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Chile (IFMSA-Chile)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Philippa, Würzburg

Motivation

Ich bin schon immer gerne gereist. In meiner Schulzeit habe ich an einigen Austauschprogrammen teilgenommen. Nach meinem Abitur bin ich zwei Monate alleine durch Asien gereist, war in Italien ein halbes Jahr arbeiten und habe meine Sommersemesterferien auch immer im Ausland verbracht. Des Weiteren interessieren mich außer fremden Kulturen auch Sprachen, weil es wichtig ist, die jeweilige Landessprache zu beherrschen, um sich mit einer Kultur und den Menschen richtig auseinandersetzen zu können. Daher hatte ich schon seit 2 Jahren einen spanischen Sprachkurs an der Universität belegt. Um meine Sprachkenntnisse zu verbessern, wollte ich natürlich in ein Spanisch sprachiges Land.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung gehörte natürlich der schon oben erwähnte Sprachkurs. Außerdem braucht man ein Englisch-Zertifikat. Dafür brauchte ich lediglich die Grammatik aufzufrischen, wofür ich mir zwei Monate Zeit genommen habe.
Ich hatte alle drei Monate im Voraus die Flugpreise kontrolliert. Nach Südamerika sind die Flugpreise 8 Wochen im Voraus tatsächlich am billigsten, man braucht sich also darüber keine Sorgen zu machen.
Da es in Chile einige Probleme im Programm der IFMSA gegeben hatte, habe ich erst drei Wochen vor Abflug die CA erhalten. Die letzten Dinge musste ich deshalb unter großem Druck erledigen. Meine Vorbereitung bestand größten Teils darin, mit der bvmd zu planen, was meine Optionen sind. Dabei muss ich sagen, dass die Mitarbeiter mir wirklich viel geholfen haben und sehr freundlich waren. Mein ursprünglicher Plan war gewesen, die acht Wochen im Voraus zu nutzen, um intensiv spanisch zu lernen. In der für mich verbliebenen kurzen Zeit habe ich das durch das Ansehen Spanisch sprachiger Filme gemacht.

Visum

Ein Visum ist für Chile nicht erforderlich. Man bekommt bei der Einreise ein Touristen-Visum in Form eines Formulars, das drei Monate gültig ist. Vorsicht! Man muss dieses Formular bei der Ausreise wieder vorzeigen, darf es also nicht verlieren! (Bei Verlust muss man sich bei der Polizei melden, um ein Neues zu erhalten. Das soll aber auch ganz einfach funktionieren laut anderer Reisender, die ich getroffen habe)

Gesundheit

Spezielle Impfungen sind nicht erforderlich. Natürlich wird, wie in Deutschland auch, eine gültige Hepatitis B Impfung gefordert. Achtung Flöhe! Straßenhunde (die durch das Gesetz tatsächlich geschützt sind) nicht streicheln! Es empfiehlt sich, ein Schutz gegen Moskitos dabei zu haben.

Sicherheit

Meiner Meinung nach ist Chile ein sehr sicheres Land. Viele Chilenen sind sehr ängstlich und raten von bestimmten Gegenden ab. Ich habe sie meistens dennoch besucht, vor allem weil sie in meinem Reiseführer als sehenswert beschrieben wurden und habe mich nie unsicher gefühlt. Generell gelten die selben Regeln wie überall: In Menschenmengen den Rucksack vorne tragen und Wertsachen eng am Körper. Ansonsten sehe ich keine größeren Risiken.

Geld

Chile ist ein eher teures Land. Währung ist der Chilenische Peso (1000 pesos= 1,3 Euro / 1,5 Dollar).
Das Essen in den Supermärkten ist tatsächlich eher teuerer als in Deutschland. Es ist billiger, in Bars zu essen oder sich etwas "auf die Hand" zu kaufen. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind eher billiger, aber wenn man bedenkt, dass es keine Tages- oder Monatstickets gibt, doch wieder recht teuer. In touristischen Gegenden sind die Eintrittspreise der Sehenswürdigkeiten für Touristen horrend und meistens um das doppelte teuerer als für Einheimische. Es lohnt sich immer, nach Studentenvergünstigungen zu fragen, auch wenn es die nur selten für ausländische Studenten gibt. Außerdem lohnt es sich, eventuell eine Bank zu suchen, die geringe Kosten für Kreditkarten hat, wenn man vor hat für längere Zeit dort zu bleiben. Gebühren beim Abheben sind generell 5000 Pesos (Scotia Bank, Security Bank; Achtung, bei vielen Banken sogar mehr) und je nach dem bei welcher Bank ihr seid, zahlt ihr generell nochmal 6-8 Euro drauf. Das ist sehr viel, vor allem da man pro tag nur 200000 Pesos abheben darf (ca. 260 Euro). Dollar wird nur selten akzeptiert. Vorsicht! Viele Touren und Hostels kann man nur bar und nicht mit Kreditkarte bezahlen!

