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El Salvador (IFMSA-El Salvador)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Anemone, Würzburg

Motivation

Meine Motivation eine Auslandsfamulatur zu machen, war es ein anderes Gesundheitssystem kennenzulernen. Ich habe El Salvador ausgewählt, da ich davon ausging, dass sich die Abläufe im Krankenhaus grundlegend von denen in Deutschland unterscheiden würden. Mir war aber wichtig, dass ich auch mit den Patienten kommunizieren kann, weshalb ich mich für ein spanischsprachiges Land entschieden habe.

Vorbereitung

Ein Jahr vorher habe ich mich über die bvmd beworben. Die Zusage von deutscher Seite kam frühzeitig, die Bestätigung aus El Salvador aber erst 8 Wochen vor Abflug. Die Flüge waren zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich teuer, weshalb ich über ein Reisebüro gebucht habe. Ich habe eine Auslandskrankenversicherung über meine Krankenkasse abgeschlossen und mir einen Reiseführer besorgt. Mein Ansprechpartner in Santa Ana teilte mit per Mail mit, welche Dienstkleidung und Materialien ich mitnehmen musste.

Visum

Für El Salvador braucht man für einen Aufenthalt bis zu 90 Tagen kein Visum. Es gibt keine Pflichtimpfungen, außer man reist über ein Gelbfieber-Endemiegebiet ein.

Gesundheit

Für die Reise musste ich mich nicht extra impfen lassen, da ich den Schutz gegen Hepatitis A und B, Tollwut und Typhus schon erhalten hatte. In meiner Reiseapotheke hatte ich Desinfektionsmittel, Schmerzmittel, Medikamente gegen Reisediarrhoe und Nasenspray. Außerdem hatte ich ein DEET-haltiges Mückenschutzmittel dabei und ein Moskitonetz, worüber ich, nachdem ich die Dengue-Patienten im Krankenhaus gesehen hatte, auch sehr froh war. Das Leitungswasser soll man nicht trinken und ich habe mir immer Wasserkanister besorgt.

Sicherheit

Ich hatte im Vorfeld schon einiges über die Lage in El Salvador gelesen und gehört und war deshalb auf das Schlimmste vorbereitet. Letztendlich habe ich mich während meines ganzen Aufenthalts aber nie unsicher gefühlt. Allerdings sieht man überall bewaffnetes Sicherheitspersonal, die unter anderem auch Supermärkte, das Krankenhaus und die Uni bewachen. Auch Salvadorianer meiden öffentliche Verkehrsmittel und legen selbst kurze Strecken, sofern sie es sich leisten können, immer mit dem Auto zurück. Sowohl die Organisation, als auch meine Gastfamilie waren sehr um meine Sicherheit besorgt, weshalb ich nie alleine das Haus verlassen durfte und immer mit dem Auto gefahren wurde. Das hat zwar eine starke Einschränkung meiner Freiheit bedeutet, aber ich habe mich während meiner Famulatur strikt daran gehalten. Nach dem Praktikum bin ich noch 2 Wochen alleine durch das Land gereist und auch Bus gefahren, was auch problemlos geklappt hat. Allerdings kannte ich mich zu dem Zeitpunkt auch schon gut aus und wusste welche Teile des Landes ich meiden sollte.

Geld

Die offizielle Währung ist der US-Dollar. Ich konnte mit meiner Maestro Karte von der Sparkasse fast überall Geld abheben, allerdings hat es immer ein paar Dollar Gebühren gekostet. Grundsätzlich ist El Salvador günstiger, aber Supermärkte und Restaurants sind teilweise preislich mit Deutschland vergleichbar. Von meiner Gastfamilie wurde ich vollverpflegt. Trotzdem habe ich über 300 Dollar in einem Monat ausgegeben, da wir sehr viel unternommen haben.

