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FMS-Taiwan(Taiwan);A study of the interaction between IGF-1 and IGFBP3 in acral lentiginous melanoma metastasis

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
Anonym

Motivation

Meine ursprüngliche Überlegung war, ob und ja was für eine Doktorarbeit ich schreiben möchte. Dafür hatte ich überlegt mal ein Laborpraktikum zu machen, um herauszufinden, ob ich mich für eine experimentelle Arbeit entscheiden würde. Dieses Praktikum mit einem Auslandaufenthalt zu verbinden schien mir ideal und darum habe ich mich über die bvmd beworben. Da ich schon immer mal nach Ostasien reisen wollte und ich den Standart in der Forschung in Japan, Korea und Taiwan als besonders hoch einschätzte bewarb ich mich auf Taiwan, denn ist es günster als Japan und für mich kulturell interessanter als Korea. Beim zweiten Versuch hat es nun auch geklappt.

Vorbereitung

Ich habe mich inhaltlich und methodisch in Bezug auf die Praktikumsbeschreibung vorbereitet. Noch schnell Chinesisch zu lernen schien mir eher unrealistisch. Ansonsten habe ich Reiseblogs gelesen, mal eine Taiwandokumentation auf YouTube angeschaut und die anderen Erfahrungsberichte auf der bvmd Seite gelesen.

Visum

Das Visum für Taiwan bekommt man problemlos bei Anreise am Flughafen. Im Flugzeug bekommt man eine Immigration Card, die man ausfüllen muss. Es ist hilfreich, wenn man sich die Adresse der Unterkunft, die man in der CA bekommt aufschreibt, denn diese musste ich dort angeben. Da ich sie nicht hatte, konnte ich sie aber über das Flughafen WLAN herausfinden.

Gesundheit

Ich habe keine extra Impfungen gemacht, da ich die meisten Impfungen für Taiwan schon über den Betriebsarzt für das Studium hatte. Auf die Impfung gegen Japanische Enzephalitis habe ich wegen des geringen Risikos verzichtet. Ich habe die Auslandskrankenvesicherung der ErgoDirekt abgeschlossen. Diese war zu dem Zeitpunkt die günstigste, die ich finden konnte.

Sicherheit

Taiwan ist wirklich ein sehr sicheres Land. Angst vor Diebstahl braucht man auch fast nicht zu haben. Ich habe einmal mein Handy im Bus liegen gelassen. Meine Kontaktperson hat dann bei der Busfirma angerufen, die es schon gefunden hatten und am nächsten Tag bekam ich es dann schon wieder.

Geld

Ich hatte eine Kreditkarte von der Apobank dabei, mit der ich vor Ort nach Bedarf Geld abgehoben habe. Die Währung in Taiwan ist der „Neue Taiwan Dollar“ (NTD) mit einem Wechselkurs von ungefähr 1€: 30NTD (August 2018). ATMs gibt es fast überall und in jedem Convenient Store. Für den öffentlichen Verkehr braucht man eine Easycard, mit der man in Bus, Zug und Metro und für die Leihfahrräder kontaktlos bezahlen kann. Ich habe meine Easycard direkt bei Ankunft am Flughafen gekauft und aufgeladen.

Sprache

In Taiwan wird glücklicherweise mehr Englisch verstanden, als in China. Im Labor und mit meinen Kontaktpersonen habe ich immer Englisch gesprochen. Für andere Situationen, wie Essen oder Kaffee bestellen, ein Busticket buchen, bitte, danke, Hallo und Tschüss habe ich ein paar Brocken Mandarin-Chinesisch gelernt. In Taiwan gibt es auch Taiwanesisch, einen anderen Dialekt des Chinesischen, der aber eher von älteren Menschen gesprochen wird und im Alltag selten zur Anwendung kommt.

Verkehrsbindungen

Der öffentliche Nahverkehr ist sehr gut ausgebaut. Man sollte am Flughafen gleich eine Easycard kaufen, eine Prepaidkarte, mit der man den Nahverkehr in Taiwan bezahlen kann. Das ist wirklich die beste Lösung, denn Busse geben kein Wechselgeld, man muss dort immer passend bezahlen und man muss kein Zugticket kaufen, sondern kann einfach einsteigen. Allerdings muss man in Taiwan im Zug oft stehen, da die Tickets sehr begehrt sind und nach Freischaltung für bestimmte Verbindungen oft in Minuten ausverkauft sind. Busse brauchen oft länger, aber da die Entfernungen in Taiwan nicht so groß sind, wie in Deutschland, war ich schlimmeres gewohnt.
Preise für den Nahverkehr und Fernvekehr (außer HSR-High Speed Rail) sind etwas günstiger als in Deutschland.

Kommunikation

Ich habe am Flughafen gleich eine Prepaid Simcard der Chunghwa Telekom gekauft, die mit unbegrenztem Datenvolumen 30 Tage gültig war und 1000TWD (ca. 33€) gekostet hat. Über mein Handy habe ich dann mein Laptop mit USB-Tethering versorgt und stehts über Telegram nach Hause telefoniert. Da mein Aufenthalt länger als 30-Tage dauerte musste ich dann allerdings noch einmal zwischendurch zum Flughafen, da es die guten Simcards für Ausländer wohl nur dort zu erwerben gibt.

