zurück

Institute for Indian Mother and Child (Indien)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Paula, Köln

Motivation

Ich wollte schon immer einmal nach Indien reisen und da kam es mir sehr gelegen, die Reise mit einer Praktikumserfahrung zu erweitern.

Vorbereitung

Da ich schon einige Auslandserfahrungen gesammelt hatte, habe ich kein Vorbereitungsseminar besucht und habe mich in Kalkutta auch direkt gut eingelebt. Über die bvmd und das IIMC habe ich ein Letter of Acceptance bekommen, in dem alle wichtigen Infos standen.

Visum

Für das Projekt musste ich ein Tourist Visa beantragen. Das ist in Form eines E-Visas möglich und kann auf folgender Seite beantragt werden: https://indianvisaonline.gov.in/evisa/tvoa.html.

Gesundheit

Alle Standard-Impfungen, die in Deutschland empfohlen sind habe ich auffrischen lassen. Eine Tollwut-Impfung ist in Kalkutta nicht zwangsläufig notwendig, aber ich habe es sicherheitshalber impfen lassen. Eine Reiseapotheke kann helfen bei Magen-Darm Beschwerden oder Fieber. Meine Auslandskrankenversicherung lief über den ADAC und das kann ich jedem empfehlen.

Sicherheit

Generell habe ich mich in Indien sehr sicher gefühlt. In dem Projekt waren wir ständig in einer Gruppe unterwegs und ich habe mich überall sehr wohl gefühlt. Ob man als Mädchen alleine reisen möchte muss jede für sich selbst entscheiden. Generell habe ich mich tagsüber überall auch alleine als sicher gefühlt.

Geld

in Indien wird mit Rupees bezahlt (1€=78 Rupees). Am besten zahlt man in bar. Bei manchen Banken kann man im Ausland mit der VISA-Karte umsonst abheben. Manche Automaten funktionieren in Indien nicht, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen ;) Die Lebenshaltungskosten hängen sehr vom eigenen Standard ab. Man kann sehr günstig in Indien leben wenn man möchte.

Sprache

Mit Englisch kommt man in Indien schon sehr weit, wobei man im Alltag mit den Patienten an seine Grenzen stößt. Dafür lohnt es sich ein paar Sätze auf Bengali einzuprägen. Das Projekt bietet auch einige Bengali Stunden in der ersten Woche.

Verkehrsbindungen

Wenn man früh genug bucht kann man für 500 Euro nach Kalkutta fliegen. Die Anreise hat bei mir super geklappt und ich wurde direkt vom Flughafen abgeholt. Mit dem Nachtzug kann man während des Projekts für ein Wochenende nach Darjeeling oder Varanassi fahren. Das lohnt sich sehr :) Mit der Metro und dem Tuktuk kann man sehr günstig in die Indoor Klinik fahren. Mit der UBER App kann man überall sicher und günstig hinkommen.

Kommunikation

Für etwa 1,50 € kann man sich eine SIM-Karte kaufen mit der man täglich 1 GB Internet verbrauchen kann. Die Internetverbindung ist meist auch sehr gut. Die Kommunikation mit der Heimat ist daher sehr unkompliziert.

Unterkunft

Das IIMC stellt ein Guesthouse bereit, in dem man mit allen anderen Freiwilligen unterkommt. Es hat eine eigene Küche, in der man sich selber das kochen kann worauf man am meisten Lust hat. Die hygienischen Standards liegen an der Gruppe und könnten manchmal besser sein. Ich habe mir das Zimmer mit 3 anderen Freiwilligen geteilt und mich dort sehr wohl gefühlt. Es kann sein, dass man sich erst ein paar Tage dran gewöhnen muss.

Literatur

Das Buch "Wo es keinen Arzt gibt" kann helfen um zu lernen, wie man mit bestimmten Krankheiten umgeht, wenn es nicht viele Versorgungsmittel gibt. Die Homepage des IIMC hat mir geholfen zu verstehen wie das Projekt funktioniert.

Mitzunehmen

Am besten so wenig einpacken wie möglich und alles da kaufen :) Stethoskop, Desinfektionsmittel und Nitrilhandschuhe (2 Pakete) sollte man einpacken. Für die Kinder kann man z.B. Seifenblasen, Stifte und Malblöcke mitbringen.

Reise und Ankunft

Eine Woche vor der Ankunft sollte man bescheid sagen, wann man landet. Das IIMC kümmert sich um einen Fahrer, der einen tagsüber am Airport abholt und direkt in die Klinik oder in das Guesthouse bringt. Wenn man möchte kann man direkt im Projekt starten. Die Anmeldung erfolgt in der Indoor-Klinik.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Das Institute for Indian Mother and Child ist sehr vielfältig. Man kann täglich eine Outdoor-Klinik besuchen und dort Wundversorgung machen, Blutdruck messen und Injektionen geben. In der Indoor Klinik kann man Beim Nutritional Program helfen und dort Nahrungsergänzugsmittel für kinder verpacken. Man kann täglich die Kinder im Kindergarten und die Kinder im Handicap-Center besuchen. Noch nützlicher als das medizinische Programm, fand ich das Empowerment Programm für die Frauen der ländlichen Regionen. Ich würde jedem empfehlen einmal das Microcredit-Program zu besuchen und einen Women Peace Council Besuch mitzunehmen.
Außerdem lohnt es sich ein Projekt in der Schule zu machen. Die Kinder freuen sich sehr und wenn man tatsächlich etwas Nützliches zur Bildung beitragen kann, hilft das mehr als die Wunden zu versorgen. Man kann in Indien manchmal an seine Grenzen stoßen, da die hygienische Aufklärung an einem ganz anderen Punkt ist als in Deutschland. Manchmal kann es frustrierend sein, da man nicht allen Menschen dort auf fundamentale Weise helfen kann. Dennoch ist es die Erfahrung wert, wenn man Lust hat anders auf unsere luxuriöse westliche Welt zu blicken. Wenn man offen und interessiert in das Projekt geht wird man viel für sich selbst lernen und ein paar Dinge für seine berufliche Karriere. Wenn man nur am medizinischen Tätigkeiten interessiert ist, eignet sich vielleicht besser eine anderes Projekt in einem Krankenhaus. Wenn man an eine sozialen Komponente mit medizinischer Tätigkeit kombinieren möchte, würde ich das IIMC jedem ans Herz legen.

