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Grenada (IFMSA-Grenada)

Anästhesie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Silvia, Gundersheim

Motivation

Ich wollte mindestens eine meiner Famulaturen im Ausland verbringen um zu erfahren wie der Alltag in einem Krankenhaus außerhalb Europas aussieht, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten es gibt. Da ich auch zusätzlich mein Englisch verbessern wollte, hat sich Grenada mit Englisch als Landessprache besonders angeboten.

Vorbereitung

Da ich zuvor in der bvmd als LEO aktiv war, wusste ich schon lange, dass ich mich für einen Famulaturaustausch über die bvmd bewerben möchte. Mir hat besonders daran gefallen, dass man eine Ansprechperson im Zielland hat und auch durch das social program schnell Anschluss zu Einheimischen und anderen SCOPE-Teilnehmern bekommt.
Die Bewerbungsformulare waren einfach auszufüllen. Lediglich den Nachweis der Sprachkenntnisse hat etwas Probleme gemacht, jedoch lag dies daran, dass man bei uns an der Uni nur schwer einen Termin für den Sprachtest bekommt. Der Sprachtest vom DAAD selbst war jedoch sehr einfach und der Prüfer nett.

Visum

Für Grenada braucht man als Deutscher kein Visum. Bei mir hat es gereicht, bei der Einreise anzugeben, dass man ein Praktikum im Krankenhaus machen werde. Einige andere der internationalen Studierenden mussten jedoch ihren Invitation Letter vorzeigen.

Gesundheit

Vor Reiseantritt habe ich mich gegen Hepatitis A, Typhus und Tollwut impfen lassen. Standard Impfungen und Hepatitis B hatte ich schon. Weiterhin habe ich mich mit einer üblichen Reiseapotheke ausgestattet. Wichtig für Grenada ist auch genügend Mückenschutzmittel und Sonnencreme mitzunehmen. Sonnencreme, da diese dort bedeutend teurer als hier ist ( etwa 10€ pro Flasche) und Mückenschutzmittel, da die geringe Gefahr besteht Denque, Zika oder Chikungunya zu bekommen. Trotz vieler Mückenstiche wurde ich jedoch verschont. Ein Mückennetz braucht man in der Unterkunft nicht.
Für die Bewerbung musste ich zusätzlich auch einen Tuberkulose-Test nachweisen und einen Hepatitis-B Antikörper Test. Der Tuberkulosetest wird jedoch nur noch von wenigen Praxen in meiner Umgebung durchgeführt und war außerdem sehr teuer. Etwas geärgert hat mich dann, dass als ich in Grenada ankam nach dem Test gar nicht gefragt wurde.

Sicherheit

Vor Antritt musste ich eine Krankenversicherung fürs Ausland und eine Haftpflichtversicherung nachweisen. Zusätzliche Versicherungen habe ich nicht abgeschlossen. Grenada ist prinzipiell eines der sichersten Länder der Karibik. Uns wurde jedoch vor Ort geraten nachts eher nicht an den Strand oder in abgelegene Gassen zu gehen. Da wir aber meist als Gruppe unterwegs waren, war das kein Problem. Generell sind die Grenadiner sehr freundlich und hilfsbreit.

Geld

In Grenada ist die Währung der Ostkaribischer Dollar mit einem Umrechnungskurs von etwa 3 XCD = 1 €, US Dollar werden jedoch auch meistens akzeptiert. Ich habe vor Ort mit meiner Kreditkarte am Geldautomaten am Campus Bargeld geholt und dann meist bar bezahlt, da in vielen kleinen Geschäften keine Karte akzeptiert wird. In einer nah gelegenen Mall gab es auch einen Geldautomaten, dieser hat jedoch bei vielen Kreditkarten nicht funktioniert. Eine Busfahrt kostete 2,5 XCD. Das Essen im Supermarkt war teurer als in Deutschland, vor allem Gemüse und Obst (pro Paprika teilweise 5 €). Dafür war das Essen gehen im Restaurant vergleichsweise oft günstig und man konnte an Obstständen günstig frische Mangos und Avocados kaufen.

Sprache

In Grenada ist die Muttersprache Englisch, jedoch oft mit einem karibischen Dialekt, der es anfangs manchmal schwierig machte die Patienten zu verstehen. Leider war es so, dass die meisten Ärzte in der Anästhesie und Chirurgie aus Kuba oder anderen spanisch sprachigen Ländern kamen und sich dann oft in Spanisch unterhalten haben bzw. teilweise kaum Englisch konnten. Da ich kein Spanisch kann, stellte dies oft eine Herausforderung dar und deshalb würde ich empfehlen, dass man Spanisch sprechen sollte, wenn man in der Chirurgie oder Anästhesie Praktikum macht.

