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Philippinen (AMSA-Philippines)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Eigentlich hatte ich nie vor, eine Famulatur im Ausland zu machen. Nachdem aber mehrer Freunde extrem begeistert von ihren bvmd-Austauschen waren, habe ich beschlossen mich ebenfalls für einen Austausch in einem englischsprachigen Land zu bewerben. Da ich absolut kein Freund von Uniformen oder strengen Kleidungsvorschriften bin, fiel meine Wahl schließlich auf die Philippinen.

Vorbereitung

Meine endgültige Zusage/die erste Nachricht aus den Philippinen erhielt ich etwa 7 Wochen vor Beginn meiner Famulatur.
Um mich ein bisschen über Land und Leute zu informieren, habe ich mir einen Reiseführer für die Philippinen besorgt, aber vor Abreise darin nicht wirklich gelesen.
Mein Vorhaben, mich über die Klinik und die Schwerpunkte der dortigen Unfallchirurgie zu informieren scheiterte leider daran, dass die Seite der Uniklinik von Beginn der Bewerbung bis zu meinem Abflug "currently under construction" war. Auf eine diesbezügliche Nachfrage bei meiner Kontaktperson habe ich leider nie eine Antwort bekommen.

Kurz vor meiner Abreise bekam ich dann von einem AMSA Mitglied zwei Formulare die es auszufüllen galt. Das darauf "observership" stand habe ich zu dem Zeitpunkt noch als "notwendige Formalie" abetan und mir nichts weiter dabei gedacht...

Visum

Nach kurzer Recherche war klar, dass ich für die Philippinen kein spezielles Visum benötige, solange ich nicht länger als 30 Tage im Land bleibe. Das Visum on Arrival gibt es nach kurzer Nachfrage, warum man einreist und wie lange man bleiben will (füllt man eigentlich alles im Flieger schon aus) direkt am Flughafen.

Gesundheit

Da ich noch nie zuvor in Asien unterwegs war habe ich mich bezüglich nötiger/empfohlener Impfungen bei meinen Hausarzt informiert und mich für Impfungen gegen Tollwut, japanische Enzephalitis, Thyphus, Cholera und Meningokokken entschieden. Sicher ist nicht alles davon unbedingt nötig, aber ich wollte auf Nummer Sicher gehen.
Außerdem habe ich über die Apobank die für studentische Kunden kostenlose Auslandskrankenversicherung für die Zeit meiner Auslandsfamulatur abgeschlossen.

Sicherheit

Grundsätzlich habe ich mich auf den Philippinen nicht wirklich unsicher gefühlt. Solange man ein paar einfache Regeln, wie nach Anbruch der Dunkelheit nicht mehr in unbeleuchteten Straßen umherlaufen oder seine Wertgegenstände nicht offen vor sich herzutragen, hält, finde ich ist Manila nicht viel unsicherer als andere Großstädte. Allerdings warnen einen die Einheimischen ständig vor allem und jedem.

Geld

Die Währung auf den Philippinen sind philippinische Pesos, wobei ca. 62 Pesps 1€ entsprechen. ATMs, die Visa und meist auch Mastercard akzeptieren, gibt es zumindest in Manila an jeder zweiten Ecke.
Allerdings erheben diese Automaten pro Transaktion einen Gebühr von 250 Pesos, daher macht es Sinn größere Beträge abzuheben. In den Malls kann man aber eigentlich überall mit Kreditkarte zahlen.
Auf anderen Inseln wie z.B. Palawan wird es schon sehr schwer an Geld zu kommen. Dort gibt es ATMs meist nur am Flughafen.

Sprache

Mein Versuch Filipino mittels einer App auf dem Smartphone zu lernen scheiterte leider kläglich. Prinzipiell kommt man aber im täglichen Leben fast überall mit Englisch und Händen und Füßen weiter.
In der Klinik wird allerdings fast nur Filipono gesprochen und die Leute sehen es offenbar als enorme Belastung an, einem Sachen zu übersetzen. Dafür zitieren sie gern ein Sprichwort, welches in etwa besagt, dass man vom englisch Reden Nasenbluten bekommt. Sagt finde ich schon ziemlich viel.