Sprache

Die Landessprache ist Spanisch. Englisch wird in der Schule unterrichtet, aber zumindest in Santa Ana haben die Studenten wenig und ungern Englisch gesprochen. Da ich schon ein Jahr durch Südamerika gereist war, konnte ich fließend Spanisch sprechen. Trotzdem habe ich ein paar Tage gebraucht, um mich an den Dialekt zu gewöhnen, zumal die Salvadorianer sehr schnell sprechen. Aber alle waren immer sehr geduldig und bereit, alles noch mal zu erklären.

Verkehrsbindungen

Das Busnetz ist gut ausgebaut. Da wir die öffentlichen Verkehrsmittel aber nicht benutzen sollten, wurden wir immer entweder von der Gastfamilie oder Studenten im Auto mitgenommen. Außerdem haben die Bushaltestellen in Santa Ana keine Namen, weshalb man sich gut in der Stadt auskennen muss, um zu wissen, wo man aussteigen muss.

Kommunikation

Ich habe mir eine SIM-Karte besorgt und es gab recht günstige Pakete für Internet und zum Telefonieren. Es war auch sehr nützlich, jederzeit erreichbar zu sein, alleine schon um zu besprechen, wann ich wo abgeholt werde.

Unterkunft

Ich habe bei einer Gastfamilie gewohnt, die aus Mutter, Vater und drei Gastgeschwistern bestand. Sie haben mich sehr herzlich aufgenommen und ich habe mich dort wirklich zu Hause gefühlt. Meine ältere Gastschwester hat auch Medizin studiert, allerdings im dritten Jahr, während ich in der Uni bei den Studenten aus dem fünften Jahr eingeteilt war. Tagsüber kam noch die Großmutter und hat den Haushalt gemacht und gekocht. Ich hatte ein eigenes kleines Zimmer, dafür haben sich meine Gastschwestern sich eins geteilt. Meine Gastfamilie war sehr religiös (evangelisch). Sie sind zwei Mal die Woche in die Kirche gegangen und hatten außerdem noch an zwei weiteren Tagen eine Versammlung ihrer Gemeinde bei sich daheim. Ich bin immer mitgegangen, wenn ich nicht durch Uni oder Social Program eingebunden war. Sie hätten es mir bestimmt nicht übel genommen, wenn ich nicht mitgekommen wäre, aber ich glaube, dass es viel dazu beigetragen hat, dass ich als Mitglied der Familie akzeptiert wurde.

Literatur

Ich hatte den Reiseführer „Zentralamerika für wenig Geld“ von Lonely Planet dabei. Darin findet man die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, Informationen zu Kultur und Geschichte und andere hilfreiche Tipps.

Mitzunehmen

Mitnehmen sollte man eine Reiseapotheke, Mückenspray, Moskitonetz, einen Adapter und Gastgeschenke. Für die Klinik hatte ich zwei Kittel, zwei weiße Hosen und einen Kasack in Farbe für die Nachtschichten dabei. Außerdem hatte ich OP-Hauben, Mundschutze, Handschuhe, Stethoskop und Desinfektionsmittel dabei. Desinfektionsmittelspender gibt es dort nicht. Stattdessen nutzen sie ein Gel, sowohl zum Händewaschen, als auch zur Desinfektion. Deshalb hatte ich immer ein Fläschchen Desinfektionsspray in der Tasche. Mundschutz und Handschuhe gab es schon im Krankenhaus, man musste aber manchmal etwas suchen. Außerdem sollte man schicke Kleidung mitnehmen. Die Studenten tragen Hemd, Krawatte und Anzugschuhe, die Studentinnen Bluse und Ballerinas. Bei Austauschstudenten wird nicht so sehr darauf geachtet, aber ich habe mich wohler gefühlt, wenn ich angemessen gekleidet war.

