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Taiwan (FMS Taiwan)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Tjorven, Erlangen

Motivation

Ich wollte die Erfahrung machen, ganz alleine in ein anderes Land zu reisen. Für Taiwan entschied ich mich, da mich die asiatische Kultur schon immer interessiert hat.

Vorbereitung

Ich habe mich eigentlich nicht groß vorbereitet. Im Nachhinein hätte ich gerne ein paar mehr Worte auf Mandarin gewusst als "Danke" und "Hallo", jedoch mehr im Bezug auf das Alltagsleben als das Praktikum

Visum

Als deutscher Staatsbürger kann man 90 Tage ohne Visum einreisen

Gesundheit

Ich habe mich gegen Hepatitis A, Typhus und Japanische Enzephalitis impfen lassen. Mückenschutz aufgrund von Dengue genutzt. Ich musste viele Titer Bestimmungen und ein RöTh Bild anfertigen lassen vor dem Austausch

Sicherheit

Von der Sicherheitslage in Taiwan war ich sehr beeindruckt. Ich habe mich super wohl gefühlt, teilweise sogar sicherer nachts als in so mancher deutschen Stadt. Die Menschen sind unglaublich nett und hilfsbereit. Man sollte jedoch die Schilder mit den Schlangenwarnungen ernst nehmen

Geld

In Taiwan zahlt man mit Taiwan Dollar 1 Euro entspricht etwa 35 Dollar, mit Kreditkarde bekommt man in jedem Convenient Store Geld. Essen gehen an den Straßenständen ist super billig (sogar billiger als selbst kochen) auch Hostels sind sehr erschwinglich

Sprache

Es wird Mandarin und von älteren Leuten Taiwanesisch gesprochen. Die jungen Leute konnten oft einigermaßen englisch, vor allem an touristischen Orten und in Taipei. Die Chirurgen sprachen alle gut Englisch.

Verkehrsbindungen

Taiwan hat ein super Zugsystem, Preise bleiben immer gleich. Die Preise richten sich nach der Reisegeschwindigkeit, man kann um die ganze Insel herum mit dem Zug fahren, nur für die Südspitze muss man 2 Stunden Bus fahren (was sich aber absolut lohnt)


Kommunikation

Ich habe mir bei der Anreise am Flughafen eine Simcard mit unendlich Datenvolumen und etwa 200 Freiminuten gekauft. Die Internetverbindung ist fast überall in Taiwan super und mit Google maps findet man sich gut zurecht

Unterkunft

Die Unterkunft bestand aus 2 Wochen Studentenwohnheim und 2 Wochen im Hostel, welches super war. Das Wohnheim war alt und das Bad schimmelig, wer sich lieber ein Hostel für die Zeit bucht, bekommt das Geld, was sonst für das Wohnheim bezahlt würde (nicht sehr viel)

Literatur

Ich hab mir vorher einen kleinen Reiseführer geholt. Wichtige Internetseiten: der Wetterdienst weather bureau Taiwan für Typhoon Warnungen, die railway adminstration für Zugtickets. Wer in die TCM will sollte Vorkenntnisse haben, sonst wird es schnell langweilig

Mitzunehmen

Ich hatte 10 Kilo, fast ausschließlich Kleidung und Toilettenartikel. Super war, dass ich dadurch eine zweite Tasche mit nochmal 10 Kilo dazu aus Taiwan mit zurück nehmen konnte. Wichtig Schampoo... es gibt in Taiwan nur unglaublich große Flaschen davon zu kaufen, ansonsten mangelt es dort an nichts

Reise und Ankunft

Der Flug lief reibungslos, ich flog nach Taipeh und nahm von da aus die high Speed rail nach Taichung, dort wurde ich von einem LEO abgeholt und zum Wohnheim gebracht. Am nächsten Tag begann mein Praktikum, zu welchem wir auch von einem LEO gebracht wurden




Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe in der Neurochirurgie famuliert. Ich hatte einen Neurochirurgen als Ansprechpartner, er hat mich herumgeführt, mich jeden Morgen informiert, was es für Operationen gibt und war sehr erklärungsfreudig, wie die meisten anderen Chirurgen auch. Hauptsächlich bestand mein Alltag aus dem Beobachten, wenig durfte ich selbst machen, aber es war trotzdem durch die vielen Erklärungen ein sehr lehrreicher Aufenthalt.

Sehr interessant war, dass aufgrund der Zeit zu der ich famuliert habe, sehr wenige Operationen stattgefunden haben. Es handelte sich um den Geistermonat. In diesem Monat sei die Unterwelt sehr nah, wodurch Taiwanesen sich vor risikoreichen Tätigkeiten scheuen- so auch sich einer neurochirurgischen Operation zu unterziehen.

Besonders im Gedächtnis blieb mir ein Patient mit einem Gehirntumor, der sehr zentral lag. Es sollte eine stereotaktische Biopsie durchgeführt werden. Bei dieser gab es jedoch Komplikationen durch eine starke Blutung, wodurch zunächst zu einer endoskopischen Methode gegriffen wurde, die später noch durch das Einführen eines Rohres um das Endoskop ergänzt wurde für eine bessere Sicht. Ein anderer sehr interessanter Eingriff war die Eröffnung des Duralsacks bei einem kleinen Jungen mit Spina bifida occulta, wodurch eine Nervenkompression behoben werden sollte.

