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Lebanon (LeMSIC)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Primaer um andere Gesundheitssysteme kennenzulernen und verschiedene Lehr-Methoden zu erbroben.

Vorbereitung

Ich habe keine Vorbereitungen getroffen. Fuer detaillierte Informationen wuerde ich stark empfehlen die ifmsa Berichte zu lesen, dort steht extrem viel wertvolles Wissen. Sie sind einsehbar auf der exchange platform.

Visum

Da ich Doppelstaatler bin und die entsprechende Staatsbuergerschaft habe brauchte ich kein Visum.

Gesundheit

Vom Auswaertien Amt wird eine Hepatits A Impfung empfohlen und dann auch von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt. Ansonsten ist die groesste Gefahr nervige Muecken und Durchfall bei schlechtem Essen ;) Auslandskrankenversicherung wird obligat gefordert, was gut so ist (bevor ihr irgendwelche neuen Sachen abschließt, checkt mal, ob ihr ADAC-versichert seid, das geht genauso gut)

Sicherheit

Die Sicherheitslage in Beirut selbst liest sich beim Auswaertigen Amt etwas spooky, aber vor Ort laeuft alles total rund und ziemlich sicher. Es gibt viele Militaerposten (ist aber einfach das Aequivalent zur Polizei, keine Sorge).
Bei Taxi-Reisen wuerde ich gerade als touristisch wirkender nie alleine reisen und versuchen immer geschlechtergemischt zu reisen. (Autos voller Maenner werden oefter kontrolliert als mit Frauen). Aber alles in allem wirklich absolut kein Grund zur Sorge, man kann sich frei bewegen, es gibt keine akuten Bedrohungen und die Sicherheitslage ist in Ordnung.

Geld

Waehrung sind Libanesische Pfund und Amerikanische Dollar. Hauptsaechlich bar, Kartenzahlung in Restaurants und Co moeglich aber nicht ueberall. Lebensunterhaltungskosten per se guenstig, Party, Drinks und Co eher teuer, Restaurants in jeder Preisspanne

Sprache

Libanesisch, je nach Krankenhaus Englisch oder Franzoesisch auf hohem Niveau. Libanesisch/Arabisch muss eigentlich niemand koennen, Englisch bzw Franzoesisch reicht vollkommen aus. Entsprechend gut sollte das Niveau sein (wir hatten Leute da die auch Englisch schlecht sprachen und auch die kamen zurecht)

Verkehrsbindungen

Taxis und "Service" sind Haupttransportmittel, oeffentliches System ist fast non-existent, es gibt wenige Busse die in andere Staedte fahren, aber man kommt sehr sehr simpel und guenstig mit den Taxis rum

Kommunikation

Man braucht keine SIM und eigentlich auch kein Internet, man kommt den Monat gut aus, wenn man sich einfach gut organisiert und das Hotel und Krankenhaus WLAN nutzt. Sollen auch schon Generationen vor uns ohne WWW geschafft haben.

Unterkunft

Lunas Village in Hamra ist ein absolutes Highlight. Extrem junges Hotel, extrem nette Leute, viele Studenten, viele Nationen, viele Sprachen, gute Partys, tolles Personal und bester Ort um Locals und andere Menschen kennenzulernen. Auch die Kueche (100% vegan) ist echt gut.

Literatur

Es ist ratsam ein wenig ueber Libanons Geschichte zu wissen, um zu verstehen wer und welche Gruppen im Libanon leben, dafuer reicht Wikipedia oder mal ne Doku schauen. Selbst wenn man das nicht macht: Einfach open minded sein, keine Vorurteile mitbringen und sich dieses wunderschoene Land und die Leute zeigen und erklaeren lassen.

Mitzunehmen

Fieberthermometer, irgendwas gegen Mueckenstiche und bei bekannten Allergien auch Meds gegen Insektenstiche (die Viecher koennen wirklich zustechen). Sonnencreme für die Bleichhäuter unter uns nicht vergessen.

Reise und Ankunft

Der Airport ist uebersichtlich, es gab keine Probleme (achtet darauf keine Israelischen Stempel im Pass zu haben und erwaehnt es nach Moeglichkeit nicht). die LEOs und NEOs kuemmern sich um alles, holen euch ab oder schicken Taxis, die euch zum Hotel bringen, ab dann laeuft alles von alleine, es gibt keine strickten Timelines, man wird am Tag nach Ankunft vom Team durch die Registrierung am Campus gefuehrt und in der Regel am Tag drauf beginnt die Arbeit.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war dem Emergency Department unterstellt, entsprechend habe ich meine Dienste in den Notaufnahmen (!) abgeleistet. An der AUB wird - nicht überraschend - nach amerikanischem Prinzip gearbeitet. Entsprechend gibt es das ED1, ED2 und ED3. Patienten durchlaufen die Triage bevor sie in das ED kommen. Dort werden sie eingeteilt:
ED1 behandelt tatsächliche Notfälle, ED2 behandelt die weniger dringlichen Fälle, ein wenig der Puffer für ED1 und sowas wie eine teure Hausarztpraxis. ED3 ist die pädiatrische Aufnahme, die ungeachtet der Dringlichkeit alles unter 18 Jahren sichtet und formell auch nicht dem ED unterstellt ist, sondern der Pädiatrie (ist aber ein und derselbe Ort, insofern unerheblich).

