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Lithuania (LiMSA)

Orthopädie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich habe nach meinem Abitur einen Monat meines Pflegepraktikums in Südafrika gemacht und seit dieser Erfahrung war für mich klar, dass ich auf alle Fälle wieder ins Ausland möchte, um meine Englischkenntnisse aufzufrischen, neue Freundschaften und Erfahrungen zu sammeln und um den eigenen Horizont ein bisschen zu erweitern. Ich wollte in ein Land, in dem ich noch nie zuvor gewesen war und das auch nicht zu den ganz typischen Urlaubszielen zählt. Und so habe ich mit Litauen das passende Ziel für mich gefunden.

Vorbereitung

Ich bin durch einen Infoabend an meiner Universität das erste Mal auf die bvmd aufmerksam geworden. Dort habe ich auch erste Informationen über den Famulaturaustausch erhalten. Alles weitere Wichtige, was die Bewerbung angeht, findet man auf der Internetseite der bvmd.
Nachdem ich dann die Zusage erhalten habe, habe ich mich auf meinen Auslandsaufenthalt vorbereitet, indem ich die Erfahrungsberichte anderer Studenten gelesen habe, die in derselben Stadt gewesen sind. Weitere wichtige Informationen, was sonst noch alles zu tun ist, findet man auch auf der Internetseite der bvmd und IFMSA. An dem Pre Departure Training habe ich nicht teilgenommen, da ich an dem Wochenende verhindert war. Dafür habe ich in dem Semester vor meinem Auslandsaufenthalt an meiner Universität den Sprachkurs „Medical English“ besucht, um mich sprachlich besser vorbereitet zu fühlen. Außerdem habe ich kurz vor meinem Auslandsaufenthalt noch einen Reiseführer gekauft, der aber im Nachhinein nicht unbedingt notwendig gewesen ist, da man vor Ort ausreichend Informationen über die Stadt bekommen hat.

Visum

Als deutscher Staatsbürger ist für Litauen kein Visum notwendig. Man benötigt auch keinen Reisepass, ein gültiger Personalausweis ist für die Einreise ausreichend.

Gesundheit

Die litauische Organisation fordert einige Impfungen. Außer der Pneumokokkenimpfung, die ich nicht hatte und die in Deutschland bei jungen Gesunden auch nicht geimpft wird, entspricht es den Standartimpfungen. Nach einer kurzen Erklärung, warum ich die Pneumokokkenimpfung brauche, war es aber auch kein Problem, sich dagegen beim Hausarzt impfen zu lassen. Ich empfehle euch, vor eurer Abreise rechtzeitig zu schauen, ob ihr noch irgendwelche Impfungen braucht, sodass bei Bedarf noch genug Zeit bleibt, sich dagegen impfen zu lassen. In meine Reiseapotheke habe ich nichts Besonderes eingepackt; ich hatte Schmerzmittel sowie etwas gegen Halsschmerzen und Durchfall dabei, was ich aber zum Glück alles nicht gebraucht habe. Meine Auslandskrankenversicherung habe ich bei der Deutschen Ärztefinanz abgeschlossen.

Sicherheit

Bezüglich der Sicherheit habe ich im Voraus keine speziellen Vorkehrungen getroffen. Ich hatte während meiner Zeit in Litauen auch nie ein ungutes Gefühl, ich habe mich immer sicher gefühlt. Daher würde ich die Sicherheitslage ähnlich zu der in Deutschland einschätzen.

Geld

In Litauen wird mit Euro bezahlt, sodass das lästige Geld wechseln wegfällt. Man kann fast überall mit Kreditkarte bezahlten, ich selbst habe dennoch immer in bar bezahlt, viele der anderen Incomings haben dagegen meistens mit Kreditkarte bezahlt. Die einzige Schwierigkeit gibt es manchmal in Restaurants, da diese die Rechnung eines Tisches häufig nicht auf jede einzelne Person aufteilen können, sondern maximal auf 4-5. Hier empfiehlt es sich dann Bargeld dabei zu haben, da sich der Bezahlvorgang sonst etwas schwierig gestalten kann.
Die Preise für den öffentlichen Nahverkehr sind deutlich günstiger als in Deutschland. So bezahlte ich für mein Monatsticket mit ISIC nur etwa 7€. Im Supermarkt ist Obst und Gemüse günstiger als bei uns, der Rest entspricht etwa unseren Preisen. Die Preise für Getränke und Speisen in Restaurants und Bars sind in der Regel auch etwas günstiger als bei uns.

