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Institute for Indian Mother and Child (Indien)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Isabella, Göttingen

Motivation

Ich habe mich für den Public Health Austausch beworben, weil ich Lust auf etwas Neues hatte – Lust auf Veränderung, Herausbrechen aus dem Alltag, aus der „Comfort Zone“. Ich hatte den Uni-Alltag und die Standard-Famulaturen satt, in denen Medizin aus Bürokratie, Maschinen und Business besteht und die Menschen in den Hintergrund rücken. Für mich bedeutete das, dass ich ein Land kennenlernen müsse das anders ist als Deutschland – sehr anders. Von Indien habe ich viel gehört. Die einen sagen, es sei ein Land voller Schönheit und Glück, die anderen hingegen es herrsche Elend und Gefahr. Wem sollte ich glauben? Wie würde es mir in Indien ergehen? Ich wollte es herausfinden!

Vorbereitung

Ich habe lange überlegt, wie ich mich am besten vorbereite. Bücher, Blogs, Freunde? Letztlich hat sich herausgestellt, dass es am hilfreichsten war, mich mit jemandem zu treffen, der dort war und mit Leuten zu reden, die Indien kennen. Ich hatte das Glück, dass eine Kommilitonin aus einem niedrigeren Semester dasselbe Projekt letztes Jahr gemacht hatte. Wir trafen uns auf einen Kaffee und sie erzählte einfach drauf los. Im Laufe des Gesprächs ergaben sich dann bei mir Fragen und ich notierte mir alle wichtigen Infos, die meine Kommilitonin mir gab.
Wir blieben in Kontakt und immer, wenn ich Fragen oder Probleme bei der Vorbereitung hatte, konnte sie mir weiterhelfen. Außerdem habe ich mich mit Freunden ausgetauscht, die schon mal in Indien gereist sind. Indien ist zwar ein sehr großes Land und sehr vielseitig, aber über die Währung, die öffentlichen Verkehrsmittel und gesellschaftlichen Regeln sollte jeder bescheid wissen, der dort war.
Wenn ihr nicht die Möglichkeit habt euch mit jemandem persönlich auszutauschen, dann sind wohl Reiseblogs, die Erfahrungsberichte der bvmd-Outgoings und Reiseführer wie der Lonely Planet am besten geeignet.

Visum

Ein Visum ist notwendig für den Aufenthalt. Es gibt für Indien die Möglichkeit ein e-Visum zu beantragen, das (ich bin nicht ganz sicher) für einen Monat gilt oder ein längeres Visum zu nehmen, für das man zur Botschaft oder zum Konsulat muss.
Ich hatte letztere Option gewählt, weil ich etwas länger als einen Monat dort war und ehrlich gesagt das ganze System vorher nicht richtig durchschaut hatte. Leider ist nämlich die Homepage, auf der man das Visum beantragt nicht sehr übersichtlich. Sie lautet: https://igcsvisa.de/touristvisa.php. Am besten informiert ihr euch dort und fragt nach, welches Visum am besten zu euren Plänen und euch passt.
In meinem Fall war es so, dass ich das Visum online beantragt habe, den Antrag ausgedruckt habe und zum Konsulat nach Hamburg gefahren bin (das andere Konsulat ist in Frankfurt). Dort schauen sich die Mitarbeiter den Antrag an, gegebenenfalls muss man ihn korrigieren, man kann ein Passfoto machen (die indischen Behörden verlangen ein spezielles Format (5x5cm), deshalb würde ich es empfehlen, es einfach dort zu machen), man bezahlt (ich habe ca. 130€ bezahlt) und bekommt eine Rechnung. Man lässt den Reisepass dort und nach ein paar Werktagen ist das Visum fertig und man muss ihn wieder abholen. Da ich keine Lust hatte zweimal nach Hamburg zu fahren, habe ich ihn von einer Freundin mit einer Vollmacht abholen lassen, aber man kann ihn auch gegen einen - meiner Meinung nach hohen - Aufpreis per Einschreiben schicken lassen.
Ich kann euch empfehlen zuerst zu schauen, ob das e-Visum nicht für euch reicht, da es ein sehr großer Aufwand ist zur Botschaft zu fahren.