Als last-year-student bekomm man einen Softwear Zugang und dürfte Patienen in Rücksprache mit dem Attending (OA) alleine sichten und aufnehmen. Alle "jüngeren" observieren primär und "beschatten" die Residents (AA) bei der Arbeit. Super viele sind aufgeschlossen und freundlich, besprechen Patienten und Fälle. Allerdings liegt der Fokus im US-System weniger auf "ich erzähl dir mal was", sondern (positiverweise) sind sie auf eine lehrreiche Art fordernd. Das heißt konkret man verlässt ein Zimmer und wird gefragt, was denkst du, welche DD hast du im Kopf, was würdest du weiter machen, was sind deine Anordnungen, was ist deine Wahl der Therapie, warum usw..
Natürlich kann es mal speziell in ED1 etwas hektischer werden, aber das passt ganz gut.

Patientenkontakt selbst läuft überwiegend auf arabisch/libanesisch, entsprechend kann es für europ. Studis schnell langweilig während der Anamnese werden. Umso wichtiger ist es, dass Du dich an das Prinzip der cases gewöhnst, ohne den Patienten direkt vor dir zu haben (gut möglich). Grundsätzlich legen die Ärzte dort viel Wert auf die Anamnese, aber eher weniger auf die körperliche Untersuchung. Es wird sehr detailliert abgefragt, aber kaum untersucht, dafür viel Bildgebung und Labor. Kritisiert man das laut, stimmen einem alle zu - das scheint mir der einzige Punk zu sein, in dem wir deren Lehrsystem voraus sind.

Die AUB ist eine Privat-Klinik. Im Libanon gibt es Kranken-Versicherungen, auch eine Staatliche, die ist aber nicht viel wert und wird bspw. vom ED nicht akzeptiert. Entsprechend viele (überwiegend) Selbstzahler sieht man. Bevor man Labor oder Imaging anordnet sieht man den Preis im System. Wird gezahlt, wird behandelt - sonst nicht. Das wird durchaus strikt gemacht - die Patienten sind das aber gewohnt und daher sieht man in der AUB keine großen Finanz-Dramen im ED.

Land und Leute

Hier geht die Reise erst richtig los: Wenn Ihr die fette medizinische Fach-Erleuchtung haben wollt, gibt es sicher andere Länder, in denen das auch geht. Der Libanon bietet aber einen kulturell spannenden Monat.
Libanon liegt als einzige arabisch-demokratische Nation im Nahen Osten am Mittelmeer zwischen Syrien und Israel. Politisch ist das Land aufregend, aufgeweckt und "hibbelig". Hier leben Christen, Schiiten, Sunniten, Drusen und Atheisten friedlich in einem bevölkerungstechnisch recht jungen Land.
Die Studenten von AUB, BAU usw. usw. bieten einen guten Einblick in das Land. Zwar ist das auch schon eine bubble, nämlich die der eher gut-situierten, aber man kann sich viel (verschiedenes) erzählen und zeigen lassen. Wer auf Nummer sicher gehen will keine Fettnäpfchen zu finden - libanesische ungeschriebene Regel "Sprich nicht über Politik oder Religion, dann hast du Spaß und deinen Frieden im Libanon". Soll heißen steigt nicht in die großen Kontroversen ein, sondern genießt die Menschen und ihre Vielfalt. Unsere Gastgeber im 'Lunas Village' (siehe Instagram) sind tolle Leute mit einem sehr westlichen Lebensstil (wie ganz West-Beirut). Wir haben neben dem social programm der LEOs und NEOs auch selbst Busse gemietet und sind durchs Land gefahren, es gibt Berge, Täler, Flüsse, Seen und natürlich das Meer. Für den besten Strand fahrt Ihr nach Norden nach Batroun, zum Camping in den Zedernwald, zum Schwimmen im schönen Chouen-Tal ist es auch nicht weit. Die schönsten Orte findet man über Geheimtipps, online-Blogs und Instagram. Einfach mal suchen. Die Klassiker wie Baalbek, Tripoli oder Saida sind natürlich auch dabei.
Die Menschen sind aufgeschlossen und helfen gerne. Man sollte sich (besonders gegenüber Taxi-Fahrern und auf Basaren) seiner touristischen Gestalt bewusst sein, aber alles in Maßen.
Es gibt extrem geniale Partys an den coolsten Orten. Von der Strand-Party bis zum open-air in den Bergen war alles dabei und immer sehr vital. Jeder findet irgendwie wonach er oder sie sucht. Die Locations sind dabei immer sehr beeindruckend, es gibt in Hamra viele Roof-Bars, Pools, sehr gemütliche Bars, tolle Restaurants (immer die Studis fragen) wo man sehr viel Zeit mit den richtigen Leuten verbringen kann. Es ist extrem simpel Libanesen kennenzulernen, sehr talky, sehr affektiv. Wer das nicht mag kann sich natürlic immernoch zurückziehen oder die Zeit mit den anderen Europäern verbringen. Wie gesagt, es is so divers, jeder findet eine Situation, in der sie oder er sich wirklich gut fühlt und die Möglichkeit bekommt den Libanon auf die eigene Art zu genießen.

Fazit

Alles in Allem würde ich jedem Lebenslustigen diese Reise und Erfahrung wärmstens ans Herz legen, es ist ein Trip bei dem extrem viel gut und extrem wenig schief laufen kann. Insofern, auf auf und yallah!

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