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Argentinia (IFMSA-Argentinia)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Anna, Regensburg

Motivation

Ein anderes Land kennenlernen... mit seiner Kultur, Sprache und seinem medizinischen System.

Vorbereitung

Ich habe keinen speziellen Vorbereitungskurs besucht. Da ich bereits Kurse in Innerer Medizin in der Uni hatte, bin ich davon ausgegangen, dass das dort erworbene Wissen für die Famulatur ausreichen sollte. Ich habe in der Zeit vor der Famulatur jedoch noch intensiv an meinen Spanischkenntnissen gearbeitet, da ich davon ausgegangen bin, dass mir der Monat umso mehr bringen würde, je besser mein Spanisch vorher schon ist. Dies hat sich als absolut wahr herausgestellt und dementsprechend froh war ich, dass ich die Zeit vorher investiert habe und kann auch nur jedem dazu raten, das gleiche zu tun.

Visum

Ich habe kein Visum benötigt. Mit dem deutschen Reisepass kann man für 90 Tage einreisen, so lange man nicht entgeltlich arbeitet.

Gesundheit

Da ich durch vorherige Reisen bereits sehr viele Impfungen hatte, musste ich in dieser Hinsicht nichts mehr ergänzen, ich würde aber jedem empfehlen sich diesbezüglich vorher gut zu informieren. Man sollte sich auch dessen bewusst werden, dass es in Argentinien durchaus Krankheiten gibt, die wir in Deutschland so nicht kennen. Sehr häufig ist zum Beispiel Tuberkulose und auch Krankheiten wie Lepra gibt es noch (auch wenn ich selbst keinen Patienten mit Lepra erlebt habe, da man bei der Famulatur in privaten Krankenhäusern arbeitet und diese Patienten eher in den gesetzlichen Krankenhäusern sind).

Sicherheit

Die Sicherheitssituation in Argentinien ist eine andere als in Deutschland. In der Stadt, in der ich war (Tucumán), wurde mir von den Einheimischen strikt davon abgeraten außerhalb des absoluten Zentrums nachts (vor allem zwischen 22 und 7 Uhr) alleine durch die Stadt zu laufen und selbst nehmen sie auch eher ein Taxi. Das hinterlässt zwar ein mulmiges Gefühl, tagsüber habe ich mich jedoch sicher gefühlt.

Geld

Gezahlt wird mit dem Argentinischen Peso. Wirtschaftlich ist Argentinien momentan sehr schwach und die Inflation enorm, weshalb es für Europäer derzeit relativ günstig ist. Verglichen mit anderen lateinamerikanischen Ländern zwar eher teurer, aber billiger als Deutschland. WICHTIG: An Bankautomaten in Argentinien wird von der argentinischen Bank ausnahmslos eine Gebühr berechnet. Diese liegt zwischen 5 und 10 Euro und hat es damit ganz schön in sich. Und das auch dann wenn eure deutsche Bank nichts für das Abheben berechnet. Der einzige Weg, dies zu umgehen ist Euros zum Wechseln mitzunehmen oder sich über Western Union Geld schicken zu lassen.

Sprache

In erster Linie wird Spanisch gesprochen. Manche Argentinier können etwas Englisch, aber im Krankenhaus wurde die ganze Zeit Spanisch gesprochen. Es lohnt sich also dieses vorher so gut wie möglich zu lernen. Auch zu bedenken ist die Verwendung des vos und der argentinische Akzent, der sich sehr von anderen unterscheidet, an den man sich aber schnell gewöhnt.

Verkehrsbindungen

Für Reisen innerhalb Argentiniens gibt es vor allem die Möglichkeit von Langstreckenbussen, die bezahlbar, komfortabel und auch relativ pünktlich sind. Die Alternative ist Fliegen, weil die Strecken teilweise schon sehr lang sind. Innerhalb der Städte verkehren Busse und teilweise U-Bahnen, für die man meist eine Karte besorgen muss, auf die man Geld aufladen kann, das ist jedoch ohne Probleme möglich und günstig.

Kommunikation

Meine Gastschwester hatte Internet und auch in vielen Cafés gibt es WLAN. Außerdem habe ich mir eine argentinische Sim-Karte besorgt. Diese war sehr nützlich, weil ich damit auch mobile Daten hatte und zum Beispiel auf Google Maps nach dem Weg suchen konnte, was auch aus Sicherheitsgründen oft sinnvoll war.

