zurück

Ghana (FGMSA)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Hannah, Tübingen

Motivation

Dass ich irgendwann einmal einen IFMSA Austausch machen wollte, wusste ich schon seit dem ersten Semester. Für Ghana habe mich entschieden, nachdem in Tübingen ein ghanaischer Austauschstudent war und so begeistert von seinem Land und Tamale erzählt hat, dass ich mich unbedingt dorthin bewerben musste. Er hatte definitiv recht. Dass in Ghana Englisch gesprochen wird, war für mich allerdings auch ein sehr wichtiger Punkt.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung habe ich ein PreDepartureTraining besucht, was sich auf jeden Fall gelohnt hat. Sehr hilfreich war es für mich auch, dass ich eine andere Studentin kannte, die ebenfalls in Ghana einen IFMSA Austausch gemacht hat. Nicht nur Reisetipps und allgemeine Erfahrungen konnte ich so bekommen, sondern auch ihre ghanaische Simkarte, was mir den Anfang unglaublich erleichtert hat. Über das Internet konnte ich dann auch gleich schon Geld drauf überweisen und so hatte ich von Anfang an Internet ohne Unmengen von Roaminggebühren zu bezahlen.

Visum

Gleich zu Anfang: Das Visum kann einen viel Nerven kosten, aber letztendlich bekommt man es dann doch. Außerdem kostet es inzwischen über 100€. Es lohnt sich unbedingt das Visum so früh wie möglich zu beantragen. Ich hatte Glück und ich bekam das Visum, obwohl ich kein Expressvisum beantragt habe, in weniger als 2 Wochen, aber ich habe auch schon von vielen gehört, wo es sehr viel länger gedauert hat. Zu allererst muss man den Onlineantrag ausfüllen (ich habe Single entry tourist visum ausgewählt). Die Seite https://travelcap.de/276 beschreibt ganz genau, wie man dabei vorgehen muss, da die Seite der Botschaft teilweise nicht sehr gut verständlich ist. Hier muss man auch schon einen Nachweis für die Gelbfieberimpfung hochladen. Nachdem man dann den Onlineantrag ausgefüllt hat, muss man den Antrag dann auch nochmal zusammen mit dem Reisepass zur Botschaft in Berlin schicken und bekommt dann den Pass mit Visum zurückgeschickt.

Gesundheit

Über die Apobank bekam ich die Krankenversicherung kostenlos. Über die Impfungen habe ich mich bei der Tropenmedizin beraten lassen. Die Gelbfieberimpfung war sowieso Pflicht, aber auch die anderen empfohlenen Impfungen lohnen sich meiner Meinung nach sehr. Eine Malariaprophylaxe kann ich auch nur jedem ans Herz legen, Ghana ist Hochrisikogebiet und in der Regenzeit sind da teilweise echt Schwärme von Mücken unterwegs, sodass ich trotz Moskitonetz und Mückenspray und langer Kleidung den einen oder anderen Stich abbekommen habe, gerade im Krankenhaus selber waren einige von diesen Viechern unterwegs. Andererseits muss man sich aber auch nicht verrückt machen, Malaria ist für ein ghanaisches Krankenhaus ungefähr so normal wie bei uns eine Grippe und die Medikamente dagegen gibt es günstig in jeder Apotheke. Ansonsten hatte ich eine ziemlich normale Reiseapotheke dabei plus Immodium.

Sicherheit

Ghana gilt als ziemlich sicheres Land und auch ich war nie in einer Situation, in der ich mich wirklich bedroht gefühlt habe. Da es immer ziemlich früh dunkel wird, bin ich abends fast immer Taxi gefahren, aber die sind in Tamale wirklich super günstig, 15 Minuten kosten ca 20 Cent. Ansonsten haben es sich die ghanaischen Studenten auch nicht nehmen lassen, mich immer nach Hause oder wenigstens zum Taxi zu bringen und so war ich selten alleine unterwegs. Man fällt als Weiße zwar ziemlich auf und wird auch oft angesprochen, aber dies war nie bedrohlich.

Geld

In Ghana bezahlt man mit Cedi, der Kurs war bei mir ungefähr 5:1. Ich konnte in Deutschland kein Geld wechseln, das war aber auch nicht schlimm, da ich am Flughafen direkt Geld abheben konnte. Man muss fast überall bar bezahlen und gerade kleine Geschäfte oder Taxis haben oft nicht viel Wechselgeld zur Verfügung, also unbedingt immer kleine Scheine dabeihaben! An Touristenhotspots konnte man auch teilweise mit anderer Währung bezahlen. Meine Visakarte hat bei manchen Geldautomaten nicht funktioniert, bei den großen Banken aber immer und da die Automaten der Banken sowieso sicherer sind war das auch nicht schlimm. Die Lebenshaltungskosten sind im Norden von Ghana ziemlich gering, für ca 2€ kann man abends essen gehen, kleine Snacks gibt es für ca 20 Cent. Der Süden von Ghana und besonders Accra sind allerdings ein ganzes Stück teurer, trotzdem ist es günstiger als in Deutschland.

