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Armenia (AMSP-Armenia)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Uta, Hamburg

Motivation

Ich war bereits in meiner Schulzeit einmal eine längere Zeit im Ausland gewesen und mir was seit Anfang des Studiums bewusst, dass ich die vielen Praktika im Studium nutzen möchte, um noch einmal weitere Auslandserfahrungen zu sammeln.
Ich hatte mich für die Länder, Indonesien, Nepal und Thailand entschieden, da ich ein ganz anderes Gesundheitssystem und eine andere Kultur als in Deutschland kennenlernen wollte.

Vorbereitung

Ich habe keine speziellen Vorbereitungskurse oder Seminare besucht. Prinzipiell waren die Erfahrungsberichte der anderen ausreichend. Man sollte einfach offen für eine neue Erfahrung sein, dann sollte man keine Probleme haben.
Ich habe mich viel im Internet informiert.

Visum

Man braucht ein Social Visum. Das habe ich beim Konsulat in Hamburg beantragt, es hat 45 Euro gekostet. Man braucht: Reisepass, Kopie Flugticket, Passbild, Visum-Antragsformular, Einladungsschreiben. In Hamburg wollen sie zusätzlich noch einen Invitation Letter von der Uni haben. Der Invitation Letter von IFMSA reicht nicht aus. Am besten kontaktiert ihr deshalb sofort euren LEO. Meine war da sehr engagiert und es dauerte nur wenige Tage bis ich das richtige Schreiben hatte.

Gesundheit

Ich habe mich im Vorfeld bei der Reisemedizin beraten lassen und mich gegen Tollwut, Typhus und Japanische Enzephalitis impfen lassen. Letztere ist eher nicht nötig, aber ich wollte im Anschluss noch reisen. Des weiteren hatte ich eine gut ausgestattete Reiseapotheke mit, von der ich allerdings nur das Antiemetikum gebraucht habe, da mich zwei Tage eine Gastroenteritis begleitete. Mückenschutz nicht vergessen! Ich hatte Antibrumm, das hat geholfen. Malarone braucht man in Padang selbst nicht, wenn ihr aber in ein Malaria Gebiet wollt, nehmt es mit, da es vor Ort nur Doxycyclin gibt.
Ich habe keinen Tbc Test machen müssen.

Sicherheit

Ich habe mich in Padang sehr sicher gefühlt. Man muss sich einfach mit seinem gesunden Menschenverstand bewegen. Nachts alleine durch die Straßen zu laufen, würde ich auch in Deutschland niemanden empfehlen.
Mulmig wird einen etwas bei den ganzen Erdbebenmeldungen. Es gab auch eins in Padang, aber das habe ich selbst nicht bemerkt. Stärkere gab es während meiner Zeit auf Sumatra nicht.

Geld

Man zahlt in indonesischen Rupiah (1 Euro sind ca 17000 Rupiah) .
Ich hatte eine Kreditkarte mit, die lediglich 1,25% Auslandszinssatz hatte aber keine weiteren Gebühren. Einige haben auch Geld gewechselt, aber das ist sehr umständlich, da es nur an zwei Orten der Stadt funktioniert. Gut ist auch immer Kleingeld (2000-20000 Rupiah Scheine!) bei sich zu haben, da viele kleine Stände große Scheine nicht wechseln können.
Die Lebenshaltungskosten sind sehr gering. So kostet beispielsweise ein Mittagessen zwischen ein und zwei Euro und auch frische Säfte sind sehr preiswert.