Sprache

Die Landessprache von Litauen ist litauisch. Da die Sprache sehr schwer zu lernen ist und ich vermutlich auch nicht so bald dorthin zurückkehren werde, habe ich nicht versucht, litauisch zu lernen. Die Ärzte im Krankenhaus sprechen alle sehr gut englisch, gleiches gilt für den Großteil der jüngeren Generation. Im Supermarkt kam man mit englisch aber oft nicht sehr weit, da blieb dann häufig nur die Kommunikation mit Hand und Fuß. Bei Verständnisproblemen konnte man sich aber auch immer auf die Hilfe der litauischen Studenten verlassen.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Flugzeug von Stuttgart mit Zwischenstopp in Warschau nach Vilnius geflogen und habe von dort den Bus nach Kaunas genommen. Hin-und Rückflug haben zusammen etwa 250€ gekostet. Man kann auch direkt nach Kaunas fliegen, da es dorthin aber nur sehr wenige Verbindungen gibt und die Verbindung von Vilnius nach Kaunas mit Zug/Bus sehr gut ist, habe ich mich gegen den Flug direkt nach Kaunas entschieden. Günstiger, aber zeitlich auch deutlich aufwendiger, kann man auch mit dem Bus nach Litauen reisen. Im Land selber kann man sich mit Bus und Zug fortbewegen, beide Verkehrsmittel sind in der Regel auch recht pünktlich und zuverlässig. Wie bereits erwähnt, sind die Preise dafür sehr günstig. Der Zug von Vilnius nach Kaunas verkehrt etwa alle 1-2h und kostet mit ISIC zwischen 2-3€. Nachts haben wir uns immer mit der App Taxify ein Taxi bestellt, dies hat dann vom Stadtzentrum zu unserer Unterkunft 3-5€ gekostet.

Kommunikation

Die Internetverbindung in Litauen zählt zu den besten in ganz Europa. Wir haben bei unserer Ankunft eine litauische Sim-Karte mit 4GB Datenvolumen und einigen Freiminuten/SMS bekommen. Ich habe ein Dual-Sim Handy, sodass ich immer meine deutsche und litauische Sim-Karte dabei hatte. Da es in der EU mittlerweile keine Roaming-Gebühren mehr gibt, konnte ich mit meiner deutschen Sim-Karte kostenlos nach Hause telefonieren, die litauische Sim-Karte nutzte ich für Anrufe ins litauische Netz, für meine mobilen Daten konnte ich beide nutzen. In der Unterkunft gab es auch WLAN, allerdings hatte nicht jedes Zimmer einen WLAN-Router und der Empfang eines Routers erstreckte sich nur über etwa vier Zimmer. Wer nicht das Glück hatte, einen Router auf dem Zimmer zu haben, konnte vor Ort einen kaufen oder seinen Laptop durch ein LAN Kabel mit dem Internet verbinden und dann einen Hotspot einrichten. Kleiner Tipp, durchsucht in eurem Zimmer Schubladen/ Schränke nach dem Router, mit etwas Glück werdet ihr fündig.

Unterkunft

Ich habe zusammen mit den andern Incomings in einem Wohnheim gewohnt, indem auch litauische Studenten wohnen. Die Unterkunft wurde von der Gastorganisation organisiert, man musste sich also um nichts kümmern. Jeweils zwei Studenten teilten sich ein Zimmer und zwei Zimmer teilten sich ein Bad. Außerdem gab es in jedem Stockwerk eine Küche, von den Stockwerken sechs bis acht, in denen wir wohnten, war jedoch nur die Küche im siebten Stockwerk wirklich nutzbar, in den andern gab es nichts außer einem Herd, einem Backofen und einem Spülbecken. Bettwäsche sowie Decke/Kissen bekam man dort, für die Bettwäsche musste man 1,50€ bezahlen. Waschmaschinen und Trockner gab es ausreichend im Keller und konnten von uns kostenlos benutzt werden.

Literatur

Ich habe mich auf der Seite des Auswärtigen Amts über die Einreisebestimmung von Litauen informiert und ein bisschen in meinen Reiseführer CityTrip Vilnius und Kaunas herumgeblättert. Am meisten geholfen bei meiner Vorbereitung haben mir aber die Erfahrungsberichte und Bedingungen der Gastorganisation.

