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Atahualpa (Ecuador)

Intensivmedizin - SCOPH (Public-Health Austausch)
Anonym

Motivation

Auf das Public-Health Projekt in Ecuador bin ich eher zufällig gestoßen. Ich reise recht gerne und in Südamerika war ich bisher noch nie. An diesem Projekt hat mir vor allem gefallen, dass hier die Möglichkeit besteht, ein Praktikum mit einem Sprachkurs zu verbinden und ich so auch noch die Chance hatte, meine eher spärlichen Spanischkenntnisse etwas aufzubessern.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung empfiehlt sich auf alle Fälle ein Spanischkurs bzw. so viele Spanischkurse wie möglich ;). Zwar ist im Rahmen des Public-Health Austausches mit der Sprachschule Atahualpa eine Kombination aus Praktikum und Sprachkurs möglich, trotzdem tut man sich deutlich leichter bzw. man profitiert eindeutig mehr vom Auslandsaufenthalt, wenn man davor schon etwas Spanisch kann. Ansonsten war zur Vorbereitung nicht mehr viel nötig. Man sollte sich über Reiseimpfungen (s.u.) informieren und eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Außerdem sollte man für die Gastfamilie ein kleines Geschenk kaufen und für die Famulatur im Krankenhaus Kittel und Kasack einpacken.

Visum

Um ein Visum muss man sich im Voraus nicht kümmern, man bekommt bei der Einreise automatisch eines für 90 Tage. Seit September 2018 muss man (theoretisch) neben dem Reisepass noch eine Reisekrankenversicherung vorweisen, die für Ecuador gültig ist und den gesamten Reisezeitraum abdeckt.

Gesundheit

Ich hatte von vorherigen Reisen schon sämtliche Reiseimpfungen. Empfehlenswert ist sicher eine Hep A und B Impfung. Eine Gelbfieber und eine Tollwut Impfung könnte man noch erwägen. Das sollte man aber vielleicht am besten noch in einer Reiseimpfberatung für sich selbst abklären und dann entscheiden. Leitungswasser sollte man in Ecuador nicht trinken, zum Zähneputzen etc. kann man es aber ohne Probleme verwenden. Empfehlen würde ich außerdem eine Reiseapotheke mit u. A.: Schmerz- und Fiebermittel (z.B. Ibuprofen), Mittel gegen Durchfall (z.B. Loperamid), Elektrolytlösung (z.B. Elotrans), Wund- und Heilsalbe, Zink-Salbe o. Ä., Pflaster, Verband.

Sicherheit

Ich habe mich in Ecuador immer sicher gefühlt. Wenn man sich einigermaßen vernünftig verhält (nachts nicht mehr alleine rumlaufen, Wertsachen möglichst versteckt am Körper tragen etc.) sollte auch nichts passieren. Man kann sich aber auch immer bei Martha, der Sprachlehrerin, oder auch bei den Ärzten im Krankenhaus erkundigen, wo man besonders aufpassen soll, bzw. was sicher/nicht sicher ist.

Geld

Die Währung in Ecuador ist der US Dollar. Ich hatte aus Deutschland schon ein paar Dollar dabei, ansonsten kann man aber auch überall problemlos mit der Kreditkarte (z.B. Visa) am Automaten Geld abheben. Man sollte darauf achten, dass man immer möglichst kleine Geldscheine dabei hat (max. 20$), da ansonsten Taxifahrer, Verkäufer etc. eventuell nicht wechseln können. Und generell immer so wenig Bargeld wie möglich mit sich rumtragen.

Sprache

Ich habe drei Sprachkurse an der Uni gemacht, trotzdem war mein Spanisch wirklich nicht gut, als ich nach Ecuador kam. Man kommt aber trotzdem immer irgendwie durch und im Laufe des Aufenthalts wird es dann auch immer leichter.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit Iberia nach Ecuador geflogen. Der Flug war leider recht teuer, wenn man sich etwas besser anstellt, kann aber sicherlich auch etwas günstigere finden. Die Busverbindungen in Ecuador sind wirklich gut und sehr billig. Auch die Straßen und die Busse selbst sind einwandfrei. Ansonsten sind wir in Quito oft mit Taxis gefahren, was auch immer gut geklappt hat und, vor allem verglichen mit Deutschland, wirklich nicht teuer ist.

