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Uruguay (IFMSA-Uruguay)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Susanne, München

Motivation

Meine Motivation für den Austausch war einerseits ganz einfach um meine Spanischkenntnisse zu verbessern. Andererseits und viel wichtiger bei diesem Austausch war es mir, ein anderes Gesundheitssystem und die Abläufe in einem Krankenhaus in diesem Gesundheitssystem kennenzulernen. Ich interessiere mich sehr für globale Gesundheitsthemen und in diesem Bereich ist es wichtig zu wissen wie Gesundheitsthemen in anderen Teilen der Welt angegangen werden.

Vorbereitung

Da ich bereits eine Auslandsfamulatur gemacht hatte und schon mal in Uruguay war, habe ich mich nicht besonders vorbereitet. Ein pre-departure Training der bvmd wäre aber super sinnvoll, ich konnte leider an dem Termin nicht. Anfangen spanisch zu lernen wäre eine sinnvolle Vorbereitung, auch wenn man nur wenig kann, wenn man sich vor Ort reinhängt und viel redet bringt das mehr als jeder Sprachkurs! Die Kommunikation mit dem NEO vor Ort war leider nicht existent und hat die Vorbereitung deshalb schwer gemacht (er ist dann auch zurückgetreten und dann wurde uns auch geholfen).

Visum

Mit einem deutschen Pass braucht man für Uruguay kein Visum, man bekommt 90 Tage glaub ich bei der Einreise. Das gleiche übrigens für die Nachbarländer Argentinien, Brasilien, Paraguay und Chile.

Gesundheit

Für Uruguay braucht man an sich keine speziellen Impfungen oder Vorkehrungen, die üblichen Impfungen für Reisen empfehlen sich natürlich. Wir hatten unterschiedliche Infos zur Trinkbarkeit des Leitungswassers gefunden, haben es getrunken und uns ging es nie schlecht.

Sicherheit

Uruguay ist das wahrscheinlich sicherste Land in Südamerika und Montevideo zählt zu den 10 sichersten Städten in ganz Lateinamerika. Hier passiert auch einfach nicht so viel. Es ist immer noch Lateinamerika und man sollte schon ein Auge auf sein Zeug haben und nachts nicht in die dunkelsten Ecken laufen, aber Montevideo ist wirklich harmlos im Vergleich zu allen anderen Städten des Kontinents. Auch alle anderen Orte in Uruguay sind bedenkenlos, Taschendiebe wenn man zu sehr nach Touristen aussieht ist das einzige wovor man sich fürchten müsste. Die Leute sind aber sehr freundlich zu Touristen, davon kriegen sie glaub ich nicht so viele.

Geld

Währung ist der Pesos (das Zeichen dafür sieht dem Dollar verdammt ähnlich, hat aber nur einen Strich durch das S) und 2018 war die Umrechnung ca. 1 Eu = 38 Pesos. Kreditkarten werden in den meisten Geschäften und Bars in Montevideo angenommen, umso weiter man in kleine Dörfer fährt wird’s natürlich schwieriger aber eigentlich jeder Supermarkt hat Kreditkarte akzeptiert. Abheben an manchen ATMs ein Problem aber einfach ausprobieren, irgendeiner geht immer (die lokale Bank hat aber immer 4 bis 5 Euro Gebühr erhoben also lieber viel auf einmal abheben).

Sprache

Spanisch oder auch Castellano genannt ist Landessprache. Aber Vorsicht, mit dem Spanisch das man so kennt hat das wenig zu tun, der Akzent ist teilweise sehr stark und hier wird wie in Argentinien dass ‚ll‘ und ‚y‘ wie unser ‚sch‘ ausgesprochen. Finde ich persönlich nicht das schönste Spanisch, aber wenn man sich mal dran gewöhnt hat, versteht man es ganz gut. Studenten und Ärzte können recht passabel Englisch, die allgemeine Bevölkerung eher nicht, im Touristensektor also Hostels etc geht es ganz ok mit Englisch. Sie freuen sich aber sehr wenn man es zumindest auf Spanisch probiert

Verkehrsbindungen

Flüge kann man schon ab 700€ finden, schaut auch nach Flügen nach Buenos Aires die sind manchmal billiger und man kann noch ein bisschen diese coole Stadt entdecken. Von dort kann man mit der Fähre nach MVD: billigste Option ist hier ColoniaExpress, hat bei unsere Umrechnung ca 40 Euro gekostet (da war der argentinischen Pesos aber gerade gecrasht und es war demnach etwas billiger).
Das Bus System sowohl in MVD als auch im ganzen Land und intranational ist super ausgebaut. In MVD gibt es auch einer App, hab vergessen wie sie hieß, es fahren ständig Busse überall hin. Es lohnt sich eine Karte zu holen und aufzuladen, dann spart man sich das Kleingeld kramen und zahlen. Tres Cruces ist der Busbahnhof für Langstrecken und es gibt viele Verbindungen überall hin, auch nach Argentinien und Brasilien. Im Internet findet man teilweise gute Infos, teilweise sehr wenig. Sonst einfach an den Busbahnhof gehen und alle Firmen abklappern (ja ist ein wenig nervig, es gibt nicht einen Ticket Schalter, sondern jede Bus Firma hat ihren eigenen Schalter und man muss selbst vergleichen). Die Busse sind viel bequemer als bei uns (vor allem die Übernacht-Busse!) und das Wifi funktioniert im Großteil der Busse super.

