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Eat to Fight your Disease (Ruanda)

Chirurgie - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Sophie, Leipzig

Motivation

Ich wollte gerne schon während des Studiums Erfahrungen in tropischen Ländern sammeln und fand die Idee eines Public Health Austauschs zusätzlich interessant. Dabei hat mir dann "eat to fight your disease" e.V. als Projekt am meisten gefallen.

Vorbereitung

Ich habe im Vorhinein so viel wie möglich versucht zu klären. Vieles ging dann aber doch erst vor Ort bzw. ist dann doch untergegangen. Als erstes habe ich Alexis (von der Universität) meine Bewerbungsunterlagen geschickt. Im Endeffekt hätte ich das aber gar nicht gebraucht, da man als Famulant sich eigentlich nur bei Elias (Ansprechpartner vom Krankenhaus) melden muss und dann dementsprechend auch nur die Gebühren des Krankenhauses zahlt und nicht auch noch die der Uni..

Visum

Außerdem habe ich mich vor meinem Flug um ein East Africa Visum gekümmert. Zum einen weil ich nach meinem Praktikum noch nach Uganda gereist bin und außerdem, weil es 90 Tage statt der 30 Tage des Single Entry Visums sind. Damit lief dann auch bei direkter Einreise am Flugahfen alles glatt und im Krankenhaus hat auch niemand mehr drauf geschaut, welches Visum wir jetzt genau haben. (Eigentlich ist wohl das N2 gefordert.)

Gesundheit

Ansonsten bestand meine Vorbereitung aus den normalen Reisevorbereitungen, also u.a. Impfungen und Malariaprophylaxe. (Ich habe Malarone genommen, andere sind aber auch Lariam und Doxycyclin gut klargekommen).

Sicherheit

Ich habe Ruanda als ein extrem friedliches und freundliches Land erlebt, was angesichts der Geschichte sehr beeindruckend ist. Allerdings wird im Land auch wenig bis gar nicht über Politik geredet. Durch die Äquatornähe wird es relativ schnell dunkeln, aber selbst abends hat man sich sehr sicher gefühlt. Was natürlich auch an der landesweiten Militärpräsenz liegen kann.

Geld

Die Landeswährung sind Ruandische Franc (der Kurs ist etwa 1000 Franc = 1 Euro). Vieles ist deutlich günstiger als in Deutschland. Lebensmittel sind für sehr wenig Geld am besten auf dem Markt zu kaufen. (Avocados und Mangos sind wirklich super günstig!). Ansonsten lohnt es sich Hygieneartikel von zuhause mitzunehmen, da diese deutlich teurer sind.

Sprache

In Ruanda gibt es mehrere Landessprachen. Im Prinzip wird von allen Kinyuruanda gesprochen. Leider eine dem Deutschen sehr, sehr fremde Sprache. So dass ich mich vor Ort nur auf ein paar Standardsätze beschränkt habe. Die offizielle Lehrsprache an Universitäten ist seit 2009 Englisch und war davor Französisch. Damit kommt man also auch relativ weit.

Verkehrsbindungen

Wir sind viel mit dem Bus gereist. Das ist sehr günstig, aber auch teilweise etwas abenteuerlich (deutlich mehr Passagiere auf kleinem Raum). Ansonsten kommt man in den Städten mit Taxis (teurer), Moto- (kostet evtl. erstmal Überwindung, aber am Ende schnellstes Fortbewegungsmittel) oder Fahrradtaxis (am entspanntesten und günstigsten).

Kommunikation

Zur Kommunikation habe ich mir eine ruandische SIM-Karte gekauft. Die kann man fast überall kaufen und sind ist relativ günstig. Da man nirgendwo wirklich WLAN findet sind sie irgendwie auch essentiell. Ich habe mir in Ruanda eine von MTN gekauft und in Uganda eine von Airtel und denke im Nachhinein, dass Airtel auch für Ruanda die bessere Wahl gewesen wäre.

Unterkunft

Gewohnt habe ich im RVCP Haus. Das kann ich jedem absolut empfehlen, da man dort gleich andere Praktikanten und Studierende kennenlernt. Außerdem kann man, wenn man Lust hat, auch einen Einblick in die Projekte von RVCP bekommen, was auch super ist!