Mitzunehmen

Ich habe eigentlich nichts besonders mitgenommen. Wir hatten einen für Litauen ungewöhnlich heißen Sommer, sodass wir viele Klamotten für warme Tage brauchten. Es gab aber auch Regentage und kühle Tage, weshalb man klamottentechnisch alles von Sonnencreme und Shorts bis Regenschirm und einer wärmeren Jacke benötigt. Ich hatte noch ein paar Basics für die Küche dabei, wie z. B. ein Messer und ein Schneidebrett. Solche Dinge kann man einpacken, wenn man noch Platz hat, man kommt aber auch gut ohne durch oder kauft sich dort das, was man benötigt. Sehr zu empfehlen ist auf jeden Fall noch die ISIC, da man damit sehr viele Vergünstigungen erhält.

Reise und Ankunft

Meine Reise verlief leider alles andere als glatt, da mein erster Flug Verspätung hatte und ich dadurch meinen Anschlussflug verpasste, wodurch ich fünf Stunden später in Vilnius ankam als erwartet. Zudem ging unterwegs noch mein Koffer verloren, sodass ich die ersten 1,5 Tage kein Gepäck hatte. Von Vilnius nahm ich dann den Bus nach Kaunas, wo mich meine CP an der Bushaltestelle abholte und mich in die Unterkunft brachte. Dort zeigte sie mir dann alles und erklärte alles Wichtige. Am nächsten Tag zeigte sie mir dann den Weg ins Krankenhaus, stellte mich auf der Station vor und kaufte mit mir zusammen eine Monatsbusfahrkarte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe mir eine chirurgische Station ausgesucht, da ich befürchtete, dass auf einer internistischen Station die Sprachbarriere ein Problem darstellen könnte. Wie ich von anderen Incomings, die sich eine solche Station ausgesucht hatten, erfahren habe, war dies auch wirklich ein Problem, da viele der Patienten nicht ausreichend englisch sprachen, um beispielsweise eine Anamnese durchführen zu können. Die Ärzte auf meiner Station sprachen alle gutes englisch, sodass eine Kommunikation mit ihnen ohne Probleme möglich war.
An meinem ersten Tag wurde ich meinem Tutor vorgestellt und durfte dann gleich mit ihm in den OP. Es war das erste Mal für mich, dass ich im OP war und obwohl ich nur zuschaute, kippte ich gleich bei der ersten Operation um. Dies war mir natürlich sehr unangenehm, es kümmerten sich aber alle sehr fürsorglich um mich und meinten, dass ich mir deswegen gar keine Gedanken machen solle, da das jedem einmal passiere.
Die anderen Tage begannen dann immer morgens um 8h mit der Morgenbesprechung. Diese war auf Litauisch, sodass ich dort nur einzelne Worte verstand. Jeweils ein bis zwei Ärzte stellten in dieser die Patienten vor und zeigten dazu Röntgenaufnahmen. Am Montag ging es danach immer auf Visite, an den anderen Tagen meistens direkt in den OP. Bei der Visite gingen immer etwa 15-20 Ärzte von Patient zu Patient. Dies war für mich etwas ungewöhnlich, da in den Kliniken, in denen ich bisher war, nie so viele Ärzte gleichzeitig Visite machten.
Im Assistenzarztzimmer hing jeden Morgen der Operationsplan aus. An manchen Tagen wurde ich von Assistenzärzten gefragt, ob ich assistieren möchte, an anderen fragte mich mein Tutor, welche Operation mich interessierte und klärte dann ab, dass ich assistieren oder zumindest zuschauen konnte. Die gängigen Operationen waren Hüft-und Knie-TEPs, Osteosynthesen von verschiedenen Frakturen sowie Arthroskopien. Die Ärzte waren meistens sehr freundlich, wenn man nachfragte, durfte man überall zuschauen und oft wurde auch einiges erklärt. Neben mir waren noch ein weiterer Austauschstudent, sowie zwei litauische Studenten auf Station, sodass wir uns teilweise abwechseln mussten, wer mit an den Tisch konnte. Beim Assistieren hielt ich Haken oder den Blutabsauger, durfte aber auch das ein oder andere Mal nähen oder eine Schraube setzen.
Auf Station war ich relativ wenig, was zum einen daran liegt, dass Tätigkeiten wie Blut abnehmen, dort die Schwestern machen und zum anderen der Patientenkontakt durch die sprachliche Barriere doch deutlich erschwert wird.
Gegen 12-13h ging ich dann meistens Mittag essen. Das Essen in der Kantine mussten wir nicht bezahlen, es war geschmacklich auch gar nicht so schlecht, es gab nur leider jeden Tag dasselbe, was mit der Zeit etwas eintönig wurde. An manchen Tagen ging ich nach dem Essen nochmal in den OP zurück, an anderen direkt nach Hause.
Die Orthopädie ist in einem ganz neuen Gebäude untergebracht, die Station und die Operationssäle sind auf dem aktuellen Stand, sodass ich da keinen großen Unterschied im Vergleich zu Deutschland feststellen konnte.