Reise und Ankunft

Ich bin spät abends in San Salvador gelandet und wurde von Verwandten meines lokalen Ansprechpartners abgeholt. Bei denen habe ich die ersten zwei Tage in San Salvador gewohnt, weil mich noch niemand aus Santa Ana abholen konnte. Dann wurde ich von zwei Mitgliedern der Organisation zu meiner endgültigen Gastfamilie gebracht. Dabei habe ich auch erfahren, dass die folgende Woche aufgrund eines nationalen Feiertags Ferien sind. Die Woche waren wir deshalb noch nicht im Krankenhaus eingeteilt und haben stattdessen viele Ausflüge unternommen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in der Pädiatrie eingeteilt. Das ist der modernste Teil des Krankenhauses, da er vor kurzem mit Spendengeldern renoviert wurde. Aber auch da gibt es keine Patientenzimmer, sondern große Säle, in denen ca. 20 Patientenbetten nebeneinander stehen. Die Mütter schlafen nachts auf Stühlen neben ihren Kindern. Mein Tag begann um sechs Uhr mit einem Tutorium, in dem meine Gruppe mit einer Professorin auf Visite gegangen ist. Die anderen Studenten mussten teilweise die Patienten vorstellen und wurden abgefragt. Ich blieb dabei meist verschont. Danach musste einer der Studenten einen Vortrag über ein pädiatrisches Thema halten. Im Anschluss waren noch zwei Vorlesungen, die aber auch des Öfteren ausgefallen sind. Die Nachmittage hatte ich frei. Einmal pro Woche hatte meine Gruppe eine 12- bzw. 24-Stunden-Schicht. Ich durfte frei entscheiden, ob ich teilnehme, auch weil die sich teilweise mit dem Social Program überschnitten. Ich habe zwei 24-Studen-Schichten mitgemacht. Das war eine sehr interessante Erfahrung und da bin ich auch zu etwas mehr Praxis gekommen. Aufgaben der Studenten waren, Aufnahmen in der Notaufnahme zu machen, die Verneblungen der Kinder mit Atemwegserkrankungen und viel Dokumentation, die von Hand in zweifacher Ausführung gemacht wird.
Die Studenten werden sehr gut ausgebildet. Da die Ressourcen begrenzt sind, lernen die Studenten viel mehr, nur anhand des klinischen Erscheinungsbildes der Patienten die richtigen Entscheidungen zu treffen. Außerdem haben sie fast jede Woche Testate und es wird erwartet, dass sie zum Beispiel Dosierungen von Medikamenten auswendig parat haben. Da ich im normalen Uni-Alltag eingebunden war, habe ich nicht sehr viel Praxis gehabt, aber dafür einen sehr guten Einblick in das Gesundheitssystem erhalten und fand es faszinierend zu sehen, wie die Ärzte mit weniger Geräten und fehlenden finanziellen Mitteln eine gute Patientenversorgung gewährleistet haben. Die Ärzte waren alle sehr nett zu mir und interessiert an dem Studium und Gesundheitssystem in Europa.
Für mich war das eindrucksvollste Erlebnis, als wir in einer 24-Stunden Schicht ein Kleinkind per Ambu-Beutel beatmen mussten, weil alle Beatmungsmaschinen bereits besetzt waren. Auch war ich beeindruckt von den Studenten, die alle sehr engagiert sind und oft noch an Projekten zur öffentlichen Gesundheit und Umwelt außerhalb der Uni arbeiten. Die Berufsaussichten in El Salvador sind sehr schlecht und die Bezahlung bleibt auch für erfahrene Ärzte recht gering. Deshalb studieren alle Studenten aus Überzeugung und sind sehr motiviert.

