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Brazil (DENEM)

Radiologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Nadia, Gelsenkirchen

Motivation

Ich habe eine Famulatur in Brasilien gemacht, weil mich Medizin in anderen Teilen der Welt sehr interessiert. Brasilien habe ich mir ausgesucht, weil ich wusste, dass sich die Medizin und auch das Gesundheitssystem sehr stark von dem hier in Deutschland unterscheidet. Ich erhoffte mir auch, Krankheitsbilder zu sehen, die man in Deutschland und Europa eigentlich gar nicht mehr oder nur sehr selten sieht, entweder weil sie hier nicht existieren oder weil sie schon in frühen Stadien therapiert werden und dann kein größeres Ausmaß annehmen. Oft ist es auch so, dass man in Ländern wie Brasilien viel mehr selbstständig machen darf und so viel mehr mitnehmen kann.
Natürlich war ich auch sehr neugierig auf das Land und die Leute und wollte auch meine Sprachkenntnisse auffrischen und ausweiten.

Vorbereitung

Die Einreise und Vorbereitung für Brasilien ist eigentlich ganz unkompliziert. Wenn man einen deutschen Pass hat, braucht man kein Visum. Ratsam ist es, einen Portugiesisch-Sprachkurs vorher zu machen. Die Ärzte sprechen zwar fast alle englisch, allerdings kann man das von den Patienten nicht behaupten und auch die Ärzte trauen sich nicht immer, einen auf Englisch anzusprechen. Es hilft auch schon wenn man gutes Spanisch kann, damit kann man schon viel verstehen. Man muss sich auch daran gewöhnen, dass die Brasilianer etwas anders arbeiten als hier in Deutschland, d.h. wenn man eine Email hinschreibt kann es entweder mehrere Wochen dauern bis eine Antwort kommt, oder es kommt einfach gar keine ;-)

Visum

Mit einem deutschen Pass ist ein Visum für Brasilien nicht nötig.

Gesundheit

Für Brasilien braucht man eine Gelbfieberimpfung und je nachdem wo man landet oder wo man vielleicht vorher oder nachher rumreist, eine Malaria-Prophylaxe. Die üblichen Impfungen wie Hep A und Hep B sollte man natürlich auch haben.
Eine Auslandskrankenversicherung muss man auch vorher abschließen. Ich empfehle die Krankenversicherung bei der Apobank. Die ist für Studenten kostenlos und total unkompliziert.

Sicherheit

Wenn man an Brasilien denkt, denkt man direkt an Überfälle, bewaffnete Strassengangs und an die Favelas. So habe ich auch gedacht und außer meinem iPad und meinem Handy auch keine weiteren Wertsachen mitgenommen. Ich habe auch nie viel Bargeld mit mir rumgetragen, sondern alles mit Kreditkarte bezahlt, wobei ich zwei mitgenommen habe und eine immer bei mir getragen habe und eine dann zuhause bzw. im Hostel gelassen, für den Fall, dass eine geklaut wird. Es empfiehlt sich auch eine Bauchtasche zu kaufen die eng anliegt und in der Platz für das Handy und die Kreditkarte ist. So hat man immer alles am Körper. Und falls man einen Rucksack trägt würde ich auf jeden Fall ein kleines Vorhängeschloss anbringen.
Die Favelas würde ich auch unter allen Umständen meiden, gerade als Tourist würde ich kein Risiko eingehen. Falls ihr eine Kamera mitnehmen wollt, würde ich die nie sichtbar umhängen lassen, sondern unter dem Pulli tragen.
Wenn man sich an ein paar Regeln hält und seinen gesunden Menschenverstand einschaltet, passiert auch nichts, aber man sollte sich von der Vorstellung verabschieden, dass man sich frei bewegen kann wie in Deutschland. Einsame Orte meiden, nicht spätabends oder nach Mitternacht allein durch die Strassen ziehen und keine wertvollen Gegenstände offen rumtragen. Ich war mit einer Freundin da, und wir wurden nicht ein einziges Mal beraubt oder waren gefährlichen Situationen ausgesetzt, haben uns aber klar an die o.g. Regeln gehalten.

