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China (IFMSA-China)

Urologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Nachdem ich schon ein Jahr in Kambodscha gelebt und dort einen Freiwilligendienst abgeleistet habe, wollte ich unbedingt noch einmal in einem anderen Land „leben“ und nicht nur reisen. Und deshalb dachte ich, dass sich eine Famulatur super anbieten würde. Eigentlich hatte ich als Wunschländer Israel, Marokko und Georgien angegeben, habe aber nur über die Restplätze einen Platz in China bekommen (Hatte für China auch erst eine Absage, aber als dann doch die Zusage kam, hatte ich 24Stunden Zeit, um zuzusagen :D ). Anfangs hat mich das sehr abgeschreckt, weil China einfach krass ist, in meinen Augen. Aber dann hab ich mich immer mehr mit dem Gedanken angefreundet, da ich Asien eh ganz toll finde, nach meiner Zeit in Kambodscha. Und im Prinzip war mir das Land gar nicht so wichtig, ich wollte nur die Chance haben, im Ausland eine Famulatur zu machen :)

Vorbereitung

Von der bvmd habe ich im Zuge einer Informationsveranstaltung in unserer Uni erfahren, außerdem haben mir Kommilitonen davon erzählt. Ich war dann bei einer der Infoveranstaltungen und habe die bvmd-Seite durchforstet. Bei all meinen Fragen, habe ich immer super schnell eine Antwort bekommen. Ich fand den Bewerbungsprozess nicht sonderlich kompliziert, erklärt sich quasi alles von selbst. Nur sollte man früh genug dran sein, damit man keinen Stress bekommt. Man muss ja zum Beispiel einen Sprachtest machen, und darum sollte man sich früh genug kümmern. Da habe ich aber auch super Hilfe von unseren LEOs bekommen. Ich engagiere mich viel ehrenamtlich in meinem Heimatort, aber leider gar nicht in der Fachschaft oder der bvmd. Deshalb hatte ich auch keine Extra-Punkte….es hat aber ja dann trotzdem gereicht für einen Platz :) Um ehrlich zu sein, habe ich auch gar keine Erfahrungsberichte gelesen, sondern das alles auf mich zukommen lassen. Hat trotzdem geklappt ;)

Visum

Oh, Visum war so eine Sache bei mir. Darum muss man sich unbedingt rechtzeitig kümmern!!!! Ich war da fast zu spät dran. Ich wollte eigentlich ein Praktikanten-Visum, das gibt es aber für China nicht mehr. Sie wollten mir auf Grund des Einladungsschreibens der IFMSA ein Arbeitsvisum geben, was ich aber sicher nicht bekommen kann, weil mir dafür Unterlagen aus China fehlen, die ich gar nicht bekommen könnte. Dann habe ich versucht mit Hilfe eines abgeänderten Einladungsschreiben (Das habe ich von einer Kommilitonin bekommen, die zu dem Zeitpunkt in China war und mit dem es bei ihr geklappt hat) ein sogenanntes Kulturvisum zu bekommen, aber das hat auch nicht geklappt. Habe es in München und in Berlin versucht. Es gab unterschiedliche Begründungen (einmal war zum Beispiel der Stempel falsch), warum das nicht geht. Langsam hatte ich Zeitnot und habe dann einfach auf Anraten meiner CP in China ein Touristen-Visum beantragt. Dafür braucht man die Flugtickets, Hostelbuchungen für den gesamten Zeitraum und eine Art Reiseplan, was man alles wann machen möchte. Ich habe also bei Booking.com Hostels gebucht, meinen Namen auf die Buchungen gefotoshopped und einen Reiseplan erfunden. Da ich nach der Famulatur noch zwei Wochen reisen wollte, habe ich ein Visum für 60 Tage beantragt. Das hat dann tatsächlich geklappt, würde also allen empfehlen, das gleich so zu machen!!! Einmal im Land ist es ganz egal, welche Art Visum man hat. Danach habe ich die Hostelbuchungen wieder storniert :D Insgesamt waren es leider 212€, weil ich es per Express bestellen musste, weil alles davor so lang gedauert hat. Wenn man gleich ein Touristen-Visum beantragt, dauert es maximal eine Woche. So seltsam, dass es auf dem offiziellen Weg nicht möglich war, aber dann der „Fake“ mit der Reise klar ging.

