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PorMSIC(Portugal);How to control Parkinson Disease-associated neuroinflammation: Studies in cellular and animal models

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
Anonym

Motivation

Ich hatte zuvor noch keinerlei Auslandserfahrung und wollte deswegen gerne mit einer studentischen Organisation und nicht allein ins Ausland. Ich hatte die Erwartung, dass ich dank des Sozialprogramms am Nachmittag viele neue Leute kennenlerne und mit ihnen gemeinsam die Stadt entdecken kann.

Vorbereitung

Ich habe über Freunde von der bvmd erfahren, die ebenfalls einen Forschungsaustausch gemacht haben. Da ich einen Restplatz belegt habe, musste ich alle Dokumente recht schnell zusammenhaben, was besonders mit dem Sprachzertifikat etwas schwierig war. Mein Cambridge Zertifikat war leider schon zu alt und die Uni bietet nur einmal im Monat eine Sprachprüfung an, weshalb alles recht knapp war. In jedem Fall sollte man sich frühzeitig um alle Formalitäten und Dokumente kümmern!

Visum

Ich musste kein Visum beantragen, da Portugal Teil der europäischen Union ist. Ich musste lediglich den Flug buchen.

Gesundheit

Nein, ich habe keinerlei spezielle Vorkehrungen wie Impfungen oder eine besondere Reiseapotheke getroffen. Ich brauchte lediglich eine Kopie meines Impfausweises und die betriebsärztliche Bescheinigung auf Englisch. Vor Ort kann man alle gängigen Medikamente teilweise sogar rezeptfrei erwerben.

Sicherheit

Nein, ich habe keinerlei zusätzliche Vorkehrungen getroffen. Die Lage in Portugal war zu jeder Zeit sehr sicher und außer Taschendieben (wie in jeder Großstadt), hat man in Lissabon nichts zu befürchten! Man braucht lediglich die englische Version seiner Krankenversicherung und seiner Haftpflichtversicherung, wegen eventueller Geräteschäden.

Geld

Da die Währung in Portugal ebenfalls der Euro ist, gab es keinerlei Probleme. Ich hatte in etwas 200 Euro in bar mit und kam damit auch für eine längere Zeit aus, da man für das Mittagessen ca. 50 Euro von der Gastorganisation bekommen hat. Weiteres Bargeld abgehoben habe ich kostenfrei mit meiner Kreditkarte (ApoBank!) an jedem Geldautomaten (ATM).

Sprache

Da ich nur Englisch kann, habe ich extra ein Land ausgesucht, in dem der komplette Austausch auf Englisch ist. Im Labor lief alles auf Englisch, auch das Sozialprogramm war komplett auf Englisch, ich musste lediglich ein paar Wörter für die öffentlichen Verkehrsmittel oder für einen Restaurantbesuch verstehen!

Verkehrsbindungen

Die Verkehrsverbindungen waren alle super! Wir wurden von den Kontaktpersonen am Flughafen mit dem Auto abgeholt und zu unserer Wohnung gebracht. Den Flug sollte man nicht allzu spät buchen, da er doch recht teuer werden kann (pro Strecke 150 Euro). Am nächsten Tag haben sie mit uns zusammen ein Monatsticket gekauft, das kostet je nach Lage der Wohnung zwischen 40 und 70 Euro und man darf alle Verkehrsmittel für den gebuchten Umkreis benutzen (Bahn, Metro, Busse und Fähre). Lediglich die Wartezeiten waren immer recht lang, nach Fahrplan kommt eigentlich nichts.

Kommunikation

Die Kommunikation lief überall problemlos, da es inzwischen keine Roaming-Gebühren mehr gibt, hatte ich zu jeder Zeit und überall Internet. Die Kontaktpersonen hatten eine WhatsApp Gruppe erstellt, sodass wir immer in Kontakt blieben. Auch die Anrufe nach Hause waren für mich (durch meinen Vertrag) immer umsonst. Auch WLAN gab es sowohl in meiner Wohnung als auch im Labor.

