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Spain - Catalonia (AECS)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Laura Margarita, Leipzig

Motivation

Da ich ein Jahr zuvor ERASMUS Programm in Madrid gemacht hatte, stand für mich fest, dass ich noch einmal eine Famulatur in Spanien absolvieren wollte. Für mich kamen nur die Sommersemesterferien in Frage, sodass Katalonien mir mit warmen, aber nicht zu heißen Sommern und Küstennähe perfekt vorkam. Außerdem war ich neugierig auf die katalanische Sprache und Kultur.

Vorbereitung

Nach der Bewerbung bekam ich im Dezember eine vorläufige Zusage und die Information, ich müsse innerhalb von 15 Tagen einen negativen Tuberkulosetest sowie ein Empfehlungsschreiben der Universität einreichen. Da diese Information in der Weihnachtszeit kam, machte ich mir zunächst Sorgen, weil ich die Frist nicht einreichen konnte, letztendlich war dies allerdings kein Problem.
Sprachlich habe ich mich kaum vorbereitet, da ich Spanisch schon sprach und zwar ursprünglich einen Einführungskurs ins Katalanische machen wollte, dies dann aber aus Mangel an Zeit und Angebot doch nicht gemacht habe.

Visum

Ich musste keines beantragen.

Gesundheit

Mit der europäischen Krankenversicherungskarte wird man in Spanien problemlos behandelt. Sollte man doch einmal kleinere gesundheitliche Probleme haben, geht man am einfach in ein "Centro de Salud".

Sicherheit

Girona ist ein kleines hübsches Städtchen, in dem man sich um Sicherheit nicht mehr Sorgen machen muss als anderswo.

Geld

In Spanien zahlt man mit dem Euro, die Lebenshaltungskosten sind etwa vergleichbar mit denen in Deutschland. Wir haben meistens gekocht, es gibt aber auch die Möglichkeit für unter 10 Euro essen zu gehen und die Preise in Bars sind auch vergleichbar. Im Krankenhaus gibt es die Möglichkeit günstig zu frühstücken (1,20 Euro für Kaffee und Gebäck), Mittagessen um die 5 Euro.
Man kann überall Geld abheben, meistens kostet das eine Gebühr von 5-6 Euro mit einem deutschen Girokonto, Kartenzahlung ist auch überall üblich und möglich.

Sprache

In meinem Department wurde sehr viel katalanisch gesprochen und die Ärzt*innen haben zwar meistens versucht, daran zu denken mit mir Spanisch zu sprechen, fielen aber nach einer Weile meistens doch ins Katalanische. Ich war ehrlich gesagt überrascht, dass auch die Patientenakten, klinische Dokumentation, etc. in katalanischer Sprache gemacht wurde. Wenn man gut Spanisch spricht versteht man aber trotzdem einigermaßen worum es geht.
Es hängt aber auch ein bisschen davon ab, in welchem Department man ist, anderswo wurde auch mehr Spanisch gesprochen. Einige Student*innen, die gleichzeitig mit mir da waren, sprachen nur Englisch und kamen auch zurecht. Meistens sind die Ärzt*innen bemüht etwas zu erklären, aber man sollte sich darauf einstellen, dass Patientengespräche etc. auf Katalanisch/ Spanisch stattfinden.

Verkehrsbindungen

Es gibt einen Flughafen „Costa Brava“, der mit dem Bus innerhalb von 20-30 Minuten von Girona zu erreichen ist. Man kann auch nach Barcelona fliegen, dann braucht man etwa 1 ½ Stunden mit dem Zug nach Girona. Es gibt recht günstige Flüge und ich habe, obwohl es Hauptsaison war, weniger als 100 Euro für Hin- und Rückflug bezahlt.
In Girona selbst kann man eigentlich überallhin laufen. Ansonsten kommt man mit Zug oder Bus überall gut und bezahlbar hin. Es fahren auch Busse an die Küste und zu verschiedenen Stränden.

Kommunikation

Wir hatten WLAN in der Unterkunft, außerdem wurde das Roaming in der EU abgeschafft, also alles problemlos möglich.

Unterkunft

Gleichzeitig mit mir waren noch 6 weitere Studierende da. Wir haben etwas oberhalb der Stadt, sehr zentral und mit schöner Aussicht in 3er Appartements gewohnt. Jeder hatte ein eigenes Zimmer und wir hatten ein gemeinsames Bad und Küche. Sogar eine Art Hof/Garten hatten wir. Handtücher und Bettwäsche wurden gestellt.
Es war eine sehr schöne Unterkunft und wir saßen oft zusammen draußen oder auf dem Balkon.

Literatur

Ich habe mich nicht speziell vor dem Austausch belesen.

Mitzunehmen

Im Krankenhaus muss man sein eigenes Stethoskop und einen weißen Kittel mitbringen.

