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Hungary (HuRMSIC)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Stefanie, Göttingen

Motivation

Da ich schon während meiner Schulzeit diverse Austauschprogramme im Ausland absolviert habe, war es für mich klar, dass ich auch einen Teil meines Studiums im Ausland verbringen möchte. Die Auslandsfamulatur der bvmd kam mir daher als perfekte Gelegenheit. Vor allem, dass man vor Ort mit anderen Austauschstudenten aus anderen Ländern in Kontakt kommt und dass man vor Ort eine Betreuung durch einheimische Studenten hat, fand ich super.

Vorbereitung

Eine spezielle Vorbereitung für meine Auslandsfamulatur habe ich nicht gehabt. Für das Outgoing Training hatte ich leider keinen Platz bekommen. Ich persönlich hatte einen Medical English Kurs gemacht um mich mit den englischen Ausdrucksweisen im Krankenhaus vertraut zu machen. Ansonsten haben uns die CPs regelmäßig über Emails auf den laufenden Stand gehalten.

Visum

Da Ungarn Mitglied in der EU ist, ist kein Visum erforderlich.

Gesundheit

Eine Auslandsreiseversicherung ist natürlich unabdingbar und sollte jeder auch für private Reisen haben. Reiseapotheke schadet auch natürlich auch nie.
Speziell für die Famulatur hatten uns die CPs einen "record of immunization" 8 Wochen im vorab geschickt. Darauf sollten bestimmte Tests (Hepatitis, HIV, Tuberkulose) und ein Gesundheitszustand und Impfstatus von einem Arzt eingetragen werden. Kann man alles beim Hausarzt ausfüllen und ggf. testen lassen, falls es an der eigenen Uni vom Betriebsmediziner nicht schon gemacht wurde.

Sicherheit

Da Ungarn EU Mitglied ist, hatte ich mir keine besonderen Gedanken zur Sicherheit gemacht. Es zeigten sich auch keine großen Unterschiede zum Alltag in einer deutschen größeren Stadt. Allerdings ist uns Austauschstudenten aufgefallen, dass es ziemlich viele ungarische Bürger mit schlimmen Alkohol- und Drogenproblemen gibt und dass diese Personen zum einen überall im öffentlichen Leben auftauchen und auch gezielt auf andere Leute zugehen. Wir wurden mehrmals im Bus oder vor unserem Wohnheim von diesen Leuten angequatscht. Aggressiv waren sie nicht. Einfach weitergehen oder die Straßenseite wechseln, wenn man sich dadurch bedrängt fühlt.

Geld

Die Währung sind ungarische Forint. Tauschbüros gibt es reichlich, denn andere Währungen werden kaum akzeptiert, auch kein Euro. Man kann aber auch fast überall mit Karte bezahlen und sei es nur das Brötchen beim Bäcker.
Als ich in Budapest ankam, habe ich direkt am Flughafen einen kleinen Betrag getauscht, um die öffentlichen Verkehrsmittel und mir einen kleinen Snack für die Weiterfahrt kaufen zu können.
Ansonsten ist das Leben in Ungarn sehr günstig im Vergleich zu Deutschland. Ein warmes Mittagessen inkl. Getränk im Restaurant bekommt man für ca. 6-10€. Die öffentlichen Verkehrsmittel und das Reisen im Land selbst sind unglaublich günstig, da Studenten immer nur die Hälfte bezahlen und man ebenfalls einen Discount bekommt, wenn man unter 26 Jahre alt ist.

Sprache

In Ungarn wird natürlich ungarisch gesprochen. Da die Ungarn aber selbst wissen, dass ihre Sprache unglaublich schwer ist, sprechen viele junge Leute gutes Englisch und einige auch deutsch. Auf öffentlichen Plätzen ist alles in englischer Unterschrift tituliert. So dass man auch ohne ungarisch Kenntnisse sich gut zurechtfindet. Über ein freundliches Köszönöm freuen sich die Ungarn schon :)
Im Krankenhaus selbst haben wir englisch mit den Ärzten geredet.
Ich habe durch Zufall letztes Jahr einen A1 Ungarisch Kurs absolviert. Ich konnte mich auf der Straße und im Alltag mit den Ungarn ein kleines bisschen unterhalten. Für das Verständnis im Krankenhaus war es allerdings nicht ausreichend.

