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Eat to Fight your Disease (Ruanda)

Innere - SCOPH (Public-Health Austausch)
Anonym

Motivation

Gegen Ende meines Medizinstudiums wollte ich im Rahmen meiner letzten Famulatur die Chance nutzen, nochmal etwas komplett anderes als das deutsche Gesundheitssystem kennenlernen. Deshalb habe ich mich relativ spontan für einen Restplatz bei „Eat to fight your disease“ beworben.

Vorbereitung

Ich habe mich über die bvmd für einen Restplatz beworben. Es lohnt sich, sich rechtzeitig für den Fahrtkostenzuschuss über die bvmd zu bewerben. Die Kommunikation mit dem CHUB bzw. der Uni lief recht schleppend. Nach mehrmaligem Nachfragen hatte ich schließlich eine Woche vor Abflug den invitation letter von Elias bekomen, dem „research officer“ am CHUB. Von Alexis (akademischer Sekretär der University of Rwanda) habe ich nie eine Antwort bekommen. Für eine Famulatur ist es ausreichend, einen Invitation Letter vom CHUB oder von der Uni zu haben. Das erspart einem zeitraubende und anstrengende Diskussionen mit Elias.

Während der Zeit habe ich im RVCP Haus gewohnt. Das ist absolut zu empfehlen. Dafür habe ich ungefähr 3 Monate im Voraus eine Mail an den RVCP Coordinator geschrieben, der das dann weiterleitet und euch Bescheid gibt, ob ihr dort wohnen könnt.

Visum

Für das N2 Visum, das neuerdings gefordert wird, sollte man einige Unterlagen mitbringen: ein einfaches polizeiliches Führungszeugnis (in meinem Fall ging es auch ohne englische Übersetzung), ein CV, ein Passfoto (an BrillenträgerInnen: es muss eins ohne Brille sein), ein Dokument das bezeugt, dass ihr Studierende seid und einen Letter of recommendation, den ihr erst vor Ort von Elias bekommt. Eine Gebühr von 50.000 RWF (entspricht 50€) fällt für dieses Visum an. Leider kann man das N2 Visum erst vor Ort beantragen und ist dadurch gezwungen, bei der Einreise am Flughafen ein Touristenvisum für 30 USD zu holen.

Gesundheit

Es ist sinnvoll, sich rechtzeitig tropenmedizinisch beraten zu lassen hinsichtlich wichtiger Impfungen und einer Malaria Prophylaxe. Über die Zeit habe ich Malarone genommen und damit keine Probleme gehabt.

Sicherheit

An Versicherungen sind natürlich eine Krankenversicherung für das außereuropäische Ausland zu denken und auch an eine private Haftpflichtversicherung für das Ausland.

In Butare habe ich mich immer sicher gefühlt. Dennoch empfiehlt es sich, seine Wertsachen gut eingepackt zu haben und nichts zu offensichtlich mit sich rumzutragen.

Beim RVCP house gibt es einen Nachtwächter, der aber nachts schläft. Dadurch ist es vorgekommen, dass nachts jemand durch das unabgeschlossene Tor auf das Grundstück kam und Schuhe gestohlen hat, die vor der Tür standen. Daher ist es sinnvoll, immer abzuschließen.

Es gibt Menschen die einen ganz unverblümt anstarren und einen ansprechen. Sollte das allerdings unangenehm werden, reicht es aus entschieden und mit lauter Stimme deutlich zu machen, dass man kein Interesse hat. Dadurch werden meistens auch Umstehende auf die Situation aufmerksam. Die meisten Leute sind sehr nett, hilfsbereit und höflich.

Geld

Für das Visum bei der Einreise sind 30 USD fällig, die man aber auch mit Visa bezahlen kann. Mit der Visa hatte ich vor Ort nie Probleme und man kann alles in Rwanda Franc (RWF) bezahlen (1€ entspricht ca. 1000 RWF). Je nach Bank/ATM unterscheiden sich die Gebühren für das Abheben von Geld. Am Flughafen in Kigali und auch in Butare findet man eigentlich immer einen funktionierenden Geldautomaten.

Sprache

Sprachlich kommt man mit Französisch und Englisch gut durch. Die meisten Leute sprechen lieber und besser Französisch als Englisch. Die Leute freuen sich sehr, wenn man ein paar Vokabeln der Landessprache Kinyarwanda parat hat.