Kommunikation

Wir haben uns keine Sim Karte geholt, weil wir gar nicht so oft am Handy sein wollten. War auch gar nicht nötig, es gibt super oft Wifi. In Montevideo gibt es an großen öffentlichen Plätzen immer Wifi (in dem Punkt sind sie uns Meilen voraus), McDonalds ist auch immer ein gute Anlaufpunkt und jeder Laden und jedes Café hat super funktionierendes Wifi.

Unterkunft

Wir haben in einer Art Wohnheim gewohnt, das eigentlich super cool war. Es waren 4er Zimmer, was für einen Monat aushaltbar war – so hat man aber auch gleich seine ersten uruguayischen Freunde. Es gab eine große Gemeinschaftsküche wo man auch leicht Kontakt knüpfen konnte und einen Aufenthaltsraum mit Fernseher und Tischtennisplatte, zudem noch einen Study Room. Nur hier war das Wifi nicht besonders gut. Sehr streng waren sie auch mit dem Besuch, das war ein wenig nervig. Die Unterkunft wurde von den NEOs vor Ort organisiert.

Literatur

Ich habe eigentlich gar nichts davor gelesen… bei Cafés oder hilft Google immer gut weiter oder LonelyPlanet. Als ich vor 5 Jahren hier war fand ich den LonelyPlanet Southamerica on a shoestring gut, wenn man noch in andre Länder reisen möchte.

Mitzunehmen

Ich reise immer eher minimalistisch und hatte nicht viel dabei. Ich hatte mein Stethoskop vergessen hab es aber auch nie gebraucht. Kommt am besten mit halb leerem Rucksack und füllt ihn vor Ort mit Mate und Alfajores

Reise und Ankunft

Wir hatten im Vorfeld leider schlechte Erfahrungen mit dem NEO In gemacht da dieser auf keine unserer Mails geantwortet hatte und so hatten wir keine Infos außer einer Adresse des Wohnheims. Dort wurden wir aber erwartet und wir hatten dann WhatsApp Kontakt zu einer anderen LEO, sie hat uns alle Infos gegeben wie wir ins Krankenhaus kommen und wo wir hinmüssen. Im KH wurden wir am ersten Morgen vom Klinikdirektor erwartet und empfangen und er hat uns alles erklärt und uns einer Gruppe zugeteilt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Wir waren 3 Austauschstudenten und wir baten darum in die gleiche Gruppe plaziert zu werden. Der Professor und Klinikdirektor hat uns zuerst einiges über das Krankenhaus, seine Geschichte und Rolle in Montevideo und das Studiensystem erklärt und hat uns dann zu unserer Gruppe begleitet und uns vorgestellt. Die Studenten sind in Gruppen von mehr als 20 Leuten eingeteilt und werden in jedem Fach das sie durchlaufen einem Arzt zugeteilt. Das heißt hier kommt die Qualität und Quantität der Lehre am Krankenbett sehr darauf an, wem man zugeteilt ist. Wir sind auch einmal mit einer anderen Gruppe mit gelaufen, kann man also auch machen wenn man denkt, dass ein anderer Arzt mehr oder besser lehrt. Ansonsten wurden wir voll in die Gruppe aufgenommen und sofort auch in die Whatsapp Gruppe aufgenommen wo man alle Infos zu Zeiten und den Vorlesungen bekommt. Morgens folgt man dann den Ärzten bei der Visite, die sehr ausführlich und lang gemacht wird. Es sind viel zu viele Leute für die kleinen Räume und es ist schwer viel mitzukriegen, aber wenn man seine Kommilitonen danach fragt, erzählen sie einem die ganze Krankheitsgeschichte der Patienten. Jeweils ca. 3 Studenten sind einem Bett zugeteilt und kümmern sich jeweils um diesen Patienten. Sprich wenn Blut abgenommen werden muss oder EKG geschrieben werden muss dann wird das auch oft den Studenten aufgetragen. Wenn man frägt, kann man sicherlich auch einer Gruppe und einem Patienten zugeteilt werden. Nach der Visite gibt es immer eine Vorlesung (auch dieser Raum ist klein und stickig). Aus den Vorlesungen habe ich nicht so viel mitgenommen, aber es gab auch kleinere Seminare und hier war es echt cool mit den lokalen Studenten ein Thema zu erarbeiten. Der Pflichtteil war dann gegen mittags vorbei. Nachmittags gab es noch Angebote an Kursen, hier sind die wenigsten lokalen Studenten hin gegangen. Man kann natürlich auch wieder auf Station gehen und mit den Assistenzärzten arbeiten. Im September hatten die Studenten dann mündliche Prüfungen und es gab keine Vorlesungen. Diese Zeit könnte man nutzen um alleine mit den Ärzten auf Station zu sein. Man kriegt durch den Kontakt zu den Studenten einen sehr guten Einblick wie das Medizinstudium hier funktioniert, was ich sehr interessant finde. Das Hospital Maciel ist sehr gut ausgestattet und mit seinen 3er Zimmern und guter technischer Ausstattung wahrscheinliche eher eine Ausnahme in Uruguay, aber gut für eine Famulatur. Der Klinikdirektor hatte uns auch angeboten, dass wir in die Notaufnahme dürfen, wenn wir wollten. Wenn man also nachfragt und sich einbringt, kann man sicherlich viel machen und viel sehen. Wenn man eher wert darauf legt, Land und Leute kennen zu lernen, dann geht das auch hervorragend.