Verkehrsbindungen

Da es im Sommer keine Direktflüge von Deutschland gab, musste ich zwei Stopps in Kanada einlegen. Die Flüge waren teuer, jedoch bekam ich den Reisekostenzuschuss vom bvmd, der die Flugkosten deckte. In Grenada selbst gibt es 9 Buslinien, die vom Busbahnhof in St.George’s in verschiedene Teile der Insel fahren und je nach Fahrtlänge ab 2,5 ECD (<1€) kosten und sehr gut funktionieren. Genaue Informationen wo die Busse hinfahren und genaue Abfahrtszeiten gibt es nicht, aber wenn man nachfragt wissen die meisten Einheimischen sehr gut Bescheid und man findet immer den richtigen Bus. Die Busse sind private Vans ohne Anschnallgurte. Man sitzt oft ziemlich gequetscht und muss an das Fenster oder Dach klopfen, wenn man aussteigen möchte. Meist läuft auch laut Musik im Bus, das war wirklich immer ein kleines Abenteuer. Sonntags fuhren die Busse nur sehr eingeschränkt.

Kommunikation

In Grenada haben wir Austauschstudenten uns eine SIM-Karte mit Internet geholt von Digicel für etwa 15€ um leichter miteinander zu kommunizieren. Am Campus gibt es Wlan, das sehr gut funktioniert und auch oft in den Restaurants hat man Internetzugriff. Im Krankenhaus gab es teilweise auch Wlan, jedoch nicht im OP.

Unterkunft

Gewohnt haben wir Austauschstudenten auf dem Campus der St. George’s University in der St. Andrew's Hall. Mit wenigen Ausnahmen hatte jeder sein eigenes Zimmer mit eigenem Bad und Küchenzeile. Eine Klimaanlage gab es auch. Schade war, dass die Küche keinerlei Utensilien enthielt und so jeder selbst Teller, Besteck, Töpfe etc. mitbringen oder kaufen musste. Wir haben uns dann oft Sachen geteilt bzw. auch nicht so viel gekocht. Gut war, dass eine kostenlose Waschmaschine mit Trockner zur Verfügung stand, man kostenlos mit den Campusbussen z.B. an den Strand fahren konnte und es ein Fitnessstudio und viele Bibliotheken und Study Halls gab. Manche hatten in ihrem Zimmer ein Problem mit Schimmel, ich jedoch zum Glück nicht. Wissen muss man auch, dass die Unterkunft nur bis zum 31.7. zur Verfügung steht, das war etwas schlecht, da viele ihre Abreise natürlich erst einen Tag nach dem letzten Famulaturtag geplant hatten und sich für die letzte Nacht ein Hotel nehmen mussten.

Literatur

Ich hab mir vor der Reise die Website der Uni angesehen und auch einen Reiseführer für die Wochenendaktivitäten besorgt. Gut fand ich auch den Blog von ein paar Reisenden, die viele Tipps hatten für Ausflüge.
https://www.sgu.edu/
https://www.goatsontheroad.com/category/blogs/grenada/
Weiterhin habe ich mir natürlich die Seite des Auswärtigen Amtes angesehen:
https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/grenada-node/grenadasicherheit/220316

Mitzunehmen

Auf jeden Fall sollte man wie gesagt ausreichend Mückenschutz und Sonnencreme mitnehmen. Weiterhin Kleidung, die dreckig werden kann und natürlich Badekleidung, falls man am Wochenende zu einem der vielen Wasserfälle in Grenada wandert. Praktisch fand ich auch Wasserschuhe, mit ihnen war es angenehmer bei den Wasserfällen zu schwimmen ohne Angst zu haben auf spitze Steine zu treten. Da man Zugang zu einer Waschmaschine hat, braucht man sonst nicht allzu viele Kleidungsstücke.... ich hatte auf jeden Fall zu viel dabei. Wer Schnorcheln gehen möchte, sollte sich das Equipment auch mitnehmen, da das in Grenada sehr teuer war. Für das Krankenhaus sollten wir laut Welcome Letter professionelle Kleidung ( lange Stoffhose, Bluse und geschlossene Schuhe ), Kittel, OP-Kleidung und Stethoskop, Handschuhe und Desinfektionsmittel mitbringen. Man hat aber tatsächlich viel weniger gebraucht:
Anästhesie: professionelle Kleidung, OP-Kleidung
Innere: professionelle Kleidung, Stethoskop, Handschuhe
Chirurgie: professionelle Kleidung, OP-Kleidung, Stethoskop, Handschuhe
Pädiatrie: professionelle Kleidung, Stethoskop, Handschuhe
Gyn: professionelle Kleidung, Handschuhe
Desinfektionsmittel gab es dort nur selten, deswegen würde ich schon empfehlen zumindest ein Kleines für die Kitteltasche mitzunehmen. Handschuhe gab es im OP ausreichend, auf den Stationen jedoch nicht.
Wie gesagt mussten wir Küchenutensilien auch selbst mitbringen oder vor Ort kaufen.