Kommunikation

In der Gastfamilie und in der Sprachschule gab es WLAN, das meistens einigermaßen gut funktioniert hatte. Ich habe mir außerdem noch eine ecuadorianische Sim Karte gekauft, was manchmal recht praktisch gewesen ist (z.B. um Hostels oder Martha anzurufen), es geht sicherlich aber auch ohne.

Unterkunft

Ich habe in Ecuador bei einer Gastfamilie gewohnt und würde das auch weiterempfehlen. Zwar muss man sich so natürlich dem Rhythmus und den Gewohnheiten der Gastfamilie anpassen, inkl. Essenszeiten und -dauer, gleichzeitig ist es aber auch sehr interessant, den Alltag und das Leben einer ecuadorianischen Familie direkt mitzubekommen. Außerdem wird man hier gezwungen, Spanisch zu verstehen und zu sprechen, was mir persönlich auf alle Fälle geholfen hat.

Literatur

Ich habe davor viele Erfahrungsberichte gelesen und mir außerdem einen Reiseführer gekauft. Gut ist die Amboss-App, um während der Famulatur, wenn man gerade ansonsten nichts zu tun hat, nochmal ein paar Sachen nachlesen zu können.

Mitzunehmen

Mitnehmen sollte man wie bereits erwähnt Kittel und Kasack für die Famulatur und ein kleines Gastgeschenk für die Gastfamilie. Außerdem warme Kleidung einpacken, in Quito kann es teilweise und vor allem nachts recht kalt werden. Wichtig ist außerdem eine gute Sonnencreme (Quito liegt auf 2800m und die Sonne ist sehr stark).

Reise und Ankunft

Ich bin mit Iberia über Madrid nach Quito geflogen. Am Flughafen wurde ich von einem Freund meiner Gastfamilie abgeholt und zu meiner Gastfamilie gefahren, wo ich sehr herzlich begrüßt wurde. Ich hatte dann zuerst eine Woche Sprachkurs, immer vor- und nachmittags, bevor dann die Famulatur losging. In der ersten Woche der Famulatur hatte ich dann zusätzlich auch noch Sprachunterricht.
Für mich hat das so sehr gut gepasst, da ich noch ein wenig Zeit hatte, mich ins Spanische reinzuhören, bevor es dann ins Krankenhaus ging.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

In der Famulatur auf der Intensivstation im Hospital Ingles waren wir Dr. Llano zugeteilt. Dr Llano ist ein wunderbarer Mensch, er weiß unglaublich viel und teilt dieses Wissen auch gerne mit den deutschen Famulanten. Dabei bemüht er sich immer langsam und deutlich zu sprechen, so dass man ihm in der Regel wirklich gut folgen kann.
Praktische Tätigkeiten sind i.d.R. nicht Teil der Famulatur. Stattdessen schaut man den Ärzten zu (z.B. ZVK legen, Intubation, Tracheostomie etc.), läuft bei der Visite mit und kann sich selbstständig die Patientenakten ansehen. Unsere "Arbeitszeiten" waren montags bis freitags von 16 bis 20 Uhr. An manchen Tagen waren nur wenige Patienten da, dann war die Visite recht schnell vorbei, und Dr. Llano vor allem mit Briefen und Berichten beschäftigt, was für uns manchmal ein bisschen langweilig wurde. An anderen Tagen war dafür wieder recht viel los, es gab viele Neuzugänge zu besprechen, wir konnten viele Sachen sehen und durften einmal auch bei einer OP zusehen.
Wenn man viel praktisch machen bzw. lernen möchte, ist die Famulatur im Hospital Ingles wahrscheinlich nicht das Richtige. Was mir persönlich aber sehr gut gefallen hat war zum einen das wirklich unglaublich gute und entspannte Arbeitsklima auf der Intensivstation. Alle, ganz egal, ob Ärzte, Schwestern oder Pfleger, waren immer sehr freundlich. Man hatte nie das Gefühl, zu stören oder irgendwie fehl am Platz zu sein. Fragen wurden immer gerne und ausführlich beantwortet.
Interessant war außerdem das doch sehr andere Krankheitsspektrum. Wir sahen zum Beispiel einige Patienten mit Tuberkulose.
Mit Dr. Llano lernt man außerdem theoretisch wahnsinnig viel. Regelmäßig führt er Doppler-Sonos der Hirngefäße, Echos und Abdomen-Sonos durch, bei denen man zuschauen darf und wobei er auch immer gerne erklärt.
Ich persönlich habe auch die physiologischen Veränderungen sehr interessant gefunden, die sich aufgrund der Höhe in Quito ergeben und die Dr. Llano gerne anspricht und erklärt.
Spannend und auch ein Hauptgrund, warum ich gerne eine Famulatur im Ausland machen wollte, war außerdem der Einblick in das Gesundheitssystem eines anderen Landes. Auch wenn das Hospital Ingles ein privates Krankenhaus ist und für ecuadorianische Verhältnisse sicherlich überdurchschnittlich gut ausgestattet ist, hat man die Unterschiede zu Deutschland doch deutlich gemerkt. Bevor zum Beispiel eine Trachestomie durchgeführt werden konnte, musste zuerst überprüft werden, ob überhaupt noch ein Tracheostomie Besteck vorhanden ist.