Sprache

Englisch wird von den allermeisten Ghanaern sehr gut gesprochen, nur einige Patienten aus den Dörfern konnten kein Englisch. Ansonsten gibt es zahlreiche Lokalsprachen, die sich teilweise ähneln, teilweise aber auch ganz unterschiedlich sind. Rund um Tamale wird Dagbani gesprochen und es hat sich sehr gelohnt Dinge wie "Guten Tag", "Wie geht es dir" usw zu lernen, da man so gleich einen Haufen Sympathiepunkte sammeln konnte.

Verkehrsbindungen

In Ghana kann man teilweise von A nach B fliegen (zb von Accra nach Tamale), das ist aber eher teuer. Die größeren Städte werden von großen Busunternehmen angefahren, die geläufigsten sind STC, VIP und MetroMass. Allerdings hat nur STC seine Fahrpläne auch online und bei keiner Gesellschaft kann man bis jetzt Tickets online kaufen, sodass man immer selbst zu den Stationen gehen musste, um ein Ticket zu bekommen. Bei STC sind die Tickets auch immer ziemlich schnell verkauft, weswegen man eigentlich ein paar Tage vorher das Ticket kaufen muss, was unpraktisch ist, wenn man die Tage vorher noch nicht in der Stadt ist. Hier waren die ghanaischen Studenten aber unglaublich hilfsbereit, notfalls hat irgendjemanden einen Freund in der Stadt von der aus man fahren will und der besorgt einem dann das Ticket. Viele andere Busunternehmen fahren einfach dann ab, wenn der Bus voll ist, das heißt man muss morgens zur Bushaltestelle gehen und dann hoffen, dass der Bus bald voll ist, aber man muss auch erst dann das Ticket kaufen. In die kleinen Städte fahren eigentlich immer Trotros, für mich war diese Art zu reisen am Anfang unglaublich verwirrend, aber es funktioniert echt gut und ist definitiv eine Erfahrung. Es gibt sogar Luxustrotros mit Musikvideos und Klimaanlage! GoogleMaps usw kann man oft vergessen, aber mit Durchfragen kommt man wirklich sehr gut von A nach B.

Kommunikation

Ich hatte, wie oben schon erwähnt, von Anfang an eine ghanaische Simkarte und zwar von Vodaphone. Die Internetflatrates waren auch recht günstig und die mobilen Daten waren meistens ziemlich gut, nur mitten auf dem Land nicht immer, aber das ist in Deutschland ja auch nicht anders. In meiner Unterkunft hatte ich WLAN, ansonsten ist WLAN aber rar gesät, die Studenten sind immer in die Bib um sich dort über einen Hotspot dann Serien usw runterzuladen.

Unterkunft

Meine Unterkunft war eine der größten Überraschungen für mich, und zwar war ich in einem Hotel/Guesthouse 5 min weg vom Krankenhaus untergebracht. Das heißt ich hatte ein Einzelzimmer mit eigenem Bad und Kühlschrank und bekam sogar jeden Morgen Frühstück. Das Hotel gehört dem Mikrobiologieprofessor und er hat dem Austauschteam irgendwann einmal angeboten, dass die Austauschstudenten dort sehr günstig untergebracht werden könnten. Das war natürlich ein völlig unerwarteter Luxus! Manchmal war es natürlich etwas einsam, es gab keine anderen incomings und oft war ich auch der einzige Gast, aber die anderen Studenten haben sich so lieb um mich gekümmert, dass ich nicht viel Zeit hatte mich einsam zu fühlen.

Literatur

Ich hatte den Ghanareiseführer vom Peter Meyer Verlag und außerdem bekam ich noch den Bradt travel guides (das absolute Standartwerk) ausgeliehen, sodass ich perfekt gerüstet war. Es gibt auch einige Facebookgruppen, die mir gut weitergeholfen haben, fremdsprachige medizinische Literatur habe ich mir keine besorgt. Es gibt ja immer auch Google.