Unterkunft

Die Eltern der LEO aus Lissabon hatten eine Wohnung, die sie für Incomings zur Verfügung gestellt haben. Dort habe ich mit einem Portugiesen und einer anderen Austauschstudentin zusammengewohnt. Wir zwei Austauschstudentinnen haben uns ein Zimmer geteilt, insgesamt gab es für uns drei eine große Küche, ein Wohnzimmer, ein Bad und ein Balkon. Die Unterkunft war wirklich super schön, sehr sauber und groß und ich war froh, nicht alleine wohnen zu müssen! Handtücher und Bettwäsche wurden gestellt, waschen durfte man auch zu jeder Zeit und umsonst!

Literatur

In der Ausschreibung für mein Projekt waren fünf Paper genannt, die für dieses Forschungsgebiet als Standardliteratur gelten. Diese habe ich zuvor gelesen, auch wenn das im Labor niemand erwartet hatte. Dort habe ich auch noch zwei Paper gelesen, eines davon sollte ich vorstellen. Hier unterscheidet sich aber jede Arbeitsgruppe stark nach Thema ihres Forschungsschwerpunkts.

Mitzunehmen

Eigentlich habe ich nur Kleidung und meine persönlichen Gegenstände wie Laptop und Handy usw. mitgenommen. Ich habe weder Bettwäsche noch Handtücher (lediglich ein großes für den Strand) gebraucht. Nützlich war für mich eine kleine Handtasche, in der man seine Wertsachen verstauen kann. Generell sollte man Kleidung für warme Tage aber auch für kältere Abende mitnehmen, insgesamt aber nicht zu viel, da man überall waschen kann.

Reise und Ankunft

Meine Anreise war ganz problemlos, ich wurde samstags von zwei Kontaktpersonen vom Flughafen abgeholt und nach Hause gefahren. Sie waren sofort sehr nett und haben mir direkt einiges erklärt, z.B. wer mich montags wann wo abholt und ins Labor begleitet. Dadurch konnte ich mich sonntags in meiner neuen Wohnung einleben und schon mal einkaufen und meine Mitbewohnerin kennenlernen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Der erste Tag im Labor war eine reine Einführung. Mir wurde alles gezeigt, jeder Raum und jedes Gebäude, außerdem wurde ich allen vorgestellt. Das Labor heißt „CEDOC“ und ist ein großes Gemeinschaftslabor der NOVA. Es liegt nahe der Uni, von der aus das Sozialprogramm startet. Ich habe mich mit allen Mitarbeitern gut verstanden, besonders meine betreuende PhD Studentin hat sich sehr um mich gekümmert, auch wenn es manchmal fast zu viel und zu lang war. Verständigungsschwierigkeiten gab es keine, da alle sehr gut Englisch gesprochen haben! Der Tagesablauf war in den nächsten Wochen immer recht ähnlich, ich habe um 10.00 begonnen und gegen 15.00 Uhr aufgehört, in der Mittagspause haben wir immer zusammen gegessen. Inhaltlich habe ich verschiedenste Methoden gelernt, die für mich neu waren, da ich bisher nur Erfahrung in einem sehr speziellen Forschungsbereich hatte. Hier handelte es sich am meisten um Basismethoden wie Western-Blots, PCR, Immunohistochemie, Zellkultur und Primärzellkultur (Ratten). Mir wurden alle Methoden ausführlich erklärt, praktisch durfte ich insgesamt aber eher wenig machen, da es sich um die Versuche der PhD Studenten handelte. Ich habe lediglich eine eigene Zellkultur bekommen, um die ich mich gekümmert habe. Deswegen beurteile ich meine Tätigkeit im Nachhinein als eher einfach, ich hätte gerne eigene Experimente gemacht, auch wenn ich verstehen kann, dass dies kostentechnisch schwierig ist. Das Gesundheitssystem und die medizinische Ausbildung in Portugal kann ich dadurch nur schwer beurteilen. Die Standards im Labor sind aber in jedem Fall gleich gut wie in Deutschland. Die Ausstattung war extrem modern und neu, die Räume sehr groß und hell. Besonderheiten, an die man sich gewöhnen musste waren z.B. dass man sich für jedes Gerät, das man für ein Experiment benötigt zuvor am Computer anmelden muss. Daher war die Versuchsplanung im Vorhinein recht aufwendig. Außerdem sind die vielen Kaffeepausen auch etwas gewöhnungsbedürftig aber natürlich nicht schlecht. Insgesamt ist die Qualität der Arbeit sehr hoch, auch wenn die Prozesse an sich länger dauern. Thematisch habe ich meine Arbeitsgruppe nach meinem vorherigen Kenntnisstand im Labor ausgesucht: ich hatte ein wenig Erfahrung mit Neurotoxizität und Protektion, was aber gar nicht verlangt wurde. Generell kann jeder in jede Arbeitsgruppe, die Tutoren sind flexibel und zeigen sowieso zuerst alles, bevor man etwas selbst macht. Auch wenn man keinerlei Erfahrung hat, sollte man sich an einen Forschungsaustausch trauen, da er ein großes Feld der Medizin bedeutet.

