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Chile (IFMSA-Chile)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Blanche, Homburg

Motivation

Ich wollte sehr gerne nach Chile, da ich eine Famulatur im Ausland machen wollte, ohne direkt ins kalte Wasser geschmissen, wie das vielleicht in Famulaturen in Ländern wie z.B. Indien passiert. Dort würde ich lieber mit etwas mehr Erfahrung gehen. Der Standard in den Krankenhäusern in Chile sind (zumindest in den privaten Krankenhäusern!!) mit den Krankenhäusern in Deutschland zu vergleichen.
Zudem wollte ich mehr vom Land sehen und Freunde besuchen, die ich von meinem vorherigen Aufenthalt und Musikcamps in Europa kennengelernt habe.

Vorbereitung

Für eine Famulatur in Chile sind meiner Meinung nach grundlegende Spanischkenntnisse essentiell, da einige Leute dort kein Englisch können. Zudem macht es Sinn, sich vor dem ersten Arbeitstag schon in Chile aufzuhalten, um sich an das dort gesprochene „Chileno“ zu gewöhnen. Es ist zwar grundsätzlich Spanisch, aber man muss sich an die Aussprache, Geschwindigkeit und an die aus der indigene Sprache (mapudungu) eingeschlichenen Wörter erstmal gewöhnen.


Ansonsten habe ich keine weiter Vorbereitung gebraucht.

Visum

Für die Famulatur ist kein Visum nötig, man bekommt am Flughafen einfach einen Stempel für ein Touristenvisum. Das ist 90 Tage gültig – wobei man es auch verlängern kann, indem man zwischendurch nach Argentinien etc. ausreist und wieder einreist.

Bei der Einreise sollte man allerdings besser sagen, dass man als Tourist kommt und nicht, dass man da im Krankenhaus arbeitet um unnötige Probleme zu vermeiden!

Gesundheit

Die in Deutschland gängigen Standardimpfungen sollte man auf jeden Fall haben!
Von der Hepatits B Impfung wurde vom Krankenhaus eine Bestätigung verlangt.


Über Tollwutimpfung, Hepatitis B, A (Typhus) sollte man nachdenken.

Tollwutimpfung, Hepatitis A und Typhus wird nur empfohlen bei besonderer Exposition. Allerdings gibt es besonders in Valparaíso und auf dem Land viele Straßenhunde und ich persönlich habe mich da geimpft definitiv sicherer gefühlt. In der Stadt werden die Hunde zwar immer wieder geimpft, aber besonders auf dem Land ist das nicht wirklich kontrolliert.


Grundsätzlich ist es in Chile aufgrund des Klimas bezüglich Infektionskrankheiten entspannter, als in anderen Ländern in Südamerika. Es gibt eigentlich weder Malaria, noch Zika, Denguee oder Gelbfieber. (Auf den Osterinseln ist das anders! Die gehören ja offiziell zu Chile, sind aber ja nochmal ein ganzes Stück weg vom Festland)

Was zu beobachten ist, ist die Entwicklung mit Cholera Infektionen – da es in dem letzten Jahr neuerdings wieder mehr dort gibt (aber immer noch wenige!). Auch steigen die HIV Infektionen besonders in der jungen Bevölkerung dort.

Sicherheit

Chile ist eines der sichersten Länder in Südamerika und ich habe mich dort (als Mädchen) sehr wohl gefühlt. Allerdings gibt es natürlich in jeder Stadt Viertel, in die man nicht abends gehen sollte! Zudem muss man natürlich vor Taschendieben Acht geben – dazu eignen sich diese chicen Bauchtaschen besonders (haben auch viele Chilenen!). Und nachts muss man auch ein wenig aufpassen.

Man kann sich auch als Mädchen tagsüber/ am Abend (bis ca 22 Uhr) frei mit Bus und U- bahn in Santiago bewegen.

Und ich bin durchaus auch nachts erst um 1 oder 2 Uhr heimgekommen – da allerdings immer in UBER (gibt es im Appstore für Smartphones). Das kann ich auch sehr empfehlen, da das kontrollierter ist, als einfach in irgendein Taxi zu steigen (kann ja jeder einen Aufkleber auf sein Auto kleben – bei Uber kontrollieren sie bei der Anmeldung der Fahrer auch den Ausweis etc). Man kann und sollte gerade nachts seinen Fahrstatus teilen. Somit können Freunde/Familie kontrollieren, ob man ankommt bzw wo man sich befindet. Zudem ist es wesentlich billiger als Taxi!

