zurück

France (ANEMF)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Annika, Hannover

Motivation

Schon am Anfang des Studiums habe ich den Wunsch gehabt, eine Famulatur im Ausland zu absolvieren. Da ich während meiner Schulzeit ein Jahr in Südfrankreich verbracht habe und dies mit sehr schönen Erinnerungen verbinde, stand Frankreich von Anfang an ganz oben auf meiner Wunschliste. In Frankreich ist das Studium praktischer aufgebaut als bei uns, weshalb ich gerne einen Eindruck von einer Famulatur dort bekommen wollte. Generell hatte ich den Wunsch, bei einem Praktikum im Ausland einmal über den Tellerrand hinaus zu schauen und mir den Krankenhausalltag in einem fremden Land anzuschauen.

Vorbereitung

Nach dem Erhalt einer Zusage musste ich weitere Dokumente bei der IFSMA einreichen. Anfangs fiel es mir schwer, sich auf der Seite zu orientieren und ich hatte einige Fragen zu Formalitäten. Die Lokalvertretung der bvmd hat aber alle Fragen problemlos und schnell beantwortet. Da die Unterlagen auf Englisch hochgeladen werden mussten, musste ich bei den Versicherungen (Auslandskrankenversicherung sowie private Haftpflicht) fragen, ob sie mir einen englischen Nachweis ausstellen können. Durch die Feiertage über Weihnachten und Silvester hat sich alles ein wenig verzögert, letztendlich war es aber kein Problem, die Unterlagen bei der IFSMA auch ein paar Tage später einzureichen. Wenn ihr euch anfangs von den Forderungen der IFSMA erschlagen fühlt, fragt einfach eure Lokalvertretung der bvmd, die werden euch sicherlich weiterhelfen.
Wenn man die Landessprache nicht gut beherrscht, ist ein Vorbereitungskurs sicherlich hilfreich. Ich persönlich habe aufgrund meines einjährigen Aufenthaltes in Frankreich keinen Sprachkurs gemacht, habe mir aber ein kleines Wörterbuch für medizinische Fachbegriffe zugelegt, was ich ausdrücklich empfehlen kann! Wörter wie „Giemen“ oder „Brummen“ bei der Auskultation kannte ich vorher nicht auf französisch, konnte sie aber mit dem kleinen Wörterbuch schnell während der Visite nachschlagen.

Visum

Für einen Aufenthalt in Frankreich brauchte ich kein Visum.

Gesundheit

Für den Aufenthalt in Südfrankreich musste ich keine speziellen Impfungen bekommen. Meine Reiseapotheke bestand aus normalen Schmerzmitteln, Fiebersenkern und etwas gegen Magen- Darm- Infektionen, also nichts „Besonderes“. Man kann dort aber auch verschreibungsfreie Medikamente in der Apotheke kaufen, falls man etwas vergessen hat. Eine Auslandsreiseversicherung musste ich vorher bei der IFSMA einreichen. Ich bin über meine Bank versichert, daher musste ich nichts extra abschließen. Einige Länder verlangen ein Röntgen- Thorax- Bild, das war in Frankreich aber nicht der Fall. Insgesamt hatte ich mit dem Thema Gesundheit und Impfungen wenig zu tun, da sich Frankreich in der Hinsicht nicht wirklich von Deutschland unterscheidet.

Sicherheit

Ich habe keine Vorkehrungen bezüglich der Sicherheit getroffen und dies auch nicht bereut. Ich denke, man muss überall in gewissermaßen auf sich selbst und seine Gegenstände aufpassen. Mir wurde, als ich ankam, erzählt, dass es in meiner Wohngegend öfter Einbrüche gegeben hat. Also habe ich immer darauf geachtet, dass alle Fenster zu waren und die Wohnungstür abgeschlossen war. Natürlich ist man nachts als Frau alleine auf dem Rückweg zur Wohnung aufmerksam und vorsichtig- ich habe zum Beispiel während des Heimwegs telefoniert. Insgesamt würde ich nicht behaupten, dass Frankreich krimineller ist als Deutschland, deshalb habe ich mich nicht anders verhalten, als ich es hier tun würde.