Unterkunft

Ich habe mir mit einer Medizinstudentin ein Zimmer geteilt. Sie war sehr nett, wir haben uns gut verstanden und sie hat mir bei allem geholfen. Ich konnte Küche und alles mitbenutzen und sie hatte sogar eine Waschmaschine. Die anderen Freiwilligen in Tucumán sind meist bei Familien anderer Medizinstudenten untergekommen.

Literatur

Ich habe einen Reiseführer dabei gehabt. Ansonsten habe ich vor allem versucht, mich ein bisschen über die Kultur einzulesen und in den Akzent einzuhören. Ich kann aber keine bestimmten Internetseiten oder Bücher empfehlen.

Mitzunehmen

Ich hatte einen Kittel, das Logbook und mein Stethoskop dabei. Mehr braucht man auch nicht, wer hat kann jedoch noch einen Kasack mitbringen. Die Ärzte tragen keine weißen Hosen, was das angeht könnt ihr also jede beliebige Hose anziehen.

Reise und Ankunft

Ich bin von Buenos Aires nach Tucumán mit dem Bus gefahren und wurde am Bushafen von meiner Gastschwester und dem LEO empfangen und wir sind gleich zusammen zu ihrer Wohnung gefahren. Ich habe einen Schlüssel für ihre Wohnung bekommen und sie hatte schon ein Busticket für mich organisiert. Abends sind wir noch mit anderen von der Organisation in eine Bar gegangen, sodass ich gleich ein paar Leute kennenlernen konnte. Insgesamt war der Empfang sehr herzlich und gut organisiert. Am nächsten Tag haben mich die beiden zum Krankenhaus begleitet, damit ich mich vorstellen konnte und auch dort wurde ich sehr herzlich empfangen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Mein Tag begann immer um 7:30 mit der Frühbesprechung. Die Ärzte des Nachtdienstes haben alle Patienten vorgestellt, dann wurden sie auf die Assistenzärzte aufgeteilt und es wurde die Visite gemacht. Dabei habe ich mich immer einfach einem der Assistenzärzte angeschlossen. Ich durfte zwar eigentlich nichts selbstständig machen, aber sie haben mir viel erklärt und mich bei der körperlichen Untersuchung mithelfen lassen. Danach wurden vor allem Arztbriefe geschrieben, Labors angefordert und so weiter, wobei ich nicht viel tun konnte außer mitlesen, weshalb ich die Zeit meist zum Spanisch lernen genutzt habe. Gegen 13 Uhr haben sich wieder alle getroffen, zusammen zu Mittag gegessen und währenddessen wieder alle Patienten durchgesprochen. Nach dieser Mittagsbesprechung konnte ich dann gehen, das war meist etwa gegen 15 Uhr. Die Schichten waren so organisiert, dass nach der Mittagsbesprechung nur noch zwei Assistenzärzte, die des Nachtdienstes bleiben, die also von 7:30 des einen Tages bis circa 14 Uhr des Folgetages arbeiten. Als Famulant muss man keine Nachtschicht mitmachen. Wenn man jedoch möchte, darf man gerne. Ich habe eine Nacht lang mitgearbeitet und muss sagen, dass es sich sehr gelohnt habe, einmal wegen der Erfahrung und auch deswegen, weil ich in der Zeit super viel gelernt habe, einfach weil weniger Personal da war.
Beeindrucken fand ich, dass sowohl Assistenzärzte als auch Chefärzte immer bemüht waren, ihr Wissen zu erweitern. So gab es viele Vorträge und Treffen auch zwischen den verschiedenen Fachrichtungen und während der Übergaben wurden die Patientenfälle auch immer genutzt, um vor allem den Assistenzärzten das Wissen an die Hand zu geben, das sie im Alltag brauchen um die Patienten adäquat zu behandeln und nichts zu übersehen. Dabei konnte auch ich viel lernen.
Den Umgang mit den Patienten habe ich als etwas näher als in Deutschland empfunden. Die Ärzte haben keine Berührungsängste und setzen viel Wert auf die körperliche Untersuchung, was die Patienten nach meinem Gefühl als angenehm empfanden.
Einfach nur um einen kurzen Einblick zu bekommen habe ich auch einen Vormittag in der Pädiatrie und einen in der Chirurgie vorbeigeschaut, was ich sehr empfehlen kann, einfach um zu sehen, wie es so abläuft. Im Endeffekt war ich jedoch sehr froh, dass ich in der Inneren und nicht in der Chirurgie gelandet bin, weil die Famulanten dort wirklich nur zuschauen durften. Ich weiß jedoch nicht, ob das ein Einzelfall ist.
Was ich gerne noch gesehen hätte wäre ein staatliches Krankenhaus gewesen, was leider zeitlich nicht mehr geklappt hat. Die besseren Zimmer in den privaten Krankenhäusern sind wie in Deutschland. Es gibt jedoch große Unterschiede und durchaus auch sehr alte kleine Zimmer, an denen mich vor allem gestört hat, dass sie unglaublich dunkel waren. Ansonsten ist die Behandlung aber sehr ähnlich der in Deutschland, auch wenn für teure Untersuchungen oder Medikamente natürlich leider teilweise nicht das Geld da ist. Die Ausbildung der Ärzte ist aber die gleiche und sie haben mich mit ihrem Wissen und ihrer Arbeitsmoral sehr beeindruckt.