Sprache

Land und Leute von Chile sind sehr durch Immigration geprägt. Vor allem gab es Auswanderer aus Spanien, Deutschland und Italien. Daher gibt es sogar deutsche Schulen oder Kliniken, in denen tatsächlich deutsch gesprochen wird. Auf dem Land sind Spanisch Kenntnisse jedoch unabdingbar. Auch in touristischen Gebieten kann man nicht davon ausgehen, dass die Einheimischen über Englischkenntnisse verfügen. Natürlich kommt man auch ohne Spanisch irgendwie durch, ich würde aber jedem empfehlen, wenigstens ein A2 Niveau vor dem Austausch zu erlangen.

Verkehrsbindungen

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind nicht ganz einfach zu überblicken, aber funktionieren sehr gut. Es gibt keine Züge, sondern Stadtbusse so wie Überlandbusse. Die Überlandbusse sind unschlagbar billig und außerordentlich bequem, also sehr zu empfehlen auch für Fahrten von mehr als 10 Stunden. Für sehr lange Reisen sind natürlich Flüge vorzuziehen (Latam oder Sky Airline), da die Flugpreise bei durchschnittlich 50 Dollar liegen, also erschwinglich sind.

Kommunikation

Wie oben schon erwähnt, empfehle ich unbedingt wenigstens Grundkenntnisse in der Landesprache. Darüber hinaus sollte man keine Probleme mit Körperkontakt haben. Chilenen umarmen auch Fremde, und ein Kuss auf die Wange ist die allgemeine Begrüßung. Man wird fast überall sehr herzlich aufgenommen.

Unterkunft

Ich durfte für einen Monat bei einer Familie leben. Ich habe im Zimmer meiner Austauschpartnerin geschlafen. Ich hätte auch ein eigenes Zimmer haben können, aber so war es einfach schöner.
Die Familie war super nett und ich habe mich vom ersten Tag an wie ein Familienmitglied gefühlt. Ich habe dort ganz normal mit leben und essen dürfen. Weil die Familie eher auf dem Land gewohnt hat, wurde ich morgens immer mit den kleineren Geschwistern, die in die Schule mussten, mit dem Auto zur Klinik gebracht. Nachmittags bin ich dann auch meistens mit dem Auto wieder abgeholt worden.
Die Familie hat mir sehr geholfen, auch was meine Reise nach dem Praktikum betrifft. Jetzt sind wir sehr gute Freunde und ich freue mich schon, dass mich meine Austauschpartnerin hier in Deutschland besuchen kommen wird.

Literatur

Ich bin sonst ein Fan von „Stefan Loose“ Reiseführern, weil diese viele wertvolle Informationen über das Land und dessen Kultur bieten. Leider hat der Reiseführer für Chile mich in dieser Hinsicht enttäuscht. Für alle, die vor oder nach dem Praktikum noch reisen wollen, empfehle ich eher den Reiseführer von „Lonely Planet“. Für manche Regionen bleiben die Reiseführer ausführliche Informationen schuldig (z.B. Torres del Paine Nationalpark). Dafür empfehle ich immer Internetforen.

Mitzunehmen

Adapter, Kittel, Stethoskop, Wanderschuhe (wichtig, auch wenn man nicht wandern gehen möchte, die meistens Chilenen selber tragen sie auch), Regenjacke (oder Cape), Regenhose. Wenn man in Chile unterwegs ist, immer eigenes Klopapier dabeihaben! Und da es weder im Krankenhaus noch auf den Toiletten Seife oder Desinfektionsmittel gab, würde ich auch sehr empfehlen, ein Handdesinfektionsmittel mitzunehmen. Als Wörterbuch hatte ich mir auf mein Handy die Dictionary App runtergeladen (kostenlos und ausreichend).