Gesundheit

Ich hab die normal üblichen Impfungen, die man als Medizinstudent in Deutschland eh hat. Mehr braucht man hier auch nicht. Weiter im Süden eventuell Japanische Enzephalitis, die gibt es aber in Suzhou nicht. Auch wegen Malaria oder Dengue-Fieber muss man sich hier keine Sorgen machen. Bei der Bewerbung sollte ich einen negativen HIV-Test, einen Beweis, dass ich kein TBC habe und einen HepB-Titer vorlegen. Mir kam das etwas seltsam vor, weil das 6 Monate vor meiner Abreise gefordert wurde. Deshalb hab ich erst mal nur die Kopie meines Impfpasses hochgeladen und geschrieben, dass ich den Rest nachreiche. Vor meiner Abreise hab ich dann die Tests durchführen lassen (für gar nicht so wenig Geld und man braucht auch Zeit dafür :/ ) und es hat hier niemanden interessiert. Keiner wollte irgendeinen Nachweis sehen. Wenn also nach der Zusage keiner mehr was verlangt würde ich mir die Untersuchungen sparen ;) Ich hab eh eine Auslandskrankenversicherung und habe geklärt, ob sie diesen Zeitraum abdeckt. Das solltet ihr früh genug klären, weil man darüber auch einen Nachweis vorlegen muss bei der Bewerbung. Aber das ist super simpel.

Sicherheit

Zur Sicherheit kann ich nur sagen, dass ich noch nie in einem Land war, in dem ich mich sicherer gefühlt habe! Als Mädchen nachts alleine nach Hause zu laufen ist überhaupt kein Problem. Dabei bin ich da ein bisschen ein Schisser…hab in München immer ein Pfefferspray dabei. Aber ist das überhaupt kein Problem!!! Auch bei Menschenmasse, die es in China wohl oder übel gibt, hatte ich keine Angst um meine Wertsachen. Man muss sich wirklich keine Sorgen machen. Liegt wohl auch an den Kameras, die es hier ÜBERALL gibt. Schwarze Schafe gibt es immer, aber China ist top sicher. Zu uns wurde nur gesagt, dass man nachts nicht alleine mit dem Taxi fahren soll, das ist alles.

Geld

Die Währung in China ist Renminbi RMB, aber alle sagen nur Yuan. 1Y sind 0,13€. In Deutschland bekommt man keine chinesischen Yuan, deshalb kann man nicht schon im Vornherein etwas wechseln. Mir wurde empfohlen Euro in bar mitzunehmen, da es mit der Kreditkarte nicht immer funktioniert. War bei ganz anders. Es ist hier überhaupt kein Problem, mit der Kreditkarte Geld abzuheben. Ich weiß nicht, wie es auf dem Land ist, aber in den große Städten (und da gehört Suzhou mit 10Millionen Einwohnern auf jeden Fall dazu) geht das super. Man findet auch nahezu an jeder Ecke eine Bank/einen ATM. Auch auf dem Campus gibt es welche. Hier bezahlen alle alles bargeldlos, also mit WeChat oder Alipay, also mit dem Handy. Die Chinesen haben kaum mehr Bargeld bei sich. Das ist anfangs eine Umstellung. Aber prinzipiell funktioniert alles auch mit Bargeld. Ich habe nie mit dem Handy irgendwas bezahlt. Manchmal sind sie genervt, wenn man mit einem großen Schein zahlt (und von der Bank bekommt man leider immer nur 100Y-Scheine), aber das geht dann trotzdem. Manchmal muss man strategisch clever bezahlen…im großen Supermarkt mit den großen Scheinen, damit man für den kleinen Straßenstand Kleingeld hat. Im Campus bekommt man eine Studentenkarte, mit der man auch bezahlen kann. Da muss dann ein Chinese für einen das Geld draufladen, aber das machen sie gerne.
Die Preise im Vergleich zu Deutschland sind auf jeden Fall billiger! Aber es ist hier auch nicht so billig wie in südostasiatischen Ländern ;) Dadurch, dass man hier immer Essen geht (man hat keine Küche hier und extra Utensilien kaufen lohnt sich für einen Monat nicht), summiert es sich dann schon. Ich wohne außerdem außerhalb der Stadt und fahre viel Bus oder U-Bahn, was sich dann auch summiert. Insgesamt kommt man hier sehr gut mit 400€ in einem Monat aus, eher weniger. Wenn man aber dann auch noch bissl was unternimmt und auch mal besser Essen geht oder ein Bier trinkt, wird es natürlich mehr.

