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Brazil (IFMSA-Brazil)

Neurologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich wollte immer eine Famulatur im Ausland machen, weil ich der Meinung bin, dass es eine große Chance ist, andere medizinische Systeme zu sehen und kennenzulernen. Da ich nie Länder außerhalb Europas besucht habe, dachte ich, es wäre eine gute Chance, eine neue Kultur zu sehen. Ich hatte schon immer großes Interesse an der lateinamerikanischen Kultur und Brasilien war das Land, das ich schon immer besuchen wollte.

Vorbereitung

Wenn es um die Vorbereitung geht, obwohl für die Bewerbung englische Kenntnisse ausreichend sind, habe ich aus anderen Berichten verstanden, dass Menschen in Brasilien in der Regel nicht gut oder gar nicht Englisch sprechen können. Ich begann Portugiesisch zu lernen mit Duolingo und Audio Unterricht. Es wird definitiv empfohlen, dies zu tun, denn manchmal können sogar Leute auf dem Flughafen oder im Hotel nicht auf Englisch kommunizieren, nicht einmal die einfache Sätze. Ich habe es selbst nicht gemacht, aber ich würde daher empfehlen, den Portugiesischkurs im Sprachzentrum der Technischen Universität zu besuchen. Eine andere Vorbereitung ist nicht erforderlich, da das Visum nicht benötigt wird. Das einzige, was viel Zeit gekostet hat, war die Buchung der Flüge nach Brasilien. Ich wollte es vor Famulatur reisen und deshalb war die Organisation der Reise etwas zeitaufwendig.

Visum

Das Visum wird für Brasilien nicht benötigt. Als Tourist darf man bis zu 90 Tage bleiben. Sie überprüfen nur das auf dem Flughafen im Pass. Auf der Passkontrolle habe ich keine spezielle Frage oder Dokument zum Ausfüllen bekommen.

Gesundheit

Ich hatte Basismedikamente mit mir, nur im Fall, dass etwas passiert. Aber wenn man die zufällig vergisst, ist es auch nicht so problematisch, da man in allen Städte, welche ich besucht habe, überall Apotheken und Drogerien findet. Viele Medikamente sind auch ziemlich günstig. Die Gelbfieberimpfung ist empohlen und das habe ich mir besorgt. Ich habe zusätzlich Refrischung von Tetanus-Impfung, aber es ist nicht obligatorisch, ich wollte nur auf der sicheren Seite sein. In Brasilien wurde es nicht zusätzlich überprüft. Glücklicherweise habe ich außer Antihistaminika keine weitere Medikamente gebraucht. Es gibt einige Lebensmittel und Früchte, die für Europa ungewöhnlich sind, welche die allergische Reaktion erzeugen können. Daher würde ich empfehlen, immer einen Antihistaminikum mit sich zu haben. Vor der Reise sind keine zusätzlichen Untersuchungen erforderlich.

Sicherheit

Wenn es geht um Sicherheit, es ist sehr schwierig allgemeine Aussage zu geben, da Brasilien ein sehr großes Land ist und regionale Unterschiede riesig sind. Man kann im Voraus sagen, dass Gefahr natürlich gibt, aber man kann es sehr leicht vermeiden, wenn man die richtige Einstellung hat. Meine Famulatur war im Süden des Brasiliens, welche gerade der am meist entwickelter Teil des Landes ist. Da sind die soziale Unterschiede viel weniger ausgeprägt als im Norden oder Nordosten. Daher ist Kriminalität auf niedrigere Level und ich habe mich wirklich nie unsicher gefühlt. Anderseits man fühlt sich in großen Stadten bisschen unsicherer und man muss schon mehr aufpassen. Tagesüber fühlte ich mich überall ganz sicher und abends in Städte soll man einfach aufpassen in welchen Teil der Stadtes es sicher sein soll. Man kann das entweder im Hotel fragen oder im Internet anschauen was für Viertel als sicher gelten. Mein Hotel in São Paulo war im Zentrum, aber in einer ganz komischen Straße. Deswegen haben wir nachts immer Uber genommen bis zum Hotel und das war perfekt. Man soll nicht die ganze Nacht in Zimmer bleiben, Brasiliens Nachtleben soll man schon auch bisschen genießen und mit Uber wurde dieses Unsicherheitsproblem leicht gelöst.