Geld

Die Währung in Brasilien ist der brasilianische Real. Verglichen mit dem Euro ist das super, da ein Euro ungefähr 4 Real sind und somit für uns alles ziemlich günstig ist dort. Wie oben erwähnt, würde ich alles mit Kreditkarte bezahlen, damit man nicht mit viel Geld rumlaufen muss. Anders als in Deutschland kann man wirklich überall mit Kreditkarte bezahlen und auch die kleinsten Beträge. Essen konnte man umgerechnet schon so ab 2-3 Euro und die Portionen sind auch oft riesig.

Sprache

In Brasilien wird portugiesisch gesprochen und die Allgemeinbevölkerung spricht auch eigentlich ausschliesslich portugiesisch. Daher empfiehlt es sich schon eine Portugiesisch-Sprachkurs zu machen. Auch in der Klinik bekommt man einfach mehr mit, wenn man die Sprache versteht. Die Ärzte sprechen aber fast alle englisch und erklären auch relativ viel.

Verkehrsbindungen

Für den Flug nach Brasilien haben wir ungefähr 700€ bezahlt, allerdings sind wir erst nach Rio de Janeiro geflogen und von da aus dann nach Joao Pessoa. Der Grund dafür war, dass wir Sorge hatten, dass der Flug sonst viel teurer wird und die meisten Flüge gehen über Rio de Janeiro oder Sao Paolo. Und Rio, aber auch Sao Paolo sind definitiv einen Besuch wert! Für den Flug nach Joao Pessoa haben wir dann ca. 100€ bezahlt. In ganz Brasilien kommt man mit uber (Taxi-app) sehr gut und günstig innerhalb der Städte überall super hin. Für Ausflüge empfiehlt es sich die Reisebusse zu nutzen oder zu fliegen, wobei fliegen relativ teuer ist. Die Reisebusse sind sehr günstig.

Kommunikation

Die Studenten haben uns direkt am ersten Tag geholfen eine Sim-Karte für unser Handy zu besorgen, wir haben ca. 10 Real pro Woche für eine Telefon-Flat und Internet bezahlt, was super ausgereicht hat. Ansonsten gab es bei unserer Gastfamilie, im Institut oder auch in Geschäften/Restaurants freies Wlan. Es empfiehlt sich auch eine VPN-App runterzuladen, falls man mal Netflix gucken möchte.

Unterkunft

Ich hatte mich zusammen mit einer Freundin für die Famulatur beworben und wir wurden auch dem gleichen Krankenhaus in der gleichen Stadt zugeteilt. Wir waren in verschiedenen Gastfamilien untergebracht, in denen aber immer auch MedizinstudentIn wohnte. Der Vorteil war, dass man so direkt mit den Einheimischen in Kontakt kam und auch wunderbar seine Sprachkenntnisse ausbauen oder auch portugiesisch lernen konnte. Durch den engen Kontakt sind auch tolle Freundschaften entstanden und man konnte abends auch mal spontan etwas unternehmen oder auch Spiele spielen und zusammen kochen. Mitnehmen brauchte man eigentlich nichts, Kissen, Bettwäsche und auch Handtücher wurden gestellt. Gefrühstückt habe ich immer zusammen mit meiner Gastfamilie. Die restlichen Mahlzeiten nahm ich dann meist auswärts in Restaurants ein.

Literatur

In dem radiologischen Institut gab es eine Bibliothek, die wir nutzen durften. Ansonsten haben wir auch einfach viel gegoogelt oder bei Amboss nachgeschaut.
Wenn man noch herumreisen möchte, kann ich den Lonely Planet Brasilien empfehlen, da findet man viele gute Tipps.

Mitzunehmen

Meine Freundin und ich sind nach der Famulatur noch rumgereist, so dass wir nur das Nötigste in unseren Backpacker-Rucksack gepackt haben. Die ganz normale Reiseapotheke sollte man natürlich auch dabei haben, ansonsten gibt es eigentlich in Brasilien alles zu kaufen wie in Deutschland auch.
Ich hatte außerdem noch ein Mückennetz dabei, das ich nicht unbedingt gebraucht hätte. Zu der Jahreszeit waren kaum Mücken unterwegs.

