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Latvia (LaMSA)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Carolin, Hannover

Motivation

Es hat mich schon länger gereizt, eine Zeit lang auch abseits von Urlaub im Ausland zu verbringen. Nachdem ich weder während meiner Schulzeit ein Austauschjahr gemacht, noch nach meines Abis Zeit im Ausland verbracht habe, war für mich klar, dass ich auf jeden Fall meine Studienzeit für Auslandsaufenthalte nutzen wollte. Da mich Südamerika als Reiseziel sehr reizt und ich Spanisch während meiner Schulzeit gelernt habe, fand ich, dass es eine gute Idee sei, meine Spanischkenntnisse während meines Auslandsaufenthaltes wieder auffrischen zu können. Deswegen habe ich mich für Spanien und Peru beworben. Als drittes Land habe ich mich für Lettland beworben, weil ich noch nie in Osteuropa war und gehört hatte, dass Riga sehr schön sein soll. Letztendlich habe ich dann eine Zusage für Lettland bekommen und obwohl dies nicht mein ursprüngliches Wunschziel war, habe ich mich sehr gefreut!

Vorbereitung

Die Vorbereitung auf meine Zeit in Lettland verlief bei mir relativ unkompliziert. Im Bewerbungsprocedere ist vieles bereits vorgegeben, sodass man einfach die zur Verfügung gestellten Formulare der bvmd ausfüllt. Bei einer Zusage müssen relativ rasch Dokumente eingereicht werden, die für die Bewerbung allein noch nicht nötig sind. Es kann sein, dass man einige dieser Dokumente noch beantragen muss, z.B. kann bei einigen Ländern oder Universitäten ein Empfehlungsschreiben seitens der Uni gefordert sein oder man muss sich noch um eine Bescheinigung der Auslandskrankenversicherung kümmern. Deswegen würde ich empfehlen, sich schon bei der Bewerbung oder in der Zeit danach anzuschauen, welche Dokumente im Falle einer Zusage in den Wunschländern von Nöten wären und diese auch direkt zu beantragen. Ich habe keine Vorbereitungsseminare oder ähnliches besucht. Für einen Austausch in Lettland halte ich das auch nicht für zwingend nötig, hilfreich ist es aber bestimmt trotzdem.

Visum

Da Lettland Mitglied der EU ist, ist die Beantragung eines Visums nicht notwendig gewesen. Für die Einreise benötigt man nichtmal einen Reisepass. Der Personalausweis reicht für EU-Bürger*innen als Reisedokument aus.

Gesundheit

Für Lettland sind neben den Standard-Impfungen, die auch in Deutschland empfohlen sind, zusätzlich noch Schutzimpfungen gegen FMSE und Hepatitis A empfohlen. Zusätzlich ist es als Reise-Apotheke empfehlenswert, Medikamente gegen Magen-Darm-Erkrankungen und evtl. Schmerzmittel dabei zu haben.

Sicherheit

Ich hatte im Vorfeld keine Sorgen bezüglich der Sicherheit in Lettland und auch im Nachhinein würde ich bestätigen, dass Riga eine recht sichere Stadt ist. Sicherheitsempfehlungen wie sich nicht alleine nachts im Dunkeln in kleinen unbeleuchteten und außerhalb gelegenen Gassen aufzuhalten, würde ich trotzdem befolgen; Das sollte man in Deutschland und anderen europäischen Ländern aber auch. Es reicht meines Erachtens also absolut aus, in gleichem Maße vorsichtig zu sein, wie man es immer ist oder sein sollte.

Geld

In Lettland wird ebenfalls mit Euro (€) bezahlt. Vorheriges Geld umtauschen war also nicht notwendig und auch Umrechnereien konnte ich mir sparen. Kreditkarte ist in Lettland ein gängiges Zahlungsmittel, Mastercard und Visa werden dabei gleichermaßen anerkannt. Mir ist keine Situation in Erinnerung geblieben, bei der die Zahlung mit der Kreditkarte nicht möglich gewesen wäre und es ist in Lettland auch wesentlich normaler als in Deutschland, selbst kleine Beträge per Kreditkarte zu bezahlen.
Die Lebenshaltungskosten in Riga sind ähnlich zu denen in Deutschland, auch wenn sie im lettischen Durchschnitt geringer sind als im deutschen Durchschnitt.