Vorsicht allerdings aktuell ist Uber offiziell nicht erlaubt (es machen aber trotzdem ALLE! und man wird auch eigentlich nicht erwischt- da man ja bei der Polizeikontrolle einfach das Handy sperren kann). Das führt allerdings dazu, dass Ubers nicht gerne neben einem Polizeiauto halten und auch nicht an den normalen Taxiständen, da diese sie anzeigen und das Auto zerkratzen, wenn sie es mitbekommen. Aus diesem Grund bitten die meisten Fahrer auch, dass man sich nach vorne setzt, damit es so aussieht, als sei man ein Freund/Verwandter.

Geld

Die Währung in Chile sind Chilenische Pesos. Man kann aber in den meisten Geschäften/Restaurants auch mit Visakarte bezahlen. Die meisten maestrokarten funktonieren auch.

Bei Visa muss man dazusagen – credito
Bei Maestro – debito

Zudem fragt das gerät immer sin/con cuotas. Da sollte man dann sin cuotas anklicken.


Insgesamt ist Chile eines der teuersten Länder in Südamerika. Transport ist recht billig, aber Nahrungsmittel und Verbrauchsgüter etc sind mit Deutschland vergleichbar.

Sprache

Siehe bei Vorbereitung: Spanisch bzw Chileno = Spanisch mit ein paar Wörtern aus der indigenen Sprache! (man kann sich im Internet dazu vorab ein paar Videos anschauen zu den dortig gebräuchlichen Redewendungen, da diese am Anfang schwierig zu verstehen sind). Man gewöhnt sich aber sehr schnell daran!

Verkehrsbindungen

In Santiago: Bus , Ubahn, UBER
In Valparaiso: Bus, Tram, UBER
Zwischen den Städten kann man sehr gut mit dem Fernbus fahren. Oft fahren die Busse auch nachts- das macht bei den weiten Entfernungen Sinn. Man kann sich auch so einen Schlafsitzplatz mieten, was sich bei längeren Fahrten defintiv lohnt.
ca 1h30 min nach Valparaisp
ca 5 h nach Mendoza Argentinien
7 h nach los angeles im süden
ca 7 h nach la Serena im Norden

Man kann auch Zug fahren – dazu habe ich aber keine Erfahrungen.
Zum Teil bekommt man auch billige Flüge, um in/ nach Norden/Süden/Argentinien/Peru zu fliegen.

Kommunikation

Es macht definitiv Sinn sich eine SIM karte mit Internet zu kaufen. Ich hatte mir direkt am Flughafen ein Angebot von entel für 15 Tage (Freier Telefonbetrag und sms, 3GB ) 25 euro inklusive SIM Karte. Das kann man dann verlängern, indem man Guthaben in der Apotheke oder am Kiosk kauft.

Allerdings sind andere Anbieter günstiger – ich habe nur direkt am Flughafen schon eine gebraucht und keinen anderen Anbieter gefunden.


Es gibt auch oft freies WLAN in Cafés etc. aber es erleichtert das Leben sehr – für Kommunikation via whatsapp, Google Maps und UBER.

Unterkunft

Mir wurde eine super tolle Gastfamilie zugeteilt. Der Sohn ist selber Medizinstudent und hat noch zwei jüngere Brüder. Die Mutter ist Mikrobiologin und der Vater Neurochirurg. Zudem hatte die Familie 4 Hunde, eine Nanny und eine Putzfrau, die jeden Tag da war. Dementsprechend habe ich auch in einem sehr guten und sicheren Viertel in Santiago gewohnt (Vitacura) – das aber leider etwas weiter weg vom Stadtzentrum ist. Ich hatte mein eigenes Zimmer mit großem Bett, Fernseher und kleinem Bad (Klo und Waschbecken). Ich wurde sehr herzlich aufgenommen und sehr gut mit Essen versorgt. Zudem waren wir mehrmals zusammen im Restaurant und haben Sachen zusammen unternommen (z.B Theater.). Mein Gastbruder war auch bei einigen Treffen mit den anderen IFMSA Studenten dabei und wir haben uns gut verstanden. Mir wurde auch angeboten, dass ich jederzeit wiederkommen kann und ich durfte auch einige Tage länger, als von der Organisation vorgesehen, bei ihnen bleiben.

Literatur

Bis auf Isabel Allende (die Stadt der Wilden Götter) und Pablo Neruda (sehr bekannter Chilenischer Schriftsteller/Dichter) fällt mir nichts weiter ein. Ich habe mir zwar bei meiner ersten Reise den Lonely planet angeschafft, aber eigentlich gar nicht verwendet. Die Tipps von den Einheimischen sind ehrlich gesagt mehr wert. Ich war auch viel mit Chilenischen Freunden unterwegs, die die entsprechenden Orte kennen.