Die Organisation kommt den Freiwilligen sehr entgegen und es wird extra ein Fußballmatch mit Schulkindern, ein Kochkurs, ein Abendessen und Bengali-Stunden organisiert. Wenn man möchte hat man den ganzen Tag eine Aufgabe und die Zeit vergeht wie im Flug. Wieviel Mühe man in das Projekt investiert ist jedem selbst überlassen, aber es lohnt sich Eigeninitiative zu ergreifen. Meistens dauern die Dinge länger und Terminabsprachen werden selten eingehalten, aber es bringt nichts sich darüber zu ärgern. stattdessen empfehle ich jedem die relaxte Einstellung mit nach Deutschland zu bringen. Wenn es mal nicht so läuft wie geplant, passiert meistens auch nichts dramatisches.

Bei medizinische Fragen sollte man sich am besten mit den anderen Freiwilligen austauschen und in der Outdoor-Klinik die Universitäts-Ärzte fragen. Die Gynäkologen haben sehr viel Ahnung und erklären auch gern Symptome und Behandlungsweisen. Fragt gern nach und seid geduldig, wenn Dinge länger dauern als geplant.

Land und Leute

Während des Monats hat jeder die Möglichkeit ein Wochenende frei zu haben und das habe ich in Drajeeling, einer Bergregion im Himalya, verbracht. Das kühle Klima dort bietet eine angenehme Abwechslung zum feucht-warmen Kalkutta. Darjeeling ist eine sehr schöne Stadt und eignet sich wunderbar zum Sonnenaufgang überm Himalya, Teeplantagen besichtigen, ausspannen und shoppen. Ein kleiner Trek durch die Berge hat mir persönlich am besten gefallen. Man kann eine tour von Kalkutta aus planen (z.B. mit long walks adventure). Man kann gut mit dem Nachtzug hin und zurückkommen. Andere Gruppen sind nach Varanassi gefahren und ihnen hat es gut gefallen. Es ist das "echte" Indien, das man dort zu Gesicht bekommt. Ich selbst war nicht da.

Während des Aufenthalts hat außerdem jeder die Möglichkeit ein paar Tage in Dhaki zu verbringen, ein Ort nahe de Dschungels. Es ist ein sehr entspannter Ort und auch dort kann man Schulen, Kliniken und Frauengruppen treffen. Die Leute dort sind alle überaus freundlich und freuen sich über die Gäste. Falls man Fragen über die Kultur hat, kann man am besten Shamol fragen, der euch dort betreuen wird. Ein sehr netter Mensch.

Es können Zeiten kommen, in denen man sich ein Käsebrot oder eine Brühe wünscht :) Die indische Küche ist nicht für jeden Magen etwas. Ich hatte keine Probleme, aber es kann durchaus vorkommen, dass das Essen einem auf den Magen schlägt. Nicht verunsichern lassen, sondern weitermachen. meistens geht es nach einem Tag schon wieder besser und nach 2-3 Tagen ist man wieder fit.

Für manche Freiwillige sorgt der stressige Verkehr mit ständigem Hupen, der Dreck auf den Straßen, die Armut der Bevölkerung, die Sprachbarriere und die Kommunikationsschwierigkeiten für einen Kulturschock in den ersten Tagen. Es ist am Anfang sehr viel und es dauert seine Zeit, sich an alles zu gewöhnen, doch am Ende vermisst man vielleicht die eine oder andere Sache, bei der man anfangs Schwierigkeiten hatte sie anzunehmen. Wir waren insgesamt 24 Freiwillige, die alle das gleiche durchmachen. Es hilft sich gegenseitig auszutauschen und zu unterstützen. Ihr werdet dort wie eine Familie sein und viel Spaß zusammen haben :)

Mittags kann man gut in der Nähe der Indoor-Klinik essen gehen. Das Essen bei Triptis ist abwechslungsreich, lecker und günstig. Man kann auch in der Indoor-Klinik selbst essen gehen. Das essen dort ist noch günstiger, aber nicht sehr abwechslungsreich.

In Kalkutta kann man gut shoppen gehen. Der Dakshinapan Shopping Complex hält für jeden etwas bereit und man kann dort entspannt Mitbringsel einkaufen.

Fazit

Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte und würde jedem empfehlen einen Monat im IIMC zu verbringen, der Lust auf Indien, Abenteuer, Kinder, medizinische Versorgung in einer ärmeren Umgebung und Leute aus aller Welt hat.

zurück