Verkehrsbindungen

Von Deutschland aus gibt es keine direkten Flüge nach Kigali, dem einzigen größeren Flughafen im Land. Von Brüssel aus gibt es Direktflüge nach Kigali. Je nach dem wann ihr mit Buchen dran seid, können die Flüge zwischen 600 und 1000€ kosten. Hier lohnt es sich, frühzeitig nach Flügen über Flugsuchmaschinen zu suchen und zu vergleichen.

Mit den Bussen kommt man günstig im ganzen Land gut umher. Auch wenn das Land eher klein ist, verbringt man doch viel Zeit im Bus für Wege, die auf der Karte eher kurz scheinen. Mir ist in solchen Bussen nie was passiert, jedoch sieht man regelmäßig Verkehrsunfälle auf den Straßen. Der Fahrstil mancher Fahrer ist gewöhnungsbedürftig und riskant.

Ansonsten gibt es auch noch die sogenannten "Motos", das sind Motorrad-Taxis. Die sind sehr günstig (für eine Fahrt innerhalb Butare bezahlt man 30 ct). Der Fahrstil ist auch hier teilweise etwas beänstigend, es hilft aber, den Fahrer vorher zu bitten, "buhoro" (das heißt langsam in der Landessprache) zu fahren. Es ist zu empfehlen, vor dem Aufsteigen sicher zu gehen, dass der Fahrer verstanden hat wo es hingehen soll und den Preis festzulegen.

Kommunikation

Am ersten Tag habe ich mir in Kigali eine SIM Karte für 10€ besorgt, mit der ich für 30 Tage 30 GB mobile Daten hatte. Der Empfang ist nicht überall gleich gut, in Kigali oder Butare hatte ich damit aber nie Probleme. Die Geschwindigkeit hat bei mir für Skype oder zum Streamen gut ausgereicht.

Unterkunft

Die Unterkunft im RVCP Haus war super. Dafür habe ich ungefähr 3 Monate im Voraus eine Mail an den RVCP Coordinator geschrieben, der das dann weiterleitet und euch Bescheid gibt, ob ihr dort wohnen könnt. Die Miete betrug für einen Monat 200 USD. Es gibt warmes Wasser und eine Küche und einen Garten. Meistens gibt es Decke, Kissen und Moskitonetz. Allerdings würde ich trotzdem empfehlen, sicherheitshalber zumindest ein eigenes kleines Moskitonetz einzupacken und vielleicht noch einen dünnen Hüttenschlafsack.

Literatur

Über Ruanda habe ich einige Zeitungsartikel gelesen und mir Reportagen angesehen. Als Reiseführer hatte ich den "Iwanowski". Diesen Reiseführer fand ich im Nachhinein nicht so hilfreich, teilweise fehlen aktuelle Informationen und der Aufbau hat mir nicht gefallen. Für die Landessprache ist ein Wörterbuch nicht unbedingt notwendig aus meiner Sicht. Im Internet gibt es einschlägige Webseiten mit nützlichen Vokabeln, die man sich dann aufschreiben kann und am besten mit Einheimischen die Aussprache übt.

Mitzunehmen

Es empfiehlt sich, auch für eventuelle Wochenendausflüge, einen dünnen Hüttenschlafsack und ein Moskitonetz einzupacken. Da Stromausfälle eher häufig vorkommen, ist es kein Fehler, eine Stirnlampe und eine Power bank einzupacken.
Da ich gelesen hatte, dass es im RVCP house schon passiert ist, dass jemand an die Sachen der Bewohner gegangen ist und auch gestohlen hat, habe ich mir einen Pac safe gekauft. Das hat sich im Nachhinein eher als überflüssig herausgestellt, weil man sein Zimmer abschließen kann wenn man tagsüber im Krankenhaus ist.

Reise und Ankunft

Im voraus habe ich mir in Kigali für die erste Nacht ein Hotel inklusive Abholung am Flughafen gebucht, was super funktioniert hat und sehr komfortabel war. Nach Butare fährt man dann mit dem Bus, was ca. 3 h dauert und knapp 3 € kostet.

In Kigali hat mich ein Medizinstudent vom RVCP sehr herzlich empfangen und in den richtigen Bus gesetzt. In Butare wurde ich am Busbahnhof abgeholt.