Sprache

Ich habe versucht, vor Anreise etwas Indonesisch zu lernen, es war jedoch weniger als geplant. Die Einheimischen sprechen kaum Englisch und häufig ihren eigenen indonesischen Dialekt, weshalb eine Kommunikation mit den Patienten fast unmöglich war. Ärzte und Studenten sprechen mehr oder weniger gut Englisch, aber die Verständigung war ausreichend und sonst Hände und Füße. Ich hätte von den Ärzten zum Teil besseres Englisch erwartet.
Meine Gastmutter und Schwester konnten gut Englisch. Am meisten Indonesisch habe ich von meiner kleinen Gastcousine gelernt :)

Verkehrsbindungen

Ich habe meinen Flug ca. 2 Monate vor Abflug gebucht und ca. 800€ mit Emirates nach Jakarta gezahlt. Es hätte auch noch Flüge für 700€ gegeben, allerdings nicht von Hamburg aus und mit deutlich längeren Wartezeiten in Riad. Da ich zeitlich von den Daten sehr festgelegt war, ergab sich auch wenig Flexibilität. Von Jakarta nach Padang bin ich dann mit Garuda geflogen für ca 50€. Es gibt aber noch günstigere Billigairlines, jedoch hatte ich Angst um mein Gepäck. Später bin ich mit diesen auch geflogen.
In Padang habe ich hauptsächlich die App „Go-Jek“ benutzt, bei der man jeweils mit Moped oder Auto an sein Ziel gebracht wird. 20 Minuten Fahrt zum Krankenhaus kosteten ca 0,80€.
Auf Java sind die Züge wohl ganz gut ausgebaut, sowie gibt es dort eher die App Grab.

Kommunikation

Ich hatte mir im Vorfeld Gedanken über das Telefonieren gemacht, welche sich aber als unbegründet erwiesen. Daten sind in Indonesien sehr günstig (ca 6€ für 14GB) und am Ende habe ich einfach über WhatsApp telefoniert. Die SIM Card gab es direkt am Flughafen von unserer LEO. Meine Familie hatte kein WLAN, aber das habe ich auch nicht gebraucht.

Unterkunft

In Padang ist man in Gastfamilien untergebracht. Eigentlich soll der Student sein eigenes Zimmer haben, aber ich wurde im Voraus gefragt, ob ich mir mein Zimmer mit meiner Gastschwester auch teilen würde, was für mich kein Problem darstellte. Meine Gastschwester war bereits Ärztin und in ihrem Internship. Ich hatte eine große und sehr herzliche Familie. Selbst wenn meine Gastmutter viel aufgrund der Arbeit außerhalb der Stadt war, war doch meistens jemand im Haus. Besonders vermisse ich meine kleine Gastcousine.
Etwas gewöhnen muss man sich an die Toilette und an die Dusche, aber das ist alles machbar.

Literatur

Ich habe häufig Beiträge auf indo-junkie gelesen. Zudem habe ich mir noch einen Indonesien Reiseführer von DuMont von Roland Dusik gekauft. Diesen habe ich vor allem danach beim Reisen genutzt.
Ich habe mir noch eine englisch medizinisches Wörterbuch für die Kitteltasche gekauft, da ich kein medical English vorher hatte.

Mitzunehmen

Padang ist sehr muslimisch. Lange, luftige Kleidung ist angebracht, die zumindest Knie und Schultern bedecken. Im Krankenhaus sollten ebenfalls keine Tshirts getragen werden. Es gibt vor Ort keine Tampons zu kaufen, also sollte man diese ggf. mitnehmen. Ich hatte auch noch Toilettenpapier mit und Desinfektionsmittel mit, aber dieses bekommt man sonst auch vor Ort.