Mitzunehmen

- WARME KLAMOTTEN! Bedenkt vor allem, dass dort Winter ist, wenn hier Sommer ist und es wird auch im Flachland recht kühl (4 ° ca ). Denkt auch an Mütze und Handschuhe! Im Gebirge gibt es auch Schnee.
- Rucksack zum Städtetrips und Wandern
- Wanderschuhe
- Badeanzug
- Apothekenversorgung: (das Sortiment dort ist doch ein bisschen anders als hier)


- Im Krankenhaus braucht man einen Kittel! und theoretisch Stethoskop, Leuchte und Hammer (wobei bei mir auf der Station immer die Stehoskope in den Zimmern hingen und zum Leuchten das Handy genommen wurde ;))

- Gastgeschenke
Ich hatte Lübecker Marzipan und Mozartkugeln und Yogi Tee dabei. Und alles ist sehr gut angekommen!

Ich empfehle auch einige Kleinigkeiten mitzunehmen, da die Leute dort sehr gastfreundlich sind und es schön ist sich mit einer kleinen Geste zu bedanken. Gute Schokolade ist dort rar und teuer, eventuell kann man auch Bier oder Wein mitnehmen – wobei ich das vorsichtshalber nicht in den Koffer packen würde – daher bleibt nur noch Duty free shopping.
Zudem ist es auffällig, wie viele chilenische Familien Kühlschrankmagneten von Städten und Ländern sammeln – damit kann man den meisten auch eine Freude mache!

Reise und Ankunft

Am Flughafen sind die Taxifahrer sehr aufdringlich. Am besten erstmal abschütteln und deutlich sagen „Gracias – estoy esperando mis amigos/mi familia“. Denn falls man kein Bargeld in Pesos dabei hat muss man erstmal zum ATM und Geld holen und es ist nicht gerade vertrauenswürdig, wenn der Taxifahrer nicht locker lässt und mit zum Automaten läuft. Mit dieser Person würde ich dann auch definitiv nicht mitfahren. Mir ist es mit dem Gepäck meist am liebsten, dann zu einem der Schalter zu laufen und von dort ein Taxi zu nehmen und nicht bei einer individuellen Person. Man kann auch am Flughafen ein Uber bestellen, allerdings wartet man da durchaus 30 min, da die erstmal bis zum Flughafen kommen müssen – ist aber wesentlich billiger.


Am oder vor dem ersten Arbeitstag muss man seine ID im Büro holen. Die Dokumente dafür muss man im voraus an das Krankenhaus schicken.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in meiner Famulatur in dem Hospital Clinico de la Universidad Catholica Santiago komplett in der Pädiatrie. Wobei man da natürlich viele verschiedenen Fachrichtungen mitbekommt. Es gibt dann für die Kinder auf der Station jeweils die passenden Konsile. D.h. über die Station rennen immer alle möglichen Fachrichtungen von Psychiatern bis zu Infektiologen rum. Man kann die jeweiligen Ärzte auch fragen, ob man beim Konsil dabei sein darf oder geht einfach mit ins Zimmer. Das war besonders bei den Psychiatern immer sehr spannend! An einem Tag durfte ich auch mit auf die Neonatologische Intensivstation, was auch sehr beeindruckend war.


Mein erster Tag war sehr chaotisch und es hat sich keiner wirklich für mich verantwortlich gefühlt. Man muss dort insgesamt ein bisschen Eigeninitiative zeigen und sich an die Ärzte dran hängen und schauen, wo es etwas interessantes gibt. Eine der vier Wochen hat mich die Ärztin, die offiziell für mich zuständig war, mit in ihren Studentenunterricht genommen. Das war sehr interessant und ich habe sehr viel Theoretisches gelernt. Die Studenten haben einen Patienten anamnestiziert und den Fall danach der Ärtzin vorgestellt und danach wurden verschiedene Krankheitsbilder besprochen. Ich selber war nur dabei und habe selber keinen eigenen Patienten bekommen, aber wurde intensiv in die Nachbesprechung miteinbezogen.

In Chile sind die meisten Famaulatur offiziell rein „observativ“. Ich habe größtenteils also nur zu geschaut oder ab und zu mal unter Aufsicht Kinder abgehört oder abgetastet. Ich habe im Studentenunterricht und in den Seminaren für die Assistenzärzte sehr viel Theorie und Spanisch gelernt, aber Praxiserfahrung habe ich sehr wenig mitgenommen. (Von einer anderen Studentin in der Inneren Medizin habe ich allerdings anderes gehört – sie durfte jeden Tag 2 Patienten untersuchen und vorstellen).