Verkehrsbindungen

Fortbewegung in Manila dauert grundsätzlich ewig. Je nach Tageszeit kann es gern mal knappe 2h für eine Strecken von ca. 15km dauern.
Öffentliche Verkehrsmittel, wie wir sie aus Deutschland kennen, gibt es nicht. Um von A nach B zu kommen nutzt man entweder ein Trycicle, ein Jeepney (undurchsichtiges System) oder aber am besten ein Grab, was in etwa Uber entspricht.
Um Manila zu verlassen, gibt es die Möglichkeit Reisebusse zu nutzen, welche ziemlich billig sind. 50km kosten in etwa 90 Preso. Allerdings gibt es keine festen Haltestellen und daher empfiehlt es sich, seine Position immer wieder auf Google Maps zu überprüfen.

Kommunikation

Direkt am Flughafen habe ich mich mit einer philippinischen Sim-Karte von "Globe" versorgt. Für 8 GB Datenvolumen zahlt man 1000 Pesos. Zusätzlich habe ich mir für weiter 100 Pesp Guthaben für Telefonate und SMS geholt. Eine SIM Karte lohnt sich definitiv, auch wenn zumindest meine Unterkunft über WLAN verfügte. Aber schon für die Nutzung von Grab oder der Standortbestimmung auf Busfahrten lohnt sich eine philippinische Nummer.

Unterkunft

Untergebracht war ich in einem Dreibettzimmer in einem Wohnheim direkt auf dem Campus der Uni. Das Zimmer verfügte über ein eigenes kleines Bad mit Waschbecken, WC und Dusche.
Außerdem gab es im Erdgeschoss eine Gemeinschaftsküche - allerdings ohne wirklich Geschirr/Besteck. Ein paar Töpfe und eine Pfanne waren alles. Kochen lohnt aber zum Einen nicht, weil Essen gehen biliger ist und zum Anderen weil die beiden Platten, die es in der Küche gibt, extrem schwach auf der Brust sind.
Auch wenn Essen auf dem Zimmer offiziell verboten zu sein scheint, haben wir in der Früh einfach Müsli oder ähnliches gegessen.

Literatur

Speziell gelesen habe ich nichts. Was aber nicht schaden kann, ist sich ein bisschen mit der englischen medizinischen Terminologie vertraut zu machen. Philippinos lieben Abkürzungen und man tut sich damit leichter, wenn man die englischen Bezeichnungen halbwegs kennt.

Mitzunehmen

Was man definitiv braucht ist ein Adapter für Steckdosen. Auf den Philippinen wird das US-System genutzt. Auch ein Mehrfachstecker ist sicher von Vorteil, da die Wohnheimzimmer nur über zwei Steckdosen für drei Leute verfügen.
Ansonsten ist Sonnencreme ganz ratsam. Wie fast überall außerhalb von Deutschland ist Sonnencreme extrem teuer.
Für den Klinikalltag ist ein weißer Kittel vorgeschrieben, unter dem man als Austauschstudent seine private Kleidung trägt. Für den OP muss man seine eigenen Scrubs mitbringen - die Farbe scheint relativ egal zu sein. Ich empfehle aber definitiv, sich auch billige Crocs oder ähnliches mitzubringen. Es gibt nur sehr sehr wenig "Gemeinschaftsschuhe", die nie desinfiziert oder sonst was werden und meist viel zu klein sind.

