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Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
Anonym

Motivation

Ich liebe es, fremde Länder und Kulturen zu erkunden und neue Bekanntschaften zu schließen. Das SCORE-Programm ist für mich eine gute Möglichkeit, diese Leidenschaft mit meinem Studium zu verknüpfen.

Vorbereitung

Spezielle Kurse oder Vorbereitungsseminare habe ich nicht besucht. Allgemein ist eine intensive Vorbereitung meiner Meinung nach nicht notwendig. Es reicht aus, die Erfahrungsberichte anderer Teilnehmer und die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes zu lesen.

Visum

Als deutscher Staatsangehöriger benötigt man für die Einreise in die Türkei kein Visum. Personalausweis oder Reisepass sind für einen einmonatigen Aufenthalt ausreichend.

Gesundheit

Bzgl. meiner Gesundheit habe ich keine speziellen Vorkehrungen getroffen. Medikamente gegen „Standard-Beschwerden“ wie Kopfschmerzen oder Übelkeit können bei Bedarf günstig vor Ort gekauft werden (Paracetamol z. B. unter dem Handelsnamen „Perol“). Für die Einreise aus Deutschland sind außerdem keine Impfungen vorgeschrieben; die Standardimpfungen werden natürlich empfohlen.

Sicherheit

Vorab wurden mir von den Studierenden vor Ort einige Bezirke genannt, die ich – vor allem nachts – lieber meiden solle, die aber für touristische Unternehmungen auch völlig uninteressant wären. Dennoch habe ich mich zu jeder Zeit in Sicherheit gefühlt, da z. B. an allen U-Bahn-, Metro- und Fähren-Haltestellen rund um die Uhr Sicherheitsleute anwesend sind.

Geld

Die nationale Währung in der Türkei ist die Lira. Teilweise kann auch mit Euro oder Dollar gezahlt werden, dies jedoch nur in großen Einkaufszentren und meist zu einem ungünstigen Wechselkurs. Ich habe in der Türkei kein Geld gewechselt, sondern immer entweder mit Kreditkarte gezahlt oder Bargeld am Bankautomaten abgehoben. Die Lebenserhaltungskosten sind günstiger als in Deutschland, verstärkt wurde dies durch einen schwachen Lira während meines Aufenthalts. So kann man z. B. für oft unter 10€ in sehr guten Restaurants essen gehen.

Sprache

Türkisch-Kenntnisse sind nicht notwendig, um im Labor und auch im Alltag zurechtzukommen. Viele Universitäten lehren ihre Studiengänge auf Englisch, weshalb vor allem junge Leute über hervorragenden Englisch-Kenntnisse verfügen. Es freut die Menschen jedoch unheimlich, wenn man sich ein paar alltägliche Floskeln und Phrasen auf Türkisch merkt.

Verkehrsbindungen

Zur Fortbewegung in Istanbul sind öffentliche Verkehrsmittel das Mittel der Wahl. Es empfiehlt sich, bereits am Flughafen die sogenannte Istanbul-Kard zu kaufen, mit der in Bussen, U-Bahnen, Metro und Fähre bezahlt werden kann (Bargeld wird in den Verkehrsmitteln nicht angenommen). Für deutsche Verhältnisse sind die Fahrpreise auch ziemlich günstig. Ich war viel unterwegs und habe umgerechnet in etwa 40€ für Tickets ausgegeben.

Kommunikation

Empfehlenswert ist es auf jeden Fall, sich eine türkische SIM-Karte zu kaufen, um mit den Kontaktpersonen und anderen Incomings zu kommunizieren. Die Tarife für Internet und Telefon sind großzügig und günstig (z. B. weniger als 5€ für 5 GB und 500 Freiminuten). Ansonsten war das Wohnheim und auch das Labor mit WLAN ausgestattet.

Unterkunft

Untergebracht wurde ich im Studentenwohnheim, der sich direkt im Campus befand. Organisiert wurde alles von den Studierenden vor Ort, ich brauchte nur noch meinen Zimmerschlüssel abzuholen. Angenehm war, dass ein wöchentlicher Zimmerservice das Zimmer durchfegte und Bettwäsche sowie Handtücher austauschte. Eine Küche und damit die Möglichkeit, selbst zu kochen, gab es nicht; gegessen konnte preiswert in der Kantine oder in Restaurants in Campusnähe.