Reise und Ankunft

Ein paar Tage vor unserer Ankunft wurde ich von einem Studenten angeschrieben und er teilte mir dann mit dass er mich am Flughafen abholen würde. Jeder Austauschstudent bekommt eine/n „godfather/godmother“, der einen vom Flughafen abholt, einem am ersten Tag zum Famulaturort bringt und primäre Ansprechpartner vor Ort ist. Mein ,,godfather’’ war Michel und er hat mich dann zu meiner Gastfamilie gebracht, die mich allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt erwartet hatte. Aber es war für meine Gastfamilie überhaupt kein Problem, das ich plötzlich vor der Tür stand. Sie haben mich ganz herzlich empfangen und alles war kein Problem.
Direkt am nächsten Tag startete unsere Famulatur, wir wurden von Michel zum Institut gebracht und dort dem für uns verantwortlichen Arzt vorgestellt. Dieser erklärte uns die Abläufe, wann wir wo sein sollten und stellte uns den anderen Mitarbeitern vor.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Wir haben unsere Famulatur im radiologischen Institut CETRAS gemacht. Der erste Tag begann erst um 9 Uhr und wir wurden ganz nett von dem Institutsleiter begrüßt. In seinem Büro hat er uns zunächst über allgemeine Dinge informiert wie z.B. die Arbeitszeiten und anschließend hat er uns das Gebäude gezeigt und die verschiedenen Unterrichtsräume. Ich muss sagen, dass das Gebäude sehr nett und ansprechend dekoriert und eingerichtet ist und man ihm angemerkt hat, dass er darauf sehr stolz ist. Die darauffolgenden Wochen waren wir nur die Nachmittage im Institut.
Vormittags waren wir im Sao Vicente Hospital und liefen dort mit den Ärzten mit, hauptsächlich bei Ultraschalluntersuchungen, die Sache der Radiologen in Brasilien sind. Jeden Tag waren sozusagen andere Fachbereiche dran, wie zum Beispiel gynäkologische, unfallchirurgische oder orthopädische Ultraschalluntersuchungen. Am Nachmittag waren wir dann im Institut selbst, wo wir uns entweder Vorträge angehört haben oder verschiedene Fälle besprochen und uns dazu die Röntgen/CT/MRT-Bilder angeschaut haben.
Es kam immer stark darauf an, welcher Arzt gerade vor Ort war. Manche waren sehr motiviert und haben viel erklärt, manche eher weniger. Manche konnten super englisch sprechen, manche nur Portugiesisch, was es für uns dann manchmal schwer gemacht hat ihnen zu folgen. Trotzdem konnte man jederzeit Fragen stellen und alle waren sehr bemüht diese dann auch zu beantworten, notfalls auch mit google translate.
Uns ist aufgefallen, dass die Ärzte dort viel weniger zu tun hatten als wir es aus Deutschland kannten. Teilweise haben wir nur 3-4 Patienten am Vormittag gesehen. Dafür haben sich die Ärzte aber auch immer sehr viel Zeit genommen für die Patienten und auch die Ärzte untereinander haben sich viel gezeigt und erklärt. Auch die hierarchischen Strukturen unter den Ärzten war weniger stark ausgeprägt als in Deutschland. Zumindest machte es so den Anschein, wenn die Chefärzte sich mit den Assistenzärzten berieten. Allerdings waren wir auch in einem privaten Krankenhaus eingeteilt gewesen, das sich nur die reichere Bevölkerung Brasiliens leisten kann. Uns haben die Ärzte erklärt, dass der Zustand in den öffentlichen Krankenhäusern sich stark von dem in den Privaten unterscheidet. Die Kluft zwischen Arm und Reich macht sich also auch stark in dem Gesundheits- und Versorgungssektor bemerkbar. Was wirklich sehr spannend und interessant war, waren die verschiedenen Krankheitsbilder die wir gesehen haben, die man sonst so nie in Deutschland zu sehen bekommen würde. Zum Beispiel haben wir einen Lepra-Kranken mit ausgeprägtem Hautbefund gesehen.