Gesundheit

Ich habe eine normale Reisekrankenversicherung abgeschlossen, einige Impfungen durchgeführt und mir eine kleine Reiseapotheke zusammengestellt. Generell kann man sagen, dass das Projekt in Kalkutta angesiedelt ist, weshalb man wahrscheinlich jedes Standard-Medikament relativ schnell bekommen kann – und sogar viel billiger als in Deutschland. Trotzdem ist es sinnvoll und wichtig einen kleinen Vorrat an Medikamenten dabeizuhaben, falls man mal auf Reisen ist oder schnell etwas braucht.
An Impfungen habe ich Hepatitis A und B, Typhus und Tollwut bekommen. Es gibt viele, die sich mehr impfen, z.B. gegen Cholera oder Japanische Enzephalitis. Ich würde euch empfehlen euch gut zu informieren und am besten vom Hausarzt oder Tropenmediziner eures Vertrauens beraten zu lassen und dann eine fundierte Entscheidung zu treffen, mit der ihr euch wohlfühlt.
Malaria ist immer ein Thema, wenn es um Indien geht und ihr solltet euch zumindest ein Malaria-Mittel mitnehmen (manche Krankenkassen bezahlen das auch – sonst fragt mal in eurem Freundeskreis, viele haben das eh zu Hause rumliegen von irgendeiner Reise). Es gibt auch die Möglichkeit eine Malaria-Prophylaxe regelmäßig einzunehmen – das ist jedem selbst überlassen, ähnlich wie mit den Impfungen.
Ansonsten hatte ich dabei: Ibuprofen, Paracetamol, Durchfallmittel, Vomex, Elektrolytpulver, Erkältungs- und meine persönlichen Medikamente, Pflaster, Desinfektionsmittel, ein kleines Fieberthermometer.
Überlegt, was ihr regelmäßig braucht und sucht im Internet danach, was die meisten Leute mit auf Reisen nehmen. Trefft dann eine Auswahl, die am besten zu euch passt.

Sicherheit

An Versicherungen hatte ich nur eine normale Reisekranken- und Rücktrittsversicherung, keine zusätzlichen. Etwas nervös war ich hinsichtlich sehr persönlichen Sicherheit schon, bevor ich nach Indien gefahren bin. Man hört viele Geschichten und weiß nicht so recht, was man glauben soll und was nur Erzählungen und Übertreibungen sind. Ich habe, als ich vor Ort war, darauf geachtet niemals alleine zu sein, vor allem nicht im Dunkeln, nur in kleineren Gruppen oder zumindest mit einer männlichen Person unterwegs zu sein, habe die Züge der höheren Klassen gebucht und mich nur in Gegenden aufgehalten, in denen ich mich auskannte. Außerdem habe ich mich angemessen gekleidet (Schultern und Knie bedeckt).
Mir ist nie etwas Unheimliches oder Gefährliches passiert und ich habe mich immer wohl gefühlt, sogar als ich meine „Sicherheitsregeln“ nach einiger Zeit etwas gelockert habe. Im Nachhinein denke ich, dass man nicht zu besorgt sein sollte. Vor allem im Rahmen des Projektes ist man sehr gut aufgehoben und wenn man sich erst einmal an die Kultur und das Land gewöhnt hat, fühlt man sich einfach als ein Teil der Gesellschaft und jegliche Bedrohung oder Nervosität geht verloren. Natürlich sollte man nicht leichtsinnig sein, aber wenn man zu ängstlich ist, dann kommt man nie richtig irgendwo an.