Sprache

Landessprachkenntnisse, also Lettisch (und/ oder Russisch) sind für eine Famulatur in Lettland nicht zwingend notwendig. Man sollte gut Englisch sprechen können, um während der Famulatur gut zurecht zu kommen. Die Ärzt*innen können in den meisten Fällen gut oder sehr gut Englisch, sodass die fachliche Verständigung während der Famulatur kein Problem sein sollte. Zu beachten ist allerdings, dass die meisten älteren Leute in Lettland, und damit eben auch die meisten Patient*innen kein Englisch, sondern nur Lettisch und/ oder Russisch sprechen. Die Kommunikation mit Patient*innen war daher fast nur mit Übersetzungshilfe möglich. Glücklicherweise gab es auf meiner Station auch lettische Studierende, die mir dabei sehr gut und gerne geholfen haben. So konnte ich von der Famulatur profitieren, auch ohne die Landessprache zu sprechen. Es sollte einem als Incoming in Lettland aber bewusst sein, dass die Kommunikation unter den Ärzt*innen auf Lettisch stattfindet und auch Meetings oder Röntgenbesprechungen auf Lettisch und nicht auf Englisch sind. Daher gibt es doch vieles, das als Famulant*in an einem vorüber geht, wenn es niemanden gibt, der sehr darauf bedacht ist, einem das wichtigste zu übersetzen.
Grundsätzlich würde ich festhalten, dass man bei einer Famulatur im Ausland noch sehr viel mehr als in Deutschland darauf angewiesen ist, an einen Arzt oder eine Ärztin zu geraten, die sich gut um einen kümmert und gewillt ist, viel zu zeigen und zu erklären. Dann kann man auch fachlich sehr von der Famulatur im Ausland profitieren! Leider ist das meistens eher eine Sache des Glücks und nicht unbedingt selbstverständlich ( - so wie in Deutschland auch).

Verkehrsbindungen

Ich habe mir eine Monatskarte für die öffentlichen Transportmittel in Riga gekauft, die 50€ für den ganzen Monat gekostet hat. Da die Busse und Trolleys (Oberleitungsbusse) ein schnelles und sicheres Verkehrsmittel sind, würde ich das auch weiterempfehlen. Außerdem ist die App Taxify empfehlenswert, über die man sehr schnell ein Taxi rufen kann, das auch günstiger im Vergleich zu deutschen Taxen ist. Die App ist sehr zuverlässig und funktioniert gut; Man kann entweder bar oder per Kreditkarte bezahlen.
Züge sind im Vergleich zur Deutschen Bahn wesentlich günstiger. Daher kann man die Wochenenden auch gut für Trips in die Umgebung oder sogar nach Estland oder Litauen nutzen.
Für die Reise nach Lettland bin ich von Berlin-Schönefeld aus mit Ryanair nach Riga geflogen.

Kommunikation

Bezüglich der Kommunikation hat sich in Lettland für mich nichts im Vergleich zu Deutschland geändert. Wegen Lettlands EU-Zugehörigkeit brauchte ich keine lettische SIM-Karte, sondern konnte alle Funktionen wie in Deutschland und mit meiner deutschen Handynummer nutzen.

Unterkunft

Gemeinsam mit allen anderen IFMSA-Incomings war ich in einem lettischen Studierendenwohnheim untergebracht. Die Unterkunft hat mich nichts gekostet, sondern wurde über die IFMSA bzw. die lettischen Organisatoren zur Verfügung gestellt.
Es war sehr praktisch und hat mir sehr gut gefallen, dass alle Incomings zusammen untergebracht waren. Dadurch habe ich schnell Kontakte knüpfen können und Freundschaften sind sehr eng zusammengewachsen, weil wir so viel Zeit miteinander verbringen konnten. Es gab Zweibett- und Vierbettzimmer, deren Belegung schon im Vorfeld eingeteilt wurde. Bettwäsche wurde gestellt, ich würde aber empfehlen eigene Handtücher mitzubringen, da jeder von uns nur ein kleines Handtuch bekommen hat. Ich habe mich sehr gut mit meinen Zimmergenossinnen verstanden und hatte gar kein Problem damit, mir für einen Monat das Zimmer zu teilen. Es gibt Gemeinschaftsbadezimmer auf dem Flur, die wir uns jeweils ca. zu acht geteilt haben. Auch das hat gut funktioniert und entgegen vieler Annahmen gab es auch keine langen ‚Badezimmer-Staus’.
Es gibt außerdem eine Küche mit einem Herd, einer Mikrowelle und einem Backofen. Pfannen und Kochtöpfe gibt es, Geschirr muss jedoch selbst mitgebracht werden. Außerdem hat jedes Zimmer einen eigenen Kühlschrank, der auf dem Flur steht.
Die Unterkunft ist insgesamt einfach, aber man hat alles was man braucht und ich habe mich dort wohlgefühlt.

