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Italy (SISM)

Tropenmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Immer schon habe ich versucht, jede Möglichkeit ins Ausland zu gehen zu nutzen. Schon zu Beginn meines klinischen Studienabschnittes stand für mich fest, dass ich eine Auslandsfamulatur machen möchte. Ich finde es einfach total schön einen Ort nicht nur als Tourist kennen zu lernen und ein Praktikum ist hier eine gute Möglichkeit einen viel tieferen Einblick zu gewinnen.
Ein Auslandsaufenthalt ist eine Erfahrung, die man im Leben nicht verpassen sollte. Ich komme ursprünglich aus Südtirol und bin somit Italienerin und wollte mit einer Famulatur auf Sizilien mehr über den Süden und über mein Land insgesamt erfahren.

Vorbereitung

Da die bvmd sowohl den Praktikumsplatz als auch eine Unterkunft und das Freizeitprogramm organisiert, hielt sich mein Einsatz in Bezug auf die Bewerbung und die Planung der Anreise in Grenzen. Was ich auf jeden Fall empfehlen würde ist sein Sprachniveau in Italienisch auf ein Level zu bringen, mit dem man einfache Unterhaltungen führen kann. Aber dazu später mehr.

Visum

Als Europäer/in benötigt man natürlich kein Visum für Italien.

Gesundheit

Besondere Untersuchungen habe ich keine gebraucht.
Vor Praktikumsbeginn muss man eine Kopie seines Impfausweises abgeben.
Wie vor jeder Auslandsreise, sollte man sich informieren ob die Krankenversicherung auch im Ausland bezahlt.

Sicherheit

Das Einzige wovor ich ein klein wenig Angst hatte waren Taschendiebe. Ich würde diesbezüglich etwas vorsichtig sein und nicht zu viel Bargeld mitnehmen. Ich muss allerdings auch sagen, dass in einem Monat keinem von uns 40 Teilnehmern etwas gestohlen wurde, obwohl wir sicher nicht immer besonders vorsichtig waren.

Geld

Das Zahlungsmittel ist in Italien, wie auch in Deutschland, der Euro. Auch das bargeldlose Zahlen und Geld abheben an Bankautomaten funktioniert mit einer gewöhnlichen Kreditkarte. Jedoch sollte man immer etwas Kleingeld dabeihaben, weil in vielen Bars, Eisdielen ect. nur Bargeld angenommen wird.

Sprache

Wider meiner Erwartungen sprachen die meisten Studenten, die zusammen mit mir in Messina waren, kein Italienisch. Genaugenommen beherrschten nur 4 von 35 mehr oder weniger gut die Sprache. Anscheinend hält die IFMSA Englisch wohl ausreichend für ein Praktikum in Italien. Dies würde ich allerdings keinem empfehlen, da Italiener (egal ob der Stationsarzt, der Pizzalieferant oder die Angestellte im Bus Büro) meist sehr schlechtes oder gar kein Englisch sprechen. So ist es sowohl für den Lernerfolg im Krankenhaus als auch um den richtigen Bus für den Strand zu finden absolut essentiell Italienisch zu verstehen und auch zu sprechen, wenn man nicht immer von den wenigen Italienisch-Sprechenden abhängig sein will.

Verkehrsbindungen

Wir haben uns eine Monatskarte für den Bus gekauft, welche mit 30€ sehr preiswert war. Es gibt auch eine App, in der man die Buszeiten findet. Allerdings sollte man das Ganze etwas locker sehen: Verspätungen sind absolut normal, aber auch ausfallende Busse auf Grund von fehlenden Fahrern sind keine Seltenheit.

Kommunikation

Das WLAN im Wohnheim hat wie viele andere Dinge nicht funktioniert, was einige von uns anfänglich sehr verärgert hat. Allerdings kann man in Italien dank Roaming die Daten seines Vertrags weiter nutzen oder auch eine Sim Karte mit Internetvertrag sehr günstig kaufen. Außerdem ist es eh viel schöner, die Abende mit Gemeinschaftsspielen oder auf Partys am Strand als beim Serien schauen zu verbringen.

