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Costa Rica (ACEM)

Dermatologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Natalie, Erlangen

Motivation

Bereits seit langer Zeit hatte ich den Wunsch, eine Famulatur in einem spanischsprachigen Land zu verbringen, um meine Sprachkenntnisse aufzubessern und einen Einblick zu bekommen, wie der Krankenhausalltag in einem anderen Land aussieht. Costa Rica schien mir dafür das perfekte Ziel zu sein, da das Gesundheitssystem einen hervorragenden Ruf genießt und das Land ein wunderschönes Reiseziel darstellt.

Vorbereitung

Wichtig im Vorfeld war die Sprachvorbereitung. Ich hatte Spanisch bereits in der Schule und habe meine Kenntnisse in einem Spanischkurs an der Uni sowie mit einem Tandemparnter aufgefrischt. Nach der Zusage der bvmd hatte ich ein Skype Interview mit der NEO-In in Costa Rica. Das Gespräch war sehr entspannt und ich konnte dort schon einige Fragen stellen.

Visum

Deutsche, die einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen in Costa Rica haben, benötigen kein Visum. Lediglich im Flugzeug muss man einen kleinen Fragebogen ausfüllen und am Flughafen abgeben.

Gesundheit

Die Caja Social, also die Krankenkasse in Costa Rica verlangt von allen Studenten im Krankenhaus den Nachweis folgender Imfungen, bzw. den Titer von: Mumps, Masern, Röteln, Varizellen, Tetanus, Pneumokokken 13 valent, Hepatitis B und Influenza.
Aufgrund der Saison war in meinem Fall kein Influenza-Impfstoff verfügbar, was jedoch nach Absprache mit der NEO-In kein Problem war.
Die Tollwutimpfung bleibt natürlich jedem selber überlassen, allerdings muss einem klar sein, dass man sehr, sehr vielen wilden Tieren über den Weg läuft (oder die Tiere laufen über einen drüber, wie in meinem Fall ein Waschbär am Strand von Manuel Antonio). Ich selber habe mich also für die Impfung entschieden.

Sicherheit

Costa Rica ist ein relativ friedliches Land, gerade im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern. Einige grundsätzliche Regeln sollte man dennoch befolgen, um auf der sicheren Seite zu sein. Mir wurde beispielsweise empfohlen, den Reisepass nur als Kopie mitzunehmen, bestimmte Teile der Hauptstadt San José zu meiden und nachts nicht alleine unterwegs zu sein. Wenn man diese Sicherheitshinweise befolgt, steht einer sicheren Reise nichts im Wege. Zum Zeitpunkt meiner Famulatur gab es allerdings einen Streik im ganzen Land, der alles ein bisschen verkompliziert hat. Teilweise wurden Straßen gesperrt, Busse sind ausgefallen und mir wurde geraten, bestimmte Regionen nicht zu bereisen. Größere Ausschreitungen oder Zwischenfälle gab es jedoch nicht.

Geld

Die Währung in Costa Rica ist der Colon (CRC), in vielen touristischen Gebieten wird auch der US-Dollar akzeptiert. Vielerorts kann man mit Kreditkarte zahlen und Geldautomaten gibt es genügend. Möchte man Geld umwechseln, empfiehlt es sich, dies in einer Bank zu tun und nicht direkt am Flughafen, wenn man es umgehen kann. Die Preise für Lebensmittel sind vergleichbar mit denen in Deutschland. Was einem klar sein muss, ist, dass die Leute dort vom Tourismus leben und die Preise für die Nationalparks, Aktivitäten, etc. relativ hoch sind.