Unterkunft

Die Unterkunft wurde mir von der Lokalgruppe kostenlos gestellt. Es handelte sich um ein 4-Personen Raum im Studentenwohnheim direkt auf dem Campus. Das Labor war 5min zu Fuß entfernt. Mit mir haben dort zwei andere Incomings gewohnt, mit denen ich mich prima verstanden habe. Trotzdem fühle ich mich aber im Nachhinein viel privilegierter in Deutschland ein Zimmer für mich zu haben, da die Taiwanesen ihr ganzes Studium über nicht viel Privatsphäre genießen können. Was mich am meisten gestört hat war, dass es keinen Kühlschrank und keine Küche in dem Gebäude gab und ich so überhaupt nicht selber kochen konnte. Auswärts essen ist dafür sehr günstig. Heißes Wasser für Tee und Kaffee war per Wasserspender auf dem Flur vorhanden.

Literatur

Ich hatte mir den Lonly Planet-Reiseführer für Taiwan als Ebook gekauft und auf mein Handy kopiert. So konnte ich immer unterwegs lesen, ohne dass ich ein extra Buch durch die Gegend schleppen musste.
Um mich nochmal in die Biochemiemethoden einzuarbeiten habe ich mich eher an Youtube gewandt.

Mitzunehmen

Ich hatte für das Labor natürlich 2 Laborkittel und 2 lange Hosen mitgenommen. Das hat sich bei Ankunft als Überflüssig herausgestellt, da niemand im Labor Kittel trug. Das kann man aber vorher schlecht wissen.
Wichtig mitzunehmen finde ich Sonnencreme, die in Taiwan eher schwer zu bekommen ist, einen Putzlappen, um am Anfang in der Unterkunft gleich ein bisschen sauber machen zu können bevor man sich ausbreitet und natürlich in irgendeiner Form ein Gastgeschenk von zu Hause, einerseits für die Leute im Labor (oder der Klinik falls ihr SCOPE macht) und für besonders engagierte Kontaktpersonen. Ich empfehle Schokolade, die in Taiwan sehr teuer ist oder Gummigetier.

Reise und Ankunft

Ich bin mit Emirates von Hamburg über Dubai nach Taoyuan geflogen. Am Flughafen wurde ich gleich von 4 CPs abgeholt. Wir haben die Easycard und die Simcard besorgt, sind dann Essen und schließlich zur Unterkunft gegangen. Ich hatte 2 freie Tage bevor ich im Labor anfingt und das war auch ganz gut, den der Jetlag traf mich und auch an das feuchtwarme Klima musste ich mich gewöhnen. So unternahmen die CPs an den zwei Tagen schonmal zwei Ausflüge mit mir. Generell waren die CPs alle ziemlich cool und haben sich mega viel Zeit für uns Incomings genommen. Ich bin der ganzen Truppe sehr dankbar dafür. Das ist wahrscheinlich aber nur möglich, wenn man in deren Ferienzeit, also Juli, August oder Februar kommt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Tag wurde ich von meiner Kontaktperson zum Labor gebracht, wo ich mit dem sehr lieben Professor ein erstes Gespräch hatte, in dem Erwartungen und Möglichkeiten besprochen wurden. Ich habe entweder um 9 oder 10 Uhr angefangen und blieb bis zum Ende der Aufgabe, manchmal 14 Uhr, meistens ca. 17 Uhr. In der ersten Woche habe ich vor allem zugeschaut und nachgefragt. Danach habe ich immer mehr selbst gemacht. Am Ende machte ich selbstständig ELISA, Western Blot und qPCR und habe diese Experimente viel besser verstanden als damals im Biochemiepraktikum. Außerdem lernte ich Zellkulturen anzulegen und zu pflegen und einen Tag konnte ich bei einem anderen Professor Mausexperimente beobachten und ein bisschen mithelfen, die Mäuse vor einen chirurgischen Eingriff zu betäuben. Ich konnte auch zu jeden anderen im Labour gehen, wenn ich gerade nichts zu tun hatte und sie haben immer super erklärt woran sie gerade arbeiten. Es war also sehr abwechslungs- und lehrreich. Mit freien Tagen und Nachmittagen, wenn ich etwas unternehmen wollte, sowie mit der Praktikumsgestaltung insgesamt war der Professor sehr großzügig entgegenkommend. Da mir das Praktikum aber viel Spaß gemacht hat und ich noch Zeit hinterher eingeplant hatte, um ein bisschen in Taiwan zu reisen, habe ich davon nicht so viel von dem Angebot Gebrauch gemacht mal einen Tag oder einen Nachmittag frei zunehmen und war die meiste Zeit anwesend. Zwischen den einzelnen Schritten der Experimente hatte ich aber viel Leerlaufzeit, die ich frei gestalten konnte. Ich hatte einen kleinen Schreibtisch bekommen und immer, wenn jemand mir noch etwas zeigen wollte, wurde ich dort abgeholt. Wir haben in der Kantine zusammen Mittag gegessen und waren auch als gesamtes Team einmal ins Restaurant eingeladen. Die Stimmung im Team war sehr gut, sowie ich das mitbekommen habe. Die meisten konnten Englisch und haben, wenn ich sie gefragt habe ihr Bestes gegeben mir zu erklären woran sie gerade arbeiten. Eine kleine Sprachbarriere gab es natürlich immer, sodass es manchmal schwer war Detailfragen verständlich zu machen. So gesehen hätte ich wahrscheinlich etwas mehr gelernt, wenn ich ein Forschungspraktikum in Deutschland gemacht hätte.
Auch die Ausprache und den chinesischen Akzent von manchen zu verstehen war nicht so einfach. Man gewöhnt sich aber daran und auch an so manche chinesischen Phrasen, die einfach so ins Englische übertragen werden. Aber bei den Gesprächen mit Leuten, die nicht so gut Englisch konnten, wurde immer viel mit den Händen gefuchtelt und gelacht.

