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Indonesia (CIMSA-ISMKI)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Helen, München

Motivation

Ich wollte eine Auslandsfamulatur machen um ein neues Gesundheitssystem kennenzulernen. Am liebsten wäre ich in ein englischsprachiges Land, um besser mit den Patienten kommunizieren zu können, allerdings habe ich mich auch für Indonesien beworben, da ich 2 Jahre zuvor durch Thailand und Kambodscha gereist bin und mir Asien super gefallen hat. Ich habe mir vor allem einen kulturellen und medizinschen Austausch mit den Menschen hier erwartet.

Vorbereitung

Von der bvmd habe ich über Kommilitonen erfahren und war dann ein Jahr vor meinem eigenen Austausch Contact Person für einen Incoming. Ansonsten habe ich vor der Englischprüfung meinen Wortschatz wiederholt und 2 Monate vor dem Austausch ein bisschen indonesisch gelernt. Das war wirklich hilfreich, da die meisten Menschen außerhalb des Krankenhauses kein Englisch sprechen und man schon viel weiterkommt wenn man zumindest die Zahlen und Richtungsanweisungen versteht. Man sollte für alle Formalitäten, die vom Dekanat unterschrieben werden müssen auf jedenfall genug Zeit bis zur Deadline einplanen. Ansonsten hatte ich keine Schwierigkeiten mit den Formalitäten.

Visum

Indonesien schreibt die Beantragung eines Visit Visums vor, das 50€ kostet. Dies gilt dann auch 60 Tage anstatt 30 Tage für das Touristenvisum, was für mich auch sehr praktisch war, da ich danach noch reisen wollte. Zur Beantragung benötigt man wieder eine Menge Formulare, unter anderem die Bestätigung der Hin-und Rückflugtickets sowie eine Kopie des Personalausweises des indonesischen LEO, aber es wird alles genau auf der Website beschrieben. Ich habe dann alles inklusive Reisepass im original per Einschreiben geschickt und nach ca. eineinhalb Wochen das Visum bekommen.

Gesundheit

Ich war 3 Monate vor dem Austausch bei meiner Hausärztin, die auch Reisemedizinerin ist. Nach ihrer Empfehlung habe ich dann meine Tollwutimpfung aufgefrischt und jap. Encephaltis, Meningokokken und Typhus geimpft. Ansonsten habe ich eine normal ausgestattete Reiseapotheke mit zusätzlich Malariaprophylaxe und Nobite.

Sicherheit

Zur Sicherheit habe ich außer einer Reiserücktrittsversicherung und Auslandskrankenversicherung keine weiteren Vorkehrungen getroffen. Leider waren während meines Aufenthaltes die Erdbeben in Bali und Lombok, von denen ich nichts gespürt habe, aber es war trotzdem ein komisches Gefühl so nah dran zu sein. Ansonsten habe ich mich die ganze Zeit sehr sicher gefühlt. Die Indonesier sind super nett und helfen einem immer weiter.

Geld

Die Währung in Indonesien sind indonesische Rupiah und 1€ enspricht 17000. Ich habe die Studentenkreditkarte von der DKB und konnte ohne Probleme jederzeit überall Geld abheben. Euros habe ich gar keine mitgenommen, sondern direkt am Flughafen Geld abgehoben.
Andere Studenten haben aber auch hier Geld gewechselt. Die Lebenshaltungskosten in Indonesien sind sehr niedrig, ein Abendessen im Restaurant bekommt man schon für 2-3 €, in der Cafeteria im Krankenhaus gab es Essen für unter 1€.

Sprache

Die indonesischen Studenten im Krankenhaus sprechen super englisch, die Ärzte leider weniger. Meistens haben dann die anderen Studenten für mich übersetzt. Da in Surabaya kaum Touristen zu finden sind, sprechen die meisten Indonesier hier kein oder sehr schlecht Englisch, deshalb können ein paar Indonesischkenntnisse wie bereits beschrieben nicht schaden. Ich habe auch dort versucht mein indonesisch zu verbessern.