Sprache

Voraussetzung für den Austausch ist ein gutes Spanischniveau, sonst nimmt man nicht so viel mit aus der Famulatur. Es gibt zwar einige Leute, die Englisch sprechen, darauf würde ich mich aber nicht verlassen. Aus diesem Grund findet vorher auch ein Skype Interview mit der Koordinatorin vor Ort statt. Das costaricanische Spanisch unterscheidet sich in einigen Punkten vom Spanisch, das man hier in der Schule lernt. Es ist jedoch nicht zwingend notwendig, sich speziell darauf vorzubereiten, da das Costaricanisch trotzdem sehr gut zu verstehen ist.

Verkehrsbindungen

Ich bin während meiner Famulatur viel Bus gefahren. Die Preise hierfür sind sehr günstig, allerdings gibt es meist keine Fahrpläne und vor allem am Anfang erscheinen einem die öffentlichen Verkehrsmittel sehr chaotisch. Der Busfahrer wartet einfach so lange, bis der Bus einigermaßen voll ist und fährt dann los. Man sollte also immer genug Zeit einplanen für die Anreise und auch hier sollte das Sprachniveau soweit ausreichen, dass man sich auf Spanisch durchfragen kann, wo die Bushaltestellen sind und wohin der Bus überhaupt fährt. Ab San José gibt es Fernbusse zu allen Destinationen, andernorts kann es sich schwieriger gestalten, eine passende Busverbindung zu finden. Für diesen Fall gibt es private Shuttleservice, die allerdings viel teurer sind und an vielen Orten Uber .

Kommunikation

Ich konnte das WLAN der Gastfamilie nutzen, außerdem gibt es überall kleine Kioske, an denen man sich sehr günstig Prepaidkarten fürs Handy holen kann. Es ist nicht unüblich, die Handynummer mit den Ärzten auszutauschen, sodass man sich auch bei Fragen oder Unklarheiten über Whatsapp austauschen konnte.

Unterkunft

Untergekommen bin ich bei einer Gastfamilie, die mir ein eigenes Zimmer zur Verfügung gestellt hat. Meine Gastmutter war 3 Jahre älter als ich, selber Medizinstudentin und Mutter von 2 Kindern. Ich hätte mir keine bessere Gastfamilie wünschen können! Sie haben mir bei so vielem geholfen, sodass ich mich einfach nur wohlgefühlt habe. So haben sie mich zu ihren Wochenendaktivitäten eingeladen, oder die Gastmutter hat mich am ersten Tag ins Krankenhaus begleitet, um mir alles zu zeigen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Literatur

Im Vorhinein habe ich mich nur über das Nötigste informiert, wie z.B. die Visumbestimmungen sind, wie das Gesundheitssystem ist oder wie das Wetter ungefähr ist. Den Rest konnte ich im Skype Interview oder vor Ort erfragen.

Mitzunehmen

Da ich in der Regenzeit da war, ist ein Regenschirm ein absolutes Muss. Grundsätzlich ist es so, dass vormittags meist gutes Wetter ist und nachmittags irgendwann der Regen einsetzt. Von Sonnencreme und Badeklamotten bis hin zur Regenjacke und Klamotten für die kühleren Nächte sollte man also alles dabei haben.
Fürs Krankenhaus sollte ich meine eigenen Klamotten, sowie Kittel selber mitbringen. Als Ausweis nutzen die Studenten im Krankenhaus immer den Studentenausweis. Da im Krankenhaus kaum Desinfektionsmittel zu finden sind, sollte man am besten selber etwas in der Kitteltasche parat haben.