Land und Leute

Uruguay wird wegen seiner großen touristisch bekannten Nachbarn oft übersehen. Und um ehrlich zu sein, sehr viel gibt es nicht zu sehen oder erleben, aber das Land ist es trotzdem auf jeden Fall wert besucht zu werden und wahrscheinlich noch mehr mit einer Famulatur und wirklich das Leben vor Ort kennenzulernen – denn das kriegt man auf Durchreise von Argentinien nach Brasilien nicht mit. Die Lebensqualität in Uruguay ist relativ hoch und auch politisch ist man eigentlich schon sehr weit. Marihuana und gleichgeschlechtliche Ehe sind bereits seit 2013 legal und Montevideo ist auch die Schwulen und Lesben freundlichste Stadt in Lateinamerika und auf Nummer 5 in der Welt. September ist auch ‚Mes de la diversidad‘ wo es Märkte und Veranstaltungen gibt und am Ende eine große Demo, dieses Jahr für die schnellere Verabschiedung eines Transgender-Gleichstellungsgesetzes. Außerdem ist Uruguay wohl das Land mit der geringsten sozialen Ungleichverteilung. Montevideo ist eine Großstadt und zwar nicht die schönste, hat aber tolle Ecken. Es gibt Café mit unglaublich gutem Kaffee, man muss sie nur erstmal finden (La Farmacia! Und The Lab Coffee Roasters!) und vielen coolen Bars (der Alkohol ist echt billig). An der Rambla kann man unglaublich gut Leute beobachten oder laufen gehen. Es gibt auch überall in Uruguay so Fitnessparks mit einigen alten Geräten für die Öffentlichkeit und im Parque Rodó kann man Sonne genießen, Akrobatikern beim Üben zu schauen, Hunde streicheln, Grasgeruch genießen und Musikern lauschen.
Ausserhalb von MVD kann man sich Colonia anschauen, eine alte Koloniestadt. Die Küste hoch gibt es noch ein paar Strandstädte wo für jeden was dabei ist: Punta del Este ist die Stadt wo die High society von Buenos Aires bis Brasilien im Sommer Urlaub macht, es gibt Apartment Hochhäuser und Bars, die Stadt ist aber in der Nebensaison ausgestorben. Viel schöner ist es da schon in Punta del Diablo, das ist das gleiche nur für Backpacker und Hippies. Keine Hochhäuser nur immer schöner werdende Holzhäuser. Ein Muss: El Diablo Tranquilo, ein Hostel das so cool ist, das regelmäßig Leute dort hängen bleiben und viel länger bleiben als sie wollten. Und dann die noch abgespecktere Variante: Cabo Polonio. Ein Fischerdorf ohne Strom und meist ohne fließend Wasser in einem Nationalpark, man kommt auch nur wandernd oder mit einem 4x4 Transport hin. Es gibt ein paar Hostels und viele Kerzen. Und einen Sternenhimmel vom allerfeinsten!
Wir sind noch in den Süden Brasiliens gefahren, nach Porto Alegre und von dort nach Cambara do Sul wo es 2 kleine Nationalparks für richtig coole Canyons gibt, touristisch eher unbekannt aber dafür umso cooler!
Oh und ganz wichtig: Mate! Und zwar nicht unser schwächlicher ClubMate. Sondern ein Heißgetränk, dass aus einem ausgehöhlten Kürbis getrunken wird und zwar I M M E R. Jeder Uruguayer hat immer eine Mate Tasche dabei, und egal ob auf dem Motorrad oder ab man gerade eine Vorlesung hält oder Visite macht, es geht immer ein Mategefäß durch die Runde. So bleibt man in der Nachtschicht wenigstens wach. Lasst es euch zeigen und trinkt mit!

Fazit

Uruguay ist ein cooles Land um mein ein Weilchen dort gelebt zu haben und es ERlebt zu haben (vor allem weil es nicht so viel zu sehen gibt, wie zumindest in anderen Ländern). Ich würde jederzeit wieder hin, einfach weil es so schön lässig ist. Wenn man eine relaxte Famulatur möchte mit wenig Anwesenheit und viel Land sehen will dann geht das gut. Wenn man viel aus dem Krankenhaus mitnehmen möchte dann geht das auch, man muss nur viel Fragen und die Ärzte nerven, dass man mehr machen und sehen möchte.

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