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Atahualpa (Ecuador)

Innere - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Florian, Eppelborn

Motivation

In meinen beiden Erasmus-Auflandsaufenthalten habe ich viele Menschen aus Mittel/Südamerika getroffen und war immer begeistert von ihrer lebensfrohen und offenen Einstellung. Insofern wollte ich eine Zeit dort verbringen.
Weiterhin hatte ich die Hoffnung, in der Klinik andere und mehr Dinge zu lernen, als ich es in Deutschland tun würde.

Vorbereitung

Im Wesentlichen habe ich die nötigen Dokumente zusammengetragen, eine zweite Kreditkarte beantragt (um kostenlos Geld im Ausland abheben zu können!) und mich um die entsprechenden Versicherungen (Kranken, Haftpflicht) gekümmert. Diese werden im großen und ganzen vom Marburger Bund für seine Mitglieder kostenlos angeboten.

Visum

Ein Touristenvisum ist vollkommen ausreichend, dieses erhält man als Deutscher Staatsbürger bei Einreise und ist für 90 Tage gültig.

Gesundheit

Vor der Anreise habe ich mich gegen Gelbfieber und Typhus impfen lassen. Malaria hatte ich als stand-by Medikation dabei, auch wenn Quito aufgrund seiner Höhe nicht zu den Malaria-Gebieten zählt.

An sonstiger Medikation hatte ich eingepackt :
Ibuprofen
Loperamid
Salbe gegen Moskitostiche
Zugsalbe

Sicherheit

Ecuador ist insgesamt ein sehr sicheres Reiseland. Natürlich sollte man nachts Vorsicht walten lassen, aber ich persönlich habe mich auch nachts problemlos zu Fuß fortbewegen können und mich nie bedroht gefühlt.

Das größte Problem sind Taschen- und Gelegenheitsdiebstähle, Raubüberfälle kommen vergleichsweise selten vor. Zu empfehlen ist, nie zu viel Bargeld mitzunehmen und insbesondere in den öffentlichen Verkehrsmitteln auf seine Wertsachen Acht zu geben (z.T. sehr voll !).

Geld

In Ecuador wird in Dollar bezahlt. Dabei ist zu beachten, dass das Münzgeld variiert und man beispielsweise mit ecuadorianischen Dollar nicht in Panama oder den USA bezahlen kann.
Dies trifft nicht auf Scheine zu, diese sind universell einsetzbar.

Mit meiner Kreditkarte von Santander konnte ich problemlos an jedem Geldautomaten Geld abheben, oft kostenlos.
Achtet darauf, nicht zu viele große Scheine zu erhalten, die meisten Geschäfte oder Cafés sind schon mit 20 Dollar-Noten überfordert.

Sprache

Im Großen und Ganzen ist Spanisch die einzige Sprache, die weitläufig gesprochen wird. Ich habe mich nicht speziell auf den Aufenthalt vorbereitet und denke mit einem Niveau B1 sollte man problemlos zurecht kommen.

Verkehrsbindungen

Transport ist günstig. Als Faustregel zahlt man 1 Dollar pro Stunde Bus, bzw. 1 Dollar pro km Taxi.
Dabei solltet ihr darauf achten, immer das Taximeter zu benutzen! Besteht darauf oder senkt zumindest den Preis, den euch der Taxifahrer nennt. Oft haben diese Ausreden, warum sie ausgerechnet auf dieser Strecke kein Taximeter benutzen können. (Parkgebühren Busterminal, Nachtfahrt, 5 Personen statt 4 etc.)

Kommunikation

Öffentliches Internet ist nicht weit verbeitet und im Wesentlichen findet man es nur zuhause oder im Hostel.
Falls nötig, gibt es aber am Casa de la cultura sowie auf dem Plaza de la independencia öffentliche Hotspots.
Persönlich hatte ich keine Ecuadorianische SIM, insofern kann ich dazu nichts sagen.

Unterkunft

Die ersten zwei Wochen war ich in einer Gastfamilie, danach im geteilten Appartement. Dies kann ich so auch weiterempfehlen. Zum Spanisch lernen ist Gastfamilie ideal, nach 2 Wochen war ich aber auch froh, wieder etwas mehr Freiheit bei Essenswahl, Essensmenge und Essenszeiten zu haben ;)

Literatur

Ich besitze keine spanische Fachliteratur, das war auch nicht nötig. Meiner Erfahrung nach lernt man alle Wörter, die man benötigt, recht schnell während der Arbeit.