Reise und Ankunft

Unerwarteterweise hatte mir das ursprüngliche Krankenhaus in der Hauptstadt 2 Tage vor meiner Abreise abgesagt, sodass ich letztendlich ins Ungewisse geflogen bin. Ich hatte lediglich die Aussage der Koordinatorin in Costa Rica, dass ich trotzdem fliegen soll und sie das irgendwie lösen. Letztendlich hat dann auch alles geklappt und ich habe in der letzten Minute einen Platz in einem Krankenhaus in Heredia bekommen. Am Freitag vor Famulaturbeginn bin ich also am Flughafen in San José angekommen und wurde von meinen Gasteltern abgeholt, die mich auch direkt am Wochenende zur Familienfinka an die Pazifikküste mitgenommen haben. Meine Gastmutter war so nett und begleitete mich am ersten Tag ins Krankenhaus, worüber ich bei der etwas komplizierten Busfahrt zum Krankenhaus sehr dankbar war. Gemeinsam mit der NEO-In konnten wir am ersten Famulaturtag die letzten Unklarheiten klären und meiner Famulatur stand nichts mehr im Wege.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Auf meinen Wunsch hin war ich der Dermatologie zugeteilt. Das Krankenhaus in Heredia ist relativ klein und die Dermatologie hat dort keine Station. Dementsprechend war ich immer entweder bei der ambulanten Sprechstunde mit dabei oder im Operationssaal. Grundsätzlich ist es so, dass man in Costa Rica als Student einem Arzt zugeteilt wird. Da meine zuständige Ärztin jedoch öfters außer Haus war, bin ich letztendlich einfach beim jeweils anwesenden Dermatologen mitgelaufen. Im OP durfte ich teilweise mit an den Tisch und Hautbiopsien machen, sowie nähen, aber der Hauptteil meiner Famulatur bestand aus Zuschauen, was sicherlich auch an der Sprachbarriere lag. Im Alltag bin ich mit meinem Spanisch problemlos zurechtgekommen, aber im Krankenhaus bin ich sprachlich an meine Grenzen gekommen. Umso netter fand ich es, dass mir die Ärzte meistens eine kurze und vor allen Dingen langsame Zusammenfassung der Patientenfälle lieferten.
Nichtsdestotrotz war der Einblick in ein anderes Gesundheitssystem sehr lehrreich für mich. Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass alle Costa-Ricaner krankenversichert sind und Zugang zur medizinischen Versorgung haben, unabhängig von Sozialstatus oder Vermögen.
Das Krankenhaus in Heredia ist erst sechs Jahre alt und machte einen dementsprechend sauberen und modernen Eindruck. Über mein selber mitgenommenes Desinfektionsmittel war ich dennoch sehr froh, da Desinfektionsmittelspender kaum anzutreffen waren.
Den Ärzten, sowie den Studenten wird mittags kostenlos eine warme Mahlzeit in der Mensa zur Verfügung gestellt. Die erste Woche habe ich mein Mittagessen dort bekommen, den Rest der Famulaturzeit war die Mensa leider aufgrund des landesweiten Generalstreiks geschlossen. Auch für die Krankenhausmitarbeiter hatte der Streik weitreichende Konsequenzen. Die Ärzte waren zwar alle anwesend, jedoch beteiligten sich viele Krankenschwestern und Sekretärinnen am Streik, sodass die Ärzte die organisatorische Arbeit mit übernehmen mussten und der Krankenhausalltag ein wenig ins Stocken geraten ist. Zwischen den einzelnen Sprechstundenterminen gab es immer wieder Pausen, in denen man auf die Patienten warten musste. Für mich war es schwierig zu beurteilen, ob das nur am Streik lag, an der Fachrichtung Dermatologie, die ja nun auch in Deutschland dafür bekannt ist, nicht allzu stressig zu sein, oder aber an der Arbeitsweise und Organisation der Krankenhauses. Auf Dauer wäre diese Arbeitsweise sicherlich nichts für mich, da ich lieber beschäftigt bin, als auf Patienten zu warten. Andererseits war es interessant die Gelassenheit der Ärzte zu beobachten. Ich hoffe, dass ich auch im zukünftigen Arbeitsstress etwas von dieser Gelassenheit und positiven Einstellung beibehalten kann.

