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Indonesia (CIMSA-ISMKI)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Kathrin, München

Motivation

Seit ich in die Klinik gekommen bin, wollte ich im Ausland famulieren. Ich wollte unbedingt eine neue Kultur und gänzlich anderes Gesundheitssystem erleben. Indonesien schien mir dafür besonders geeignet.

Vorbereitung

Ich habe keine speziellen Vorbereitungskurse oder Seminare besucht. Prinzipiell waren die Erfahrungsberichte der anderen ausreichend. Man sollte einfach offen für eine neue Erfahrung sein, dann sollte man keine Probleme haben.

Visum

Ich habe ein Visum für soziale und kulturelle Zwecke beantragt.
Dafuer benötigt man:

- Original Reisepass
- Kopie der ersten Seite des Reisepasses
-Kopie von Flugticket oder Reiseplan (Hin- und Rückflug nach und aus Indonesien)
- Farbiges biometrisches Passbild
- Nachweis über hinreichende finanzielle Mittel (z. B. aktueller Kontoauszug) oder Verdienstbescheinigung/Gehaltsabrechnung
- Kopie des Überweisungsbelegs der Administrationsgebühr. Die Gebührenbeträge und Bankverbindung können Sie hier herunterladen.
-Kopie der gültigen Aufenthaltserlaubnis in Deutschland (für nicht EU-Staatsbürger)
Einladungsschreiben eines Sponsor aus Indonesien und eine Kopie seines Ausweises
- Ausgefülltes Visum-Antragsformular
- Ein adressierter und frankierter Rückumschlag (mit Einschreiben)



Für Praktika/Auslandssemester werden zusätzlich folgende Dokumente benötigt:

Formlose finanzielle Bürgschaftserklärung eines Elternteils (habe ich aber nicht amtlich beglaubigen lassen)
Immatrikulationsbescheinigung der Universität/Hochschule
Bescheinigung der Bildungseinrichtung in Indonesien oder Praktikumsvertrag von einem Unternehmen in Indonesien (ich hab meine CA geschickt)



http://www.indonesia-frankfurt.de/visum/visum-fuer-soziale-und-kulturelle-zwecke/?lang=de

Auf der Website ist alles ausführlich beschrieben.

Gesundheit

Ich habe einen Tbc-Test gemacht, da dieser von CIMSA gefordert wird. Desweiteren war ich bei einer Impfberatung des Tropeninstituts. In die Reiseapotheke habe ich nichts Spezielles gepackt (Analgetika, Desinfektionsmittel, Pflaster, Kohletabletten, Loperamid)
Wenn man auf die Metawai Inseln möchte empfiehlt sich, Malerone aus Deutschlad mitzunehmen, da diese hier nicht erhältlich sind.

Sicherheit

Während meines ganzen Aufenthaltes habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht. Solange man gesunden Menschenverstand walten lässt, muss man sich auch keine Sorgen machen.
In der Zeit gab es auf Lombok starke Erdbeben, wobei man von diesen auf Sumatra nichts mitbekommen hat.

Geld

Man zahlt in indonesischen Rupiah und ich würde stark empfehlen, sich eine Kreditkarte zuzulegen, mit der man kostenlos Geld abheben kann (z.B comdirect oder DKB), da es in der Stadt nur zwei Orte gibt, an denen man Geld wechseln kann. Außerdem fühle ich mich besser beim Reisen, wenn ich keine große Summe mit mir herumtrage. Gut ist auch immer Kleingeld bei sich zu haben, da viele kleine Stände große Scheine nicht wechseln können.
Die Lebenshaltungskosten sind sehr gering. So kostet beispielsweise ein Mittagessen zwischen ein und zwei Euro und auch frische Säfte sind sehr preiswert.

Sprache

Es lohnt sich ein paar Brocken Indonesisch davor zu lernen, weil sich die Menschen unglaublich darüber freuen. Im Krankenhaus sprechen die meisten Ärzte je nachdem besseres oder schlechteres Englisch, vor allem in der Chirurgie ist die englische Sprache ein Einstellkriterium, auch die Studenten können meist Englisch. Ansonsten hat die Verständigung auf der Straße meist mit Hand und Fuß geklappt ;)

Verkehrsbindungen

Ich habe meine Reise etwa 2 Monate vor Abflug gebucht und habe ca. 600 Euro gezahlt. Geflogen bin ich über Qatar nach Jakarta. Auf Java habe ich dann noch eine Woche vor Praktikumsbegin verbracht.

