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Israel (FIMS)

Anästhesie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Angela , Aachen

Motivation

Für mich stand relativ früh fest, dass ich mindestens eine Famulatur im Ausland absolvieren wollte.
Zum einen habe ich mir erhofft, einen anderen Blickwinkel auf das deutsche Gesundheitssystem und die medizinische Ausbildung bei uns zu gewinnen, indem ich ein anderes Gesundheitssystem kennen lerne.
Zudem gewährt ein Praktikum im Ausland einen völlig anderen Zugang zu einem fremden Land als der Besuch als Tourist.
Da ich an meiner Universität im Austausch aktiv bin, habe ich viele positive Austauscherfahrungen über die IFMSA miterlebt und wollte somit selber auch die Chance nutzen, über die bvmd/IFMSA ins Ausland zu gehen.
Meine erste Wahl fiel dabei auf Israel, da dies ein Land mit hohen medizinischen Standards ist, über das ich gerne mehr erfahren wollte.

Vorbereitung

Von dem Krankenhaus in Haifa wurden einige Versicherungsnachweise (Auslandskrankenversicherung, Unfallversicherung etc.) sowie ein Gesundheitszeugnis gefordert. Es empfiehlt sich, sich darum möglichst früh zu kümmern, da für das Gesundheitszeugnis neben einem Tuberkulose-Test auch zahlreiche Impftiter gefordert wurden, die ich beispielsweise nicht durch den Hochschularzt bestimmen lassen konnte. Davon abgesehen gab es, nachdem der Flug gebucht war, nicht viel zu organisieren. Ich habe mich natürlich noch etwas über Israel informiert.

Visum

Für Israel muss man im Vorfeld kein Visum beantragen. Bei der Einreise bekommt man einen „Visumszettel“ in den Reisepass gelegt, den man nicht verlieren sollte und in Israel z.B. auch bei der Buchungen eines Hostels o.ä. vorzeigen muss. Je nachdem, aus welchen Ländern man bereits Stempel im Reisepass hat, muss man sich auf einige Fragen bei der Einreise einstellen. Außerdem sollte man am Flughafen nicht zu wenig Zeit einkalkulieren, da die Sicherheitskontrollen für Flüge nach Israel umfangreicher als bei anderen Flügen sind.

Gesundheit

Für meinen Auslandsaufenthalt in Israel habe ich keine besonderen medizinischen Vorbereitungen getroffen. Israel ist ein hochentwickeltes Land mit guten medizinischen Standards. Um eine Auslandskrankenversicherung sollte man sich natürlich kümmern. Besonders in den heißen Sommermonaten ist es sehr angenehm, dass man das Leitungswasser in Israel problemlos trinken kann und es an vielen öffentlichen Plätzen (z.B. auch an Stränden) Wasserspender gibt.

Sicherheit

Da man bei Israel immer auch an den Nahostkonflikt denkt, habe ich mir vor meinem Aufenthalt natürlich auch Gedanken über das Thema Sicherheit gemacht, mich über die aktuelle Sicherheitslage im Land informiert (Auswärtiges Amt, Nachrichten etc.) und mit Leuten gesprochen, die bereits in Israel waren. Strenge Sicherheitskontrollen und eine hohe Polizei-/Militärpräsenz erinnern einen in Israel natürlich an die angespannte Lage, aber insgesamt habe ich mich in Israel sehr sicher gefühlt.

Geld

Die israelische Währung heißt Schekel. Ich hatte vor dem Aufenthalt etwas Geld bei einer Reisebank getauscht, was ich aber nicht empfehlen würde, da die Umtauschgebühren recht hoch waren. In Israel habe ich einfach mit meiner Kreditkarte Geld abgehoben, was immer problemlos lief. Das Preisniveau in Israel ist insgesamt hoch. Ein Supermarkteinkauf ist im Schnitt auf jeden Fall teurer als in Deutschland. Besonders teuer ist Alkohol in Israel, insbesondere in Bars und Clubs (ca. 6 Euro für ein kleines Bier). Die öffentlichen Verkehrsmittel sind dafür aber günstiger als in Deutschland und für Wochenendtrips findet man günstige und gute Hostels.

Sprache

Die Amtssprache in Israel ist Hebräisch. Häufig gesprochene Sprachen sind daneben Arabisch und Russisch. Mit Englisch kommt man in Israel aber gut zurecht. Etwas verwirrend fand ich, dass ja im Hebräischen von rechts nach links geschrieben wird, Zahlen dann aber wiederum von links nach rechts.