Land und Leute

Wir waren unheimlich von der Mentalität und der Gastfreundschaftlichkeit der Brasilianer begeistert. Wir wurden mit offenen Armen empfangen und die Studenten haben sich toll um uns gekümmert. Wir haben viel in unserer Freizeit zusammen unternommen, haben die Stadt erkundigt, Ausflüge gemacht und es sind über die vier Wochen wirklich tolle Freundschaften entstanden. Wir werden auf jeden Fall wieder hinfahren und alle besuchen! Meistens sind wir unter der Woche abends etwas essen gegangen oder haben uns zum Spieleabend verabredet. Auch zwischendurch mal zusammen gekocht haben wir. An den Wochenenden sind wir dann mal zum Strand mit allen gefahren oder einzelne Studenten haben uns zu sich nach Hause eingeladen und wir haben uns einfach nett unterhalten. Es gibt auch tolle Shopping-Malls und Antiquitätengeschäfte, die sich auf jeden Fall mal lohnen zu besuchen auch wenn man nicht unbedingt etwas kaufen möchte.
Unser Famulaturort Joao Pessoa war im Nord-Osten Brasiliens, genauer liegt es am östlichsten Punkt von ganz Lateinamerika. Deswegen haben wir dort auch diesen Punkt besucht. Dort geht die Sonne als erstes auf. Einen tollen Blick auf den Sonnenuntergang hat man in der Stadt auch und auf einem Fluß spielt ausnahmslos jeden Tag ein Saxophonspieler zu Beginn des Sonnenuntergangs seine Songs bis zum Ende des Sonnenuntergangs. Große Wochenendausflüge bieten sich in Joao Pessoa nicht unbedingt an, da die meisten Sehenswürdigkeiten im Süden sind. Wir sind aber eine Woche vor Famulaturbeginn nach Rio de Janeiro geflogen, was ich nur empfehlen kann! Von Joao Pessoa kann man gut für ein Wochenende nach Pipa fahren, mit einer Mitfahrgelegenheit sind das nur 2 Stunden Autofahrt entfernt und man hat traumhafte Strände vor Ort. Delphine schwimmen ganz nah am Strand und man kann diese ganz einfach vom Strand aus beobachten und mit etwas Glück sogar mit ihnen schwimmen. Das Essen in ganz Brasilien war unglaublich lecker und ziemlich günstig. Es gab eigentlich alles, was man auch in Deutschland kennt, von Aufläufen über Fischgerichte bis hin zu Sushi. Am besten geschmeckt hat uns Moqueqa, ein Nationalgericht in Brasilien mit Fisch in Kokossauce und verschiedenen Beilagen. Was uns aber unglaublich süchtig gemacht hat war Acai! Das ist eine Beere aus dem Amazonas und wird in Form von Eis verkauft. Es gab kaum einen Tag an dem wir nicht Acai gegessen haben . Was wir nicht gemacht haben, war eine Insel zu besuchen die vor Joao Pessoa liegt: Fernando do Noronha. Die soll wohl einen Ausflug wert sein, allerdings hatten wir dafür leider nicht das nötige Kleingeld, da die Flüge dahin schon relativ teuer waren und uns das für ein Wochenende zuviel war. Aber wenn man das vorher weiß und das vielleicht im Anschluss an die Famulatur macht, lässt sich das sicher gut organisieren. Da soll es eine tolle Natur und viele Tiere geben, die man beim Schnorcheln beobachten kann.

Fazit

Eine Famulatur im Ausland ist immer eine Herausforderung, bietet allerdings auch immer eine tolle Möglichkeit neue Menschen und Kulturen kennenzulernen. Als großen Vorteil empfand ich die Unterbringung in der Gastfamilie. So hatte man direkt den Zugang zu Einheimischen und hatte zu jeder Zeit und schnell einen Ansprechpartner. Leider war es während der Famulatur, wie in Deutschland eigentlich auch, immer davon abhängig welcher Arzt grad da war und welche Motivation dieser dann hatte. Davon hing es ab, ob man sich eher gelangweilt hat oder man sehr viel mitnehmen konnte. Gewöhnen muss man sich auf jeden Fall an die Uhren, die in Brasilien einfach anders ticken! Verabredungen zu bestimmten Zeiten werden nicht so ernst genommen und man hat das Gefühl das jeder kommt wann er will.
Trotzdem würde ich diese Famulatur jederzeit wieder machen und kann sie auch uneingeschränkt weiterempfehlen.

Ich habe selten ein so gastfreundliches und herzliches Volk kennengelernt und es sind tolle Freundschaften entstanden.

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