Land und Leute

An zwei Wochenenden habe ich an den National Social Programms von IFMSA-Taiwan teilgenommen. Für diese musste ich mich schon vor meiner Ankunft über die Facebookgruppe der Incomings anmelden. Diese fanden jedes Wochenende zur Austauschperiode (Juli-August) statt, aber ohne Facebook hat man da leider schlechte Karten. Die Programme waren alle ziemlich gut organisiert und haben viel Spaß gemacht, denn die Organisatoren waren alle sehr gesprächig und wollten einem die Zeit in Taiwan so angenehm und schön wie möglich machen. Besonders das Chinese Medicine Camp in Taichung fand ich sehr interessant.
An den anderen Wochenenden habe ich Ausflüge mit meinen CPs gemacht, die sich viel Zeit für mich genommen haben. Wir waren zusammen in Taipei, Yangmingshan, Wulai und Maokong.
Für nach dem Praktikum habe ich 3 Wochen extra Zeit eingeplant, um noch möglichst viel von Taiwan zu sehen, bevor ich zurückfliege. So habe ich eine Tour einmal im Uhrzeigersinn um die Insel gemacht, wozu wenn man weniger Zeit hat aber auch 1-2 Wochen ausreichen würden.
Besonders empfehlen kann ich die Streetfood Hauptstand Tainan, wo es nochmal viele Regionale Spezialitäten gibt, die man nur dort bekommen kann, Jiufen an der Nordostküste, mit einem wunderschönen Ausblick und tollen Wanderungen und den Kenting Nationalpark ganz im Süden des Landes. Letzterer ist am besten mit Scooter zu erkunden. Den internationalen Führerschein sollte man dazu nicht vergessen, denn der deutsche reicht zum Leihen von Scootern seit einiger Zeit nicht mehr aus. Auch der Taroko-Nationalpark war cool, auch wenn ich ihn von den Berichten her etwas overrated fand. Ausgelassen habe ich am Ende leider das Wandern im Hochgebirge, da man in Taiwan für bestimmte Wege und Berggipfel Permits braucht, die man als Solowanderer nur schwer bekommt. Erst wenn man diese Permits hat, kann man sich für die Bergunterkünfte anmelden und das war mir alles ein bisschen zu umständlich, es ist aber sicher nicht unmöglich.
Schwierig in Taiwan war für mich die feuchte Hitze im August und September, die Aktivitäten draußen immer um ein Vielfaches anstrengender gemacht hat. Das Essen habe ich dagegen sehr genossen, auch wenn ich zwischendurch mal auf gewohntes Essen ausgewichen bin, wenn es sich angeboten hat. Taiwan bietet eine schöne Vielfalt, aus chinesischem Essen aller Regionen, Japanisch und Koreanisch, sowie dem Essen der Ureinwohner im Osten der Insel. Man kann sich also sehr abwechslungsreich mit asiatischem Essen durchfuttern und seitdem ich wieder in Deutschland bin, fehlt es mir auch ein bisschen, einfach mal auf der Straße im Vorbeigehen einen Happen mitzunehemen.

Fazit

Alles in Allem war ich begeistert von meinem Aufenthalt in Taiwan und ich habe es wirklich keine Sekunde bereut, diesen Austausch gemacht zu haben. Letztendlich waren es vor allem meine CPs den Ausschlag gegeben, denn es hatte fast immer jemand Zeit, mit mir Abendessen zu gehen und am Wochenende Ausflüge zu machen. Von ihnen habe ich auch sehr viel über die Kultur, die Geschichte und Gepflogenheiten im Land gelernt, was als Individualreisender nicht so leicht möglich ist, weshalb ich diese Art des Auslandsaufenthalts für mich auch als wertvoller empfinde, als einfach nur als Tourist irgendwo hinzufahren. Ich würde es auf jeden Fall wieder tun und möchte nun gerne auch noch SCOPE machen.

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