Reise und Ankunft

Bei der An- und Abreise hat alles problemlos geklappt. Ich wurde sogar von meiner Kontaktperson am Bahnhof abgeholt und zur Unterkunft gebracht. Am ersten Tag ist ein spanischer Studierender mit ins Krankenhaus gekommen und hat uns alles gezeigt und auf der Station vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Insgesamt übernehmen spanische Studierende in ihren Praktika weniger selbständige Aufgaben.
Das Blutabnehmen übernehmen die Krankenpfleger*innen und meistens begleitet man eine/n Assistenzärzt*in. Diese sind aber eigentlich immer selbst noch sehr jung und ausgesprochen nett und hilfsbereit, zeigen und erklären einem alles!
Generell habe ich den Umgang zwischen dem Personal, aber auch mit Patient*innen immer als sehr entspannt und freundlich wahrgenommen, sodass ich mich sehr wohlgefühlt habe und insgesamt viel gesehen und gelernt habe.

Morgens gab es immer eine kurze Besprechung, danach haben wir auf der Station Visite gemacht. Anschließend haben die Stationsärzt*innen meistens die Dokumentation gemacht und ich konnte in die Kindernotaufnahme gehen oder einzelne Patienten noch einmal untersuchen und befragen. Dort bin ich dann bis 13.00-14.00 Uhr geblieben. Einmal bin ich auch mit den Kinderchirurg*innen in den OP gegangen oder habe mit der Kinderkardiolog*in Echos gemacht.

Das Krankenhaus ist recht klein, sodass es insgesamt nicht allzu hektisch zuging, trotzdem war ich überrascht wie viele unterschiedliche Erkrankungsbilder ich in einem Monat zu sehen bekam. Ein Kind hatte zum Beispiel einen Schlaganfall und die sehr seltene Moyamoya-Krankheit. Kompliziertere Fälle haben wir gelegentlich nach Barcelona in spezialisiertere Krankenhäuser verwiesen.
An manchen Tagen war es auch extrem ruhig, da in der Ferienzeit alle an die Küste fahren und wir somit kaum Patient*innen hatten.

Land und Leute

In Girona ist man sicherlich im Herzen Kataloniens und der Wunsch nach Unabhängigkeit ist in den Straßen der Stadt stets präsent. Fast jedes Haus hat eine katalonische Flagge gehisst, die Straßen und Brücken sind mit gelben Schleifen, einem Symbol der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung, geschmückt. Ich hatte das Gefühl, dass die Leute insgesamt sehr stolz auf ihr Land und ihre Sprache sind, das aber auch gerne mit Leuten von außerhalb teilen und wenn man nur Spanisch spricht nimmt einem das auch niemand übel.

Girona ist eine Stadt mit einer wunderschönen mittelalterlichen Altstadt, einer Kathedrale, die durch Game of Thrones einige Berühmtheit erlangte und einem sehr pittoresken Blick auf die bunten Häuschen und den Fluss, der auf keiner Postkarte fehlen darf. Abends kann man schön draußen sitzen und etwas trinken, manchmal gibt es Konzerte, aber ein großes Nachtleben sollte man in Girona nicht erwarten (vor allem nicht in den Sommermonaten, in denen die spanischen Studierenden alle nach Hause oder in den Urlaub fahren).

Am Wochenende haben wir einige Ausflüge in der Region gemacht. Es lohnt sich die Umgebung zu erkunden und man kann nach Barcelona, an die Küste, nach Figueres oder Cadaqués fahren, sodass einem eigentlich nicht langweilig werden sollte.
Aber auch in Girona kann man schön Zeit verbringen, durch die engen Gassen spazieren, durch die Buchhandlungen streifen, oder die Aussicht von der mittelalterlichen Stadtmauer genießen. In der Kathedrale kann man sakrale Kunstwerke bewundern, es gibt aber auch ein durchaus sehenswertes Kinomuseum.

Alle ausländischen Studierenden haben zusammengewohnt und die meisten Spanier*innen waren gerade nicht in Girona, sodass ich hauptsächlich mit anderen Austauschstudierenden unterwegs war.

Fazit

Ich würde den Austausch definitiv wieder machen und empfehlen. Wenn man sich durch das Bewerbungsverfahren gekämpft hat, muss man sich eigentlich um nichts weiter kümmern und bekommt die Gelegenheit einen Monat in einem anderen Land zu wohnen und Famulatur zu machen.
Positiv überrascht war ich auch darüber, wie gemischt die Gruppe an Austauschstudierenden war (wir kamen aus Ecuador, Serbien, der Türkei, Bulgarien, der Slowakei und dem kurdischen Autonomieregion im Nordirak), sodass ich nicht nur etwas über Spanien erfuhr, sondern auch viel über das Leben und Studieren in den Heimatländern der anderen Studierenden, die Arbeit der IFMSA dort, etc..
Ich kann mir durchaus vorstellen, für mein PJ oder auch zum Arbeiten nach Spanien zurück zu kehren, auch wenn es sehr viel schwieriger ist eine Stelle zu bekommen und die Bezahlung deutlich schlechter ist, mag ich die „spanische Kultur“, Sprache und die angenehme Atmosphäre im Krankenhaus so sehr, dass es für mich durchaus in Frage kommt dort zu arbeiten, sollte sich mir die Möglichkeit bieten.

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