Transportmittel sind sehr günstig in Indonesien. Um zum Krankenhaus zu kommen, habe ich die App Go-Jek benutzt, was eine Art indonesisches Uber ist. Alternativ kann man auch Grab nutzten, was aber mehr auf den anderen Inseln vertreten ist. Es empfiehlt sich, Geld über GoPay auf die GoJek App zu laden, da man dadurch Rabatte bekommt und man braucht dann nicht ständig Kleingeld zum Zahlen.

Kommunikation

Es lohnt sich ein paar Brocken indonesisch davor zu lernen, weil sich die Menschen unglaublich darüber freuen. Im Krankenhaus sprechen die meisten Ärzte je nachdem besseres oder schlechteres Englisch, vor allem in der Chirurgie ist die englische Sprache ein Einstellkriterium, auch die Studenten können meist Englisch. Ansonsten hat die Verständigung auf der Straße meist mit Hand und Fuß geklappt ;)

Unterkunft

Ich wurde in einer sehr lieben Gastfamilie untergebracht und habe mir ein Zimmer mit einer weiteren SCOPE-Austauschstudentin geteilt. Zusammen mit meinen Gastcousins, die gerade eingezogen sind als ich meine Famulatur dort gemacht habe, haben wir uns zu viert das Bad geteilt. Ein bisschen umgewöhnen musste ich mich, da es dort keine westlichen Toiletten gab, sonder nur Hocktoiletten, was aber auch nicht weiter schlimm war. Das Haus war groß, sauber und ich durfte die Küche und den Kühlschrank mitbenutzten, wobei ich meistens wenn dann nur Früchte gelagert habe, da wir Internationals meist zusammen Mittag aßen und zu Abend aß ich mit meiner Gastfamilie.

Literatur

Da ich das Glück hatte, dass meine Mitbewohnerin ein Jahr in Indonesien gelebt hat, habe ich mir die meisten Informationen von ihr geholt. Ansonsten fand ich die Erfahrungsberichte auf der bvmd Seite sehr nützlich, da ich mich schon darauf einstellen konnte, was im Krankenhaus auf mich zukommt. Ich bin noch etwas in Indonesien geblieben, um zu reisen und dabei fand ich Internetseiten wie Indojunkie recht nützlich.

Mitzunehmen

Sehr wichtig ist lange luftige Kleidung, da man zumindest Schulter und Knie auf jeden Fall immer bedeckt haben sollte. Außerdem kann man in Padang keine Tampons kaufen, also bei Bedarf sollte man diese aus Deutschland mitbringen.

Reise und Ankunft

Ich bin eine Woche vor Praktikumsbeginn in Jakarta angekommen. Auf Java habe ich auch erstmal die paar Tage verbracht, um mich an Klima und Zeitumstellung zu gewöhnen. Von Yogyakarta flog ich nach Padang und bin dort von der LEO vom Flughafen abgeholt worden. An meinem ersten Praktikumstag brachte sie mich auch zur chirurgischen Abteilung.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in der chirurgischen Abteilung. Vorweg muss ich sagen, dass man in Indonesien im Krankenhaus sehr viel Geduld mitbringen muss. Die meiste Zeit verbrachte ich damit, mit den anderen Studenten auf einen der Ärzte zu warten, die einen Vortrag halten sollten. Oft kam es vor, dass sie dann nach ein bis zwei Stunden warten abgesagt wurden. Es waren vier Internationals eingeteilt für die Chirurgie und wir bekamen auch einen Stundenplan, in denen wir zum Beispiel Übungen und Vorträge zu Nähen, Wundinspektion oder körperlicher Untersuchung haben sollten. Leider fand nicht mal ein Zehntel der Veranstaltungen statt und auf Nachfragen hieß es meist nur, die Ärzte seien beschäftigt und hätten leider keine Zeit.
Das war zugegebenermaßen etwas demotivierend.
Man konnte aber sonst immer in den OP und sich OPs anschauen, was wir meistens auch machten.
Sowohl die Assistenzärzte, als auch die Ärzte waren alle sehr freundlich und immer bereit einem etwas zu erklären, wenn man fragen hatte.
Aufgefallen ist mir, dass es viel wichtiger genommen wird, dass man sich bei allen vorstellt. Alle waren stets interessiert daran, wo man herkam und die Atmosphäre war insgesamt viel kollegialer und entspannter sowohl zwischen den Ärzten untereinander, als auch zwischen den Ärzten und den Studenten.