Sprache

Ich kann kein chinesisch und bin fest davon ausgegangen, dass viele Chinesen Englisch können. Da hab ich mich leider total geirrt. Es können tatsächlich sehr wenige Chinesen Englisch. Ich hatte aber auch nicht die Hoffnung, dass ich zur Vorbereitung noch Chinesisch lernen kann :D An der Uni gibt es schon einige, die Englisch können zum Glück…oder auch Chenglisch ;) Auch unsere Kontaktpersonen können alle gut Englisch. Aber wenn man nach dem Weg oder ähnlichem fragt, muss man schon viel Glück haben, dass man jemanden trifft, der Englisch kann. Aber selbst wenn sie kein Englisch können, versuchen sie dir irgendwie weiter zu helfen  Viele haben eine Übersetzungs-App, die sie dann auspacken. Und mit Händen und Füßen geht es auch ganz gut ;) Ihr könnt euch aber überlegen, euch auch eine Übersetzungs-App herunterzuladen. Im Krankenhaus kann die verantwortliche Ärztin super gut Englisch, und beim Rest muss man wieder Glück haben. :D

Verkehrsbindungen

Ich bin von München nach Amsterdam geflogen, dann nach Guangzhou und von dort nach Shanghai. Von Shanghai muss man dann noch per U-Bahn oder Bus nach Suzhou fahren. In der Summe war ich also sehr lang unterwegs, was dann auch sehr anstrengend war. Also wäre es prinzipiell besser, einen Flug zu kriegen, wo man nur einmal umsteigen muss. So hab ich es auf dem Rückweg. Ich fliege mit China Southern Airline… eine eher billige Airline. Ich habe insgesamt ca. 550€ gezahlt, ich habe hier aber auch schon von deutlich teureren Preisen gehört. Man kann leider nicht allzu früh buchen, weil man erst darauf warten muss, in welche Stadt man kommt.
In Suzhou gibt es ganz viele Busse. Leider ist es etwas schwierig Bus zu fahren, da alles nur auf Chinesisch ist. Aber man kann gut die Stationen zählen oder die Zeichen vergleichen. Und Bus fahren ist super billig. Man zahlt nur 2Y, egal wie weit man fährt. Und am besten kauft man sich mit Hilfe eines Chinesen eine Bus-/U-Bahn-Karte und ist dann super flexibel. Die kann man dann auch ganz einfach aufladen. Außerdem kann man U-Bahn fahren, was einfach ist, da auf Englisch. Das dauert leider recht lang und kostet ein bisschen mehr, ist aber deutlich leichter und angenehmer als Bus fahren. :D
Dann gibt es hier noch Taxi und DiDi (ein privates Taxiunternehmen), das man mit Hilfe eines Chinesen bestellen kann und das preislich auch voll ok ist. Das ist dann immer die Notlösung, wenn nichts anderes mehr fährt. Ich war aber nicht allzu oft darauf angewiesen.
Die andere Famulantin und ich sind auch einfach super viel gelaufen, weil es am billigsten ist und man dadurch die Stadt erkunden kann. Dazu eignet sich auf jeden Fall eine App, die auch offline funktioniert, wie zum Beispiel Maps.me. Insgesamt läuft man hier sehr viel, zum Beispiel zum Campus-Supermarkt. Die meisten, die hier für länger sind, haben einen Roller, was super praktisch ist ;) Die nehmen einen auch gerne mit :)