Land und Leute

Ich habe fast jeden Nachmittag oder Abend etwas mit den anderen Studenten unternommen. Kaunas selbst ist nicht sehr groß, die Altstadt ist aber wirklich sehr schön und hat doch das ein oder andere zu bieten. Wir waren in Museen, am See, im botanischen Garten, machten eine Bootsfahrt oder genossen unsere freie Zeit bei einer Tasse Kaffee oder einem Glas Wein in einem der vielen Cafés. Teilweise wurden wir dabei von litauischen Studenten begleitet, teilweise organisierten wir uns selbst. Abends war unser gemeinsamer Treffpunkt oft die Küche, wo wir manchmal zusammen kochten oder einfach nur zusammen saßen und uns unterhielten. Wer abends weggehen möchte, wird auch fündig. Dienstags waren wir oft in einer Karaokebar, am Wochenende und teilweise auch unter der Woche öffnen verschiedene Bars und Clubs ihre Türen. Allerdings waren wir an den Wochenenden kaum in Kaunas, sondern machten verschiedene Ausflüge. So ging ein Tagestrip in die Hauptstadt Vilnius, ein anderer nach Trakai, ein Wochenendtrip an die Küste von Litauen und einer nach Lettland und Estland. An einem Wochenende fuhren wir in ein Sommerhaus, wo wir die „National Food and Drink Party“ feierten. Dazu brachte jeder aus seinem Heimatland typische Speisen und Getränke mit, sodass sich uns eine bunte Vielfalt bot. Diese Ausflüge wurden von den litauischen Studenten organisiert und waren für mich echte Highlights. Die Küste von Litauen ist auch ein beliebtes Reiseziel von vielen Einheimischen im Sommer. Als wir dort waren, war es leider recht kalt und windig, sodass sich nur ein paar Mutige in das Meer trauten. Dafür hatten wir den Strand aber fast für uns alleine. Die Städte im Baltikum sind zwar nicht so groß, aber sie sind so viel schöner, als ich erwartet hätte und wirklich eine Reise wert.
In der litauischen Küche wird viel mit Fleisch und Kartoffeln gekocht. Typische Gerichte sind Cepelinai, mit Fleisch gefüllte Kartoffelknödel, und eine kalte rote Beete Suppe. Man findet aber selbst in traditionellen litauischen Lokalen vegetarische Gerichte und Speisen, die man von zu Hause kennt. Fast Food Ketten und italienische, asiatische, … Restaurants findet man natürlich auch ausreichend.
Die meisten Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit und freuen sich, dass man ihr Land besucht. Die Länder im Baltikum sind alle noch sehr jung, man spürt, dass alles noch im Schwung ist. Sie sind noch nicht so touristisch überlaufen wie andere Länder und Städte, was ich selber als sehr angenehm empfunden habe.

Fazit

Litauen war meine dritte Wahl, aber im Nachhinein muss ich sagen, dass ich mehr als dankbar bin, dass ich hier gelandet bin. Meine Erwartungen wurden bei Weitem übertroffen, ich hatte einen unvergesslichen Monat mit so vielen neuen Erfahrungen und so vielen tollen Menschen, die ich kennen lernen durfte.
Dennoch würde ich sobald nicht mehr nach Litauen reisen wollen, da das Land nicht sehr groß ist und ich das meiste davon gesehen habe. Auch könnte ich mir nicht vorstellen dort zu arbeiten, zum einen weil ich dazu zunächst litauisch lernen müsste, was nicht ganz einfach ist und zum anderen, weil die Verdienste der Ärzte im Vergleich zu hier schon deutlich geringer sind.
Durch meinen Auslandsaufenthalt habe ich auch mein Vertrauen in mein Englisch zurück gewonnen, sodass ich mir durchaus vorstellen könnte, einen Teil meines PJs wieder im Ausland zu verbringen. Ich war vor meiner Abreise wirklich nervös vor dem, was mich erwarten würde, kann aber im Nachhinein nun sagen, dass sich alle Vorbereitungen mehr als gelohnt haben und dass ich sehr froh darüber bin das Abenteuer gewagt zu haben.

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