Unterkunft

Alle 35 Austauschstudenten wurden in derselben Unterkunft untergebracht. Anfänglich war ich darüber nicht so glücklich, da ich es mir schöner vorgestellt hatte bei einer Familie oder in einer WG zu Wohnen, vor Ort habe ich dann aber schnell die Vorzüge einer solchen Unterbringung kennen gelernt. So war immer etwas los und wir sind als Gruppe sehr stark zusammengewachsen. Außerdem war auch von den `contact persons` zumindest abends fast immer jemand da.
Da das Wohnheim einen Wachmann hatte, der rund um die Uhr da war, konnte man sich in der Unterkunft absolut sicher fühlen und es war immer jemand da, den man bei verschiedensten Problemen (tropfende Klimaanlagen oder klemmende Türen) um Hilfe bitten konnte. Auch sonst habe ich mich in der Stadt überall und jederzeit sehr sicher gefühlt.
Die Zimmer waren groß genug und mit allem eingerichtet, was man braucht (inkl. ein kleiner Kühlschrank). Die meisten Studenten hatte ein Einzelzimmer, während man sich die Toilette und eine separate Dusche zu zweit teilte.
Mitbringen mussten wir nur Handtücher, vor Ort haben wir Decken, Kissen und Bettwäsche bekommen. Auch eine Waschmaschine ist vorhanden.
Leider gab es keine Küche, was uns davon abhielt uns gegenseitig mit Köstlichkeiten aus dem eigenen Land zu bekochen. Unter der Woche haben wir abends Essen ins Wohnheim geliefert bekommen. Leider muss man diesbezüglich sagen, dass dieses dem guten Ruf der sizilianischen Küche nicht gerecht wird und auch satt wurden viele von uns davon nicht immer.

Literatur

Ich habe ein Mikrobiologiebuch und einen Reiseführer über Sizilien mitgenommen. Ansonsten habe ich vor Ort einfach die gleichen Quellen verwendet mit denen ich hier auch lerne (AMBOSS, doccheck ect.).

Mitzunehmen

Die wichtigsten Dinge habe ich unter „Unterkunft“ schon erwähnt, bei Unsicherheiten würde ich einfach meine „Contact person“ fragen. Man sollte nicht vergessen etwas Typisches aus dem eigenen Land für die „International food and drink party“ mitzubringen.

Reise und Ankunft

Die Zugfahrt in den Süden lief für italienische Verhältnisse erstaunlich gut. Am Bahnhof wurde ich von meiner Kontaktperson im Auto abgeholt und ins Wohnheim gebracht, worüber ich nach der langen Anfahrt sehr glücklich war. Einen Tag später wurden wir dann von den Studenten auf Station gebracht und vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Tag wurden wir von unserem Tutor auf die Stationen gebracht und vorgestellt. Ich hatte mich für die Infektiologie entschieden. Die Ärzte auf Station waren sehr nett und freundlich zu uns. Trotzdem haben sie uns nicht gerade viel erklärt und wir mussten viel Eigeninitiative zeigen um irgendetwas machen zu dürfen. Dies liegt wahrscheinlich auch daran, dass die italienischen Studenten im Gegensatz zu uns keine Farmulaturen absolvieren und erst nach ihrem Abschluss so richtig in die Klinik kommen, wodurch die Ärzte wohl nicht so viel Erfahrung im Umgang mit Studenten haben.
Ab und zu haben wir Patienten (relativ oberflächlich) untersucht, waren bei der Visite dabei und haben Arztbriefe formuliert. Der zweite Famulant (Schwede) und ich waren sehr bemüht und haben versucht, das Beste aus der Situation zu machen indem wir uns gegenseitig ausgefragt oder Krankheitsbilder besprochen haben, aber auch indem wir uns gegenseitig Zugänge gelegt oder Untersuchungstechniken geübt haben.
Insgesamt hat es niemanden groß interessiert wo wir gerade waren.
Die Arbeitstage gingen circa von 8 bis 13 Uhr, aber wenn wir mal früher gehen oder später kommen wollten war das kein großes Problem.
Mir war klar, dass süditalienische Krankenhäuser nicht den deutschen Standards entsprechen, trotzdem war ich auf die katastrophalen hygienischen Zustände nicht vorbereitet. Es gab kaum Desinfektionsmittelspender (Ärzte trugen kleine Fläschchen davon in ihrem Kittel) und auch die Schutzmasken für die Isolationszimmer waren eher Mangelware (man musste sie mindestens drei bis 4 Tage tragen damit sie noch bis zum Ende des Monats reichten). Isolierte Patienten waren zum Teil auf den Gängen der Station unterwegs oder man fand sie im Zimmer eines anderen Patienten.
Ein weiteres großes Problem war die Komunikation mit den Patienten aus anderen Ländern (welche auf der Infektiologie zahlreich vertreten waren). Übersetzer oder ähnliches gab es nicht, man verständigte sich dann einfach mit Händen und Füßen.