Verkehrsbindungen

Das Reisen in Ungarn ist sehr günstig, das liegt auch daran, dass die Verkehrsmittel schon etwas in die Jahre gekommen sind. Die Züge erinnern an die 70er Jahre und wenn die Klimaanlage gut funktioniert kann man sich glücklich schätzen. Da das ganze Schienennetz darauf ausgerichtet ist, die Ungarn nach Budapest zu bringen, sollte man, wenn man nicht nach Budapest möchte, eher auf die Busse umsteigen. Zumindest in Südungarn gibt es sehr gute Fernbusverbindungen. Aber auch da sollte man sich darauf einrichten, dass es ziemlich wahrscheinlich ist 3 h im Bus zu sitzen ohne Klimaanlage und ohne Toilette.
Die öffentlichen Verkehrsmittel in Pecs sind ziemlich hoch frequentiert gefahren, nur in Ausnahmefällen kam mal ein Bus nicht. Auch nachts sind die Busse alle halbe Stunde noch gefahren, so dass wir ohne Probleme nach einer Pub Runde gemütlich mit dem Bus nach Hause gebracht wurden.

Kommunikation

Ich war froh, dass ich in allen Universitätsgebäuden inkl. Uniklinikum das Eduroam WLAN nutzen konnte, welches schnell und zuverlässig lief. Im Studentenwohnheim gab es nur WLAN im Empfangsbereich und das lief auch eher träge. Um auf den Zimmern Internet zu haben, musste man sich Ethernet Kabel kaufen (gabs im örtlichen Media Markt für 5€) und dann hoffen, dass auf einer der 3 Internetdosen auf dem Zimmer Internet anlag. Die Verbindung war zwar etwas langwierig, aber wenn es einmal lief, lief es zuverlässig. Das mobile Internet war sehr langsam und durch die baulichen Gegebenheiten des Studentenwohnheims noch mal langsamer. Für Whatsapp hat es gereicht, für ganze Internetseiten laden dann schon nicht mehr.

Unterkunft

Alle Austauschstudenten im August waren im Studentenwohnheim untergebracht. In einer Wohneinheit waren 2 Zimmer mit je 3 Personen, die sich dann gemeinsam eine Küche und ein Bad teilten. Die Schlafzimmer waren mit je 3 Betten, Schreibtischen, Kleiderschränke und Regale sporadisch, aber praktisch ausgestattet. Die Küche hatte einen großen Kühlschrank mit Gefrierfach, 2 Ceranfelder zum Kochen und ein Spülbecken sowie Schränke zum Verstauen von Nahrungsmittel. Wir haben oft gekocht, allerdings haben wir uns dafür selbst Töpfe und Pfannen sowie Grundzutaten (Gewürze etc.) selbst kaufen müssen. Geschirr war auch eher Mangelware. Am besten alles selbst mitnehmen. 2 Mikrowellen waren im Empfangsbereich, die man ebenfalls nutzen konnte. Wir haben uns vor Ort eine kleine Kaffeemaschine gekauft, sowie ein Bügeleisen und Wäscheleinen.
Auf Rat meiner CP hatte ich meine eigene Bettwäsche mit, es gab vor Ort aber auch Bettwäsche. Das Bad war mit einem separaten WC und Dusche ausgestattet sowie ein Waschbecken mit Spiegel.

Literatur

Ich habe im Semester vor dem Austausch den Kurs "Medical English" belegt. Wenn ihr die Möglichkeit dazu habt, kann ich euch so einen Kurs nur wärmstens empfehlen. Mein Dozent hatte uns das Kittelwörterbuch "Englisch im klinischen Alltag" empfohlen. Ich finde das klasse. Es ist schön kompakt und man kommt super durch den englischen klinischen Alltag.
Ansonsten hatte ich mich nicht gesondert auf die Famulatur oder den Austausch vorbereitet.