Literatur

Als Literatur zum Land habe ich mir Shake Hands with the Devil gekauft. Was ich in anderen Erfahrungsberichten gelesen hatte. Ich kann das Buch auch wirklich weiterempfehlen, da es viel über den Genozid erklärt, über das man mit der Landbevölkerung noch nicht unbedingt reden kann.

Für die allgemeine Reiseplanung habe ich mir den Lonely Planet Reiseführer für East Africa gekauft und kann ihn auch gut empfehlen. Vor allem, wenn man vor oder nach der Famulatur noch in andere Länder reisen will.

An fachlicher Literatur hatte ich die Chirurgie Checkliste mit. Die super war, wenn man schnell mal etwas nachschlagen wollte.

Mitzunehmen

Für die Famualtur in der Chirurgie ist es wichtig zu wissen, dass man die OP Kleidung und Schuhe am besten mitnimmt und aber auch da dann als Spende dalassen kann. Sonst brauchte ich in der Klinik eigentlich nur meinen Kittel und Desinfektionsmittel.
Man kann außerdem auch Kleidung mitnehmen und an RVCP spenden.
Ansonsten sollte man eher Kleidung für warmes Wetter einpacken und ein paar Dinge, die man abends, wenn es mal kühler wird anziehen kann. Ein Moskitonetz zur Sicherheit kann nicht schaden, ist aber sonst im RVCP Haus und auch in allen anderen Unterkünften, in denen ich war, vorhanden.

Reise und Ankunft

Sonst habe ich wegen einer Unterkunft mit dem Koordinator des RVCP Hauses Kontakt aufgenommen und das lief auch alles relativ problemlos. Er hat mit dann auch ein paar Tage vor meinem Flug Kontaktdaten für andere RVCP Studenten gegeben, die mich in Kigali vom Flugahfen und dann in Huye abgeholt haben. (Sehr hilfreich! :D).

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meine Famulatur auf der Chirurgie absolviert. Das Department teilt sich dann nochmal in Acute Surgery, Generel Surgery & Electives und Orthopädie auf. Ich war den Großteil der Zeit auf der ACS. Die Ärzte waren aber auch immer offen, wenn man z.B. mal auf der Orthopädie vorbeischauen wollte. Der Tag begann dort um 7.00 mit einer Frühbesprechung, in der Studenten oder Assistenzärzte die Fälle aus der Nacht vorstellten. Manchmal kam noch ein Vortrag zu einem allgemeinen Thema von einem der Assistenzärzte dazu. Danch ging es für mich entweder mit auf Stationsrunde oder in den OP. Die Stationsrunde deckt dann alle Patienten des Bereichs ab. Die auf allen möglichen Stationen liegen können. Den Großteil meiner Famulatur habe ich aber im OP verbracht. Hier werden die Studenten meist fest mit eingeplant und man kann bei einem Großteil der Operationen dann auch tatsächlich assistieren. Es läuft teilweise ein bisschen anders als man es von Deutschland gewohnt ist. Z.B. das einwaschen und steril einkleiden, das hat man aber schnell drin. Der Unterricht und auch der Großteil des Klinikalltags läuft inzwischen auf Englisch und wenn man sich ins ruandische Englisch erstmal einghört hat, kriegt man so auch alles mit.

Beim Projekt war ich im Endeffekt leider weniger als erwartet, da ich durchs Prakitkum zu den Arbeitszeiten (8.00-13-00) meistens schon irgendwo eingebunden war, aber immer, wenn man vorbeigeschaut hat waren alle extrem nett, hilfsbereit und haben einem gerne erzählt und gezeigt, was gerade so passiert. Ich habe von den Prakitkanten vor mir eine Telefonnummer von einem der Mitarbeiter bekommen. Dem habe ich dann geschrieben und bin dann einen Tag mit ihm rumgelaufen, um mir alles anzuschauen. Inzwischen läuft eat to fight your disease zusammen mit KU und ist schon ziemlich groß. Jeden Tag können bis zu 110 Leute mit Frühstück und Mittag versorgt werden und es wird alles vor Ort organisiert. Deshalb ist die Hilfe von Praktikanten nicht mehr essentiell, aber trotzdem sehr gerne gesehen. Ich habe meistens bei der Essensvorbereitung und der Ausgabe mitgeholfen. Es gab aber zu derselben Zeit auch Praktikanten von KU, die bei der Organisation im Büro mitgeholfen haben. Außerdem gibt es Kurse vor den Mahlzeiten oder am Nachmittag zu den unterschiedlichsten Themen (Atemübungen, Ernährung, Anbau von Lebensmitteln, …)