Reise und Ankunft

Die Reise von Deutschland aus ist sehr lange. Je nach dem, wohin man von Santiago aus noch weiter reisen muss, sollte man schon mit einer Anfahrt von 24h rechnen. Je nach Zeitzone gibt es dann eine Zeitverschiebung von 5 oder 6 Stunden. Bei Ankunft wurde ich von meiner Austauschstudentin abgeholt und sehr herzlich aufgenommen, so dass ich mich seit dem ersten Tag als Familienmitglied gefühlt habe.
Am Sonntag vor Praktikumsbeginn haben sich alle, die am Austauschprogramm teilnahmen, in einem Cafe getroffen. Dort haben wir dann auch die Informationen zum Programm bekommen. In das Krankenhaus und zum jeweiligen betreuenden Arzt wurden alle von einem Mitglied der IFMSA begleitet.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Tätigkeit bestand eigentlich rein aus Observation der behandelnden Ärzte. Ich war im Fachbereich der Endokrinologie tätig und habe dort verschiedene Ärzte begleitet. Die Patientenfälle sind in ihrer Symptomatik in der Regel auffälliger als in Deutschland. Der Zugang zu medizinischer Hilfe ist in Chile schwieriger wegen der großen Entfernungen, daher sind die meisten endokrinologischen Probleme schon weitaus fortgeschrittener, wenn die Patienten zum Arzt kommen.
Des Weiteren gibt es private sowie öffentliche Krankenhäuser. Die staatliche Krankenversicherung deckt sehr wenige Medikamente ab, so dass die Behandlung auf einem niedrigeren medikamentösen Niveau stattfindet als in Deutschland (z.B. gibt es für die Behandlung von Diabetes Typ 2 nur Insuline und Metformin). Die Ausbildung der Ärzte ist allerdings fast gleich wie in Deutschland (12 Semester, allerdings nur 2 Basis -Semester), so dass die Kenntnis über weitere Medikamente vorhanden ist.
Die Vorstellungen von Pünktlichkeit sind andere als in Deutschland. In der Regel wurde ich gebeten, um acht Uhr im Krankenhaus zu sein, habe dann aber häufiger bis 12 Uhr warten müssen, bis ein Arzt kam. Je nach Arbeitsweise des jeweiligen Arztes war ich dann teilweise bis 7 Uhr abends in der Klinik.
Alle diese Umstände haben leider dazu geführt, dass ich klinisch nicht sehr viel dazu gelernt habe. Meiner Meinung nach lernt man besser, wenn man selber Hand anlegen darf. Daher habe ich dann auch darum gebeten, einige Anamnesen selber erheben zu dürfen. Dies war dann zwar auch möglich, aber in einem wie ich finde viel zu kleinem Rahmen.
Da ich in Deutschland schon zwei Famulaturen gemacht hatte und dort pro Tag fünf eigene Anamnesen erhoben habe, war meine Zeit im Krankenhaus in Temuco teilweise leider etwas langweilig.
Manchmal durfte ich bei den Vorlesungen und Seminaren der höheren Semester teilnehmen. Dort habe ich dann doch noch einiges an Information mitnehmen können.
Natürlich war mir von Anfang an klar, dass es bei diesem Austausch um weit mehr geht als nur meine medizinischen Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Trotzdem finde ich, dass genau dieser Aspekt bei mir etwas zu kurz gekommen ist. Übrigens sind die hygienischen Umstände in den Kliniken meiner Meinung nach sehr schlecht, daher würde ich jedem empfehlen, eigenes Desinfektionsmittel mitzunehmen.
Außerdem ist die Beziehung zwischen Studenten und Professoren sehr viel herzlicher als in Deutschland. Es ist normal, dass man die Ärzte mit Vornamen anredet, die Telefonnummern austauscht und man täglich auf einen Kaffee oder etwas zu Essen eingeladen wird. Dadurch ist die zwischenmenschliche Atmosphäre sehr angenehm und Fragen sind immer willkommen. Teilweise haben sich die Ärzte extra freigenommen und haben mir gezielt bestimmte Themen ausführlich erklärt.