Reise und Ankunft

Nach Zwischenstopp im Oman bin ich Abends gegen 22 Uhr in Manila gelandet und wurde zum Glück am Flughafen abgeholt und zu meiner Unterkunft gebracht. Anders wäre ich sicher auch gar nicht in das Wohnheim gelangt, denn von 10 p.m. bis 5 a.m. ist die Tür verschlossen und eine Klingel oder dergleichen gibt es nicht.
Da ich an einem Samstag Abend angekommen bin, hatte ich den Sonntag noch um mir Frühstücksgeschirr und ein paar Lebensmittel zu besorgen bevor es dann am Montag in die Klinik gehen sollte.
Aufgrund extremen Regens wurde der Montag dann allerdings gecanceled und so habe ich mich erst Dienstag mit einem Filipino getroffen der mich ins DMER-Office gebracht hat. Dort angekommen wussten die Damen allerdings nichts von mir und haben mich nach 1,5h des Wartens wieder nach Hause geschickt.
Also neuer Versuch am Mittwoch. Nach weiteren ca. 45 Minuten des Wartens wurde ich dann schließlich von einer Resident aus der Unfallchirurgie abgeholt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Im DMER Office wurde mir ein Stundenplan ausgehändigt, welcher besagte, dass mein Tag um 7Uhr morgens beginnt und um 18 Uhr endet. Außer Donnerstags. Da endet der Tag offiziell wohl erst um 21Uhr. Allerdings hat dieser Plan inhaltlich zu keiner Sekunde gestimmt!!!
Mein Tag begann also um 7 Uhr und im besten Fall konnte ich relativ zügig in den OP. Ansonsten war rumsitzen angesagt. Teilweise mehr als 4h am Stück. Wenn ich nicht grad im OP war, wo ich absolut NICHTS machen durfte war rumsitzen oder gemeinschaftliches Essen, bei dem natürlich Filipino gesprochen wurde, angesagt. Mehrmals die Woche waren irgendwelche Fortbildungen, die mal mehr, mal weniger spannend waren. Immerhin waren die auf Englisch. Zu den Fortbildungen/Vorlesungen gab es dann in der folgenden Woche eine Klausur, an der ich aber nicht teilnehmen durfte. Sprich ich saß einfach wieder nur rum und habe den anderen beim Kreuzen zugesehen. Echt spanned!!
Einmal die Woche wurde ich mit auf Visite auf die Privatstation genommen. Das sah dann so aus, dass ich einfach sinnlos hinterhergelaufen bin, mir absolut nichts erklärt wurde und auf Nachfrage mit zwei bis drei Worten geantwortet wurde. Patienten mal anfassen oder beim Verbandswechsel helfen - Fehlanzeige! Die puplic ward habe ich den der ganzen Zeit, auch auf Nachfrage, nicht zu sehen bekommen.
Zweimal hatte ich das Glück, mit ins Outpatient Department zu dürfen und da die Zeit totzuschlagen. Dort kommen Patienten zur Vorbesprechung/Nachsorge von OPs vorbei. Im besten Fall haben sie Röntgenbilder dabei, so dass man sich zumindest die mal anschauen kann. Denn auch hier sind Erklärungen und/oder Übersetzung Fehlanzeige.
Ach ja, heimschicken tut einen irgendwie niemand. Offenbar sind es Filipionos gewohnt, einfach nur Zeit abzusitzen und sich zu freuen wenn man grad mal nichts zu tun hat. Also muss man ständig selber fragen, ob man jetzt genug rumgesessen hat und nach Hause gehen darf. Generell habe ich überhaupt keine Ahnung, was sie von einem als Austauschstundenten erwarten. Wenn man mal fragt, ob man was machen darf, dann heißt es "you are just doing an observership". Irgendwie scheint aber das ganze System bei denen mehr auf Zuschauen als auf praktischer Ausbildung zu beruhen. Auch die Studenten dürfen im OP nicht wirklich was. Zwar darf sich meist ein Student einwaschen, wird dann aber quasi in die Ecke gestellt und darf sich nicht mehr rühren. Haken halten oder Nähen ist selbst für einheimische Studenten totale Fehlanzeige.

Zusammenfassend ist meine Tätigkeitsbeschreibung eigentlich nur Nichtstun und Rumsitzen. Sehr, sehr schade aber wahr.