Verkehrsbindungen

Ich bin nach Surabaya mit Qatar Airways über Doha nach Jakarta geflogen und von dort mit AirAsia weiter nach Surabaya. Da mein Austausch in die deutschen Sommerferien gefallen ist und man den Flug eigentlich erst 1 Monat nach Erhalt der CA buchen kann, war dieser leider relativ teuer, allerdings habe ich noch den Fahrtkostenzuschuss erhalten der ca. die Hälfte gedeckt hat. In Surabaya gibt es eigentlich keine öffentlichen Verkehrsmittel, ich habe mich die ganze Zeit mit Grab fortbewegt. Das ist aber super billig, für eine 20 minütige Fahrt zahlt man 1-2€ und über die App weiß man schon vorher genau was es kostet. Ich habe direkt am Krankenhaus gewohnt, deshalb konnte ich immer laufen. An sich fand ich Grab super und ich hatte nie ein komisches Gefühl mit den Fahrern oder gefährliche Situationen obwohl der Verkehr hier vollkommen verrückt ist. Allerdings bin ich auch immer mit Autos und nie mit den Motorradtaxis gefahren.

Kommunikation

In meiner Unterkunft und auch im Krankenhaus hatte ich Wlan, das meisten aber eher schlecht als recht war. Meine CP hat mir eine Simkarte besorgt aber leider nicht aktivieren lassen deshalb hatte ich die erste Woche keine mobilen Daten, da mir leider auch niemand von den anderen Studenten helfen konnte. Am besten ihr kauft euch die Simkarte selber in einem Telekomsen Shop und achtet darauf, dass sie gleich aktiviert wird. Meine CP hat leider auch ein seltsames Paket gewählt wodurch das Internet nach eineinhalb Wochen abgelaufen war. Ich bin dann selbst zu einem Shop und habe dort 35GB mobile Daten für einen Monat für knapp 10€ gekauft. Das mobile Daten Internet funktioniert aber einwandfrei und ich konnte so auch über Whatsapp mit guter Qualität nach Hause telefonieren.

Unterkunft

Bis zur Ankunft in meiner Unterkunft war ich über 30 Stunden unterwegs, dementsprechend geschockt war ich leider am Anfang. Die SCOPE Incomings waren alle an unterschiedlichen Orten untergebracht, nur in meinem Guesthouse war noch eine andere Studentin. Mein Zimmer hatte ungefähr 5-6m2, war für unsere Verhältnisse sehr schmutzig und ich hatte keine Toilettenspülung sondern nur einen Eimer den ich immer mit Wasser füllen musste. Wie in Asien üblich gibt es keine richtige Dusche sondern nur einen Duschkopf der irgendwo im Bad hängt. Ich habe dann erstmal alles geputzt und dann war es schon in Ordnung. Direkt neben der Unterkunft war eine Moschee, sodass die Gebetsrufe (erster um 4:30) sehr laut waren. Allerdings ist in Surabaya ca. alle 100 Meter eine Moschee. Letztendlich kann man sich an fast alles gewöhnen, auch an die Toilettensituation und die Moscheegeräusche, die ich irgendwann nicht mal mehr wahrgenommen habe. Das einzige was mich wirklich genervt hat war, dass jeden Tag mehrmals zwischendurch für 15-20 Minuten kein Wasser aus der Leitung gekommen ist, mehrmals auch als ich schon einshampooniert unter der Dusche stand. Die SCORE Incomings waren dagegen alle zusammen in einer kleinen Villa untergebracht.

Literatur

Ich habe vor dem Austausch nur im Lonley Planet und auf verschiedenen Internetseiten über Indonesien gelesen. Mit dem Invitation Letter haben wir auch einige Informationen über Surabaya und Indonesien bekommen.