Land und Leute

Die Menschen in Chile sind sehr aufgeschlossen und herzlich. Man finden sehr leicht Anschluss und Freunde. In meiner Familie habe ich mich vom ersten Tag an wie ein weiteres Familienmitglied gefühlt. Ich freue mich, dass sie planen, mich nächstes Jahr in Deutschland zu besuchen. Während meinen Reisen durch das Land habe ich noch weitere Freunde gewonnen, die mich auch bei sich zu Hause aufgenommen haben. Das ist meiner Meinung nach aber nur möglich gewesen, weil ich zu Beginn meines Austausches ein entsprechendes Sprachniveau (B2) hatte, das eine unproblematische Verständigung gewährleistet hat.
Was den Lebensstandard und die politische Ordnung anbelangt ist Chile das am weitesten entwickelte Land in Südamerika, so dass ich die Unterschiede zu Deutschland als sehr gering empfand.
In Chile wird sehr viel Fleisch gegessen. Natürlich kann man sich auch vegetarisch ernähren, man muss dann einige Einschränkungen hinnehmen. Die Lebensmittel in den Supermärkten sind im Durchschnitt teurer als in Deutschland. Es bietet sich immer an, in einer Bar zu essen oder etwas auf „die Hand“ zu kaufen, weil das in der Regel billiger ist, als selber zu kochen.
Touristische Highlights sind natürlich die Atacama-Wüste (San Pedro) und der Nationalpark Torres del Paine (Patagonien). Letzterer ist jedoch sehr teuer, und meiner Meinung sind Wanderungen in den Alpen landschaftlich interessanter. Auch ein Besuch in Valparaiso lohnt sich. Unter Chileliebhabern gilt allerdings die 9 Region als die schönste (Temuco, Pucon, Valdivia). Dies ist zwar die ärmste Region in Chile (was nicht weiter auffällig ist), zeichnet sich jedoch durch sehr viele schöne und sehenswerte Nationalparks aus. Hier sind viele Outdooraktivitäten möglich: Ausritte, Wanderungen, Vulkanbesteigungen, Skifahren, Segeln.

Chile ist ein sehr langegezogenes Land. Das hat verschiedene Auswirkungen.
1. Wenn im Süden Winter oder Herbst ist, hat es im Süden schon 26 Grad
2. Die Chilenen haben ein anderes Verständnis von Distanzen. Eine Fahrstrecke, die man an einem Tag hin und zurück fahren kann, gilt als kurz (generell ist eine Hin- und Rückfahrt von 5 Stunden an einem Tag zu schaffen).
3. Den typischen Chilenen gibt es nicht. Die ursprünglichen indigenen Kulturen wurden fast gänzlich zerstört. Die chilenische Bevölkerung ist durch Einwanderung vor allem aus Deutschland, Spanien und Italien geprägt. Z.B. gilt das bei uns als „Berliner“ bekannte Gebäck auch als chilenische Spezialität. Alles was tatsächlich typisch chilenisch ist, kommt aus den indigenen Kulturen z.B. verschiedene Gerichte und Städtenamen. Hinzukommt die große Ausdehnung des Landes. Jeder Abschnitt hat eigene Sprachauffälligkeiten, Spezialitäten und Einwohner unterschiedlicher Prägung (Chiloten, Valpariosos, Santiaginos etc.). Generell werden die Chilenen im Süden für herzlicher gehalten als die im Norden.
Meiner Meinung nach sind die Chilenen eher ängstlich. Ich habe häufiger den Rat bekommen nicht in bestimmte Gegenden zu gehen, weil es dort zu „gefährlich“ sei. Ich bin meistens trotzdem hin gegangen, wenn es in meinem Reiseführer als sehenswert eingestuft wurde. Ich habe mich an so einem Ort nie unsicher gefühlt. Natürlich sollte man allgemeine Regeln beachten, Wertgegenstände sicher verwahren, den Rucksack in Menschenmengen vorne tragen etc., aber allgemein ist Chile ein sehr sicheres Reiseland.

Fazit

Die Teilnahme an einem solchen Programm setzt voraus, dass man
- Interesse hat an fremden Ländern und Kulturen
- sich unvoreingenommen einlassen kann auf Unbekanntes
- evtl. bereit ist, auf diverse Bequemlichkeiten zu verzichten
- im Voraus Zeit investiert, um Sprachkenntnisse zu erwerben/erweitern
- auch mit unvorhergesehenen Situationen zurecht kommen kann
- bereit ist, sich selbst auch bei den Gastgebern einzubringen
- Improvisations- und Organisationstalent besitzt
Man profitiert durch den Aufenthalt in vielerlei Hinsicht:
- Man erwirbt neues fachliches Wissen.
- Durch den Vergleich mit den Standards in einem anderen Land nimmt man das Niveau im eigenen Land anders wahr, ordnet es anders ein
- Die Begegnungen mit Menschen aus einer anderen Kultur sind nicht nur eine persönliche Bereicherung. Durch das Feedback im Miteinander wird mir gespiegelt, wie ich auf Menschen zugehen kann, wie ich auf Menschen wirke. Das sind wichtige Parameter im Umgang auch mit Patienten.
- Es kann mir helfen herauszufinden, welche Fachbereiche mich besonders interessieren, was ich vertiefen möchte.

Kurz gesagt: Es weitet den Blick über den eigenen „Tellerrand“ hinaus. Ich sehe, erlebe und lerne Dinge, die ich sonst nie in dieser Form gesehen, erlebt und gelernt hätte. Es ist auf fachlicher wie auf persönlicher Ebene eine große Bereicherung.

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