Geld

Die Währung in Brasilien ist "Reais". Ich hatte keine schlechten Erfahrungen, aber Geldraub ist in Brasilien ziemlich verbreitet, daher würde ich nicht empfehlen, viel Geld mitzunehmen. Die Brasilianer benutzen am häufigsten auch Kreditkarten als Zahlungsmethode. Es ist sehr praktisch, weil die Kredit- / Debitkarten überall akzeptiert werden (sogar von Street-Food-Verkäufern). Ich würde jedoch empfehlen, sowohl Kredit- als auch Debitkarten zu nehmen, es gab ein paar Orte, an denen sie irgendwie nur eine Art von Karte akzeptierten. Wenn Sie am Flughafen ankommen und Geld aus irgendeinem Grund benötigen, würde ich definitiv nicht empfehlen, zur Wechselstube zu gehen. Der Kurs ist wirklich schlecht. Wenn Sie am Flughafen Bargeld benötigen, versuchen Sie, den Geldautomaten zu finden und das Geld zu ziehen. Sie haben auch eine Gebühr von mindestens 5 Euro, was auch nicht viel ist, aber Sie verlieren trotzdem weniger als in Wechselstuben. In der Stadt sind die Kurse viel besser.

Sprache

Die offizielle Sprache ist Portugiesisch. Es ist ziemlich schwierig, mit nur Englisch auszukommen. Unter den Patienten ist es fast unmöglich und sogar unter Ärzten gibt es manchmal Schwierigkeiten. Die Studenten, die mit mir arbeiteten, waren zum Glück sehr gut in Englisch, also waren sie sehr hilfsbereit. Sie haben sich wirklich bemüht, Patientengeschichten und einige komplizierte Fälle zu erklären. Einige Ärzte sprachen auch ein bisschen Englisch mit mir. In meiner Abteilung waren ein paar Leute, die Englisch sprachen. Aber ich denke, es war ein echtes Glück, denn ein Freund von mir, der in der Gynäkologie arbeitete, hatte keine Person in der Abteilung, die sich auf Englisch verständigen konnte. Daher ist es sehr empfehlenswert, etwas Portugiesisch im Voraus zu lernen. Es gibt Kurse an der Uni, aber es gibt auch Möglichkeiten wie verschiedene Apps (Duolingo, Memrise), Audio Vorlesungen, Youtube Videos, Tandem. Mann muss nur sich selbst wie Mann am besten erhalten. Was würde ich definitiv empfehlen, bevor ich den Offlline-Übersetzer für Portugiesisch herunterlade, der in allen täglichen Situationen sehr nützlich sein kann. Manche sprechen / verstehen Spanisch, daher ist auch das Wissen in dieser Sprache hilfreich.

Verkehrsbindungen

Wenn es um Flugverbidnung geht, ich habe die Verbindung nach Sao Paulo am billigsten. Als ich die Flüge gebucht habe, Verbindung zwischen Paris und Sao Paulo war besonders preiswert. Man muss nur aufpassen, wenn man die Flüge in Brasilien buchen will. Es ist schon recht kompliziert für die Ausländer die Flüge zu buchen, da man dafür brasilianische Identifikationsnummer braucht. Ich habe ein paar mal auch Bus genutzt. Die sind sehr komfortabel, sicher und billig. Im Süden und zwischen Sao Paulo und Rio ist es wirklich empfehlenswert. In der Stadt haben wir sowohl öffentliche Verkehrsmittel als auch Uber benutzt. Uber ist viel billiger als in Deutschland und ich fühlte mich am sichersten mit dem Uber.

Kommunikation

Ich habe Oi Sim Karte gekauft. Ich bezahlte 20 Reais für 2 Wochen, was ziemlich billig ist. Ich fand diese Karte nicht so toll, da mein Internet manchmal funktionierte, manchmal nicht. Mein Freund hatte bessere Erfahrungen mit Tim Card.

Unterkunft

Während meines Austauschs lebte ich mit zwei Mädchen, die Medizinstudenten waren, in der WG. Ich hatte mein eigenes Zimmer und der Gebäudekomplex, in dem sich die Wohnung befand, war ganz in der Nähe des Krankenhauses. Die WG war neu und die Nachbarschaft war schön und sicher. Meine Mitbewohner waren sehr freundlich und höflich, also hatte ich absolut keine Probleme mit der Unterkunft. Es war auch schön, dass viele andere Studenten in diesem Gebäudekomplex wohnen, also war es praktisch, wenn wir uns treffen wollten.

Literatur

Ich habe einen Reiseleiter für Brasilien gekauft, um Land, Kultur und Sehenswürdigkeiten besser kennenzulernen. Als ich die Stadt besuchte, fand ich den App Culture Trip sehr informativ und interessant. Es gibt viele lokale Tipps, Touren und Restaurants / Bars Empfehlungen.