Verkehrsbindungen

Israel hat ein gut ausgebautes Bus- und Bahnnetz. Man muss allerdings für Wochenendausflüge bedenken, dass während des Sabbats (außer in Haifa) der öffentliche Verkehr komplett still steht. Wir haben das meist so gelöst, dass wir Donnerstags nach dem Krankenhaus z.B. nach Jerusalem gefahren sind und dann einfach den ersten Bus, der Samstag Abend wieder fuhr (ab ca. 21:00) zurückgenommen haben (in Israel ist Freitag und Samstag Wochenende). Sherruts (Sammeltaxis) fahren auch am Sabbat. Um Geld zu sparen, empfiehlt es sich, sich eine RavKav-Card an einem Bahnhof/Busbahnhof zu kaufen, auf diese kann man Geld einzahlen und dann damit mit einem guten Rabatt Bus- und Bahntickets erwerben. Außerdem würde ich die App Moovit empfehlen. Über diese kann man sich, ähnlich wie bei google maps, Bus-/Bahnverbindungen anzeigen lassen, allerdings ist sie im Gegensatz zu google maps mit den tatsächlichen Abfahrtszeiten der Busse synchronisiert.

Kommunikation

Ich habe mir eine israelische SIM-Karte geholt und würde dies auch empfehlen. Zwar ist das Wlan-Netzwerk in Israel gut ausgebaut, aber für die Orientierung in einem fremden Land und um sich mit den anderen Studenten abzusprechen, fand ich das mobile Datenvolumen sehr viel wert. Ich habe die SIM-Karte in Haifa bei einem lokalen Handyladen gekauft, das war günstiger als am Flughafen.

Unterkunft

Zusammen mit den anderen Internationals habe ich im Studentenwohnheim auf dem Uni-Campus in Haifa gewohnt. Der war leider etwas außerhalb, aber man hatte einen tollen Blick auf die Stadt. Es haben immer fünf Studenten wie in einer WG zusammen gewohnt: jeder hatte sein eigenes Zimmer, und Bad/Küche wurden geteilt. Man sollte keine zu hohen Erwartungen an die Unterkunft haben. Unser Wohnheim war zum Beispiel sehr minimalistisch ausgestattet, was leider im Vorfeld nicht kommuniziert wurde. Ich würde auf jeden Fall meine Kontaktperson fragen, ob es z.B. Kissen und eine Basisausstattung an Geschirr gibt. Mit einer Fahrt zu Ikea und ein bisschen Kreativität war es aber auch kein Problem.

Literatur

Um mit etwas mehr Hintergrundwissen nach Israel zu gehen, hatte ich mir ein Buch über den Nahostkonflikt angeschafft („Der Nahostkonflikt“ von Muriel Asseburg u. Jan Busse). Außerdem hat mich der Reiseführer von lonely planet auf meinen Trips in Israel begleitet.

Mitzunehmen

Wenn man im Sommer in Israel ist, sollte man vor allem für die Küstenregion nicht zu warm packen. Lange Hosen oder Pullover brauchte ich in Haifa nie. Für den Besuch von religiösen Stätten sollte man an schulter- und kniebedeckende Kleidung denken.

Reise und Ankunft

Meine Reise und auch die Ankunft in dem Studentenwohnheim lief ohne Probleme. Man sollte aber beim Buchen seinen Fluges im Hinterkopf behalten, dass am Sabbat keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren. Anders als ich es aus Deutschland kenne, sind wir nicht vom Bahnhof abgeholt wurden, sondern mussten uns selber um die Schlüsselübergabe etc. kümmern, was ich aber nicht als Problem empfand.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Mit Israel habe ich bewusst ein Land mit hohen medizinischen Standards gewählt. Trotzdem gab es natürlich kleinere Unterschiede zum deutschen Gesundheitssystem und medizinischem Bildungssystem. Wenn man als ausländischer Student in ein fremdes Krankenhaus geht, kann man nicht erwarten, genauso in die klinischen Tätigkeiten eingebunden zu werden, wie man es aus Deutschland gewohnt ist. Die Ärzte in der Anästhesie im Bnei Zion Krankenhaus in Haifa waren allerdings sehr motiviert, einem möglichst viel zu zeigen und zu erklären. Und nachdem sie ein bisschen Zeit hatten uns Internationals (ich habe mit noch einem weiteren Austauschstudenten in der Anästhesie famuliert) kennen zu lernen, durften wir auch mithelfen. Im Vergleich zu Deutschland war man als Famulant weniger fest in den Krankenhausalltag eingebunden, was Vor- und Nachteile mit sich brachte. Auch wenn man in Deutschland manchmal gucken muss, dass man nicht den Beginn der Visite verpasst, weil man noch die Blutabnahmen vom Morgen abarbeitet, habe ich es durch meine Auslandsfamulatur schätzen gelernt, wie man in Deutschland als Student praktisch miteingebunden wird. Das ist mir vor allem auch durch Gespräche mit anderen ausländischen Studenten bewusst geworden. Andererseits konnten wir uns unsere Tage ziemlich frei einteilen und konnten entscheiden, zu welcher OP wir gehen wollten oder ob wir den Tag in der Präoperativen Ambulanz oder im Kreissaal verbringen wollten. Die Ärzte haben immer wieder betont, dass wir vor allem Spaß an dem Praktikum haben sollen und uns deswegen aussuchen sollen, was wir sehen möchten. Wenn eine interessante OP anstand, haben sie uns darauf aufmerksam gemacht, und wenn nicht mehr viel anstand, wurden wir gefragt, ob wir nicht bei dem schönen Wetter (im August gab es nur schönes Wetter) an den Strand gehen möchten. Teilweise mussten wir recht viel Eigeninitiative zeigen, da sich kein Arzt direkt für uns verantwortlich gefühlt hat. Aber wenn man nachgefragt hat, haben einen alle Ärzte gerne über die Schulter gucken lassen und so gut es ging eingebunden. Leider gab es in der Anästhesie eine recht große sprachliche Barriere. In anderen Abteilungen war dies aber wohl besser.
Da im August wegen „Ferien“ zwei Wochen lang keine elektiven Operationen stattfanden, endete unser Arbeitstag meist nach dem Mittagessen.
Insgesamt habe ich die Arbeitsatmosphäre in dem Krankenhaus als sehr angenehm empfunden. Durch einen besseren Personalschlüssel und da viele Tätigkeiten (wie Blutentnahmen auf Station) in Israel nicht in den ärztlichen Aufgabenbereich fallen, ist die Arbeitsbelastung der Ärzte geringer als in Deutschland. Außerdem war das Arbeitsklima durch flache Hierarchien geprägt.
Da es in Israel keine Anästhesie-Schwestern/Pfleger gibt, waren zumindest bei der Einleitung immer zwei Anästhesisten anwesend. Somit hatte i.d.R. einer etwas Zeit für Studententeaching.
Insgesamt hat sich die Famulatur für mich auf jeden Fall gelohnt. Vermutlich hätte ich bei einer einmonatigen Famulatur in der Anästhesie in Deutschland inhaltlich/praktisch noch mehr mitgenommen, aber dafür habe ich in vielen anderen Aspekten dazugelernt.