Im Krankenhaus war ich an meinem ersten Praktikumstag erstmal bei dem research officer, der einem etwas über das CHUB erzählt und einen über seine Rechte und Pflichten als Intern aufklärt. In meine Abteilung bin ich dann am nächsten Tag. Da habe ich mich einfach in das Staff meeting gesetzt und konnte mir dann anschließend aussuchen, auf welche Station ich gehen möchte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Famulatur:
Die Famulatur habe ich in der Inneren Medizin gemacht. Morgens geht es um 7.30 Uhr los mit dem Staff meeting. Dabei werden die Neuaufnahmen vom Nachtdienst vorgestellt und ein ausgewählter Fall länger besprochen. Diese Fallbesprechungen waren meistens sehr lehrreich. Dabei werden die Studenten und Studentinnen miteinbezogen und nach möglichen Differenzialdiagnosen gefragt. In der Klinik wird offiziell Englisch gesprochen. Mitunter wird aber auch mal zu Französisch oder Kinyarwanda gewechselt.
Anschließend kann man entweder direkt auf Station gehen und schon mal mit den Patienten reden und sie untersuchen oder man geht davor noch kurz frühstücken in der Cafeteria des Krankenhauses. Auf Station helfen die ruandischen Studenten und Studentinnen in der Regel sehr gerne mit Übersetzen.
Zwischen 10 und 11 Uhr beginnt die Ward Round. Dabei geht man von Bett zu Bett und alle Studenten und Studentinnen stellen ein oder zwei Patienten vor. Anschließend wird das weitere Procedere für die Patienten und Patientinnen besprochen. Währenddessen werden oft auch EKGs oder Ultraschalluntersuchungen durchgeführt. Gerne werden auch Fragen an die Studierenden gestellt, was aber nicht unangenehm war und wodurch ich viel gelernt habe. Es kommt öfters vor, dass man gebeten wird für den nächsten Tag ein kleines Themengebiet vorzubereiten und zu präsentieren.
Nach Ende der Ward Round ist Mittagspause. Nachmittags werden manchmal noch kleinere Interventionen wie z.B. eine Aszites-Punktion durchgeführt, wenn dafür am Vormittag keine Zeit blieb. Ansonsten finden an mehreren Tagen der Woche Teachings für die Studenten und die Residents statt. Die Teilnahme daran blieb mir weitestgehend freigestellt. In den Teachings für Studenten ging es hauptsächlich um Anamnese und Untersuchungstechniken. Die Teachings für Residents waren eher an Krankheitsbildern orientiert. Die Teachings dauern ein bis zwei Stunden, sodass ich nie länger als 15 Uhr in der Klinik war.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich mehr gelernt hab, als ich es erwartet habe. Es gibt viele Untersuchungsbefunde, die man so in Deutschland selten zu sehen bekommt. Da viele Patientinnen und Patienten leider erst sehr spät an die Uniklinik kommen, sieht man auch viele Krankheiten im Endstadium. Diese Fälle bieten die Gelegenheit, sich nochmal genauer mit einem Krankheitsbild zu beschäftigen. Die Residents und Seniors sind unterschiedlich stark daran interessiert, einem was beizubringen. Da lohnt es sich, bei den Studentinnen und Studenten nachzufragen, wo man viel lernen kann. Generell gehen viele Abläufe auf Station langsamer vonstatten als ich es von deutschen Krankenhäusern gewohnt bin.

Hilfsprojekt:
Zurzeit werden täglich ca. 110 Patientinnen und Patienten mit zwei Mahlzeiten pro Tag versorgt. Außerdem ist eine Ausweitung des Angebots auf das District Hospital in Butare geplant. An sich läuft das Projekt sehr gut und selbstständig. Mittlerweile müssen immer weniger Zutaten zugekauft werden und das Allermeiste wird in ausreichender Menge auf den eigenen Feldern angebaut.
Daher besteht die wichtigste Aufgabe für die Studierenden, die ans CHUB kommen, darin, Spenden zu sammeln. Alexis und Emmanuel zeigen und erklären einem gerne alles rund um das Projekt. Nach Absprache kann man auch selbst Hand anlegen und beim Ernten, in der Küche und bei der Essensausgabe mithelfen. Es ist schön zu sehen, was dort tagtäglich geleistet wird und wie das Ergebnis dieser Arbeit bei den Patientinnen und Patienten ankommt.