Land und Leute

Oft sind die Leute sehr zurückhaltend und wirken fast wortkarg, andererseits kannst du aber neben jemadem im Bus sitzen, der dich 3h lang unterhählt. Außerdem fällt man natürlich sehr auf und hört immer wieder „Muzungu“ (eine Bezeichnung für Weiße), vor allem, wenn man auf den Markt geht. Im Krankenhaus war es ähnlich. Man war immer mit ruandischen Studenten unterwegs, mit denen man aber wenn man nicht selbst Fragen gestellt hat, meist eher weniger Kontakt hatte.
Durch RVCP hatten wir vor Ort immer 1, 2 Personen, an die wir uns wenden konnten, bei allen möglichen Fragen und die uns auch auf ein paar Events aufmerksam gemacht haben. Außerdem sind im Haus auch meistens andere Praktikanten mit denen man dann Ausflüge in Ruanda machen kann und abends ist dann auch immer was los. Wir waren z.B. an den Wochenenden am Lake Kivu, ein wunderschöner See vulkanischen Ursprungs an der Grenze zum Kongo. Wir waren in Kibuye und haben uns von dort ein paar Inseln angeschaut. Im Norden kann man aber auch richtig Strandurlaub machen oder eine mehrtägige Wandertour (Kongo-Nile-Trail). In Kigali waren wir auf dem Markt, weil dort die Stoffauswahl nochmal ein bisschen größer ist als in Huye.
Außerdem waren wir dort im Genocide Memorial, welches ich wirklich beeindruckend fand. Da es versucht zu zeigen, wie es dazu kam, Zeitzeugenberichte gibt und auch die aktuelle Lage beleuchtet.
An einem anderen Wochenende waren wir auf Safari im Akagera National Park im Osten des Landes. Da lohnt es sich auch am meisten früh am morgen in Kigali zu starten und abends wieder zurück zu fahren oder im Park zu übernachten.
Außerdem waren wir noch im Nyungwe Forest, für dort ist es evtl. hilfreich zu wissen, dass die Kartenzahlung nicht immer zuverlässig ist und man deshalb genügend Bargeld mitnehmen sollte.
Uns wurde aber bei allen Ausflügen immer so von Leuten vor Ort geholfen. Oft hat man eine Telefonnummern von Freunden / Bekannten oder Park Rangers bekommen und konnte mit ihnen vorher auf WhatsApp viel abklären. Wobei ich wirklich nur mit extrem lieben und hilfreichen Leuten zu tun hatte.
Essenstechnisch gab es natürlich hauptsächlich African Buffet (Reis, Bohnen, Pommes, Kochbananen, Spinat, Fleisch,…), aber durch die Küche, konnten wir auch teilweise mal etwas anderes essen, weil es sonst schon etwas monoton werden kann.
Ich bin nach dem Praktikum noch ein paar Tage in Uganda zum Gorilla Trekking gewesen. Das habe ich auch im Vorhinein versucht über die Internetseite von UWA zu organisieren. Dabei gab es allerdings ein paar Probleme, so dass ich jedem nur empfehlen kann ein bisschen Zeit zum Rumreisen mitzubringen und das dann direkt in Kampala zu organisieren. Die Ausflüge innerhalb von Ruanda haben wir auch immer relativ spontan und problemlos direkt vor Ort organisiert.

Fazit

Alles in allem, kann ich sagen, dass ich die Zeit in Ruanda sehr genossen habe und sie auch definitiv schneller als erwartet rumgegangen ist. Da ich das erste Mal im Afrika unterhalb der Sahara war, war ich sehr nervös, aber ich wurde super herzlich empfangen und man lernt schnell nette Menschen kennen. Nach dem Kulturschock der ersten Tage, kann man dann auch vieles sehr genießen oder zumindest danach manche Dinge zu Hause wieder mehr wertschätzen. Ich finde es super interessant, wie sich eat to fight your disease seit 2015 entwickelt hat und bin gespannt, wie es weitergeht. Auch Ruanda und generell Ost Afrika hat mich gepackt und ich bin mir sicher, dass ich nicht das letzte Mal dagewesen bin!

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