Reise und Ankunft

Meine Flugreise verlief ohne Probleme und am Flughafen wurde ich von ein paar Leuten des International Office abgeholt und zur Unterkunft gebracht. Abends lernte ich direkt einige der anderen Studierenden kennen und wir gingen zusammen etwas essen und spazieren um den Campus zu erkunden. Sonntags mussten wir dann erst einmal zum Supermarkt und ein paar Lebensmittel besorgen. Ich kam samstags an und am Montag war für alle der erste Tag im Krankenhaus.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Mein erster Tag war sehr chaotisch, da niemand wusste, dass ich kommen sollte und ich deswegen erst einmal ins Sekretariat musste um das abzuklären. Deswegen empfehle ich jedem zum ersten Tag nochmal die Card of Acceptance mitzubringen! Nachdem der Klinikleiter mich mit einem Brief ausgestattet hatte, in dem stand, dass ich die Erlaubnis habe im OP zu sein, stellte ich mich dort den Mitarbeitern vor. Die meiste Zeit verbrachte ich von nun an mit den Anästhesisten im OP und eine Woche auf der Intensivstation (wo jedoch nur an einem Tag ein Patient da war). Die Ärzte und Schwestern waren alle sehr nett und haben versucht einem etwas beizubringen, was jedoch bei den kubanischen Ärzten teilweise wegen der Sprachbarriere schwierig war.
Ein typischer Tag sah so aus: Um 7:40 wurden wir mit dem Bus abgeholt und zum Krankenhaus gebracht. Danach ging ich in den OP und half den Schwestern beim Material auffüllen, Aufbauen etc. Die Ärzte und Patienten kamen meist etwas später. Ich half meist beim Lagern und Vorbereiten der Patienten für die OP z.B. EKG anschließen und so weiter. Dann durfte ich je nach OP und Patient auch oft bei der Einleitung helfen d.h. Medikamente verabreichen, Maske beatmen, manchmal auch intubieren. Während der OP konnte ich zuschauen oder auch das Anästhesieprotokoll schreiben. Danach begleitete ich die Patienten in den Aufwachraum. Gerne hätte ich noch mehr Braunülen gelegt, diese wurden jedoch meist schon vorher von den Schwestern gelegt und so gab es diese Möglichkeit nur selten. Vorsichtig muss man sein bei der Gabe von Medikamenten, da dort Nadeln generell recapped werde und ich auch eine Nadelstichverletzung bei einer Schwester deswegen erlebt habe.
Im OP sah man schon, dass weniger Ressourcen vorhanden sind als in Deutschland und alles etwas älter und natürlich auch kleiner ist. Zum Beispiel wurde bis vor einem Jahr noch Halothan für die Anästhesie verwendet und oft werden abgelaufene Produkte benutzt. Es gab insgesamt 6 OP-Säle und in höchstens 2 liefen gleichzeitig OPs, sodass man viel Wartezeit zwischen den Einleitungen hatte. Für schwierige OPs werden Patienten auch teilweise ins Ausland gebracht, sodass dort eher wenige große OPs durchgeführt wurden ( daher wurde auch seltener intubiert ). Auf den Stationen gibt es auch keine Zimmer wie in Deutschland sondern einen großen Raum mit Vorhängen zwischen den Betten. Notizen, Protokolle etc. werden alle handschriftlich gemacht und Computer eigentlich nicht benutzt. Weiterhin gibt es im Krankenhaus kein CT oder MRT und Patienten mussten dafür immer woanders hingebracht werden.
An der St. George University studieren hauptsächlich Kanadier und US-Amerikaner, die keinen Platz in ihrer Heimat bekommen haben. Diese machen erst in den Endzügen ihres Studiums eine Rotation im Krankenhaus. Sie werden gezielt auf den USMLE bzw. das kanadische Äquivalent vorbereitet um danach wieder zurück in die USA oder Kanada zum Arbeiten zu können. Da im Juli eigentlich noch Semesterferien sind und die, die da waren viele Prüfungen hatten, haben wir nicht so viel Kontakt zu den einheimischen Studenten aufbauen können.