Geld

In Indien zahlt man mit Rupien. Ich habe immer so gerechnet, dass 80 Rupien circa ein Euro sind. Am Flughafen kann man Geld wechseln und auch in den Zentren der großen Städte. Ich würde euch empfehlen auf jeden Fall am Flughafen Geld zu wechseln, weil man meistens mit Bargeld zahlt (Lebensmittel, Tuk-Tuk, Uber,…). Ich hatte eine DKB-Kreditkarte dabei, mit der ich meistens problemlos Geld abheben konnte. Manchmal funktionieren die Geldautomaten nicht, manche funktionieren nie, aber irgendwann findet man heraus, welcher der richtige ist. Man sollte immer ein bisschen „Notfallbargeld“ dabeihaben, falls man wirklich mal keinen Automaten findet, der gerade Lust hat zu arbeiten. Ich habe vor meinem Aufenthalt gelesen, dass es verboten ist, Rupien nach Indien einzuführen, also hatte ich 50 Dollar dabei, die ich bei meiner Ankunft am Flughafen gewechselt habe. Es wird aber auch nicht kontrolliert, was man dabeihat. Informiert euch einfach rechtzeitig vor eurer Anreise und überlegt, was ihr tun wollt. Die Preise für eigentlich alles sind niedriger als in Deutschland. Wenn man so isst und lebt wie die Einheimischen, kommt man mit einigen Euros am Tag aus. Ein lokales Mittagessen kostet z.B. 15-100 Rupien (kommt drauf an wo und wie hoch die eigenen Ansprüche sind, ob Fleisch oder vegetarisch), die tägliche Metro- und Tuk-Tuk-Fahrt pro Weg insgesamt ca. 25 Rupien, man kann Gemüse und Grundnahrungsmittel auf dem Weg zur Organisation an Marktständen für wenige Rupien kaufen und so weiter. Wenn man mal westlich Essen gehen will oder einen teureren Zug bucht, muss man natürlich mit höheren Ausgaben rechnen, aber nichts ist teurer als bei uns, vor allem das Reisen ist sehr billig (Bsp: 12 stündige Zugfahrt im Nachtzug in der guten Klasse mit Klimaanlage ca. 20€ für Hin- und Rückweg und Hotel, das unseren Standards entsprach 6€ pro Nacht).

Sprache

In Kalkutta ist die Muttersprache Bengalisch, die Leute aus den höheren Bildungsschichten sprechen auch gut Englisch. Die Mitarbeiter der Organisation sprechen meist gebrochenes Englisch, aber ausreichend um sich zu verständigen und die Leute, die wichtigere Funktionen in der Organisation tragen, sprechend es fließend. Man findet auch immer jemanden, der übersetzen kann.
Im Alltag – beim Einkaufen, Arbeiten oder Sightseeing – verständigt man sich mithilfe eines Übersetzers, Englisch oder im Notfall mit Händen und Füßen. Für komplexe Thematiken reicht es oft nicht, aber man kommt klar. Die Organisation bietet außerdem in den ersten Tagen ein paar Stunden Bengalisch-Unterricht, wo man die wichtigsten Ausdrücke lernt, die einem vor allem im Umgang mit den Patienten helfen.

Verkehrsbindungen

Wir sind an zwei Wochenenden mit dem Zug verreist. Von Kalkutta nach Varanasi und zurück und an einem anderen Wochenende nach Darjeeling. Beide Zugfahrten dauerten 12-15h und wir hatten Betten zum Schlafen. Einmal bin ich in der teureren Klasse gefahren (beide Wege ca. 20€, komfortabel, einigermaßen sauber und leise), einmal in der billigeren (weniger als 10€, weniger komfortabel, laut, etwas stinkig). Man kann ruhig billiger fahren, das ist echt auszuhalten, aber es ist definitiv angenehmer in der teureren Klasse.
Gebucht haben wir über ein Reisebüro und das hat alles gut geklappt. Im Alltag in Kalkutta sind wir Metro, Tuk-Tuk und Uber gefahren, alles ist deutlich billiger als bei uns. Die Volunteers, die vom vorigen Monat noch vor Ort sind, wenn man anreist, zeigen einem alles sehr gut und stehen auch über den ganzen Monat noch für Fragen zur Verfügung.