Land und Leute

Ich habe die Salvadorianer als außerordentlich gastfreundliche Menschen erlebt. Da es sehr wenige Touristen im Land gibt, haben sich alle sehr über Interesse an ihrem Land gefreut und wollten uns alles zeigen, was es zu sehen gab. Die ersten Fragen waren meist, welche Orte man schon besucht hat und welches typische Essen man schon probiert hat, meist gefolgt von der Einladung, die noch fehlenden Orte gemeinsam zu besuchen oder zusammen essen zu gehen. Oft wurden diese Pläne auch in die Tat umgesetzt. Ein offizielles Social Program gab es zwar nicht, da der Verantwortliche dies leider nicht organisiert hat (mit großer Wahrscheinlichkeit wird jemand anderes die Aufgabe in der kommenden Saison übernehmen). Dafür haben die anderen Studenten der Organisation von sich aus einige Ausflüge für uns geplant. Wir waren nur zwei Austauschstudenten in Santa Ana, deshalb konnten die Aktivitäten auch nach unseren Wünschen gestaltet werden. Wir wurden auch mit auf Familienfeste, Feiern und einen gynäkologischen Kongress mitgenommen. Ein Wochenende ist meine Gastfamilie mit mir an den Strand gefahren.
In der Uni und im Krankenhaus wollten alle Studenten und auch die Professoren einen kennenlernen und haben viele Fragen zu Europa gestellt.
Die meisten Studenten wohnen bei ihren Eltern, oft aus finanziellen Gründen, aber auch weil die Familien ein viel engeres Verhältnis habe als hier in Deutschland. Das hat zur Folge, dass sie oft ihre Eltern um Erlaubnis fragen müssen, wenn sie ausgehen wollen und es ihnen auch teilweise verboten wird. Meine Gastfamilie war sehr strikt ihren Kindern gegenüber. Meine Gastschwester durfte sich kaum mit Freunden treffen, keinen Alkohol trinken und nicht tanzen gehen. Für mich galten diese Regeln nicht und die meisten anderen Familien sind auch nicht so strikt.
El Salvador ist zwar sehr klein, hat dafür aber auf seiner begrenzten Fläche viel zu bieten. Es gibt schöne Strände, die man von Santa Ana innerhalb einer knappen Stunde erreichen kann. Man kann mehre Vulkane besteigen, Maya Ruinen besichtigen und dann gibt es noch die Ruta de las Flores mit Dörfern im Kolonialstil, viel lokalem Essen und Kaffee. Ganz in der Nähe von Santa Ana liegt der Lago de Coatepeque, ein wunderschöner großer See, in dem man schwimmen, Jet Ski fahren und in einem der vielen Restaurants am Ufer essen kann.
Das Essen ist nicht sehr gesund, aber ich habe alles gerne gegessen. Es kommen viel Reis und fast täglich Bohnen auf den Tisch. Das Nationalgericht sind Pupusas, Tortillas gefüllt mit Käse, Bohnen und Fleisch. Diese können zu jeder Tageszeit gegessen werden. In den meisten Familien gab es die mindestens einmal pro Woche.

Fazit

Ich kann El Salvador für eine Famulatur nur empfehlen. Ich habe einen sehr guten Einblick in ein anderes Gesundheitssystem erhalten. Ich weiß jetzt den Luxus an Ressourcen, den wir in deutschen Krankenhäusern haben, mehr zu schätzen. Auch bietet es eine Gelegenheit andere Krankheitsbilder wie Dengue-, Chikungunya-Fieber oder Tuberkulose zu sehen. Wenn man mehr Praxis haben möchte, sollte man sich eher für die Chirurgie oder Gynäkologie bewerben.
Vor allem aber war ich beeindruckt von der Gastfreundlichkeit der Leute. Ich habe mich von Anfang an wohl gefühlt, viele gute Freundschaften in dem Monat geschlossen und ein sehr enges Verhältnis zu meiner Gastfamilie aufgebaut. Ich fand es von Vorteil, dass wir nur zwei Europäer im Krankenhaus waren. So mussten wir den ganzen Tag Spanisch sprechen und es bestand nicht die Gefahr, dass man als Austauschgruppe unter sich bleibt. Das hat auch dabei geholfen, dass wir uns schnell eingelebt und integriert haben. Es war ein Monat voller neuer Erfahrungen und ich habe das Land und die Leute lieben gelernt. Ich werde auch so bald wie möglich El Salvador noch einmal besuchen.

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