Kommunikation

In China sind Google, Facebook, WhatsApp und ähnliches bekanntlich gesperrt. Hier verwenden alle WeChat, was man sich auf jeden Fall herunterladen sollte!! Darüber funktioniert die ganze Kommunikation. Um die gesperrten Seiten nutzen zu können, muss man einen VPN besitzen. Ich hatte das Glück, dass ich einen VPN von einem Freund nutzen konnte, der bezahlt war und deshalb super gut funktioniert. Es gibt aber auch kostenlose VPN-Apps, die ausreichen. Und dann kann man per WhatsApp und ähnlichem mit daheim kommunizieren. Wenn man telefonieren möchte, ist es am besten, wenn die Liebsten daheim sich auch WeChat herunterladen, damit funktioniert telefonieren sehr gut! Über WhatsApp hat es bei mir nie geklappt. Am zweiten Tag hab ich mir mit Hilfe meiner CP eine chinesische Simkarte besorgt, was super wichtig ist, weil man dann immer Internet per Mobile Daten hat. Auch telefonieren in China ist super billig. In meinem Zimmer konnte ich das WLAN meiner CP nutzen, was ich bis heute nicht ganz verstanden hab. Das ging auch nicht immer super gut, aber die meiste Zeit schon! So konnte ich dann auch mal eine Doku schauen oder per WeChat telefonieren. Aber auch die mobilen Daten sind ausreichend, wenn man nicht ständig Videos schaut ;)

Unterkunft

Die Unterkunft wurde mir gestellt, ich musste mich quasi um nichts kümmern. Ich hatte nur im Vornherein abgeklärt, ob ich Bettzeug mitnehmen soll oder nicht… musste ich nicht. Ich bin hier auf dem Campus etwas außerhalb der Stadt untergebracht. Das hat mich anfangs verunsichert, weil eine weitere Famulantin am Hauptcampus untergebracht ist und man von dort die Stadt viel besser erkunden kann. Ich brauch fast überall immer ca. ne Stunde hin. Aber ich hab so tolle Leute hier im Wohnheim, weshalb es mich bald gar nicht mehr gestört hat. Insgesamt ist der Campus hier super schön und man kann sich auch mal an nen See setzen und ein Buch lesen oder ähnliches. Ich hab auch richtig viel mit den Leuten (ein paar arabische Jungs, einer davon kann fließend Chinesisch :D ) aus meinem Wohnheim gemacht, weshalb ich es hier dann doch richtig richtig gut fand. Außerdem müssen die ausländischen Studenten (die immer in einem extra Gebäude untergebracht sind) am anderen Campus um spätestens 11Uhr abends im Dorm sein, da die Tür danach nicht mehr aufgeht. Zu meinem etwas außerhalb gelegenen Wohnheim kommt man zwar abends auch nicht so gut, aber irgendwie kommt man immer heim ;) Im vornherein hieß es, dass man nicht alleine im Zimmer leben wird….was für ein Umstellung bedeutet! Aber dann war ich die ersten zwei Wochen doch alleine. Das Zimmer ist ok, hat eine Klimaanlage, man bekommt Bettwäsche und ne super dünne Matratze :D Es hat auch einen Balkon, einen Wasserkocher und eine Mikrowelle, auch das Bad ist voll in Ordnung. Problem ist, dass hier einige Insekten unterwegs sind, vor allem mini Kakerlaken…und das könnte für manche Leute gewöhnungsbedürftig sein. Ich fand das zum Glück nicht weiter schlimm. Schlimm war eher der Geruch und ich hab dann von Leuten aus dem Wohnheim erfahren, dass das Zimmer davor scheinbar komplett schwarz war und sie jetzt aber gestrichen haben. Ich vermute, dass das schwarze Zeug Schimmel war und immer noch ist. Das Zimmer ist nie ganz trocken und der Geruch ist immer da. Es gab aber leider nicht die Möglichkeit das Zimmer zu wechseln und so hab ich mich damit abgefunden…ist nur für einen Monat ;)

Literatur

Ich hab jetzt nicht direkt bestimmte Bücher oder Internetseiten, die ich genutzt habe. Im Internet findet man ganz viel über China und über die einzelnen Städte. Da kann man ja einfach googeln. Ich hab noch einen veralteten Reiseführer von Shanghai dabei… der ist aber nicht notwendig in Zeiten des Internets ;)