Kommunikation

Ich habe mir eine SIM-Karte gekauft, die circa 5€ gekostet hat. Damit konnte ich innerhalb von Indien kostenlos telefonieren und SMS verschicken (praktisch für die Kommunikation mit Einheimischen, den anderen Volunteers und der Organisation) und ich hatte 1,5 GB Datenvolumen PRO TAG! WLAN ist also nicht notwendig, selbst wenn man skypt. Selbst bei 1-2-stündigen Skype-Gesprächen nach Deutschland war mein Datenvolumen nicht mal ansatzweise aufgebraucht. WLAN gibt es in der Unterkunft nicht, aber im Hauptsitz der Organisation, was für die ersten Tage, wenn man noch keine SIM hat, ganz praktisch ist.

Unterkunft

Alle Volunteers schlafen zusammen im Guest House. Ein schönes Haus, am Rande des Stadtzentrums, das circa 30 Schlafplätze hat. Im Erdgeschoss befindet sich eine Küche, die man sich teilt, mit Kühlschränken und Regalen, ähnlich wie in einem Hostel. Die 2-4er Zimmer sind auf die oberen 3 Etagen verteilt. Es gibt ein Einzelzimmer, das für den Fall freigehalten wird, dass jemand krank wird.
Das Highlight des Hauses ist mit Sicherheit die Dachterrasse, die zum gemütlichen Zusammensitzen abends einlädt!
Es hängt ganz von der Gruppe wie das Zusammenleben dort funtioniert (Ordnung, Rücksicht, …). Bei uns hat es super geklappt und ich habe mich sehr wohl gefühlt!

Literatur

Ich habe ein bisschen in Reiseblogs gestöbert, als es ums Packen und Indien im Allgemeinen ging und Erfahrungsberichte gelesen und mich mit einer Kommilitonin getroffen und ausgetauscht, um mehr über das Projekt und den Alltag zu erfahren. Sonst habe ich nicht viel gemacht. Mit der Zusage erhält man eine sehr ausführliche Datei über das Projekt und die Arbeit und Vorbereitung, die man Treffen muss, sodass man kaum etwas anderes braucht, um sich genügend vorzubereiten. Die deutsche Partnerorganisation des IIMC steht auch immer sehr freundlich zur Verfügung, wenn man Fragen oder Sorgen hat.

Mitzunehmen

Am besten sucht man sich für diese Frage eine Packliste aus dem Internet (optimal: speziell für Indien) und sortiert dann nach den eigenen Bedürfnissen aus. Das erwies sich als sehr nützlich für mich. Kleidung habe ich wenig mitgenommen, da man sowieso keine geeignete zu Hause hat und sich alles billig vor Ort kaufen kann. Nur für die erste Woche sollte man natürlich was mitnehmen. Mein eigenes Mosquito-Netz (ca. 15€ bei Amazon) war ein Segen, da es luftdurchlässiger (aber nicht mückendurchlässiger) war, als die Netze, die schon im Guest House vorhanden sind. So hatte ich es kühler als die meinsten Volunteers nachts, aber wurde trotzdem nicht zerstochen. Dabei unbedingt dran denken einen Haken zum Befestigen mitzunehmen, z.B. einen selbstklebenden, keinen zum Schrauben. Überflüssig sind sämtliche Stylingprodukte, weil bei dem Wetter dort kein Look lange überlebt. Außerdem würde ich nur das nötigste an Technik mitnehmen, heißt nur ein Handy und vielleicht eine Kamera, aber kein Laptop oder Tablet, wenn man es nicht unbedingt braucht.