Land und Leute

Israel ist ein kleines, aber unglaublich vielfältiges und interessantes Land.
Der Kontakt mit Einheimischen war für mich sehr positiv und vor allem dadurch geprägt, dass sie einem von Israel begeistern wollten. So hat zum Beispiel ein Supermarkt Kontakt damit geendet, dass eine Familie alle Austauschstudenten (17 Leute) zu sich zum Essen eingeladen hat. In Deutschland habe ich so etwas noch nie erlebt.
Natürlich verbindet man mit Israel den Nahostkonflikt und ich würde jedem, der sich für das Thema interessiert empfehlen, nach Israel zu reisen. Um den Konflikt zu verstehen, reicht das sicher nicht, aber durch Gespräche mit Einheimischen, gewinnt man auf jeden Fall neue Eindrücke und Ansichten hinzu. Allerdings gibt es noch viel mehr innerisraelische Konflikte, wie etwa zwischen orthodoxen und säkularen Juden, mit denen man sich für ein Verständnis des Landes befassen muss.
Bei einem Besuch von Israel würde ich auch Jedem empfehlen in Jerusalem die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zu besuchen. Für mich war der Besuch sehr bewegend, und er gibt einem eine grobe Ahnung davon, wie das Land aktuell noch durch die Zeit des Holocaust geprägt ist.
Auch wenn Israel natürlich durch Konflikte geprägt ist, hatte ich nicht das Gefühl, dass die Menschen ihr Leben davon bestimmen lassen. Wobei es prinzipiell schwierig ist, allgemeine Aussagen über Israel zu treffen, da das Land dafür einfach zu vielschichtig ist.
Es gibt einen Spruch der sagt: „Nach Jerusalem kommt man zum Beten, nach Haifa zum Studieren und Arbeiten und nach Tel Aviv zum Feiern“. Ich finde das verdeutlich, wie unterschiedlich die Städte sind. So findet man in Jerusalem heilige Stätten von alle großen Religionen und es lohnt sich sicher, ein paar Tage dort zu verbringen, um möglichst viel von der Stadt erkunden zu können. Haifa hat im Vergleich, von den Bahai-Gärten und Stränden abgesehen, kulturell weniger zu bieten, ist aber eine offene Stadt, in der am Sabbat sogar Busse fahren und in der die einzelnen Religionsgemeinschaften i.d.R. friedlich zusammenleben. Tel Aviv ist eine total lebendige Metropole mit vielen Startups, einem bekannten Nachtleben und einem tollen Strand. Kleinere Städte wie das jüdisch geprägte Safed oder das arabisch geprägte Nazareth sind auch wieder sehr verschieden, und es lohnt sich, sie zu erkunden.
Auch landschaftlich hat Israel auf kleinem Raum sehr viel zu bieten. Man kann im roten Meer, Mittelmeer und toten Meer baden, durch die Wüste Negev fahren und die Oase En Gedi erkunden. Einmal früh aufzustehen und zum Sonnenaufgang zur ehemaligen jüdischen Festung Masada hochzusteigen, lohnt sich auch auf jeden Fall.

Fazit

Für mich hat sich der Austausch absolut gelohnt. Die Famulatur war interessant, und Israel empfand ich sowohl kulturell als auch landschaftlich als sehr spannend und eindrücklich. Ich würde den Austausch auf jeden Fall weiterempfehlen.

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