Land und Leute

Die Zeit außerhalb des Labors war sehr schön und die Erfahrungen extrem vielfältig. Ich habe mit einer Studentin aus Rumänien zusammengewohnt, mit der ich meinen Alltag weitestgehend geteilt habe. Das war ein riesiger Pluspunkt, da wir immer zu zweit waren und uns austauschen konnten. Insgesamt hatte ich einen sehr positiven Eindruck von der Situation Portugals: die Kultur ist vielfältig und multinational, die politische Haltung besonders unter den jungen Leuten sehr sozial und offen und die Wirtschaft boomt auch dank des Tourismus. Teilweise war Lissabon sogar zu touristisch und zu voll, die einzige Sache die mir an Sehenswürdigkeiten oder öffentlichen Plätzen unangenehm aufgefallen ist. Dies treibt leider die Preise in die Höhe, sodass wir immer vermieden haben, an einem touristischen Ort essen zu gehen und sehr dankbar für die „Insider“-Tipps der Portugiesen waren. Meine Gastfamilie war wirklich super nett, ich hätte mich nicht wohler fühlen können. Wir wurden direkt herzlich empfangen, unsere Gastmutter hat uns alles genau erklärt und gezeigt. Wir haben sogar öfter miteinander zu Abend gegessen und konnten bei jedem Problem sofort nachfragen (Waschmaschine läuft nicht usw.). Generell kam ich mit allen Portugiesen sehr gut klar, alle waren sehr hilfsbereit und aufgeschlossen. Mit unseren Kontaktpersonen haben wir uns fast jeden Tag getroffen und uns auch nach dem Sozialprogramm am Abend oder am Wochenende verabredet. Aus hilfsbereiten Studenten sind so Freunde geworden. Mir persönlich ist nichts Unangenehmes aufgefallen, ich habe in dem gesamten Austausch keine einzige schlechte Erfahrung gemacht. Selbst an die ewig langen Wartezeiten der Bahn gewöhnt man sich, die Stimmung ist überall sehr entspannt, generell hat man keinen Stress und immer Zeit. Ich hätte nichts anders gemacht, alles war super. Der Austausch hätte fast noch länger sein können, da Lissabon so viele schöne Ecken hat, die man in einem Monat nur schwer alle anschauen kann. Außerdem hätte ich gerne noch Porto besucht, das war aber auf Grund der begrenzten Zeit nicht möglich. Normalerweise ist dies im Nationalen Programm beinhaltet, das allerdings nur im Juni angeboten wird. Für mich persönlich war der September aber deutlich besser und ich kann jedem empfehlen, die milden Temperaturen und die Zeit am Ende der Semesterferien dort zu genießen: man kann eine Woche Urlaub dranhängen und seinen Aufenthalt nach Belieben verlängern. So habe ich z.B. noch die Algarve besucht, da die Zugtickets (vgl. ICE) nur 15 Euro in den Süden kosten!

Fazit

Meine Erwartungen wurden absolut erfüllt, ich würde immer wieder nach Portugal und besonders nach Lissabon reisen! Wirklich eine tolle Stadt, die alles zu bieten hat, was man sich von einem Auslandsaufenthalt erträumt. Nach dieser Zeit habe ich mich auch direkt für zwei Auslandsaufenthalte im PJ beworben!

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