Geld

In Frankreich zahlt man, wie in Deutschland, mit Euro. EC- Karten werden meistens nicht akzeptiert, sondern nur Kreditkarten. Ich würde jedem empfehlen, sich eine Kreditkarte zuzulegen, wenn man längere Zeit in Frankreich ist. Generell wird fast ausschließlich mit Karte bezahlt, ich habe kein einziges Mal während des Monats Bargeld abgehoben. Wie in Deutschland gibt es Lebensmittelläden, die teuer sind, und andere, die billiger sind. Im Großen und Ganzen würde ich die Lebenshaltungskosten sehr ähnlich wie in Deutschland sehen. Die Lokalvertretung in Frankreich hat uns Incomings eine Broschüre geschickt, in denen sie neben Informationen zur Stadt und Tipps für Freizeitaktivitäten auch Tipps für’s günstige Einkaufen gegeben haben.

Sprache

In Frankreich wird ausschließlich Französisch gesprochen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Franzosen nicht wirklich darauf achten, wenn jemand die Sprache nicht so gut spricht (sie sprechen auch nicht langsamer, wenn man sie fragt). Einen Vorbereitungskurs habe ich nicht gemacht, da ich schon einmal ein Jahr in Frankreich verbracht habe und dadurch ein sehr gutes Niveau in Französisch habe. Ich persönlich fand es sehr wichtig, gut Französisch zu sprechen, um viel inhaltlich mitzunehmen und sich in dem Klinikalltag zu integrieren.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Flugzeug nach Montpellier gereist, in Paris musste ich einmal umsteigen. Die Flugtickets habe ich selbst gebucht. Vom Flughafen dort sollte ich eigentlich vom LORE/ LEO der ANEMF abgeholt werden, allerdings war das Auto kaputt und ich bin mit einem Bus vom Flughafen Montpellier in die Innenstadt gefahren. Dort wurde ich dann abgeholt und zur Wohnung gebracht. Ich habe von der Lokalvertretung der ANEMF eine Monatskarte für den Bus- und Bahnverkehr in Montpellier bekommen, sodass ich mich um nichts kümmern musste und nichts bezahlen musste. Es gibt 4 Stadtbahnlinien in Montpellier, mit denen man Innenstadt, Krankenhaus und alle Sehenswürdigkeiten sehr gut erreicht. Bis zum Strand sind es mit Bus und Bahn circa 30-40 Minuten.

Kommunikation

Ich konnte mein Handy ganz normal benutzen, um zu telefonieren und das Internet zu nutzen, ohne einen Aufpreis zu bezahlen. In der Wohnung gab es WLAN, welches ich benutzen konnte. Die Franzosen nutzen entweder normale SMS oder den FacebookMessenger, WhatsApp kennen sie aber auch.

Unterkunft

Ich war in einer Zweier-WG untergebracht, die gesamte Organisation verlief über die BVMD, die IFSMA und die ANEMF. Vorher hatte ich angegeben, dass ich auch jemanden in meiner Wohnung aufnehmen könnte, dazu kam es jedoch nicht. In der WG hatte ich mein eigenes Zimmer, Küche und Badezimmer haben wir uns geteilt. Ich hatte in der Küche Platz, um meine Lebensmittel unterzubringen und es war alles da, um selbst zu kochen. Bettwäsche und Handtücher habe ich dort bekommen, ich würde euch aber empfehlen, vorher darüber mit der Person, die euch das Zimmer stellt, zu reden.

Literatur

Da ich das Land Frankreich an sich schon kannte, habe ich mich nicht belesen. Ich habe mir ein medizinisches Wörterbuch gekauft und kann dies sehr empfehlen („Französisch für Mediziner“, Elsevier- Verlag).