Mitzunehmen

In den Exchange Conditions stand man muss für das Krankenhaus eigene Kleidung (Kittel, Oberteil mit Kragen, lange Hose/Rock) mitbringen. 2 Tage vor Abflug hat allerdings unser indonesischer LEO geschrieben wir würden Kleidung im Krankenhaus bekommen. Ich habe dann extra nochmal nachgefragt und letztendlich nur meinen Kittel mitgenommen. Als ich dann angekommen bin hieß es auf einmal ich bräuchte doch Shirts mit Kragen, die musste ich dann leider kaufen.

Reise und Ankunft

Ich bin Freitagmittag vor dem Famulaturbeginn am Montag angekommen und wurde auch am Flughafen abgeholt. Ich habe gleich am ersten Abend etwas mit den anderen Incomings unternommen und in der Nacht von Samstag auf Sonntag sind wir zum Sonnenaufgang auf den Vulkan Bromo gefahren.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war die meiste Zeit in der Notaufnahme in einer Art Schockraum der von der Anästhesie gleitet wurde. Somit war ich mit den indonesischen Studenten, die gerade den Anästhesieblock hatten bei der Morgenbesprechung und konnte auch mal mit in den OP und auf Intensivstation. Die Morgenbesprechung sollte eigentlich immer um 7 Uhr morgens starten, allerdings hing das immer von dem jeweiligen Arzt ab der dafür eingeteilt war. So mussten wir teilweise 2h warten oder die Besprechung ist ganz ausgefallen. Danach bin ich dann mit einer Gruppe von 4-5 indonesischen Studenten in den Schockraum. Jenachdem war dort viel oder wenig los, aber ich habe eigentlich die ganze Zeit nur zugeschaut, da sich dort um jeden neuen Patienten mindestens 3 Ärzte, 2 Schwestern und die indonesischen Studenten gekümmert haben. Die Ärzte dort konnten leider sehr schlecht Englisch und meine Fragen mussten eigentlich immer erst von den Studenten übersetzt werden und die Antwort des Arztes dann genauso. Dadurch habe ich fachlich leider sehr wenig mitgenommen, allerdings waren ein paar sehr interessante Fälle dabei wie Methanolvergiftungen, Motorradunfälle (der Verkehr dort ist völlig verrückt) und massive Verbrennungen. Was mir besonders negativ aufgefallen ist, war, dass wirklich alle ob Arzt, Pflegepersonal oder Studenten ständig am Handy gehangen sind (nicht um etwas zu googlen, sondern auf Instagram, Facebook etc.) und das auch im OP. Mir kam insgesamt alles sehr unorganisiert vor, wenn ich gefragt habe was jetzt der Plan für einen Patienten ist konnte mir niemand eine richtige Antwort geben. Die hygienischen Bedingungen waren sehr schlecht, auf der Krankenhaustoilette gab es nicht einmal Seife, das Desinfektionsmittel war fast immer leer, im Waschraum im OP hat es gestunken, unter den Waschbecken ist Wasser ausgelaufen und überall lagen benutzte Bürsten herum. Dafür wurden im OP-Saal an jeder Steckdose Handys oder Powerbanks geladen. Im Vergleich zu unserem System kam mir alles sehr ineffektiv und unorganisiert vor. Im Schockraum waren für 3 Patienten teilweise mehr als doppelt so viele Interns, ein Resident, die ganzen Studenten und mehrere Schwestern zuständig und trotzdem war kein Behandlungsziel erkennbar, beziehungsweise hat es für mein Empfingen ewig gedauert bis mal jemand bei sinkenden/steigenden Vitalparametern reagiert hat. Die medizinische Ausbildung der Studenten ist dafür sehr hart, im klinischen Abschnitt müssen sie bereits 2-3 24h Dienste die Woche ableisten und auch am Wochenende im Krankenhaus arbeiten. Selbst vor Prüfungen kann es vorkommen, dass sie die Nacht vorher arbeiten mussten.