Land und Leute

Argentinien ist ein unglaublich vielseitiges Land in jeder Hinsicht. Auf den ersten Blick wirkt es teilweise sehr ähnlich wie Europa, wenn man aber genauer hinschaut, merkt man an vielen Punkten, dass es nichtsdestotrotz ein sehr armes Land ist und die sozialen Unterschiede riesig sind.
Derzeit befindet sich Argentinien wirtschaftlich in der absoluten Krise, was vielen Argentiniern große Sorgen macht. Es gibt viele Probleme mit Kriminalität und viel Unzufriedenheit mit dem politischen System. Medizinisch auch ganz interessant finde ich eine sehr starke feministische Bewegung, die derzeit sehr aktiv ist und die Abtreibung legalisieren möchte. Derzeit ist Abtreibung in Argentinien noch illegal, weshalb die Ärzte auch nicht darin ausgebildet werden, was dazu führt, dass es für die Frauen, die heimlich eine Abtreibung vornehmen lassen, unglaublich gefährlich werden kann. Wer sich dafür interessiert: das Erkennungszeichen der Befürworter der Bewegung ist ein grünes Tuch. Das Thema wird vor allem auch unter Medizinstudenten unglaublich viel diskutiert. Falls ihr also nach Argentinien geht, bildet euch vorher eine Meinung dazu, denn ihr werden mit Sicherheit danach gefragt.
Die Menschen in Argentinien sind meist sehr herzlich. Man begrüßt sich selbst unter Kollegen mit Kuss auf die Wange. Insgesamt waren meine Erfahrungen mit den Menschen in Argentinien sehr gut. Und die Leute der Organisation in Tucumán waren wirklich super. Ich wurde oft auch einfach auf Geburtstage oder ähnliches eingeladen und war eigentlich wenig allein.
Zum Reisen ist das Land auch wunderschön. Ich kann nur vom Norden des Landes sprechen, aber vor allem die Region um Jujuy fand ich atemberaubend und ich habe die Zeit sehr genossen. Die Natur ist wunderschön und nicht mit Deutschland zu vergleichen und es gibt auch sehr viele interessante archäologische Stätten und Museen, die einen Besuch wert sind Deswegen bin ich unglaublich froh, dass ich den Flug so gebucht habe, dass ich vorher und nachher noch ein paar Wochen Zeit hatte um einfach das Land kennenzulernen, denn es ist so vielfältig und innerhalb von ein paar Stunden Busfahrt können sich die Landschaft, die Kultur, der Akzent der Leute und das für die Region typische Essen komplett verändern.
Apropos Essen: Wir haben einen internationalen Abend veranstaltet mit allen Famulanten und den Argentiniern, die in der Organisation aktiv sind und jeder hat etwas aus seinem Land gekocht und danach wurde getanzt (es gibt richtig coole Folklore Musik und Tänze, die in Argentinien unglaublich beliebt sind). Es war ein wunderschöner Abend und man hat noch mal andere Seiten des Landes kennengelernt.
An den Wochenenden bin ich in der Stadt geblieben und habe mich mit Leuten getroffen, die ich dort kennengelernt habe und für mich war das auch genau das Richtige. Wenn ihr die Zeit habt, um danach noch zu reisen würde ich es auch sehr empfehlen einfach die Zeit dort zu verbringen, weil man so einfach ganz anders ankommt. Wenn das allerdings die einzige Chance ist zu reisen, würde ich die Möglichkeit auf jeden Fall nutzen, denn es lohnt sich wirklich.

Fazit

Ich bin sehr froh über die Erfahrungen, die ich während der Zeit machen konnte und ich glaube, ich habe viel gelernt. Ich könnte mir nicht vorstellen dauerhaft in Argentinien zu leben, das liegt aber vor allem daran, dass ich seitdem die Sicherheitssituation in Deutschland erst recht als Frau sehr zu schätzen weiß und dieses Privileg für nicht viel aufgeben würde. Aber ich hatte eine gute Zeit in Argentinien, für die ich sehr dankbar bin.

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