Mitzunehmen

Eine Sache, die nicht vergessen werden sollte, ist die Jacke. Ich überschätzte das brasilianische Wetter und nahm zu viele Sommerkleider an. Es gab natürlich heiße Tage, aber im Süden ist die Temperatur sehr variabel. Morgens und Abends kann es sehr kalt werden, deshalb sollten eine warme Jacke und ein paar Pullover eingepackt werden, besonders wenn man im August/ September geht (dann ist Winter in Brasilien).

Reise und Ankunft

Ich kam zuerst nach Brasilien, um nach Rio zu reisen, und dann nahm ich den Flug nach Curitiba. Von Curitiba nach Ponta Grossa habe ich einen Bus genommen (ca. 2 Stunden). Meine Kontaktperson wartete am Busbahnhof auf mich und brachte mich in die Wohnung. Er hat mich auch morgens ins Krankenhaus gebracht, zu meiner Station.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Famulatur wurde in Hopsital Regional in Ponta Grossa organisiert. Mir wurde die Neurologie Abteilung zugeteilt. Erster Tag ist wegen sprachlicher Barriere und langer Arbeitszeiten mir schwer gefallen, aber dann ging es viel besser. Am ersten Tag brachte mich meine Kontaktperson gegen 7 Uhr ins Krankenhaus. Es gab einen Arzt, und es war üblich, jeden Morgen alle Patienten zu besuchen. Normalerweise haben wir grundlegende anamnestische Fragen gestellt. Jeden Tag wurden die Visite zu verschiedenen Zeiten organisiert, manchmal um 7, manchmal um 14 und manchmal um 11. Es war sehr unvorhersehbar und abhängig vom Zeitplan des Spezialisten. Die dortigen Abteilungen funktionieren sehr unterschiedlich und vergleichen die Abteilungen in Deutschland. Die Station wird praktisch von Anwohnern und Internisten betreut. Internos sind die Medizinstudenten, die im 5. und 6. Jahr der Universität sind. In Brasilien sind die Medizinstudenten in den letzten zwei Jahren nur im Krankenhaus und rotieren alle zwei Wochen. Sie tragen viel Verantwortung und arbeiten ziemlich unabhängig. Sie machen nicht nur die Anamnese, körperliche Untersuchung und Diagnose, sondern auch die Behandlung und Verschreibung von Medikamenten. Die Residente sind Ärzte, die jetzt rotieren und auf dem Weg zur Spezialisierung sind. Sie sind verantwortlich für alle Patienten auf der Station, Studenten beraten sie. Die Spezialisten kamen normalerweise nur einmal am Tag für die Visite und manchmal für Ambulanzkonsultationen. Sie waren für die endgültigen Entscheidungen verantwortlich. Wir hatten fast jeden Tag Ambulanaufnahmen, normalerweise am Nachmittag. Als wir mit dem Ambulanz fertig waren, gingen wir auch in die Notaufnahme, falls eine neurologische Beratung nötig war oder um Patienten mit neurologischen Problemen auf der Intensivstation zu untersuchen. Da ich mich mit der Sprachbarriere auseinandersetzte, konnte ich außer einer körperlichen und neurologischen Untersuchung nicht viel tun. Wenn ich Probleme hatte, den Fall des Patienten zu verstehen, halfen die Studenten mir und erklärten die Probleme des Patienten, was sehr, sehr hilfreich war. Sie waren nicht nur bereit, mir den Fall zu erklären, sondern auch, wenn ich nicht mit der Krankheit oder den Medikamenten vertraut war, wollten sie mir die Pathophysiologie der Krankheit oder den Mechanismus des Medikaments erklären. Ich hatte großes Glück, diese Studenten bei mir zu haben, weil sie sich gut um mich kümmerten und ich viel von ihnen lernen konnte. Ohne ihre Hilfe wäre die Famulatur viel schwieriger, da der Rest des Personal kein Englisch sprach. Am Abend organisierten die Studenten auch einen Tag auf der Neurochirurgie, die sehr interessant und sehr dynamisch war. Sie erzählten mir auch viel über das Gesundheitssystem in Brasilien. Sie haben ein öffentliches System - SUS, das unabhängig von Alter oder Beschäftigungsstatus für jeden Menschen in Brasilien gültig ist. Sie zahlen Steuern und von der Gesamtsumme wird jedes Jahr gewählt, wie viel für das Gesundheitssystem ausgegeben werden soll. Wie zu erwarten ist, hat dieses System Vorteile, aber auch viele Nachteile. Auf der einen Seite sind die Medikamente bei vielen Krankheiten durch SUS abgedeckt, so dass die armen Menschen alle grundlegenden Medikamente haben können. Auf der anderen Seite steht das System unter Druck und die Leute müssen viel warten, um sich untersuchen zu lassen. Die Ärzte wissen, was die machen sollen, aber einige Operationen können nicht ausgeführt werden, weil sie nicht alle Bedingungen haben oder das Verfahren nicht von der öffentlichen Versicherung abgedeckt ist. Die meisten Leute, die sich das leisten können, haben eine private Versicherung.