Literatur

Ich habe mich im Vorfeld nicht im Speziellen über das Land belesen. Bei fachlichen Fragen, die während der Famulatur aufkamen, habe ich mich im Internet oder in meinen deutschen Lehrbüchern (die ich als pdf in der Uni-Bibliothek ausgeliehen habe) belesen.

Mitzunehmen

Für die Famulatur sollte man einen weißen Kittel, ein Stethoskop und je nach Fachrichtung evtl. auch Diagnostikleuchte und Reflexhammer mitnehmen. Ansonsten sollte man Kleidung für so ziemlich jedes Wetter dabei haben, da die Temperaturen sehr schwanken können. Meine Kontaktperson sagte mir, das lettische Wetter sei wie eine Lotterie und wenig verlässlich.

Reise und Ankunft

Ich bin am So.,1.07.2018 nach Lettland geflogen und am nächsten Tag startete meine Famulatur. Am Flughafen wurde ich von meiner Kontaktperson abgeholt und zur Unterkunft gebracht. Am ersten Praktikumstag wurde ich ebenfalls von Studierenden begleitet und zu meiner eingeteilten Station gebracht.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Alle IFMSA-Incomings wurden auf zwei Krankenhäuser in Riga aufgeteilt. Ich war im Pauls Stradins Clinical University Hospital eingeteilt und musste morgens um 8:30 Uhr im Krankenhaus sein. Der Weg dorthin hat etwa eine Stunde gedauert, den ich mit dem Trolley (Oberleitungsbus) gefahren bin.
Im Krankenhaus waren die Tagesabläufe unterschiedlich, je nachdem was an dem jeweiligen Tag anstand. Da ich auf einer pneumologischen Abteilung war, durfte ich viel bei Lungenfunktionsuntersuchungen dabei sein, das waren z.B. Spirometrie, Spiroergometrie, und Bodyplethysmographie. Ich durfte diese Tests auch selbst durchführen; sowohl als Untersucherin bei Kommilitoninnen und Kommilitonen, als auch in der Rolle der Patientin. Dabei konnte ich mir vor allem noch einmal die Physiologie der Atmung und die Pathophysiologie von Lungenerkrankungen vor Augen führen. Die Krankenschwester, die die Untersuchungen mit mir und meiner mexikanischen IFMSA-Kommilitonin durchgeführt hat, war sehr nett und hat uns immer viel gezeigt und erklärt. Zum Teil war auch der Chefarzt der Abteilung bei uns und hat uns die Ergebnisse der Untersuchungen von Patient/innen befunden lassen. Dabei konnten wir gut üben und er hat sämtliche Fragen zufriedenstellend beantworten können. Außerdem war ich bei den Visiten auf der Station dabei; Da diese fast ausschließlich auf Lettisch waren, konnte ich dabei jedoch kaum etwas verstehen. Im Nachhinein hat meine zuständige Ärztin aber meine Fragen beantwortet und ich konnte mit ihr oder mit lettischen Studierenden einige Patientenfälle durchsprechen, was sehr interessant und lehrreich war. Das hat außerdem mein fachliches englisches Vokabular verbessert. An einigen Tagen in der Woche gab es außerdem eine Röntgen-Besprechung, bei der ich auch anwesend war, die jedoch ebenfalls auf Lettisch stattfand. Ich war außerdem bei Eingriffen wie Pleurapunktionen dabei und konnte mit der Übersetzungshilfe von lettischen Studierenden selbst Patientengespräche führen und Patient/innen untersuchen. Dadurch habe ich mehr Erfahrung im Umgang mit Patient*innen mit Atemwegserkrankungen bekommen und weiß nun gezielter, worauf ich bei der Anamnese und Untersuchungen in diesem Gebiet achten muss.
An einigen Tagen gab es für mich und meine mexikanische IFMSA-Kommilitonin jedoch leider wenig zu tun. Dann gab es leider auch Situationen, in denen wir nur im Ärztezimmer herumsaßen und ‚respiratory journals‘ gelesen haben. Das war ein bisschen schade und wir hätten uns daher an mancher Stelle - vor allem von der für uns zuständigen Ärztin - gewünscht, dass wir ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bekommen und sie sich ein wenig mehr um uns bemüht. Insgesamt habe ich aber durchaus interessante fachliche Einblicke gewinnen können.
Um ca. 13 Uhr durfte ich an den meisten Tagen Feierabend machen.