Reise und Ankunft

Ich flog von Frankfurt über Dubai nach Kalkutta mit Emirates. Alles hat super funktioniert und ich kann die Verbindung und die Fluggesellschaft sehr empfehlen. Am Flughafen in Kalkutta wartete der Fahrer der Organisation auf mich, das wird im Vorhinein alles mit einem besprochen, man muss der Organisation nur seine genaue Ankunftszeit sagen. Er steht dort und wartet mit einem Schild, wo euer Name draufsteht. Manchmal – wenn noch jemand anderes an dem Tag ankommt – muss man noch auf die anderen warten und wird dann zur Unterkunft gebracht. Man kann sich dort so viel Zeit wie man braucht nehmen, um in Ruhe anzukommen, muss also nicht direkt am ersten Tag voll ins Projekt starten. Der Vorteil an der ganzen Struktur des Projektes ist, dass man von den Volunteers vom vorherigen Monat eingearbeitet wird. So ist ein reibungsloser Übergang für die Organisation gewährleistet und ihr bekommt alle notwendigen Tipps und Hilfen, Metro- und SIM-Karten aus erster Hand - von den Leuten, die 4-5 Wochen vorher in euren Schuhen steckten und genau wissen, was ihr braucht und welche Fragen ihr habt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Jeder Tag im IIMC ist unterschiedlich. Was wichtig ist: es ist kein Krankenhaus, in dem ihr arbeitet. Man lernt als Medizinstudent nicht die Dinge, die man sonst aus Famulaturen kennt. Ihr müsst euch im Klaren darüber sein, dass man medizinisch – also rein fachlich – nicht sehr viel weiter kommt in diesem einen Monat (außer für Vorkliniker: Spritzengeben und Wundversorgungen sind an der Tagesordnung, also wenn ihr es lernen wollt, ist hier eine gute Gelegenheit!). ABER: Hier lernt man Dinge, die man zu Hause nie lernen würde. Ich kann mir kaum eine bessere Möglichkeit vorstellen ein Land und seine Leute kennenzulernen. Schon nach zwei Wochen habe ich mich als ein Teil von Indien gefühlt. Man taucht so schnell so tief in diese Welt ein und hat so viel Kontakt mit den Einheimischen, dass es sich schnell so anfühlt als sei man schon ewig dort. An der Tagesordnung stehen die Versorgung der ambulanten Patienten, die zur Organisation kommen, weil sie Hautinfektionen oder Brandwunden haben, Impfungen oder Vitaminspritzen brauchen. Außerdem gibt es einen Augenarzt, Zahnarzt eine tolle Gynäkologin und Mutter-Kind-Versorgung, vor allem Ernährungsprojekte. Zusätzlich – bzw. vor allem – besteht die Arbeit des IIMC aber aus Entwicklungshilfe, Bildungsprojekten (Sponsor Children), ein Waisen- und Behindertenheim und der Unterstützung von Frauen und dem Kämpfen für ihre Rechte. Man darf überall reinschnuppern und mitanpacken! Es ist sogar gewünscht. Je mehr man sich einbringt desto besser. Man kann eigene Projekte starten – in unserem Monat war das z.B. ein Selbstverteidigungskurs für Schülerinnen, die wir einladen konnten und denen wir es beibringen durften und ein Projekt zur sexuellen Aufklärung. Man merkt – es ist schwer eine „Tagesordnung“ zu beschreiben, da man seinen Tag selbst gestalten kann. Dennoch gibt es feste Uhrzeiten und Strukturen, um die herum man seinen Tag plant. Meistens ist man zwischen 10.30 Uhr und 18.00 Uhr unterwegs. Man kann auch mal einen freien Vormittag machen oder früher nach Hause gehen, das wird nicht streng kontrolliert.
Innerhalb der Gruppe herrschte bei uns eine super Stimmung. Wir waren ein Team aus Italiener, Norwegern, Spaniern, Schweden, Deutschen, Japanern, Polen und Österreichern. Es ist super wichtig, dass man gut in der Gruppe zusammenarbeitet und Rücksicht auf die anderen nimmt. Bei uns hat das sehr gut funktioniert und deshalb hatten wir einen tollen Monat. Es geht stets darum Aufgaben untereinander einzuteilen (manche sind natürlich beliebter als andere), Projekte zusammen zu stemmen und gut zu kommunizieren. Ihr werdet einen Monat mit denselben 20 Leuten unter einem Dach leben und zusammen arbeiten - das ist eine Herausforderung aber mindestens genauso viel wert!