Mitzunehmen

Gerade für die Küche empfehle ich euch ein Set Geschirr + Besteck mitzunehmen, sowie Wischtücher, Handtücher und Bettwäsche. Ein kleiner Reiseföhn schadet ebenfalls nicht.
In meiner Abteilung haben wir Klinikkleidung bekommen. Die meisten hatten das nicht und wurden angehalten sich weiß (von Kopf bis Fuß) zu kleiden. Am besten vorher erkundigen, was die Departments für Anforderungen haben, dann kann man Doppelkäufe vermeiden. Auch sollte man die eigene OP Kleidung/Scrubs für den OP Bereich dabeihaben. Zumindest in Ungarn war es Usus, dass die Studenten sich komplett selbstständig um ihre Arbeitskleidung kümmern und das Krankenhaus kaum etwas an Kleidung herausgibt.
Prinzipiell kann man aber auch alles vor Ort kaufen.

Reise und Ankunft

Ich hatte mir einen günstigen Flug ab Berlin bis Budapest gebucht und ab da wollte ich einen Zug vom Flughafen über Budapest-Kelenföld nach Pecs nehmen. Leider hatte ich im Internet nicht mitbekommen, dass der Flughafen keine Zuganbindung hat. Ich bin dann doch mittels Straßenbahn und Bus nach Kelenföld gekommen und in meinen Zug (Schienenersatzverkehr zu der Zeit) nach Pecs gestiegen.
Meine CP hat mich dann am Bahnhof in Pecs abgeholt und wir sind gemeinsam mit dem Bus zum Studentenwohnheim gefahren.
Am besten man plant ordentlich zeitlichen Puffer ein, falls etwas dazwischenkommt, wie Schienenersatzverkehr oder der Zug dann doch nicht abfährt wie gedacht.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich hatte mich für die Notaufnahme, Anästhesie, Gynäkologie und Innere Medizin beworben. Die Auswahl erfolgt anhand einer Prioritätsliste und für jedes Fach eigene Motivationsschreiben. Der erste Tag auf der NA war der 1.August. Wir waren zu zweit. Ich konnte allerdings erst am 2. August beginnen, da meine Anreise nicht anders zu managen war. Das war soweit kein Problem, allerdings war mein Tutor Arzt nur am 1. August da. Generell durften die ungarischen und wir internationalen Studenten nur beschränkt tätig werden. Wir durften bei der körperlichen Untersuchung mithelfen oder in der Triage ärztliche Basisfertigkeiten wie Blutdruck messen oder Zugang legen üben. Da ich als ausgebildete Krankenschwester kein Übungsbedarf in den Basisifertigkeiten hatte, wollte ich eher bei den Ärzten mitlaufen. Der Spanier, der mit mir in der NA eingesetzt war, verbrachte in der Triage viel Zeit und durfte auch viel mithelfen. Generell hatte ich das Gefühl, dass man nur selbst etwas machen durfte, wenn man die Ärzte mehrmals gezielt darauf ansprach. Eigentlich ist es vorgesehen, dass man einen ärztlichen Tutor zur Seite gestellt bekommt. Mein Tutor Dr. Gahl war leider nur 6-mal im Dienst, weil sie Überstunden abbaute und im Urlaub war. Sie konnte gutes Englisch und hat sich wirklich bemüht mir etwas in Englisch zu erklären, was auch sehr lehrreich war. Die anderen Ärzte waren leider nicht so ambitioniert mit mir in Englisch sprechen zu wollen, so dass ich stets auf der Suche nach einem anderen Studenten war, der ungarisch und englisch sprechen konnte um mir etwas zu übersetzen. Ich hatte das Gefühl, dass die Ärzte in der Notaufnahme sehr gestresst und teilweise frustriert von Ihrem Job sind und das daher nur wenig Motivation da war um mir etwas in Englisch zu erklären. In der Notaufnahme waren immer einige ungarische Studenten, diese müssen im Rahmen ihres letzten Jahres einige Stationen des Krankenhauses durchlaufen.
Ich hätte mir gern mehr Praxis in meiner Zeit auf der Notaufnahme gewünscht. Vor allem wäre es hilfreich gewesen, wenn wir wirklich jede Tag einen Tutor gehabt hätten und nicht nur eine Woche, wie es leider bei mir der Fall war. Die medizinischen Fälle in der Notaufnahme der 400-Betten-Klinik waren auf jeden Fall sehr interessant und abwechslungsreich.
Die Qualität der Betreuung variiert wie in jedem Krankenhaus sehr stark von der jeweiligen Abteilung und den Ärzten. Einige der Austauschstudenten waren wirklich sehr zufrieden und haben sehr viel in ihren Einsätzen gelernt.