Land und Leute

Die allermeisten Leute in Ruanda sind sehr interessiert und höflich. Generell wird man als Mensch mit weißer Hautfarbe immer besonders behandelt, ob man es darauf anlegt oder nicht. Das machte es (zumindest für mich) auch schwierig, „so richtig“ mit manchen Menschen in Kontakt zu kommen. Auch wird von vornherein davon ausgegangen, dass man wohlhabend ist. Das macht sich vor allen Dingen bemerkbar, wenn auf dem Markt erstmal der (weit über dem ortsüblichen Preis liegende) „Muzungu-Price“ verlangt wird. Wenn man die üblichen Preise aber mit der Zeit kennt, lohnt es sich, auf diese runter zu handeln.

Die organisatorischen Abläufe im Krankenhaus und für das N2 Visum waren als Außenstehende oft nur schwer nachvollziehbar und können langwierig sein. Da hilft dann nur geduldig zu sein und freundlich, aber beharrlich nachzufragen.

Mit den Studenten und Studentinnen kam ich sehr gut in Kontakt am Krankenhaus. Auch sie helfen einem gerne weiter und unternehmen auch gerne was gemeinsam am Wochenende.
Während meiner Zeit dort haben wir an den Wochenenden Ausflüge nach Kigali, in den Nyungwe Forest und an den Kivu See unternommen. Für den Nyungwe Forest bekommt man mit dem N2 Visum ordentlich Rabatt. Es empfiehlt sich, die Touren schon im Voraus online zu buchen. In Huyé kann man das ethnographische Museum besichtigen. Außerdem kann man auch den Mount Huyé besteigen oder eine Café-Tour am Mount Huyé mitmachen.

An Einkaufsmöglichkeiten gibt es neben dem Markt auch mehrere Supermärkte, die aber allesamt deutlich teurer sind als der Markt (Preise in etwa auf deutschem Niveau). Am Markt kann man eigentlich alles von Obst und Gemüse bis zu Stoffen, Kochtöpfen und Schuhen erstehen. Dort gibt es auch Näherinnen, die einem aus den selbst ausgesuchten Stoffen tolle Mitbringsel oder Kleidungsstücke schneidern. Außerdem gibt es zwei Bäckereien, in der einen bekommt man auch Käse. Ansonsten gibt es viele kleine Restaurants und Cafés mit selbstgerösteten Kaffeebohnen aus der Region.

Essen: Das frische Obst und Gemüse schmeckt super. Die Mahlzeiten sind eher kohlenhydratlastig. Häufig gibt es Reis, Kartoffeln und Hülsenfrüchte. An jeder Ecke wird das sogenannte "African Buffet" angeboten. Dort kann man sich für 2-3€ satt essen mit Reis, Kochbananen, Kartoffeln und unterschiedlichen Eintöpfen dazu. Es gibt auch Fleisch, das manchmal etwas zäh ist. Es ist auch wenn man Essen geht kein Problem, sich vegetarisch zu ernähren. Mittags kann man in der Krankenhaus Kantine essen. Das Essen dort war eher geschmacksneutral und hat mir persönlich nicht geschmeckt. Oft haben wir abends zusammen gekocht.

Fazit

Ruanda ist ein beeindruckendes Land, vor allem im Hinblick darauf, dass das Land vor nur 25 Jahren tief gespalten und am Boden zerstört war. Der Optimismus der Leute in Ruanda ist eindrucksvoll. Interessant war es auch zu sehen, wie trotz der kontinuierlichen Knappheit an Ressourcen weitergemacht wird und wie sorgsam mit den vorhandenen Ressourcen umgegangen wird. Landschaftlich ist Ruanda ein wunderschönes und abwechslungsreiches Land, das man von der Größe her auch gut an seinen Wochenenden oder in der Zeit vor oder nach seinem Aufenthalt in Butare erkunden kann.
Auch wenn ich mir nicht vorstellen könnte, dauerhaft in Ruanda zu leben und zu arbeiten, war die Zeit in Ruanda eine super Erfahrung, die ich nicht missen möchte.
Alle, die die Chance bekommen, nach Ruanda zu reisen, dürfen sich auf eine spannende, lehrreiche, wunderbare und unvergessliche Zeit freuen!

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