Mitzunehmen

Ich hab viel zu viele Klamotten mitgenommen, aber da bin ich auch schlecht. Ich war wegen des Wetters etwas unsicher. Aber hier war es anfangs super heiß und im Laufe des Monats wurde es dann in kurzer Kleidung sehr angenehm. Es reichen also nur ein paar wenige lange Sachen, wenn man im August oder, wie ich, im September hier ist. Außerdem kann man hier Wäsche waschen, was gar kein Problem war. Man muss unbedingt einen Regenschirm mitnehmen!! Hier regnet sehr häufig, aber dann nicht so lang, und warm ist es währenddessen auch. Einen Reisestecker könntet ihr mitnehmen, ist aber nicht zwingend notwendig; ich hatte einen Mehrfachstecker dabei, was super war! Laptop könnt ihr euch überlegen…ich hab ihn quasi nur zum Bericht schreiben genutzt :D Sonnencreme und Moskitospray wäre ne Überlegung, falls man empfindlich ist. Ich würde auf jeden Fall ein, zwei Bücher nehmen! Zwischendurch ist einfach nur in einem Cafe sitzen und Bücher lesen und alle Eindrücke sacken lassen sehr angenehm. Einen Kittel fürs Krankenhaus muss man mitnehmen und ich hatte noch extra Schuhe fürs Krankenhaus dabei. Eine Handtasche/ Rucksack/ Jutebeutel der auch nass und dreckig werden darf, ist auch sehr praktisch… braucht man jeden Tag. Ich hatte dann noch eine recht umfangreiche Reiseapotheke dabei. Außerdem fand ich Tee ganz gut, weil es hier einen Wasserkocher gibt und man so zum Frühstück Tee trinken kann… oder auch Instantkaffee.