Reise und Ankunft

Ich bin am Montagabend spät in Padang angekommen und am Mittwoch begann mein Praktikum. Ich wurde leider etwas zu spät abgeholt, aber am Ende hat alles funktioniert. Problematisch war nur, dass außerhalb des Flughafens kein WLAN mehr war und ich nicht zurück nach drinnen gehen konnte. Ich wurde dann zu meiner Gastfamilie von meiner LEO und dem SCORE LEO gebracht.
Am Mittwoch trafen wir uns morgens im Krankenhaus und wurden jeweils auf die Stationen verteilt. Die Studenten für die Innere mussten jedoch mehrere Stunden morgens auf den zuständigen Arzt warten. Dafür konnte die LEO allerdings nichts.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich machte meine Famulatur auf der Inneren. Eigentlich hatte ich wegen der Sprachbarriere in die Chirurgie gewollt, dort war allerdings kein Platz mehr frei gewesen. Da ich mich auch für Tropical Diseases interessierte, war ich gespannt, was mich erwarten würde. Ursprünglich waren wir drei exchange students, aber die anderen beiden mussten aus persönlichen Gründen früher nach Hause.
Die Innere im Krankenhaus ist sehr hektisch. Ich hatte mehr mit den Studenten zu tun, als mit den Ärzten.
Mein Tagesablauf sah wie folgt aus: ich kam zwischen 8 und 9 Uhr morgens, an bestimmten Tagen war große Visite. Diese war allerdings auf Indonesisch, sodass ich mir oft Hilfe von den Studenten zum Übersetzen geholt habe. Manchmal waren danach Classes, in denen Studenten bestimmte Krankheitsbilder vorstellten. Häufig wurden diese allerdings verschoben, wenn der zuständige Arzt beschäftigt war. Dies war immer einer der Fachärzte, welche häufig in mehreren Krankenhäusern arbeiten. Mein Supervisor wies seine Studenten an, die Vorträge auf Englisch zu halten, sodass ich dort zumindest mitreden konnte.
Mein Supervisor Dr Rudi ist Facharzt der Hämato-Onkologie. Wenn er seine eigene kleine Visite machte, war er immer bemüht mir auf Englisch meine Fragen zu beantworten und mir den Patienten zu erklären. Einmal waren eine andere Studentin und ich mit ihm und seiner Frau Mittag essen und haben danach noch seinen Sohn von der Schule abholt. Er musste danach noch in ein anderes Krankenhaus. Er hat sich wirklich Mühe gegeben, dass man gute Erfahrungen macht. Leider war er nur sehr beschäftigt.
Einige Male bin ich morgens auch zur Frühbesprechung gegangen, bei der die Assistenzärzte die Patienten aus der Nacht in einem Konferenzraum mit Powerpoint vorstellen. Die Folien sind auf Englisch. Allerdings fand dies auch häufig zu anderen Zeitpunkten oder gar nicht statt.
Ich fragte häufig die Studenten, ob es interessante Fälle zum Untersuchen gab und wenn ja, haben wir die Patienten gemeinsam untersucht. Die meiste Zeit habe ich allerdings observiert, was zum Teil auch an der Sprachbarriere zum Patienten lag und am Zeitmangel der Ärzte. Ich habe mich zu spät erkundigt, ob ich mehr praktisch machen durfte, sodass ich am Ende nur einmal Blut abgenommen habe, auch wenn sicherlich die Gelegenheit einer arteriellen Punktion bestanden hätte. Von den Studenten aus der Kardiologie und Chirurgie weiß ich, dass dort mehr gemacht werden durfte.
Eindrücklich waren die Tropenkrankheiten wie Dengue Fieber und Malaria, welche man in Deutschland nicht sieht. Eine junge Ärztin nahm mich mit in die HIV-Ambulanz, wo die Patienten langfristig betreut wurden. Der Standard ist im Krankenhaus ein anderer. In den Zimmern liegen gerne zwölf Patienten. Tuberkulose kommt sehr häufig vor und die Isolation wird anders gehandhabt als in Deutschland. Diabetes und Nierenerkrankungen sind meist fortgeschrittener, weil die Patienten zu spät zum Arzt gehen.
Traurig hat es mich gestimmt, zu hören, dass Schlaganfall Patienten nicht rechtzeitig versorgt werden können, weil es nur ein CT gibt.
An einem Tag sind innerhalb von einer halben Stunde zwei Patienten verstorben, während ich daneben war, was für mich so das erste Mal war.
Ein paar Mal war ich mit in der Kardiologie und habe mehr Herzecho zugeguckt. Desweiteren gibt es Chirurgie Bedsideteaching mit einem sehr alten Professor auf Englisch. Dieses gestaltet er sehr interessant und man lernt wirklich etwas.
Ungelegen war es, dass in den letzten zwei Wochen Prüfungen waren, sodass ich kaum was zu tun hatte, da alle beschäftigt waren und ich aufgrund der Sprachbarriere nichts alleine machen konnte. Die Studenten und Ärzte waren immer sehr freundlich und bemüht und die Hierarchien sind relativ flach.
Insgesamt habe ich in den ersten zwei Wochen viele Eindrücke mitgenommen, die letzten zwei haben mich wenig weitergebracht. Wäre die Sprachbarriere nicht, könnte man hier bestimmt deutlich mehr lernen, so war es schwer.