Land und Leute

Schon in der Bestätigung der Philippinen, dass ich angenommen wurde, stand hinter "social program" ein NO und auf meine Frage an die LEO, ob es zu der Zeit, in der ich auf den Philippinen bin, noch weitere Austauschstudenten gäbe, kam nur ein "weiß ich nicht" zurück. Daher war meine Touri Planung erst mal hinten angestellt.
Vor Ort stellte sich dann auch wirklich raus, dass sich meine Kontaktperson nicht wirklich für ihren Job interessiert. Habe sind in den 30 Tagen ein einziges Mal für paar Minuten gesehen. Zum Glück hat sich aber ein anderer Junge aus der AMSA ein bisschen für uns zwei Deutsche interesssiert und ist mit uns zumindest ein paar mal Essen geangen und hat uns bei organisatorischen Dingen geholfen.

In Manila selber hat sich dann herausgestellt, dass die Stadt nicht wirklich was zu bieten hat. Die sogenannte Altstadt Intramuros hat man binnen 3-4h abgegrast, der chinesische Friedhof, der im Reisefüher empfohlen ist, wirkt mehr wie ein eigner Stadtteil und auch Chinatown ist nichts was man unbedingt gesehen haben muss. Wenn man Einheimische nach Tips fragt, dann bekommt man nur eine Shopping Mall nach der nächsten aufgezählt.
Für die Wochenenden empfiehlt es sich definitiv, Manila zu verlassen und mal wieder frische Luft zu schnuppern. Empfehlenswert ist ein Ausflug nach Tagaytay an den Lake Taal und dort auf den Vulkan zu laufen, oder das Wochenende zu verlängern und auf eine andere Insel zu fliegen. Wenn man nicht grad zu den Haupt-Touri-Spots wie El Nido oder Coron fliegt, bekommt man Hin- und Rückflug zusammen schon für unter 50€. Ich war für ein verlängertes Wochenend zum Island Hopping in Port Barton (Palawan) und kann das nur empfehlen. Die Menschen dort sind unheimlich freundlich, überhaupt nicht aufdringlich (ganz anders als in Intramuros - Manila) und es gibt zur Abwechslug mal Gemüse :) Außerdem scheinen die Preise im Vergleich zu El Nido echt extrem billig zu sein. Übrigens ist auch die Anreise ein kleines Abentheuer.
Auch die Reisterassen im Norden sollen ziemlich nett sein. Mein Plan, einen Wochenendausflug dorthin zu machen ist leider einem Taifun und der Warnung, sich mit genug Essen und Trinken für das Wochenende zu versorgen zum Opfer gefallen.

Für die Abende in Manila empfiehlt es sich außerhalb des UST-Campus-Geländes in kleinen Restaurtants zu essen. Das Essen ist echt ziemlich lecker, mit durchschnittlich 80 Pesos für ein Abendessen ziemlich billig und die Leute freuen sich teilweise extrem, wenn man als Europäer ihr einheimisches Essen bestellt. Auch die Frucht-Shakes auf den Straßen sind total zu empfehlen. Dabei ist ziemlich nützlich zu wissen, dass es sich bei Buko nicht um den in Deutschland bekannten Frischkäse sondern um das filipino Wort für Kokosnuss handelt :)

Fazit

Ich muss ehrlich sagen, dass ich, wenn ich die andere Deutsche Austauschstudentin nicht getroffen hätte, nach einer Woche wieder nach Hause geflogen wäre. Es war in den Unterlagen NIE die Rede davon, dass es sich bei dem Austausch um ein reines Observership handelt, sonst hätte ich mich nämlich nie beworben. Zeit einfach nur im Krankenhaus abzusitzen, nichts zu lernen und ständig nur das Gefühl zu haben unerwünscht und eine Last zu sein, war nicht mein Ziel. Auch die Tatsache, dass sich die Leute von der AMSA nicht wirklich für uns interessiert haben, trägt enorm dazu bei, dass ich eigentlich jedem nur raten kann, lieber ein bisschen mehr Geld in die Hand zu nehmen und die Philippinen rein als Urlaub zu besuchen. Ist sicher auch praktischer, als immer wieder in eine Unterkunft mit festen Schließzeiten zurückkehren zu müssen.

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