Reise und Ankunft

Bei der Ankunft ging leider einiges schief. Mein Flieger nach Shanghai hatte fast eine Stunde Verspätung. Ich hatte mich von Deutschland aus schon mit meiner CP (Kontaktperson) am Bahnhof in Suzhou verabredet und die Uhrzeit nur ca. ausgemacht. Ich bin dann von Shanghai (Pudong Airport) mit der U-Bahn bis nach Shanghai Hongqiao gefahren, was schon locker eine Stunde dauert und was leider auch etwas verwirrend ist… aber das klappt noch ganz gut. Dann sollte ich mir dort ein Zugticket für den Schnellzug nach Suzhou kaufen.Es ist erstmal eine Herausforderung, den Ticketschalter zu finden. Leider gab es keine Tickets mehr zum Hauptbahnhof von Suzhou, sondern nur nach Suzhou Nord. Da ich leider kein Internet hatte, konnte ich das meiner CP nicht mitteilen. Im Zug habe ich dann einen sehr netten Chinesen um Hilfe gebeten: Der hat mir sein Handy geliehen, mit dem ich dann meine CP angerufen habe... die beiden haben dann alles auf Chinesisch geklärt und er hat dann mit mir in einem Cafe auf meine CP gewartet-locker 40min!!! Ohne ihn wäre ich aufgeschmissen gewesen! Aber es gibt zum Glück ganz viele von so so netten Leuten hier  Ich würde aber empfehlen, dass ihr lieber den Long-Distance-Bus nehmt! Da steigt man einfach am Flughafen ein, man muss kein Ticket davor besorgen und man fährt ca. 3 Stunden und steigt am zweiten Stopp aus. Als meine CP mich dann gefunden hat, sind wir zum Campus gefahren, sie hat mir das Zimmer gezeigt und wir haben den Papierkram erledigt, dann hat sie mir den Campus und die Mensa und den Supermarkt gezeigt und wir haben noch etwas gegessen. Dann hieß es, dass wir innerhalb von 24h UNBEDINGT zur Polizei müssen und uns registrieren müssen. Da unsere Vorgänger das aber nicht gemacht haben, haben wir es auch nicht gemacht und es gab kein Problem ;) Ich bin Freitag Abend gelandet und musste erst am Montag Morgen in Krankenhaus, hatte also noch das Wochenende für Erledigungen. Das war auch ganz gut! So konnte ich noch das Zimmer putzen und ein bisschen herrichten. Meine CP hat mir noch den Weg ins Krankenhaus gezeigt und wir sind zusammen in einen Supermarkt, um ein paar Dinge, wie Putzzeug, zu besorgen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe von meiner CP den WeChat-Kontakt meiner Ärztin bekommen, mit der ich mich dann für Montag im Eingangsbereich des Krankenhauses verabredet habe. Eigentlich sollte ich auf ihre Station kommen, aber da ich mich schon in meinem Uni-Krankenhaus nicht zurecht finde, haben wir einen einfacheren Treffpunkt ausgemacht. Pünktlichkeit ist den Chinesen nicht ganz so wichtig, wie den Deutschen, was ich schnell lernen konnte, was aber auch gar nicht’s macht…meistens sogar ganz gut ist ;) Die Ärztin kann super gut Englisch (War für ein paar Monate in den USA) und sie ist auch super lieb. Sie hat mir erst einmal die Station gezeigt und mir erklärt, wo ich mich umziehen kann und mich dann während der Visite ein paar der anderen Ärzte vorgestellt. Ihre Idee war (und so hat sie es auch mit dem vorherigen Famulanten gehandhabt), dass ich jeden Tag der Woche auf einer anderen Station bin und so viele Einblicke bekomme. Das ist prinzipiell auch eine gute Idee und ganz spannend! Nur besteht darin dann auch das Problem, dass sich auf den anderen Stationen keiner so richtig verantwortlich fühlt…was aber auch wieder von Vorteil ist, wenn man mal früher gehen will ;)
So war ich Montag auf der Intensiv Station, was ganz cool war, weil interessante Fälle dabei waren, wie zum Beispiel ein Beinahe-Ertrinkungs-Tod. Dienstag war ich in der Endokrinologie in einem anderen Krankenhaus, wo ich erst mal hinfinden musste. Mittwoch dann bei meiner betreuenden Ärztin auf der Urologie-Station, Donnerstag auf der Neonatologie und am Freitag in der Anästhesie.
Im Großen und Ganzen war es ein sehr interessanter und spannender Einblick! Das Problem war, dass man als Praktikant/Famulant oder auch als Assistenzarzt in den ersten zwei Jahren nichts am Patienten machen darf! Und dann war ich auch noch ausländische Famulantin, die kein Chinesisch kann, weshalb ich tatsächlich nichts selber machen durfte, außer in der Anästhesie die Medikamente für die Narkose ausrechnen und aufziehen. Ich habe immer an den Visiten teilgenommen, oder mir Operationen angeschaut (das war noch das Spannendste) und gehofft, dass irgendjemand Englisch konnte und mir dann was erklären konnte. Das war leider nicht immer der Fall. Deshalb hat es mir insgesamt fachlich nicht allzu viel gebracht. Es war aber super interessant, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen chinesischen und deutschen Krankenhäusern zu sehen. Es gab auch viele gute Gespräche und dadurch Einblicke in das chinesische System und was es dort bedeutet, ein Arzt zu sein. Der Umgang mit den Patienten ist auch ein ganz anderer, man hat den Eindruck, dass die Ärzte sich dort auf einer Ebene mit den Patienten sehen, wie es auch sein sollte, was in Deutschland aber manchmal nicht ganz der Fall ist. Auch der Umgang zwischen Ärzten und Pflegern scheint viel entspannter und freundlicher zu sein, vor allem im OP! Es war insgesamt fachlich nicht so sehr bereichernd, dafür aber auf kultureller und informativer Ebene umso mehr! Und überarbeitet habe ich mich dadurch nun auch nicht… ;) Oft habe ich dann dort mit einem der Ärzte Mittag gegessen und konnte dann meistens danach gehen.