Land und Leute

Die ungarischen CPs waren alle super freundlich und hilfsbereit zu uns. Sie waren Tag und Nacht für uns da und haben ein super Programm für uns aufgestellt. Auch als wir allein im Land unterwegs waren, und zumindest einige von uns ein paar Wörter ungarisch sprachen, wurde uns stets weitergeholfen. Ansonsten ein Wörterbuch oder Übersetzungs-App runterladen nicht vergessen, weil sobald man aus den touristischen Plätzen rauskommt, gibt es kaum englische Übersetzung oder Leute die Englisch sprechen. Von Großstadt über Weindörfer und Plattensee hat Ungarn sehr viel zu bieten und das Reisen ist unglaublich günstig, vor allem mit Studentenausweis. An unserem ersten Wochenende in Ungarn organisierten die CPs einen gemeinsamen Ausflug nach Budapest, um uns alle näher kennen zu lernen und auch um die Hauptstadt zu sehen. Sie haben uns viele Vorschläge gemacht, wie wir am besten die Stadt erkunden wollen und was wir alles machen wollen. Ich bin außerdem mit ein par anderen Austauschstudenten selbstorganisiert zum Balaton und nach Szeged gefahren. Da bietet sich vor allem der Bus aus Pecs an. Generell sollte man sich bewusst sein, dass Ungarn sehr auf Budapest zentralisiert ist. Die (teilweise sehr alten und langsamen) Züge zum Beispiel fahren alle erst nach Budapest und von da kann man in andere Züge umsteigen, was die Reisezeit enorm verlängert. Dahingegen ist das Busnetz sehr viel besser ausgebaut und man konnte auch von Pecs aus direkt zum Beispiel nach Szeged fahren. Allgemein kann man sagen, dass die Verkehrsmittel etwas in die Jahre gekommen sind und man beim Reisen nicht davon ausgehen kann, dass es eine Möglichkeit gibt sich etwas zu Trinken oder zu Essen kaufen zu können bzw. dass es funktionierende Toiletten gibt. Gerade in den Zügen sollte man immer eine Flasche dabei haben, denn nicht immer funktioniert die Klimaanlage, auch wenn draußen 35 Grad sind. Somit ist das Reisen zwar nicht so komfortabel, aber umso günstiger dafür. Da Ungarn so zentral im südöstlichen Europa liegt, kann man auch ideal andere angrenzende Länder besuchen. Einige von uns sind an den Wochenenden nach Prag, Wien oder Kroatien gefahren. Also plant ausreichend finanzielle "Zusatzbelastungen" ein, wenn ihr noch andere Länder bereisen wollt. Jedes Jahr im August findet in Budapest außerdem das Szeged Festival statt. Einige der Austauschstudenten sind dort hingefahren. Dafür sollte man sich die Tickets aber zum regulären Vorverkauf schon kaufen, denn die Last Minute Ticktes sind kaum bezahlbar.

Fazit

Medizinisch gesehen, war die Famulatur nur wenig lehrreich, was vor allem der wenigen praktischen Tätigkeiten und der sprachlichen Barriere geschuldet war. Allerding haben andere Studenten in anderen Abteilungen auch eine sehr sehr gute Betreuung während der Famulatur gehabt. Trotzdem bin ich nach wie vor begeistert von diesem Monat in Ungarn. Denn vor allem sozial und interaktiv war die Auslandsfamulatur sehr bereichernd. Zusammen mit den anderen Austauschstudenten waren wir eine große Familie und haben einander viel gegeben. Zudem haben wir echt viel vom In-und Ausland gesehen und haben nun alle Freunde auf der ganzen Welt.

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