Mitzunehmen

Ich habe einen Kittel, Krankenhausschuhe, sowie Stethoskop, Reflexhammer und Leuchte für die Klinik mitgenommen. Gebraucht habe ich davon nur das Stethoskop (ich war auf einer Kinderkardiologie). An Klamotten habe ich fast nur kurze Sommersachen eingepackt, weil ich dachte, man würde im Krankenhaus Bereichskleidung bekommen. Allerdings behält man dort seine normalen Sachen an und zieht lediglich den Kittel darüber. Tipp: Nehmt mehr als nur eine lange Hose mit :)

Reise und Ankunft

Meine Anreise verlief im Großen und Ganzen problemlos. Als ich am Flughafen in Montpellier ankam, schrieb mir der LEO/LORE der ANEMF, dass er mich wegen seines defekten Autos nicht, wie abgesprochen, abholen konnte. Das machte aber nichts, da alle 30 Minuten ein Bus in die Innenstadt fuhr. Dort traf ich mich dann mit dem LEO/LORE und wir sind zusammen zu meiner Unterkunft gefahren. Ich habe einen Willkommensbeutel mit 120€ Essensgeld und der Monatsfahrtkarte bekommen. Es waren zu der Zeit noch zwei andere Austauschstudenten in der Stadt, deren Nummern er mir gab, sodass wir Aktivitäten gut planen konnten. Ich bin an einem Freitagabend angereist und habe meine Famulatur am nächsten Montag begonnen. Ich wurde von einer LORE/LEO zu Hause abgeholt und sie hat mir den Weg zum Krankenhaus und auf meine Station gezeigt. Dort hat sie mich dann bei den Ärzten vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Famulatur habe ich auf einer Kinderkardiologie- Station absolviert. Am ersten Tag wurde ich von der LEO/LORE auf die Station gebracht und vorgestellt. Das Team war sehr nett und hat mich sofort integriert. Los ging es mit der Montagsfrühbesprechung, bei der alle Ärzte des Teams anwesend waren und ich mich somit direkt bei jedem vorstellen konnte. Mit mir hat gleichzeitig ein anderer Famulant angefangen, was die Sache ein wenig erleichterte. Die Ärzte betreuen die Station und die Ambulanz. Wir Famulanten konnten uns aufteilen, sodass wir beides kennenlernen. Die erste Zeit verbrachte ich in der Ambulanz. Dort konnte ich vor allem die Echokardiographie üben, was die Ärztin mir sehr genau erklärte. Sie erkundigte sich immer wieder, ob ich Fragen hätte und alles verstanden habe. Generell wurde mir in der Famulatur unheimlich viel erklärt. Ich saß oft mit den Ärzten zusammen und sie haben mir Zeichnungen von den vielen verschiedenen angeborenen Herzfehlern gemalt. Dabei haben sie teils erklärt und mich teils abgefragt. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass man sich sehr viel Zeit für mich genommen hat (mehr als in Deutschland) und die Ärzte wirklich wollten, dass ich etwas lerne. Auf der Station gibt es einen ähnlichen Tagesablauf wie in Deutschland. Der Tag beginnt mit einer Übergabe der Schwestern, darauf folgt eine Visite mit einem Oberarzt und einem Assistensarzt. Als Famulantin durfte ich während der Visite die Patienten untersuchen und vorstellen. Je nach Oberarzt wurde ich zwischendurch immer wieder abgefragt, es war aber niemand böse, wenn ich etwas nicht wusste. Eine weitere Aufgabe war es, tägliche Notizen über die Patienten aufzuschreiben und somit Arztbriefe vorzubereiten. In Frankreich ist das Studium viel praktischer als bei uns, man hat als Student nach dem 4. Jahr mehr klinische Erfahrung als wir. So wurde ich an meinem ersten Tag auf Station vom anderen Famulanten gefragt, welche Patienten ich denn übernehmen möchte und welche er übernehmen soll. Ich war mit der Situation, eigene Patienten in einer fremden Sprache mit einem fremden Computersystem zu betreuen anfangs überfordert. Mit der Zeit traute ich mir aber mehr zu und ich war sehr glücklich, als ich meinen ersten Patienten aufgenommen habe. Natürlich hat die Ärztin meine Notizen und Texte immer kontrolliert und Fehler (sowohl sprachlich, als auch inhaltlich) beglichen. Alles in allem war ich sehr positiv überrascht, wie viel Famulanten in Frankreich selber machen dürfen (es wird alles von den Ärzten kontrolliert) und wie viel man dadurch lernt. Der einzig negative Punkt war, dass ich keinen eigenen Computerzugang hatte. Da mir eine Ärztin aber ihre Login- Daten gab, konnte ich trotzdem Notizen im System aufschreiben.