Die Kommunikation mit den Chirurgen war trotz teils starken Akzenten durchgehend gut, die meisten Schwestern beherrschen kein Englisch, interessant war, dass Schwestern in Taiwan studieren, es gibt keine Ausbildung zur Schwester. Das Betriebsklima war durchgehend super.

Taiwan hat ein gutes Gesundheitssystem, es gibt eine gesetzliche Krankenversicherung, für kostspielige Operationen muss jedoch ein extra Antrag gestellt werden, der trotz Notwendigkeit nicht immer bewilligt wird. Die Hygiene und Technik war auf einem vergleichbaren Stand wie in Deutschland. Besonders witzig fand ich, dass in drei Op-Räumen Star Wars Figuren in den Regalen standen.

Es gibt in Taiwan zwei verschiedene Humanmedizinstudiengänge: einmal der westliche, der etwa so wie bei uns abläuft und der traditionell chinesische, welcher 1 Jahr länger ist und TCM Ärzte ausbildet. Unterrichtet werden Akupunktur, Chiropraxis und viele weitere TCM Techniken nebst Kalligraphie und weiteren -aus deutscher Sicht- nicht sehr ärztlichen Fächern.

Es gibt neben einem Klinikgebäude für je Innere, Chirurgie und Kinderheilkunde ein weiteres, in welchem ausschließlich traditionell chinesische Medizin praktiziert wird, welche auch unter die gesetzliche Krankenversicherung fällt.

Land und Leute

Durch die taiwanesischen Gastgeber werden verschiedene Tätigkeiten an den Wochenenden angeboten: Ein TCM Wochenende, ein Ausflug und ein Wochenende bei den Ärzten des Militärs. Ich nahm an den ersten beiden teil.

Das TCM Wochenende war sehr interessant als ein Einblick in eine gänzlich andere Medizin, man kann selber viel ausprobieren, wie einen Kalligraphie und einen TaiChi /ChiGong Kurs, als auch an sich ausprobieren lassen, wie Akupunktur durch die taiwanesichen Ärzte.

Der Ausflug führte mich an die Longdong Coast, wo wir die Klippen hinuntergeklettert sind und im Pazifik geschwommen haben und die zauberhafte Bergstadt Jiufen mit seinen laternenübersäten Märkten. Außerdem lernte ich- neben den zehn in Taichung- noch sehr viel weitere Austauschstudenten aus aller Welt kennen.



Ich blieb nach dem Austausch noch 10 weitere Tage und umreiste einmal die Insel:

Nach Kaohsiung lockte mich nachts der Lotuspond mit seinen leuchtenden Tempeln, die auf Seebrücken auf das Wasser hinausragen und dem riesigen Kloster Fuo Guan Shan mit seinen goldenen Buddhas.

Weiter ging es dann an Taiwans Südspitze, nach Kenting mit seinen wunderbaren einsamen Stränden und Nationalparks. Hier lernte ich außerdem zu surfen

Danach an die naturbelassene Urwald Ostküste in den Toroko National Park mit seinen Schluchten, Bergen und Wasserfällen ein super Ort zum Wandern.

Taipeh habe ich mehr als einmal besucht, abseits von den typischen Touristenfaden sollte man unbedingt bei Din Tai Fung im Taipei 101 Dumplings essen gehen, mindestens einen Abend in die Jazzbar Sappho gehen und sich ein Teegedeck in einem traditionellen Teehaus gönnen.

Es gibt neben Dumplings unglaublich viele taiwanesische und andere asiatische Speisen zu essen. Traditionell taiwanesisch sind Beef Noodle Soup , Pancakes mit Pflaumen-Pulver oder für die mutigen Stinky Tofu, der seinem Namen ganze Ehre macht. Davon abgesehen gibt es viele verschieden Süßigkeiten und Meeresfrüchte in allen Formen. Must Go für Essen und auch Schoppen sind natürlich die Nachtmärkte, die es überall im Land gibt, jeder mit seiner eigenen Spezialität.

Was ich leider nicht geschafft habe, aber gern ausprobiert hätte, war die heißen Quellen in Beitou zu besuchen oder auf die Grüne Insel zu fahren und dort schnorcheln zu gehen

Die Bevölkerung von Taiwan überrascht einen immer wieder mit ihrer Freundlichkeit und Großzügigkeit. Wenn man verzweifelt im Regen steht, bekommt man sogar aus einem fahrenden Auto heraus einen Regenschirm geschenkt.

Fazit

Meine Erwartungen wurden total erfüllt und übertroffen. Ich habe wunderbare Orte gesehen, viel gelernt, eine faszinierende Kultur hautnah erlebt und neue Freunde gefunden. Ich würde Taiwan jedem empfehlen und auf jeden Fall einen weiteren Austausch machen

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