Land und Leute

Alle fünf Jahre findet in Lettland das Song and Dance Festival statt. Dabei tragen die Lettinnen und Letten ihre traditionelle Kleidung, die Frauen tragen Blumenkränze und alle treffen sich auf der Straße und auf großen Plätzen um gemeinsam zu feiern, Musik zu machen und zu tanzen. Ich hatte das große Glück, dass der Zeitraum meines Austauschs genau in den Zeitraum dieses Song and Dance Festivals fiel. Dadurch hatte ich die großartige Möglichkeit, dieses Spektakel live und in Farbe mitzuerleben. Zusammen mit einem Freund, den ich in Riga kennen gelernt habe, war ich bei der Afterparty des finalen Konzerts dieses Festivals. Das war eine wunderschöne und einzigartige Erfahrung, die ich für immer in Erinnerung behalten werde. Die lettische Kultur ist mir dadurch sehr eindrücklich geworden und es war schön, so etwas selbst mitzuerleben.
Um einen Einblick in die lettische Kultur und die Geschichte von Lettland und im speziellen auch von Riga zu bekommen, empfehle ich eine Stadtführung (z.B. Free Walking Tour auf Spendenbasis, ca. 1 Stunde) mitzumachen und das Museum of Occupation zu besichtigen. Dadurch werden vor allem russische und deutsche Einflüsse, die die Kultur und das Stadtbild prägen, verständlich dargestellt.
Im Rahmen des Social Programs haben wir (alle IFMSA-Incomings in Riga) die Möglichkeit gehabt, nicht nur Riga, sondern auch die Hauptstadt von Estland, Tallinn, und Vilnius in Litauen kennen zu lernen. Beide Städte sind wunderschön und sind einen Besuch am Wochenende auf jeden Fall wert. Tallinn ist (für eine Hauptstadt) recht klein und für meinen Geschmack recht touristisch, trotzdem verstehe ich, warum die Stadt, die einen fröhlichen und gemütlichen Flair versprüht, immer wieder als Geheimtipp gehandelt wird. Außerdem sind bei gutem Wetter die lettischen Strände sehr ans Herz zu legen, besonders in Jurmala ist es sehr schön. Einen Sonnenaufgang oder -untergang kann man besonders gut im Nationalpark Kemeri beobachten und wem es nach einer kulinarischen Erfahrung dürstet, der kann sich bei ‚Lido’ eine Meinung über das lettische Essen bilden. Meinen persönlichen Geschmack hat das lettische Essen nicht ganz getroffen, da es tendenziell eher fettreich und schwer ist. Vegetarier sind im Baltikum dem Anschein nach selten; wer sich also vegetarisch, vegan o.ä. ernährt, sollte also darauf eingestellt sein, dass die Auswahl evtl eher klein ausfällt. Trotzdem empfehle ich, zumindest einmal zu ‚Lido’ zu gehen, und das Essen zu probieren, da es auch sehr leckere lettische Spezialitäten, wie kalte Rote Beete - Suppe gibt, die es durchaus wert sind probiert zu werden.
Über die Kontaktpersonen und lettische Mitglieder der IFMSA gab es die Möglichkeit, Kontakt zu einheimischen Letten zu bekommen und sich kulturell und persönlich auf einem tieferen Level auszutauschen. Dadurch, dass insgesamt ca. 30 IFMSA Incomings zusammen in Riga waren, habe ich nicht nur die lettische Kultur, sondern auch viele andere kulturelle Einblicke gewinnen können, wofür ich sehr dankbar bin. Außerdem haben sich während meiner Zeit in Lettland echte, tiefgründige Freundschaften entwickelt. Ich werde viele von den anderen Incomings wiedersehen und denke noch sehr oft an die gemeinsame Zeit zurück.

Fazit

Der Monat, den ich in Lettland verbracht habe, war großartig! Ich habe wirklich wunderbare Menschen kennengelernt und echte Freunde gefunden. Sowohl fachlich als auch kulturell habe ich einiges gelernt und der Austausch hat meinen Blick auf das Fremde, die Welt, Austausche, das Gesundheitssystem in Lettland und die Gesundheitssysteme weltweit wie auch Gesundheitsfragen im Allgemeinen geschärft. Ich bin dankbar für alles, was ich erleben durfte und kann nicht in Worte fassen wie viel mir diese Zeit in Lettland bedeutet hat und immer noch bedeutet. Ich freue mich schon darauf, wieder nach Riga zu fahren, und auch andere Austausche zu machen. Es ist so bereichernd!

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