Literatur

Wie bereits erwähnt ist die Seite des Auswertigen Amtes zu empfehlen. Darüber hinaus fand ich die Erfahrungsberichte anderer Incomings sehr hilfreich. Für das klassische Touri-Programm bieten sich Seiten wie tripadvisor an, am hilfreichsten stellten sich aber die Tipps und Ratschläge der Locals heraus.

Mitzunehmen

Mitgebracht für meinen Aufenthalt habe ich nur einen weißen Labor-Kittel, ansonsten ist nichts spezielles verlangt. Auch der Dresscode in meinem Labor wurde locker gehandhabt, weshalb auch von der Kleiderwahl her nichts besonderes beachtet werden musste.

Reise und Ankunft

Angekommen am Flughafen, musste man selbst zum Campus gelangen, was aufgrund der weiten Entfernung für eine frisch in dieser turbulenten Stadt angekommenen Person etwas ungewohnt und anstrengend war. Unsere Contact-Persons waren jedoch permanent erreichbar und halfen jedem, sicher und schnell zum Campus zu finden. Am ersten Arbeitstag wurde ich zum Labor begleitet und meinem Team vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Gearbeitet habe ich in einem Labor für Immunologie der privaten Yeditepe Universität in Istanbul, der Name meines Projects lautete „Understanding the Molecular Mechanisms of How Obesity Effects Mammary Tumor Growth Using Transgenic Mice Models“. Überrascht war ich insofern, als dass ich diese Stadt bei meiner Bewerbung gar nicht angegeben hatte. Dennoch freute ich mich über die Zusage dort, da Istanbul mit seiner neu entstehenden und daher modernen Forschungslandschaft eine interessante Erfahrung versprach.
An meinem ersten Tag wurde ich von einer Studentin ins Labor gebracht, wobei wir Schwierigkeiten hatten, es zu finden, da es sich nicht wie die anderen Labore in einem Gebäude des Krankenhauses der Universität befand. Den ersten Tag verbrachte ich damit, die Mitarbeiter des Labors kennen zu lernen und mich mit den wissenschaftlichen Projekten und diagnostischen Verfahren, die dort Anwendung fanden, vertraut zu machen. Das Team beschäftigte sich hauptsächlich mit Blut- und Gewebeproben der Patienten des Universitätskrankenhauses. Zu Ihren Aufgaben zählten das Diagnostizieren von Autoimmunkrankheiten, Krebserkrankungen im blutbildenden oder lymphatischen System und verschiedene Typisierungen im Bezug auf Organtransplantationen. Ich hatte nicht nur die Möglichkeit, mir bereits aus dem Studium bekannte Verfahren wie PCR oder DNA-/RNA-Isolationen zu sehen, sondern lernte auch neue Messverfahren wie die Flow Cytometry kennen. Die drei Mitarbeiterinnen, die sich um diese Aufgaben kümmerten, waren überaus freundlich und nahmen mich herzlich unter sich auf. Da sie diese Verfahren routinemäßig anwandten, konnten sie mir mit viel Expertise ihre Arbeit erklären und beantworteten alle meine Fragen mit Enthusiasmus.
Im Bezug auf mein Forschungsprojekt war mir bereits am Anfang gesagt worden, dass das Projekt noch gar nicht existierte und die Zuteilung ein Fehler sei. Aber man versprach mir, dass ich an einem anderen Projekt zum Thema Mesenchymale Stammzellen mitarbeiten dürfe. Hierfür las etwa die Hälfte meiner Zeit im Labor wissenschaftliche Artikel zu diesem Thema, da ich als Zweit-Semestler natürlich wenig Vorwissen mit mir brachte.
Leider befand sich die Doktorandin, die sich während meines Austausches um mich kümmern sollte, in meiner ersten Woche selbst im Ausland. Auch nach ihrer Ankunft hatte sie durch ihre eigenen wissenschaftlichen Arbeiten leider sehr wenig Zeit für mich, wodurch der Beginn meines Projekts bis zum Schluss immer wieder verschoben wurde und letzlich quasi nicht stattfand.
Dennoch kann ich sagen, dass sich mein Forschungspraktikum sehr gelohnt hat, da ich durch die Routine-Blut/Gewebe-Untersuchungen nun bereits wertvolle Erfahrungen und viel klinisches Wissen zu verschiedenen Krankheitsbildern erworben habe.