Land und Leute

Die Landschaft um Montpellier ist wunderschön. Man ist mit Bus und Bahn in circa 30-40 Minuten am Meer (La Grande Motte), Richtung Norden gibt es viele kleine Flüsse und Badeseen. Innerhalb der Stadt kann man sich viele alte Gebäude anschauen, wie zum Beispiel die alte medizinische Fakultät (älteste in Europa). Andere Sehenswürdigkeiten in der Stadt sind die „Place de la Comédie“, der „Jardin de plantes“ oder die „Place Royale du Peyrou“. Mit zwei anderen Austauschstudenten (aus Spanien und Brasilien) und unseren LOREs/Leos haben wir viele Bars in Montpellier kennengelernt. Montpellier ist eine Studentenstadt, deshalb ist immer viel los, man kann im Prinzip jeden Abend etwas unternehmen. Gleichzeitig kommen auch viele Touristen nach Montpellier. Während meiner Famulatur im Sommer war die Stadt sehr touristisch und viele einheimische Studenten waren gar nicht da. Unsere LORE/LEO hat uns an einem Wochenende mit in ihre Heimatstadt Nîmes genommen. Dort konnten wir uns auch diese Stadt anschauen und den Abend mit ihren Freunden ausklingen lassen. Am nächsten Tag fuhren wir nach Avignon, wo sich der berühmte „Palais des Papes“ befindet. In dem Zeitraum, in dem wir da waren, fanden die „Festivales d’Avignon“ statt. Während circa 3-4 Wochen werden überall in der Stadt Theaterstücke gezeigt. Wir haben uns (für wenig Geld) zwei Theaterstücke angeschauen und waren begeistert. Ein absoluter Tipp, falls ihr die Möglichkeit habt, nach Avignon zu fahren und die „Festivales“ in dem Zeitraum stattfinden. Eine andere Großstadt nicht weit von Montpellier ist Marseille. Ich persönlich bin zwar nicht hingefahren, habe aber von anderen gehört, dass die Stadt ebenfalls sehr sehenswürdig ist.
Insgesamt bin ich mit den Einheimischen sehr gut zurechtgekommen. Franzosen sind sehr offen und es fällt einem leicht, neue Leute kennen zu lernen. Unsere LORE/LEO hat uns zu jeder Feier eingeladen und uns (wie schon berichtet) sogar mit nach Hause in ihr Elternhaus genommen. Für uns deutsche sind Franzosen vielleicht etwas chaotisch. Das spiegelt sich auch in den Wohnungen wider. Meine Unterkunft war (meines Erachtens nach) sehr unaufgeräumt und auch etwas dreckig.
Das Essen in Frankreich ist wirklich toll! Es gibt in Montpellier sehr viele kleine Restaurants in Nebenstraßen, die traditionell französische Küche anbieten. Das ist ein absolutes Muss! Darüber hinaus darf man Südfrankreich nicht verlassen, ohne einen der regionalen Weine probiert zu haben. Dafür bieten sich während der Sommermonate die „Estivales de Montpellier“ an. Jeden Freitagabend werden in der Innenstadt Weine zum Probieren angeboten (zum kleinen Preis), es gibt ebenso viele leckere Essensstände. Zusätzlich spielt eine Live Band. Insgesamt gibt es in und um Montpellier wirklich viel zu sehen und die Menschen sind sehr herzlich.

Fazit

Insgesamt kann ich eine Auslandsfamulatur in Montpellier definitiv empfehlen. Ich habe sowohl sprachlich als auch medizinisch sehr viel gelernt und habe mich in der Klinik sehr wohl gefühlt. Zusätzlich hatte ich die Möglichkeit, neue Freundschaften zu schließen und viel von Montpellier und der Region zu sehen. Prinzipiell könnte ich mir vorstellen dort zu arbeiten, jedoch würde ich persönlich nicht gerne so weit weg von Freunden und Familie in Deutschland sein. Alles in allem eine wunderbare Erfahrung!

zurück