Dagegen habe ich mir dort ein spanisches Fantasy-Buch gekauft. Dabei ist zu erwähnen, dass Bücher wirklich nicht günstig sind und eher Luxusgut, als für alle verfügbar sind. Bei Straßenständen findet man sie aber oft günstiger als in Geschäften.

Mitzunehmen

Abgesehen von der Standardausrüstung sollte man an seinen Kittel und sein Stethoskop denken. Auch an warme Kleidung sollte man denken, Quito liegt auf 2800m Höhe und wenn keine Sonne da ist, kann es sehr frisch werden.

Während meines Aufenthalts habe ich mir noch eine Kaffeemaschine gekauft, der dortige Kaffee ist bei weitem nicht so gut, wie man ihn sich von einem Land, in dem so viel Kaffee angebaut wird, wünschen würde.

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief problemlos, Martha und Vicente haben mich vom Flughafen abgeholt und am ersten Tag zum Praktikum begleitet.
Eigentlich gab es bei der Ankunft nicht viel mehr zu organisieren, als was vorher schon erledigt wurde.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe zusammen mit Dr Escobar im Hospital basico de Sangolqui gearbeitet. Er leitet dort die Diabetesabteilung in der Inneren Medizin und ist ein sehr engagierter Arzt, der sehr gerne Englisch mit euch spricht, auch wenn sein Englisch vermutlich weniger gut ist als euer Spanisch ;)

Das HBS ist ein ganz kleines, öffentliches Haus, in dem die Behandlung für die Patienten kostenlos ist. Entsprechend kamen dort in erster Linie Unversicherte hin und es fehlte an vielen Stellen Geld.
Ein Ultraschallgerät war beispielsweise überhaupt nicht verfügbar und das Labor musste teilweise in externen Labors gemacht werden, was deutlich mehr Zeit in Anspruch nahm, meiner Meinung nach oft deutlich zu viel Zeit, als gut für den Patienten war. (Troponin-Bestimmung !)

Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich mir, als ich mich für das Praktikum in Ecuador beworben habe, nicht vorgestellt mit Diabetespatienten zu arbeiten. Auf Station gab es nicht wirklich viel für mich zu tun und obwohl die Ärzte sehr sympatisch und engagiert waren, glaube ich nicht, in dieser Zeit viel mehr gelernt zu haben, als ich es in Deutschland getan hätte.
Besonders, da ich schon viele Monate Famulatur hinter mir hatte und ich mir diesen Monat in Ecuador gar nicht anerkennen lassen werde, muss ich zugeben, ich hatte mir mehr von dem Aufenthalt erhofft.
Also nicht falsch verstehen, ich würde auf jeden Fall noch einmal nach Ecuador gehen und auch der Sprachkurs war wirklich gut.
Allerdings denke ich, ich würde nicht zur Famulatur dorthin gehen, sondern beispielsweise in einem Kinderheim dort arbeiten.

Was das dortige Gesundheitssystem angeht : Einerseits hat man eine recht gute staatliche Krankenversicherung, die alles notwendige abdeckt. Andererseits hab ich aber gerade im HBS viele unversicherte Menschen getroffen und besonders die privaten Krankenversicherungen decken oftmals nicht alle notwendigen Kosten. Das kann so aussehen, dass man zwar das Recht auf alle möglichen Behandlungen hat, diese aber bei 10000 Dollar Behandlungskosten gedeckelt sind, was beispielsweise für eine Krebstherapie nicht ansatzweise ausreichend ist.

Was mir aufgefallen ist, ist, dass zwischen Arzt und Patient oft weniger Distanz besteht. Dies kann einerseits zwar sehr angenehm sein im Umgang mit den Patienten, andererseits bringt es aber auch Probleme mit sich. So kam es häufiger vor, dass Patienten während eines Termins mit einem anderen Patienten einfach ins Zimmer platzten und beim Herausgehen die Tür offenstehen ließen.