Land und Leute

Unter der Woche waren wir vor der Famulatur oft noch in Quito unterwegs, haben uns die Stadt angesehen, sind Kaffee trinken und einkaufen gegangen und mit dem Teleferico auf den Pichincha gefahren. Quito ist eine riesige und wahnsinnig langgezogene Stadt und sicherlich nicht die schönste Großstadt. Trotzdem kann man hier viel machen, es gibt ein gutes Kulturprogramm mit vielen Konzerten und Theateraufführungen und die Altstadt mit ihren vielen schönen Gebäuden im Kolonialstil ist sicherlich sehenswert.
Auch die Sprachlehrerinnen Martha und Lusmilla geben sich große Mühe, ihren Sprachschülern Ecuador näher zu bringen und unternehmen gerne Ausflüge, z.B. zum Schokolade trinken in die Altstadt Quitos, zum Mitad del Mundo, auf den Panecillo, ins Kino der technischen Universität oder zum Wandern in der näheren Umgebung von Quito.
An den Wochenenden sind wir oft in Ecuador gereist und haben uns zum Beispiel Otavalo (ein Dorf in dem samstags ein großer Markt stattfindet, ca. 2,5 h von Quito entfernt), Quilotoa (ein Kratersee auf ungefähr 3700m Höhe um den man auch wandern kann, ca. 4h von Quito entfernt) und Papallacta (Thermen, ca. 1,5h von Quito entfernt) angesehen. Reisen in Ecuador ist aufgrund der gut ausgebauten Busnetze und der großen Auswahl an Hostels wirklich leicht und günstig. Ich hatte Glück, dass ich gleichzeitig mit anderen sehr netten Famulanten unterwegs war, was das Reisen und die gesamte Zeit in Ecuador sicherlich noch schöner gemacht hat.
Nach der Famulatur hatte ich noch zwei Wochen Zeit zum Reisen. Ich bin dann noch auf die Galapagosinseln geflogen und habe eine Dschungel Tour im Cuyabeno Reservat gemacht. Das war beides sehr schön und sehenswert. Die Galapagos Inseln waren dabei definitiv mein Highlight. Mit ihrer unglaublichen Artenvielfalt und der gleichzeitig doch recht kargen Landschaft wirken sie wie von einer anderen Welt und sind auf jeden Fall eine Reise wert.
Gerne wäre ich noch im El Cajas Nationalpark wandern gegangen, dazu hat dann aber leider die Zeit nicht mehr ausgereicht - vielleicht beim nächsten Mal :).
Ecuador ist ein tolles Land. Die Leute sind alle sehr freundlich und hilfsbereit, ohne jedoch aufdringlich zu sein. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich mit ihren vier "Bereichen": der Küste, der Sierra, dem Dschungel und den Galapagos Inseln.
Das Essen in Ecuador ist in Ordnung, wird aber wahrscheinlich nicht meine neue Lieblingsküche. Es gibt vorzugsweise Fleisch, vor allem Huhn, mit Reis oder/und Kartoffeln. Empfehlenswert sind die Mittagsmenüs ("Almuerzos"), die ca. 3$ kosten und immer aus einer Suppe und einem Hauptgericht bestehen.

Fazit

Meine Erwartungen wurden auf alle Fälle erfüllt, die Zeit in Ecuador war eine tolle Erfahrung. Es sollte einem jedoch bewusst sein, dass das Angebot der Atahualpa Sprachschule (Sprachkurse, Unterbringung in einer Gastfamilie bzw. in einem Apartment) für ecuadorianische Verhältnisses wirklich sehr teuer ist. Sicherlich ist es auch möglich, alles vor Ort selbst zu organisieren, allerdings ist das dann mit etwas mehr Aufwand verbunden.

Insgesamt würde ich auf diese Erfahrung aber nicht verzichten wollen!

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