir dort allerdings nicht.
Verständnisschwierigkeiten gab es nur manchmal mit einigen Pflegekräften oder anderem Personal, wenn wir uns nicht auf englisch unterhalten konnten.
Zwischen den Operationen habe ich auch einiges über das medizinische System in Slowenien gelernt und über die Ausbildung dort.
Die zweite Woche habe ich in der Geburtshilfe verbracht. Dort war es zuerst etwas schwieriger, denn die ersten paar Tage hatte man nur das Gefühl im Weg zu stehen und wusste nicht so wirklich welcher Arzt oder welche Ärztin zuständig für die Studenten war. Am Ende habe ich jedoch einige Ärztinnen gefunden, die Lust hatten etwas zu erklären und ich durfte sogar bei einem Kaiserschnitt assistieren. In der Geburtshilfe war es sehr wichtig sich jeden Tag wieder bei allen vorzustellen, damit das Personal weiß wer man ist und dass man ein Student ist. Andernfalls würde sich niemand darum kümmern einen mitzunehmen.
Man kann außerdem sehr gut bei den Hebammen mitlaufen und zuschauen. Die Hebammen haben uns gerne etwas gezeigt und erklärt. Wichtig ist es sich immer bei den Eltern vorzustellen und vorher nachzufragen, ob es in Ordnung ist, wenn man bei der Geburt im Raum ist. Die meisten Eltern hatten keine Probleme damit.
Die Geburten habe ich als sehr bewegend und einzigartig empfunden.
Den nächsten Teil habe ich in der Neonatologie verbracht.
Dort ist es natürlich auch sehr schwierig einen Studenten zu beschäftigen. Dennoch gab es dort einige Ärzte, die sehr viel erklärt haben und ich habe viel daraus mitgenommen. Für einen langen Zeitraum eignet sich diese Station jedoch trotzdem nicht, da man eher wenig praktische Dinge lernen kann.
Insgesamt habe ich sehr viel gelernt und sehr viele spannende OPs, Kaiserschnitte und Geburten gesehen.
Mir hat es auch sehr gut gefallen, dass wir bei besonders gutem Wetter auch mal früher nach Hause geschickt worden sind um Ljubljana zu genießen.
Das Austauschteam hat außerdem bestimmte Workshops angeboten: zum Beispiel einen Naht-und Knotenkurs, einen Ultraschallkurs etc. Diese Angebote haben mir sehr gut gefallen, um bestimmte theoretische Kenntnisse noch zu verfestigen.

Land und Leute

Wir hatten ein überragendes Social Programm, die Gastgebergruppe hat sich damit immer sehr viel Mühe gegeben und man konnte jeden Tag daran teilnehmen, wenn man Lust hatte. Es gab Pub-Abende, Karaoke, Wandertrips, Schwimmbad, einen Ausflug zum See, Eislaufen, Bowling und vieles mehr.
Wir hatten immer das Gefühl, dass auch das Austauschteam sehr viel Spaß daran hatte und gerne etwas mit uns Austauschstudenten unternommen hat.
An den Wochenenden wurden außerdem mehrtätige Trips innerhalb des Landes organisiert, zum Beispiel zum Wandern, ans Meer, zum bekannten Lake Bled und vieles mehr.
Sehr empfehlenswert ist der Slovenia's Finest Trip - Rating, Canyoning etc. Wir sind erst auf dem Fluss raften gewesen und danach durch Flussbetten und Schluchten geklettert, um dort Wasserfälle runterzuspringen und zu rutschen etc. Danach haben wir zusammen Barbecue gemacht. Das Wochenende war sehr actionreich und hat sehr viel Spaß gemacht.
Es bietet sich auf jeden Fall an in die Nachbarländer zu reisen, ich war in Triest, Venedig und Budapest und das hat sich sehr gelohnt. Die Flixbustickets waren eigentlich nie teurer als vierzig euro, oft auch weniger und man ist vor allem schnell in Italien. Viele Studenten sind auch nach Kroatien gefahren und haben davon sehr geschwärmt.
In Ljubljana kann man sehr gut essen gehen und für Studenten gibt es das Student Coupon System - sehr empfehlenswert. Für zwei bis drei Euro kann man mit diesen Coupons tagsüber in vielen guten Restaurants essen und bekommt eine Vorspeise, einen Hauptgang und eine Nachspeise.
Am besten gefallen hat mir das Restaurant ABI Falafel - die Falafel Teller dort muss man ausprobiert haben. Sehr sehr lecker.
Es loht sich auch sehr in Ljubljana das Castle auf dem Hügel zu besichtigen, der Weg dorthin macht Spaß und die Aussicht von dort oben ist fantastisch. Die vielen Kunstwerke in Metelkova, einem hippen Künstlerspot in Ljubljana, sind auch einen Besuch wert. Es gibt außerdem viele unterschiedliche Museen.
Sportlich kann man auch eine Menge unternehmen: im Tivoli-Park kann man sehr gut joggen, auf dem Fluss kann man Stand-Up-Paddling machen und bei unseren Studentenwohnheimen gab es eine freie Workout-Area und einen großen Beachvolleyballplatz. Wir haben eigentlich jeden Nachmittag/Abend dort Beachvolleyball gespielt. Man muss lediglich vorher im Studentenbüro einen Platz reservieren.
Die slowenische Bevölkerung ist eigentlich immer freundlich und zuvorkommend gewesen, das ist mir positiv in Erinnerung geblieben.

Fazit

Der Austausch nach Slowenien hat sich sehr gelohnt und ich habe den Monat wahnsinnig genossen. Ich habe wunderbare Menschen aus aller Welt kennengelernt und viel über andere Kulturen und andere Gesundheitssysteme gelernt. Mit vielen Austauschstudenten habe ich nach wie vor sehr engen Kontakt.
Ich würde jederzeit wieder einen Austausch machen und ich kann Slowenien sehr empfehlen. Die Organisation des Austausches und das Social Program dort ist großartig, es hat uns an nichts gefehlt und wir hatten jederzeit einen Ansprechpartner, falls Fragen aufkamen.
Vielen Dank für die tolle Erfahrung!

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