Mitzunehmen

Sommerkleidung und vielleicht 1-2 Pullover für abends und für den Bus. Der Norden ist eher muslimisch geprägt, dort sollte man schon darauf schauen, dass die Knie möglichst bedeckt sind. Ich hätte wahrscheinlich auch anders herumlaufen können, aber dann wäre ich mit ziemlicher Sicherheit die einzige weit und breit und wahrscheinlich auch noch unhöflich gewesen und man fällt auch so genug auf. In der Klinik sind alle ziemlich schick herumgelaufen, aber als Austauschstudentin durfte ich auch in Stoffhose und Tshirt kommen und das war vollkommen in Ordnung. Fürs Krankenhaus braucht man auf jeden Fall einen eigenen Kittel und Op-Kleidung habe ich für die Neo benötigt. Eigene Handschuhe hatte ich dabei und habe sie nie gebraucht, eigenes Desinfektionsmittel kann man aber gut gebrauchen da das dortige die Haut ziemlich angreift. Ansonsten lohnt es sich genügend Shampoo mitzunehmen, dort gibt es Shampoo für europäische Haare fast nirgendwo zu kaufen! Und bringt unbedingt euren Impfpass mit, der wird am Flughafen nochmal kontrolliert. Einer aus meinem Flug hatte seinen nicht dabei und musste den Polizisten fast 100€ zahlen um reingelassen zu werden.

Reise und Ankunft

Ich hatte Glück und habe in der bvmd Facebookgruppe schon eine andere Medizinstudentin gefunden, die mit demselben Flug wie ich geflogen ist und die erste Nacht auch im gleichen Hostel verbracht hat. So konnten die erste Zeit gemeinsam meistern. Die ersten zwei Nächte habe ich in Accra im Somewhere nice Hostel verbracht. Es ist mit 11€ für das Dorm zwar etwas teurer als andere Hostels, dafür gab es aber auch einen Fahrdienst zum Flughafen, einen Pool, viele andere Reisende und ein sehr leckeres Frühstück und war zum ankommen sehr bequem. Von Accra aus bin ich mit dem Bus nach Tamale gefahren und hatte ein weiteres Mal Glück, da ein Freund meiner Contact Person mit demselben Bus fuhr. Er hatte mir schon ein Ticket besorgt und ich hatte für die 12h Fahrt eine sehr nette Gesellschaft. Von der Bushaltestelle hat mich dann meine Contact Person abgeholt, wie haben mir noch Abendessen geholt und sind dann zum Hotel gefahren. Am nächsten Tag hat er mir dann das Krankenhaus und die Kantine gezeigt und dann noch eine kleine Stadtführung mit mir gemacht. Am nächsten Tag konnte ich dann, nachdem die ganzen Formalitäten erledigt waren (das hat zum Glück alles meine contact person für mich gemacht), auch schon anfangen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich durfte ganz frei selbst entscheiden wo ich hinmöchte und so war der Plan, dass ich 3 Tage in die Ambulanz, 1 Woche in die Notaufnahme, 1 Woche auf Station und 1 1/2 Wochen auf die Neo gehe. Leider hatte ich am Anfang etwas Pech und fast das ganze Krankenhaus hat gestreikt, sodass es etwas durcheinander war, aber zum Glück wurde der Streik nach 3 Tagen beendet. Letztendlich war ich dann nur 1 1/2 Tage in der Ambulanz, das war aber auch ausreichend und für den Einstieg ganz gut, weil man schnell mitbekommen konnte, nach was in den Anamnesen so gefragt wird. Auf Station war ich auch nicht ganz so lange und dafür länger in der Notaufnahme, da dort einfach mehr los war und man mehr machen konnte. Auch die Neo hat sich sehr gelohnt. Meistens bin ich morgens bei der Visite mitgelaufen, ansonsten konnte ich Blutabnehmen, Aufnahmen, Vitalparameter erheben (das sind dort alles ärztliche Aufgaben) usw. Das Blutabnehmen war eine ziemliche Herausforderung, erstens die kleinen Kinderhände und außerdem gab es keine Stauschläuche, sondern man musste einen Gummihandschuh nehmen und es gab nur Zugänge, keine Butterflys. Was wirklich toll war, war, dass fast alle Ärzte sich unglaublich viel Zeit genommen haben, uns Studenten was beizubringen, gerne auch mal eine Stunde Lungenuntersuchung für nur drei Studenten. Dadurch, dass man Untersuchungen wie Röntgen, Sono usw nicht so einfach für die Patienten bekommen konnte, waren die Ärzte auch richtig fit was körperliche Untersuchungen angeht, so viel wie in Ghana habe ich in meiner ganzen Studiumszeit und drei Famulaturen davor nicht gelernt und hätte das so in Deutschland auch wahrscheinlich nicht lernen können. In der Neo durfte ich auch ziemlich viel machen, die wichtigste Aufgabe war auch hier die Vitalparameter zu erheben, da man so den Ärzten echt viel Arbeit abnehmen konnte. In meiner letzten Woche kamen auch die ghanaischen Studenten aus ihren Ferien zurück und es endete der Luxus der Intensivbetreuung, da jetzt immer eine recht große Gruppe auf Station war. Die Studenten in Ghana haben längst nicht so viele Vorlesungen und Seminare wie wir und sind fast jeden Tag einige Stunden auf Station. Dafür lernte ich aber jetzt viele andere Studenten kennen und ging mit ihnen ein paar Mal zu Vorlesungen, was auch ganz interessant war.
Nicht einfach war für mich das Gesundheitssystem in Ghana, obwohl die Krankenversicherung nicht teuer ist, sind nicht alle versichert und auch mit Versicherung werden teure Dinge wie z.b. eine Dialyse nicht bezahlt. So hängt es oft an den Angehörigen, das nötige Geld aufzutreiben. Toll war allerdings, wie rücksichtsvoll alle miteinander umgegangen sind, eine stillende Ärztin, ein Krankheitsfall zuhause, weswegen man später kam, war zum Beispiel gar kein Problem.