Land und Leute

Istanbul ist in vielerlei Hinsicht einen Besuch wert! Nicht nur die geschichtsträchtige Vergangenheit und die Vielzahl antiker Sehenswürdigkeiten, sondern auch der Mix aus orientalischem Flair und westlicher Moderne machen Istanbul zu einer atemberaubenden Metropole.
Mein Labor war nur zwei U-Bahn-Haltestellen bzw. 20 Minuten Fußweg von Kadiköy entfernt, dem Zentrum der anatolischen Seite Istanbuls. Dort gibt es nicht nur den besten türkischen Kaffee (von Mehmet Efendi), sondern auch eine Menge guter Restaurant und Nachtclubs. Wer also abends tanzen gehen möchte, ist hier bestens aufgehoben. Man kann von Kadiköy aus auch weiter Richtung Süden am Meer entlang nach Fenerbahce laufen, wo schöne Parks an der Küste angelegt sind.
Von Kadiköy aus ist es auch leicht, per Fähre auf die andere Seite des Bosporus zu gelangen. Die Fähre bietet sich daher so gut an, da sie im Vergleich zu Bussen meist genauso schnell ist und darüber hinaus eine herrliche Aussicht auf die Altstadt am Goldenen Horn bietet.
Häufig bin ich von Kadiköy aus per Fähre nach Besiktas gefahren, quasi dem Zentrum der europäischen Seite. Hier findet man nicht nur die besten Falafeln, sondern auch das Meeres-Museum und den Dolmabahce Palast. Letzteres war einst die Residenz des Sultans und ist dementsprechend pompös und üppig ausgestattet (14 Tonnen Gold sind allein zur Vergoldung der Decken genutzt worden).
Von Besiktas aus kommt man entweder Richtung Norden nach Ortaköy oder Richtung Süden am Taksim-Platz vorbei nach Beyoglu. Ortaköy ist vor allem für seinen Kumpir bekannt, eine populäre und unheimlich leckere Kartoffelmahlzeit. Außerdem bietet sich Ortaköy als Ausgangspunkt für Bosporus-Touren an, da man auf der Strecke Richtung schwarzem Meer einige Sehenswürdigkeiten sehen kann, deren Besuch sich über Land aufgrund der langen Fahrtzeiten eher nicht lohnen würde.
Beyoglu ist bekannt für die Istiklal Caddesi, Istanbuls wohl bekannteste Einkaufsstraße. Jedoch ist es auch ziemlich stressig diese Boulevard entlang zu laufen, da sie zu jeder Tageszeit sehr voll ist.
Viel Zeit habe ich natürlich auch in der historischen Altstadt verbracht (mit der Fähre die Haltestelle Eminönü). Hier ist für jeden Istanbul-Touristen die Blaue Moschee mit ihren sechs Minaretten und die Hagia Sofia pflicht. Die ehemals byzantinische Kirche, später eine Moschee, dient heute als Museum und wird nicht umsonst als achtes Weltwunder bezeichnet. In direkter Nähe befindet sich auch der Topkapi Palast, der jahrhundertelang als Wohn- und Regierungssitz der Sultane diente.
Bei allen Sehenswürdigkeiten solltet ihr beachten, genug Zeit einzuplanen. Oft konnte ich nicht alles so gut erkunden wie ich es gern wollte, da man teilweise sehr viel Zeit an den einzelnen Orten verbringen kann und man oft die Distanz (und den Verkehr!) zwischen zwei Orten unterschätzt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Istanbul durch seinen Reichtum an Kultur und Geschichte, aber auch durch seine Vielzahl an Ausgehmöglichkeiten selbst bei einem einmonatigen Aufenthalt immer wieder neues bietet.

Fazit

Meine Erwartungen wurden leider insofern nicht erfüllt, als dass ich an keinen Forschungsprojekt teilnehmen konnte, was ja der eigentliche Grund meiner Reise war. Trotzdem konnte ich viele Erfahrungen im Arbeiten im Labor sammeln. Abgesehen davon ist Istanbul immer einen Besuch wert und ich bin froh, in dieser einzigartigen Stadt meinen Austausch absolviert haben zu dürfen.

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