Land und Leute

Mir persönlich gefiel Indien unglaublich gut! Für jemanden, der noch nie in Asien war, kann es sehr überwältigend sein. Ich war vorher schon in Sri Lanka, welches ich als eine „softe“ Version von Indien beschreiben würde. Generell kann man sagen, dass Indien ein extremes Land ist: Extremer Straßenverkehr, extrem viele Menschen, extrem dreckige Straßen, extrem würziges Essen, extrem laute Geräuschkulisse und extremes Wetter. Das soll jetzt nicht zu negativ rüberkommen, denn all diese Extreme fügen sich zu einem unglaublich vielseitigen und intensiven Bild zusammen. So bunt wie die Saris der Frauen oder die Obst- und Gemüsestände am Straßenrand sind – so bunt ist das ganze Land! Wer ein bisschen Dreck und Chaos abkann, sollte Indien besuchen. Für mich hat sich keines der negativen Vorurteile bestätigt, nur die positiven Erwartungen: hammermäßiges Essen, super nette Menschen und so viele interessante Kulturen und Religionen auf einem Haufen, dass man dauerhaft total reizüberflutet ist.
An Wochenenden haben wir Kalkutta erkundet: Es gibt zahlreiche Bauten aus der Kolonialzeit, was auf den ersten Blick wirklich nicht nach Indien passt. Die Diskrepanz aus Tropen und englischen Bauten ist super interessant und macht das Sight Seeing ganz schön spannend! Außerdem haben wir die "City of Joy" (berühmt durch den gleichnamigen Roman), den großen Blumen- und Gewürzmarkt, den botanischen Garten, den New Market, das Queen Victoria Memorial, ein Fest namens Puja, zahlreiche Tempel und - mein persönliches Highlight - den Floating Market besucht. Der Floating Market ist ein Markt auf einem Kanal im südlichen Teil der Stadt, der mit der Metro zu erreichen ist. Wir haben erst davon an unserem letzten Tag erfahren, sind direkt dorthin und es hat sich gelohnt! Die Marktstände sind Boote, die an Stegen befestigt sind, auf denen man von Stand zu stand läuft. Da der Markt abends stattfindet, lohnt sich die künstlerische Beleuchtung mit Wasserspielen sehr!
Ansonsten kann ich euch einfach empfehlen durch die Stadt zu laufen und sie auf sich wirken zu lassen. Es gibt so viel zu sehen und entdecken, dass man gar keinen Plan braucht. Fragt die Leute, die ihr dort kennen lernen werdet und probiert alles aus! Man hat auch ein freies Wochenende, an dem man von Donnerstag bis Montagmorgen frei bekommt. Wir haben den Nachtzug nach Darjeeling Richtung Himalaja genommen und ein Wochenende lang die Teekultur erkundet. Eine super Alternative für das freie Wochenende ist Varanasi, wo ich nach meinem Aufenthalt noch hingereist bin. Dort fließt der Ganges und man lernt in kürzester Zeit so viel von der hinduistischen Religion! Wenn ihr Zeit und Geld habt, plant eine Reise für nach dem Aufenthalt beim IIMC!

Fazit

Ich ging nach Indien, weil ich etwas Neues kennenlernen wollte – raus aus meiner „Comfort Zone“. Das hat definitiv funktioniert! Es ist nicht was für jeden, also möchte ich euch nicht überreden. Aber wenn ihr Bock auf eine Veränderung habt, Bock auf eine Herausforderung – Bock was zu tun, etwas, das wirklich was bringt, anderen Menschen direkt helfen – dann bucht euer Ticket! Es ist kein Urlaub und auch keine Famulatur, aber beim IIMC erlebt ihr Dinge, die man nicht planen kann, gewinnt Freunde und macht Bekanntschaften, die ihr nicht vergesst.

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