Land und Leute

Tamale ist wirklich eine tolle Stadt und dass so wenige Austauschstudenten dort hinkommen kann ich mir eigentlich nur erklären, dass sie noch nicht so bekannt ist und durch ihre Lage etwas weiter weg von den anderen Städten. Dafür ist Tamale aber nicht ganz so riesig wie Accra und Kumasi und dadurch ganz gut um sich zu orientieren, andererseits aber die größte Stadt des Nordens und somit nicht langweilig. Der Mole-Nationalpark ist nicht weit weg und immer Teil des social programs. Dort kann man für ca 20€ auf einer Safari Affen, Antilopen, bunte Vögel und sogar Elefanten sehen. An diese durften wir auch ziemlich nah heranlaufen, auf jeden Fall eine der beeindruckendsten Erfahrungen meiner ganzen Reise. Ansonsten gibt es im Norden auch noch Bolgatonga, dort hat meine contact person über einen Freund von ihm eine kleine Rundreise für mich organisiert und ich konnte dort friedliche Krokodile sehen (sie werden fast wie Hunde gezähmt und beißen angeblich nie, die kleinen Kinder schwimmen sogar mit ihnen), auf diese Krokodile konnte man sich draufsetzen und Fotos machen, damit kann man später auf jeden Fall gut angeben. Ansonsten gab es noch ein sehr beeindruckendes Sklavencamp zu sehen, wo die Sklaven vor ihrem Fußmarsch ans Meer gefangen gehalten wurden und außerdem noch Höhlen, in denen sich die Bevölkerung vor den Engländern versteckt hielt.
Dass ich die einzige Austauschstudentin sein würde, hat mir am Anfang etwas Sorgen bereitet, aber letztendlich war es eigentlich sehr gut für mich, da ich dadurch in meiner Zeit in Tamale wirklich nur mit Ghanaern zu tun hatte. Es lohnt sich ein wenig Fußballbegeisterung aufzubringen und deutlich religiöser zu sein, als man das in Deutschland so ist, aber obwohl ich in Deutschland selten Fußball schaue und fast nie in die Kirche gehe war beides in Ghana eine wirklich tolle Erfahrung, ich war häufig bei beidem und habe viele Leute kennengelernt. Auch in das ganze normale Studentenleben bekam ich einen ganz guten Einblick, im Norden wird fast kein Alkohol getrunken, was auf jeden Fall ein Unterschied war. Aber sonst war es gar nicht so anders als in Deutschland, auch die dortigen Studenten gehen gerne tanzen oder treffen sich abends in einer Bar, suchten Serien usw. Einmal wurde ich sogar zu einer Hochzeit von einer Medizinstudentin mitgenommen, was wirklich sehr schön war und auch die Fahrt auf einem Roller durch die Stadt war eine tolle Erfahrung.
Das Essen ist eigentlich sehr lecker nur ziemlich schwer und schärfer als in Deutschland. Außerdem wird mit der rechten Hand gegessen, das war am Anfang nicht immer einfach. Probiert auf jeden Fall redred, das war mein absolutes Lieblingsessen dort! Fleisch oder Fisch ist bei fast jedem Essen dabei, kann aber meistens auch problemlos weggelassen werden.
Nach meiner Famulatur war ich noch 1 1/2 Wochen im Süden reisen und habe mir Kumasi, Lake Bosomtwe, Cape Coast, Kakum und Accra angeschaut und alles hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Fazit

Ich bin zu 100% froh nach Ghana und dort nach Tamale gegangen zu sein. Ich habe viele nette Leute und Freunde dort kennengelernt, im Krankenhaus einen Haufen neue Erfahrungen und Fertigkeiten gesammelt und das Land ist einfach traumhaft schön!

zurück