Der Standard in dem Krankenhaus der U. Catholica ist ziemlich hoch und man merkt, dass es ein ausbildendes Krankehaus ist. Es gibt auf Station oft viele Ärzte, wobei die Internos (sowas wie Pjler) und Ärzte in Weiterbildung immer von der Stationsleitung kontrolliert werden.
Zum Teil kam es mir so vor, als würden sich die Ärzte dort mit unnötiger Bürokratie aufhalten. Oft wurden Patienten auch immer wieder das selbe gefragt, obwohl es davon schon 2 Berichte in der Akte gab.
Die Stimmung im Krankenhaus ist sehr angenehm und alle sind auch dort herzlich. Auch die Kommunikation zwischen Pflege und ärtzlichem Personal funktioniert dort besser, als in den meisten Häusern hier. Ich wurde im Team sehr liebevoll aufgenommen und man verbringt auch durchaus mit den Kollegen außerhalb der Arbeit Zeit miteinander! Am Nationalfeiertag wurde im Krankenhaus eine kleine Party in der Pause geschmissen und es gab reichlich Essen und es haben alle zusammen (Ärzte, Pädagogen, Psychiater, Pfleger) gefeiert und sich zum Affen gemacht bei diversen Spielen.

Land und Leute

Chile ist ein facettenreiches Land, bei dem für jeden was dabei ist. Im Norden die Atacamawüste, im Süden die eiserne Wüste mit wunderschönen Gletschern und Nationalparks, im Landesinneren die Anden und an der Küste das Meer. Besonders gefällt mir Valparaíso! Eine wunderschöne, bunte Stadt am Meer voller Künstler und Musiker. Santiago mag ich persönlich nicht ganz so gerne, da es eine recht große Stadt ist. Aber es ist doch eine besondere Großstadt, da man um die Stadt herum die Anden sieht und auch das soziale Angebot dort sehr ausgefallen ist. Ich war mit Freunden mehrmals auf Tanzkursen auf der Straße. Man kann da einfach bei Salsa, Bachata, Tango, Cueca (Chilenischer Traditioneller Tanz) teilnehmen und zahlt am Ende der Stunde ca 2 euro. Das ist auch eine super Gelegenheit um neue Leute kennen zu lernen. Zudem kann man auch in Salsaclubs gehen und das gelernte dann dort anwenden. Die Chilenen sind super lieb und offen. Manchmal schimmert bei den Jungs so ein bisschen der „Machismo“ - aber alles im Rahmen. Man kommt zur Not mit Englisch weiter aber einige Chilenen können kein Englisch. Daher ist es durchaus sinnvoll sich vorher ein bisschen mit der Sprache auseinander zu setzen.
Man findet in Chile sehr schnell Freunde und ist auch immer schnell auf den Veranstaltungen der Freunden der eigenen Freunde eingeladen :). Auch im Krankenhaus hat ein sehr angenehmes und herzliches Klima geherrscht – auch zwischen Ärzten und Pflegern.

Wer im September dort ist bekommt mit, wie alle die ganze Zeit in Feierlaune sind und nur noch ESSEN und Pisco trinken. Denn am 18 September wird der Chilenische Unabhängigkeitstag gefeiert. Aber die Vorbereitung geht schon eine Woche vorher los.


Auch die anderen Austauschstudenten der IFMSA waren super Leute und wir haben viel miteinander unternommen! Dort kann man definitiv Freunde fürs Leben finden! Das social Programm war wirklich sehr abwechslungsreich und man konnte dort gute Kontakte knüpfen. Es wurden verschiedene Veranstaltungen angeboten wie z.B. verschiedene Infoabende zu Themen wie: das Gesundheitssystem in Chile, Infektionskrankheiten in Chile, (Homo-)Sexualität/Abort etc. Es wurden aber auch Ausflüge innerhalb Santiagos angeboten: Lotus Tempel, mehrere Bar Tours, Fonda (sowas wie ein Jahrmarksfest für den Nationalfeiertag). Auch am Wochenende gab es verschiedene Programmpunkte, wie eine Exkursion zu einer Lagune, Kanu fahren und eine Exkursion für 3 Tage nach Valparaiso. Die dortigen Studenten waren wirklich bemüht, uns ein tolles Programm auf die Beine zu stellen.

Fazit

Ich kann jedem Chile als Reiseland empfehlen. Ich war dort schon zwei Mal und werde auch sicherlich nochmal dorthin reisen. Wie oben erwähnt, habe ich während der Famulatur sehr viel Theorie und Spanisch gelernt, allerdings nicht so wahnsinnig viel Praxiserfahrung mitgenommen. Dafür wären die öffentlichen Krankenhäuser besser (das kann man sich aber leider bei der Auswahl nicht aussuchen). Allerdings muss man auch bedenken, dass man auch in Deutschland nicht so viel auf der Pädiatrie selber machen darf. Ich würde mich daher auch ein zweites Mal entscheiden, dort eine Famulatur zu machen.

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