Land und Leute

In Padang sind alle sehr herzlich. Selten kam mir jemand mit schlechter Laune auf der Straße entgegen.
Die indonesische Organisation CIMSA hat sehr viel mit uns unternommen, sodass man die Gegend um Padang besser kennenlernte. Wir waren an einem Wochenende in und um Bukittingi, an einem anderen haben wir kleine Inseln besucht, sind dort mit Boot rausgefahren und konnten schnorcheln. Mittags gab es häufig ein kleines Lunchpaket mit Reis und Chicken und Gemüse.
Es wurden an einem Tag noch zwei traditonelle Städte besucht, dort war ich aber leider krank.
Es gab ein Welcome und Farewell Dinner bei dem auch die Gastfamilie mit eingeladen war, sowie ein International Dinner, bei dem jeder ein Gericht aus der Heimat kochen sollte. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Die indonesischen Studenten haben sich wirklich sehr viel Mühe gegeben! Wir hatten eine extra Whatsapp Gruppe und bei Problemen war unsere LEO immer schnell zur Hilfe.
Das Essen in Padang ist besonders scharf, einige hatten am Anfang leichte Magenprobleme. Ich fand das Essen aber nach einer Weile sehr lecker. Auch mit den Händen essen ist sehr lustig. Reis gibt es natürlich sehr oft. Aber auch frisches Obst findet sich sehr viel und auch andere Früchte als in Deutschland. Vegetarische Gerichte sind eher selten. Bier werdet ihr kaum finden, denn die meisten in Padang sind muslimisch und halten sich an das Alkoholverbot. Allerdings habe ich mich nie von der Religion bedrängt gefühlt, ich empfand es eher als angenehm und interessant den Tagesablauf kennenzulernen.
Ich bin einige Male mit anderen indonesischen Medizinstudenten mit zum Badminton gegangen, das war super. Außerdem habe ich auch nach dem Krankenhaus noch etwas mit den einheimischen Studenten unternommen, sei es dass wir an dem Independence Day im Freibad waren und dann noch traditionelle Spiele mit angeguckt haben.
Mit meiner Gastschwester war ich einmal bei einer Hochzeit. Diese finden hier sehr oft statt, wenn ihr die Gelegenheit habt, nutzt sie! Es ist ganz anders als in Deutschland. Padang ist das Land des Minangkabau und auf der Hochzeit werden die traditionellen Gewänder getragen und Tänze vorgeführt.
Padang ist nicht besonders touristisch, genau deshalb habe ich es ausgewählt, um besser die Kultur kennenzulernen. Als Touristen dort waren wir eine Attraktion. Die Einheimischen wollten immer sehr gerne Bilder mit uns machen, besonders mit mir, da ich sehr groß für eine Frau bin. Sie haben einem „Bulle, Bulle“ auf der Straße hinterhergerufen. Aber das war nicht böse gemeint und man gewöhnt sich auch daran. In der Gegend müssen wir alle nun Prominente sein!

Fazit

Ich hatte einen wundervollen und eindrucksvollen Austausch und würde es sofort wieder machen. Man muss offen auf die Kultur zugehen, dann wird einem so viel zurückgegeben! Im Krankenhaus gibt sich jeder Mühe auf der Inneren, allerdings würde ich aufgrund der Sprachbarierre eher die Kardiologie oder Chirurgie empfehlen, wenn man mehr lernen möchte.

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