Land und Leute

China ist ein unfassbar verrücktes Land mit wahnsinnigen Gegensätzen zu jeder Zeit und überall. Anfangs hatte ich wirklich die Befürchtung, dass man ohne Chinesisch-Kenntnisse nicht sehr weit kommt, da tatsächlich wirklich erstaunlich wenige Menschen auch nur ein Wort Englisch können. Aber mit Händen und Füßen klappt das alles dann doch ganz gut. Ich habe mir in Suzhou ganz viel angeschaut. Das ist eine sehr schöne Stadt, in der man ohne Probleme einen Monat immer wieder neue tolle Sachen entdecken kann. Einen Samstag sind wir noch nach Hangzhou gefahren; auf jeden Fall empfehlenswert. Und einen Samstag sind wir nach Shanghai; diese Stadt sollte man einmal gesehen haben, aber das reicht dann auch nach einem Tag. Nach meinen 30 Tagen Praktikum, kam mich mein Freund noch besuchen und wir sind noch zwei Wochen zusammen gereist und haben uns auch noch Peking angeschaut, was eine unfassbar tolle Stadt ist!!!
Die Chinesen sind super lieb und versuchen dir auch immer irgendwie weiter zu helfen, aber nur, wenn du sie fragst! Sie bieten einem von sich aus selten Hilfe an. So wird man aber auch in Ruhe gelassen, wenn man möchte. Außerdem sind die Chinesen seit ein paar Jahren unfassbar Handy-süchtig. Man sieht in Bussen, U-Bahnen und auch sonst überall alle nur in ihr Handy starren. In Restaurants am Tisch wird sich nicht unterhalten und wenn man ganz gut ist, löffelt man seine Suppe, während man aufs Handy schaut. Für mich war das super erschreckend und leider auch nicht sonderlich sympathisch. Es ist auch sehr beängstigend, was aus dieser Gesellschaft werden soll. Dennoch sind sie sehr nett, wenn man die Gelegenheit hat, sich mit ihnen zu unterhalten. Unsere CPs zum Beispiel waren wirklich super lieb und sehr bemüht und haben immer weitergeholfen. Wir waren auch zweimal groß mit ihnen Essen, was richtig schön war! Außerdem haben wir mit ihnen einen Ausflug nach Tongli, das Venedig des Ostens, gemacht. Und das hat auch richtig viel Spaß gemacht! Eine weitere Stärke der Chinesen besteht darin, dass sie überall und zu jeder Zeit schlafen können. Ob in der U-Bahn, am Boden, beim Obstverkaufen oder am Patientenbett... das ist für einen fleißigen Deutschen sehr gewöhnungsbedürftig :D
Für mich war das Essen ein absolutes Highlight und es hat so Spaß gemacht, immer neue Straßenstände oder Suppenküchen zu entdecken und dann gespannt zu sein, was man mit seiner Zeichensprache nun schlussendlich bestellt hat. Aber es war einfach immer super lecker und auch im kleinsten und in westlichen Augen auch sicher schäbigsten Lokal, nie problematisch wegen der Hygiene oder ähnlichem. Ich empfehle jedem, so viel wie möglich auszuprobieren, auch wenn es nicht immer einfach scheint. Es klappt dann doch immer irgendwie!  Ich hatte in meinem Wohnheim ganz viel mit ein paar arabischen Jungs zu tun, was wirklich super schön war. Habe mit ihnen dann nahezu jeden Abend verbracht; wir haben zusammen gegessen, Tee getrunken, geraucht und über Gott und die Welt geredet, was einfach super spannend war! Einer der Jungs konnte auch fließend Chinesisch, was sehr praktisch war. Bin mit ihnen dann auch mal ins Kino, ins Schwimmbad oder zum Fußball spielen. Neben der chinesischen Kultur habe ich also auch noch ganz viel von der arabischen Erleben dürfen :)

Fazit

Alles in allem war es ein unfassbar guter Monat und ich würde es jedem wärmstens weiter empfehlen!!! Fachlich hat man jetzt nicht allzu viel gelernt, aber dafür alles andere umso mehr. Und das ist doch eigentlich viel wichtiger im Leben. Ich denke auch, dass mich China nicht zum letzten Mal gesehen hat! Das ist wirklich ein sehr tolles Land, das man auch sehr gut öfter bereisen kann! Dort leben und arbeiten möchte ich aber vermutlich eher nicht. Ich will aber sehr gerne noch einmal ins Ausland und dort vielleicht auch arbeiten. Das hat dieses Erlebnis nochmal sehr bestärkt. Auch wenn China im vornherein erschreckend wirkt, ist es wirklich so wert diese Erfahrung machen zu können!

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