Land und Leute

Neben der Famulatur bin ich bisschen gereist und hatte Zeit, mit Kultur und Menschen in Kontakt zu kommen. Die meisten Leute sind sehr warmherzig und freundlich. Sie sind auch sehr gesprächig und immer bereit zu helfen. Ich kann mich an keine sehr unangenehme Situation erinnern. Die brasilianische Gesellschaft ist eine Gesellschaft der Kontraste. Die soziale Ungleichheit ist die höchste in der ganzen Welt und das kann man leicht sehen, besonders in großen Städten wie Sao Paulo und Rio de Janeiro. Sao Paulo gilt als das New York Lateinamerikas und gilt als wirtschaftliches Herz des ganzen Landes. Hier boomt nicht nur das Geschäft, auch die Kunst- und Kulturszene ist auf höchstem Niveau. Auf der anderen Seite gibt es auch viele sehr arme Menschen, viele Obdachlose. Rio gilt als eine Stadt, die weniger entwickelt ist als Sao Paulo. Ich würde sagen, dass es auch in Rio weniger Obdachlose gibt, es ist nur in der Regel ärmer. Aus touristischer Sicht war ich mehr von Rio fasziniert. Rio hat alles: Strände, schöne Natur in der ganzen Stadt, Nationalpark in der Mitte der Stadt, Künstlerviertel, Museen. Ich war fasziniert mit Rio, und wenn man Praktikum in einer anderen Stadt absolviert, ist Rio definitiv nicht zu verpassen! Es ist auch im Allgemeinen weniger teuer als Sao Paulo. Ich plante 5 Tage für Sao Paulo und 5 für Rio, und ich bedauerte, dass ich nicht mehr Tage für Rio anstatt für Sao Paulo brauchte. Sao Paulo hat auch pulsierende Energie, die Leute scheinen sehr an Kultur interessiert zu sei. Die ganze Stadt hat viel Street Art und sieht sehr hipster aus. Dieser Teil war gut, aber ich fand eine Stadt nicht so schön. Es ist ein echter "Concrete jungle" mit viel weniger Natur und vielen Gebäuden. Alles in allem, machte Sao Paulo weniger Eindruck auf mich. Während der Famulatur war unser Kontaktmann sehr engagiert mit uns und nahm sogar den Hof seiner Eltern im Bundesstaat Parana ein. Ich sah viel Plantage von Kaffee, Bananen und anderen Pflanzen. Es war definitiv ein tolles Abenteuer und einer der Höhepunkte der ganzen Reise. Parana liegt im Süden und gilt als sehr entwickelter Teil des Landes. Ich kann definitiv bestätigen, dass viele Dinge viel mehr entwickelt haben, als ich erwartet habe. Die Kriminalität ist auf dem niedrigen Niveau, die sozialen Unterschiede sind auch nicht so hoch und das Klima ist auch europäischer. Im Süden sind sie weit von der tropischen Region entfernt, so dass sie alle Jahreszeiten haben. Es war Winter im August aber der Winter dort ist natürlich sehr mild. Es ist zwischen Herbst und Frühling in Deutschland. Ich hatte keine Zeit, den Norden und Nordosten zu besuchen, aber die Brasilianer behaupten, dass dies der schönste Teil des Landes sei. Es ist wärmer und die Menschen sollten anders sein. Diese Region ist jedoch sehr arm und Kriminalität ist auf der höheren Ebene. Also würde ich empfehlen, dort für den Tourismus zu gehen, aber für ein Praktikum ist es sicherer, die Stadt im Süden des Landes zu wählen. Andere Tipp für die Stadt, wenn man im Süden sich befindet, ist Florianopolis. Es ist eine wunderbare Stadt mit vielen schönen Stränden und Natur.

Fazit

Ich kann die Famulatur in Brasilien nur wärmstens empfehlen. Es war so eine erstaunlich gute Erfahrung, weil ich viel vom neuen medizinischen System gesehen und gelernt habe. Die Leute sind so nett und freundlich und die Kultur ist so vielfältig und komplex, ich würde sagen, es ist einer der besten Orte, an denen man Famulatur machen kann. Wenn man arbeitet, hat man die Chance Kultur am besten kennenzulernen.

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