Zur medizinischen Ausbildung kann ich nicht viel sagen im Vergleich zu Deutschland.

Land und Leute

Ecuadorianer sind sehr sehr gastfreundlich, wenn auch etwas weniger offen als beispielsweise in Mexiko. Meist sind sie etwas schüchtern Ausländern gegenüber. Insbesondere, da Ecuador nicht sehr touristisch ist und die meisten Ecuadorianer selbst keine zweite Sprache sprechen, gehen sie automatisch davon aus, dass auch du kein Spanisch beherrschst und kommen selten von sich aus auf dich zu. Dies ist insbesondere wahr für Frauen, da die dortige Gesellschaft (wie überall in Latinoamerika) nach wie vor sehr machistisch geprägt ist.
Sobald du aber auf die Menschen zugehst, lernst du das ecuadorianische Volk als superfreundliche und friedliche Menschen kennen.

Es ist auch weit weniger touristisch geprägt als beispielsweise Costa rica oder Chile. Geht man zum Beispiel auf einen ecuadorianischen Markt, versuchen die Menschen nicht, euch abzuzocken.
Handeln gehört auch hier zur Kultur, aber die Preise, die euch die Händler nennen, sind kein Wucher sondern meist recht vernünftig und mit wenig Handeln gelangt man zu einem guten Preis. Dies habe ich in anderen Ländern Amerikas anders erlebt, von Afrika ganz zu schweigen. Den Ecuadorianern scheint es regelrecht unangenehm zu sein, euch etwas für mehr Geld zu verkaufen, als es wert ist.

Was touristische Ziele angeht : Im Norden des Landes liegt der Strand Esmeralda, der superschön sein soll und ein Paradies für Surfer, auch wenn ich persönlich es aus Zeitmangel nicht zur Küste geschafft habe.
In Otavalo im Norden von Quito gibt es den größten indogenen Markt Ecuadors. Außerdem auch die Laguna de cuicocha (superschön!) und der Wasserfall "Peguche"(würd ich nicht empfehlen, überlaufen und es gibt deutliche schönere in Ecuador)
In Quito selbst gibt es auch viel zu entdecken. Das historische Zentrum, la Mariscal (das touristische zentrum), die Basilika (schöne Aussicht!), el Panecillo (die große Statue des geflügelten Engels), den Park Itchimbia (dort war ich immer laufen, auf einem Berg und einer der wenigen Orte ohne Abgase), la Mitad del mundo (dort wurde der Äquator zum ersten Mal festgelegt) sowie der Wasserfall El pita (recht weit außerhalb, fragt am besten Martha oder Vicente, wie ihr hinkommt. Der Pichincha ist sozusagen der Hausvulkan Quitos und man kann mit einer Gondel bis auf ca 4000m fahren, den Rest bis zur Spitze dann laufen.
Mindo ist sehr schön um in "la ruta de las cascadas" Wasserfälle zu sehen.
Quilotoah (wassergefüllter Vulkan) ist absolut zu empfehlen (aber kalt!)
Papallacta mit den heißen Termen, welche deutlich schöner sind als diejenigen in Banos.
Banos ist nichtsdestotrotz zu empfehlen (la casa del arbol, Wasserfallroute mit Fahrrad)
Cuenca ist eine sehr schöne Stadt im Süden des Landes.
Galapagos-Inseln, falls ihr das nötige Kleingeld habt.

Abenteuerer unter euch können auf einen der großen Vulkane steigen. Ich persönlich war auf dem Kotopaxi. Technisch ist der Berg nicht schwierig, körperlich aber definitiv herausfordernd.
Man muss gut akklimatisiert sein und auch ein gewisses Maß an körperlicher Fitness mitbringen. Dann lohnt es sich aber definitiv. (Kostenpunkt ca. 300 Dollar)




Fazit

Ich würde auf jeden Fall wieder nach Südamerika reisen, aber wie bereits erwähnt, von dem Praktikum hatte ich mir mehr erhofft.

Auf Dauer arbeiten würde ich in Ecuador eher nicht wollen. Die Arbeitsbedingungen sind nicht überragend und viele der Ärzte sind in mehreren Krankenhäusern gleichzeitig angestellt.

Die Menschen dort sind dagegen toll und die Landschaft ist atemberaubend.


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