Land und Leute

Ich habe mit den anderen Austauschstudenten versucht so viel wie möglich zu unternehmen. Direkt am ersten Wochenende, bevor der eigentliche Austausch gestartet hat, haben wir eine Sunrise-Trecking Tour zum Vulkan Bromo gemacht. Am zweiten Wochenende einen Ausflug nach Yogyakarta mit den Tempeln Borobodur und Prambanan. Das dritte Wochende sollten wir uns für das Social Program freihalten, allerdings gab es bis ein paar Tage davor überhaupt keine Info was wir überhaupt machen. Letztendlich wurde dann für Freitag, der ein Feiertag war von den SCOPE-Leuten einen Ausflug in einen Safari-Park oder Rafting organisiert. Das restliche Wochenende wurde komplett von dem SCORE-Organisator geplant (für die SCOPE und SCORE Austauschstudenten). Wir waren zuerst in Malang, an 2 Stränden im Süden von Java, an einem Wasserfall und Paragliding und durften alle 2 Nächte in dem Haus seiner Eltern in Malang wohnen. Leider hat uns allen niemand vorher gesagt, dass nur der erste Tag von dem IFMSA-Budget gedeckt wurde und 4 Tage später sollten wir dann plötzlich 650 000 Rupien (ca. 40€) zahlen. Schon vor dieser Info waren wir ziemlich enttäuscht von der Organisation vor Ort. Ich hab meine CP im gesamten Austausch zweimal kurz gesehen, ansonsten hat sie sich nie gemeldet, bei anderen war die CP den kompletten Zeitraum nicht in der Stadt. Wenn wir uns mal alle zusammen getroffen haben, kamen die Indonesier immer mindestens eine halbe Stunde zu spät und wir standen irgendwo herum und mussten warten. Wir haben einmal zusammengerechnet wieviele Stunden wir nur herumgesessen und gewartet habe und sind auf 10! Stunden allein während des Social-Program Wochenendes gekommen. Nachdem wir dann noch plötzlich 40€ zahlen mussten war die Stimmung ziemlich angespannt. Wir hatten dann eine Art „Krisensitzung“ bei denen die SCOPE-Leos alles dem SCORE-Organisator in die Schuhe zu schieben, was es nicht wirklich besser gemacht hat. Am letzten Wochenende war dann eine Art Englischstunde mit indonesischen Straßenkindern geplant, zu der dann nur noch 4 von uns gekommen sind, weil alle anderen so sauer waren. 3 Tage davor wurde ein Besprechungstreffen angesetzt von dem sie uns am selben Tag morgens Bescheid gegeben haben und alle CPs mussten uns extra eine Nachricht schicken, dass wir auch ja kommen sollen. Auch beim Abschlussessen sind viele nicht mehr gekommen. Ich habe dann mit 2 anderen Austauschstudenten noch einen Ausflug nach Gili Labak gemacht was zum Abschluss sehr schön war. Ansonsten habe ich unter der Woche auch viel mit den indonesischen Studenten, die mit mir in der Notaufnahme waren unternommen.

Fazit

Ich bin mir selbst nicht sicher ob ich den Austausch noch einmal machen würde. Leider ist auch im Vorfeld einiges nicht so gelaufen wie es sollte und ich habe mir vor allem fachlich mehr erwartet, auch für den Aufwand den man betreibt um einen Platz zu bekommen (Sprachtest, Kontaktperson, Motivationsschreiben etc.), denn was bringt mir ein C1 Englisch Zertifikat wenn dort die Ärzte sowieso kein Englisch sprechen. Das Land würde ich mit Sicherheit wieder bereisen, alle Leute die man so getroffen hat waren immer sehr nett und hilfsbereit und die Sehenswürdigkeiten und Natur in Indonesien sind einfach super schön.

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