Land und Leute

Nicht zu Unrecht gehört Costa Rica laut des „Happy Planet Index“ zu einem der fröhlichsten Länder der Welt, wie ich selber feststellen durfte. Ich habe so viel Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft erfahren und habe mich trotz der schwierigeren Startbedingungen mit der Krankenhausabsage nie alleine gelassen gefühlt. Angefangen bei der Gastfamilie, die mich so herzlich aufgenommen hat, über die Koordinatoren, die mehrmals gemeinsame Abende mit mir und den weiteren Auslandsfamulanten organisiert haben, bis hin zu all den Menschen, die mir ständig und überall geholfen haben, wenn ich mal wieder den Weg oder den Bus nicht gefunden habe und stets für ein Pläuschchen bereit waren – ich hatte so viele schöne Begegnungen, sodass man sich von der Offenheit und Freundlichkeit als Deutsche gerne ein oder zwei Scheiben abschneiden kann.
Während der Famulatur habe ich die Wochenenden meist mit meiner Gastfamilie verbracht. Es hat mich sehr beeindruckt, wie wichtig die Familie für die Leute dort ist; solch eine starke Verbundenheit kenne ich bei fast keiner deutschen Familie. Beinahe jeden Tag war die Gastfamilie bei Verwandten und Freunden eingeladen oder anders herum und auch die Wochenenden waren voller Familienaktivitäten. So konnte ich mit an eine Finka an der Pazifikküste, eine einsame Hütte im Wald mit wunderschönem Wasserfall nebenan und ein Weingut, die allesamt einem der vielen Verwandten gehört.
Nach der Famulatur war ich mit meiner Schwester noch zweieinhalb Wochen reisen. Ein Highlight ist dem nächsten gefolgt, da Costa Rica mit seiner Artenvielfalt und atemberaubenden Natur mit Jungle, Ozean, Mangroven, Vulkanen, etc. unglaublich viel zu bieten hat. Vor der Karibikküste hatte mich meine Gastfamilie mehrfach gewarnt, da dies der ärmere Teil des Landes ist, die Kriminalität dort höher ist und der Streik vor allem dort Auswirkungen hatte. Da wir zu zweit unterwegs waren und aufgepasst haben, habe ich mich dennoch sehr sicher gefühlt und konnte in Puerto Viejo, einem hippiemäßigen Aussteigerdorf sehr gut entspannen. Unser nächster Halt war der Tortuguero-Nationalpark, wo wir unter anderem Schildkröten beim Schlüpfen beobachten konnten. Die Liste an Tieren, die wir gesehen haben ist unglaublich lang, fast jeden Tag kam ein neues Tier dazu, das ich sonst nur aus dem Zoo kannte. Dazu gehören beispielsweise Waschbären, Nasenbären, Faultiere, Papageien, Krokodile und jede Menge Affen, wobei ich in deren Anwesenheit tatsächlich Sorge hatte, von ihnen ausgeraubt zu werden, wie es bei vielen anderen Touristen der Fall war.
Eines Tages möchte ich definitiv nochmal hin, dann aber mit einem Mietwagen, da man damit nicht so eingeschränkt ist wie mit öffentlichen Verkehrsanbindungen.

Fazit

Der Auslandsaufenthalt war eine große Bereicherung für mich. Indem man ein Land nicht nur als Tourist besucht, sondern mit Einheimischen zusammenwohnt und arbeitet, bzw. ein Praktikum macht, kann man das Land und die Kultur von einer ganz anderen Seite kennenlernen. Es ist interessant, wie sich auch der Blickwinkel auf die eigene Heimat verändert. Ich weiß Deutschland mit den funktionierenden öffentlichen Verkehrsmitteln, den hygienischen Standards, etc. viel mehr zu schätzen, sehe aber gleichzeitig Dinge, die in Deutschland verbesserungswürdig sind. Die Atmosphäre und der Umgang mit den Kollegen und Patienten im Krankenhaus war so viel entspannter und herzlicher. Ich hoffe, etwas von dieser Herzlichkeit mit nach Deutschland nehmen zu können.

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