Das Medizinstudium in Indonesien besteht aus vier Jahren Vorklinik und anschließenden zwei Jahren Klinik. Im Klinischen Teil sind sie aber dann nur noch im Krankenhaus und rotieren in verschiedenen Bereichen. Sie werden dann auch nicht mehr 'students' genannt, sondern 'young doctors', was sich auch im Umgang der Ärzte mit ihnen spiegelt. So besteht die Klinik wirklich viel aus Praxis. Zum Beispiel intubieren die Studenten meisten, wobei der Anästhesist beobachtet und die sind auch zuständig für die Überwachung des Patienten. Als indonesischer Medizinstudierender verbringt man sehr viel Zeit im Krankenhaus, da man alle sechs Tage Nachtschicht machen muss.
Interessant fand ich auch, dass die Assistenzärzte für ihre Ausbildung zahlen müssen und dadurch viele erstmal nach ihrem Studium als General Practitioner arbeiten, um sich die Weiterbildung überhaupt leisten zu können. Das ist auch der Grund, warum es wenige weibliche Fachärzte gibt.

Sehr gut gefallen hat mir das Bedside Teaching mit Professor Kamardi. Er war mir zugeteilt als Supervisor und trotz seiner 84 Jahre, war er ein herausragender Lehrer. Sein Umgang mit den Patienten war sehr lehrreich und er hat sich immer viel Zeit genommen, um Fälle ausführlich zu diskutieren. Der Unterricht bei ihm hat Spaß gemacht und er konnte Dinge einprägsam erklären.

Land und Leute

Das Social Program von CIMSA war wirklich überragend. Zusammen mit den SCORE Austauschstudenten haben wir eine Menge Ausflüge unternommen. So waren wir am ersten Wochenende in Bukittingi, einer Stadt in den Bergen und haben uns den Canyon angeschaut, ein von den Japanern gebautes Tunnelsystem und einen Zoo besucht, wobei alle von uns gerne auf Letzteres verzichtet hätten, da die Umstände katastrophal waren.
Am zweiten Wochenende haben wir verschiedene Inseln besucht, was absolut traumhaft war. Da Padang wirklich kein touristischer Ort ist, hatten wir meist die ganzen Inseln mit ihren wunderschönen Stränden für uns. Des Weiteren haben wir Ausflüge gemacht zu einem Palast und einem traditionellen Dorf. Besonders schön war auch unser International Dinner, an dem jeder Incoming etwas Landestypisches vorbereitet hat. (Kaiserschmarrn im Wok zu kochen war auch sehr abenteuerlich )
Man muss wirklich zugeben, dass sich die LEOs sehr viel Mühe gemacht haben und wir haben uns alle sehr willkommen gefühlt.

Woran man sich auf jeden Fall gewöhnen muss, ist, dass man als Europäer ein absolutes Highlight in Padang ist. Man kann nirgends über die Straße laufen ohne um ein Selfie gebeten zu werden. Dies kann manchmal etwas befremdlich sein, da man öfters auch ohne zu Fragen gefilmt wird.
Außerdem wird einem immer "Bulle" zugerufen, was so viel wie Ausländer heißt. Dies ist aber gar nicht negativ gemeint, sondern die Menschen haben einfach ein großes Interesse an Ausländern, da es wirklich selten Touristen nach Padang verschlägt.

Generell ist indonesisches Essen sehr scharf, wobei besonders Padang für seine Schärfe in ganz Indonesien bekannt ist. Da ich meine Reise in Java begonnen hatte, hatte ich etwas Zeit, um mich zu adaptieren und hatte auch im Gegensatz zu einigen anderen Studenten keine Magenprobleme.
Prinzipiell war das Essen sehr günstig, aber teilweise nicht sehr abwechslungsreich. Zu jeder Mahlzeit gab es Reis, was nach einer Weile etwas eintönig war. Gemüse hingegen wird selten und nur in kleinen Mengen serviert. Dagegen sind die Früchte fantastisch. Frische Mangos, Drachenfrüchte, Papaya und Ananas waren wirklich köstlich und kann man überall günstig kaufen. Auch Avocado- Schokoladen-Saft sollte man probieren.

Im Allgemeinen sind Indonesier unglaublich gastfreundlich . Wenn man planlos auf der Straße steht, kommen gleich Menschen auf einen zu und fragen, ob einem geholfen werden könne. Auch die indonesischen Studenten waren stets hilfsbereit und haben sich immer Mühe gegeben, dass man sich wohl fühlt.

Fazit

Ich kann jedem nur Padang ans Herz legen, wenn man fernab von touristischen Pfaden eine unglaublich gastfreundliche Kultur kennenlernen möchte. Gerade in einem muslimisch geprägten Land zu famulieren, war für mich eine sehr lehrreiche und interessante Erfahrung.

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