Land und Leute

Nachdem Tag im Krankenhaus hatte man meistens genug Zeit um die Insel noch etwas zu erkunden. Wir waren natürlich sehr oft an einem der vielen Strände. Vor allem der Grand Anse Beach ist wunderschön und man konnte dort sehr gut schwimmen gehen, da die Wellen sehr sanft waren und das Wasser warm und sauber. Oft waren wir auch in der Stadt und auf dem Markt unterwegs um uns eine frische Kokosnuss zu holen oder ein paar Souvenirs zu besorgen. Abends trafen wir uns oft zum gemeinsamen Kochen oder Grillen und waren in einem der vielen Restaurants oder Strandbars zum Ausprobieren der lokalen Küche. Zum Beispiel gab es bei Patrick’s die Möglichkeit eine Auswahl von 18 Tapas aus lokalen Gerichten zu probieren. Das Nationalgericht Oil down haben wir natürlich auch ausprobiert, weiterhin Kochbananen, Krabben, Kokosnüsse und Roti und und und. Das Essen war immer sehr lecker und auch die Getränke in der Strandbar sehr günstig.
Am Wochenende haben wir dann meist zusammen größere Ausflüge unternommen. Am ersten Wochenende unternahmen wir eine Inselrundfahrt mit einem lokalen Taxiunternehmen. Der erste Halt waren die Concord Falls an denen man auch schwimmen und ins Wasser springen kann. Dann ging es weiter unter anderem zum nördlichsten Punkt der Insel, dem Leaper’s Hill, dem Bathway Beach, Grenville, Gouyave, und abends waren wir dann beim Schildkröten beobachten, was einiges an Geduld kostete, da erst nach etwa 5 Stunden Wartezeit eine Schildkröte gesichtet wurde.
Am zweiten Wochenende unternahmen wir eine Wanderung zu den Seven Sister Falls, auch dort konnte man gut schwimmen und ins Wasser springen. Weiterhin waren wir einmal Schnorcheln. Beim Fish Fryday in Gouave ( eine Fischerstadt an dem jeden Freitag Stände aufgebaut werden und Fischgerichte verkauft werden. ). Andere Austauschstudenten haben außerdem zwei Reittouren unternommen, eine davon an einem Strand ( der jedoch mit Algen bedeckt und sehr dreckig war ). Wir haben außerdem Wanderungen zu Hog Island, Mt. Qua Qua und andere unternommen. An einem Samstag waren wir außerdem bei einem sogenannten Hash. Dazu trafen wir uns mit anderen Teilnehmern in St.George am Hafen, wo wir mit einem Boot zu einer geheimen Ort gebracht wurden um dort eine Wanderung oder ein Wettrennen teilzunehmen. Wir entschieden uns wir die langsame Variante und folgten so Markierungen auf dem Boden für etwa 2 Stunden um dann wieder am Boot anzukommen. Nach der Wanderung gab es etwas zu Essen und Trinken auf dem Boot und es wurde mit Musik und viel Tanz gefeiert. Am Anfang wurde ich etwas seekrank, dass verflog aber zum Glück nach kurzer Zeit. Oft gab es auch Partys am Strand oder an anderen Orten zu denen wir gingen.
Weiterhin kann man am Wochenende auch einen Ausflug auf die Nachbarinsel Carriacou machen, dort gibt es auch schöne Wandertouren und Strände wie den Paradise Beach oder man kann nach Sandy Island fahren.
Die Grenadiner sind immer sehr nett und hilfbereit gewesen. Auf dem Markt und in der Stadt wurde man als offensichtlicher Ausländer oft angesprochen und die Leute versuchten einem ihre Produkte oder irgendwelche Touren zu verkaufen. Jedoch reichte ein Absage meist und man wurde dann nicht weiter „belästigt“.

Fazit

Insgesamt habe ich eine sehr schöne Zeit in Grenada verbracht, viele neue Eindrücke gesammelt und Leute aus der ganzen Welt kennengelernt. Zum Urlaub machen würde ich Grenada auf jeden Fall weiterempfehlen aufgrund der wunderschönen Strände und Wasserfälle. Fachlich hätte ich bei einer Famulatur in Deutschland sicher mehr gelernt, aber es war spannend zu sehen wie die Ärzte dort mit weniger Ressourcen möglichst viel erreichen.

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