Insgesamt muss ich sagen, dass der Lernaspekt während der vier Wochen aus medizinischer Sicht relativ gering war....

Als Patient hätte ich nicht in diesem Krankenhaus landen wollen. Oft wirkte alles sehr unorganisiert und Geräte funktionierten nicht wenn man sie benötigte, leider auch bei Patienten mit schweren Krankheitsbildern.
Am Ende der Famulatur gab es keine Probleme mit der Famulaturbescheinigung und den Zertifikaten. Es wurde alles vollständig vom Chefarzt der Abteilung ausgefüllt.

Land und Leute

Neben der Arbeit im Krankenhaus waren wir fast täglich am Strand. Auch wenn ich im August, also in der absoluten Hochsaison da war, fand man mit dem ein oder anderen Geheimtipp der Einheimischen, schöne und leere Strände. Etwas aufpassen sollte man auf die "Meduse" (=Quallen), diese sind zwar nicht gefährlich, aber wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann ist ein Kontakt doch eher unangenehm.
Das „Social program“ für welches wir am Anfang des Monats 160€ bezahlt haben (jeder konnte selbst entscheiden ob und bei wie vielen Programmpunkten er teilnehmen wollte) sah für die Wochenenden Ausflüge in die schönsten Orte der Insel vor: Taormina, Isola Bella, die als Perle der Griechen bekannte Stadt Syrakusa, der Vulkan Etna...
Aber auch unter der Woche war zwischen Stadtführung, Karaokeabend, „National Food and Drink Party“, Spieleabenden und zahlreichen Partys am Strand für jeden Geschmack etwas dabei. Eines der schönsten Erlebnisse für mich war die Abschiedsparty mit Picknick und Lagerfeuer am Strand, an der einige von uns dann auch dort übernachtet haben. So muss man zum Sonnenaufgang schauen gar nicht erst aufstehen und auch der Sternenhimmel war überwältigend.
Die Erfahrungen mit den Einheimischen waren stets sehr positiv, so kam es schon mal vor das der Obsthändler uns auf Grund einen etwas größeren Einkaufs mal schnell selbst nach Hause gefahren hat. Auch sonst war es nicht sehr schwierig mit den Sizilianern ins Gespräch zu kommen und neue Freundschaften zu schließen.
Was man natürlich nicht auser Acht lassen sollte, ist die italienische Küche, welche für jeden Geschmack etwas zu bietet hat. Natürlich findet man Pizza, Pasta und Gelato an jeder Ecke. Auch Liebhaber von Fisch und Meeresfrüchten kommen auf ihre Kosten. Und natürlich darf man die Insel auf keinen Fall verlassen ohne "Cannoli", "Granita", "Arancini" probiert zu haben, welche der ganze Stolz der sizilianischen Volks darstellen. Auch die Preise für ein Abendessen sind im Vergleich zu deutschen Verhältnissen günstiger. Was man jedoch nicht vergessen sollte, ist das "Coperto", das man bezahlt wenn man im Restaurant isst, je nach Restaurant muss man mit 1-3 Euro rechnen.
Ein weiterer Punkt, vor dem man vielleicht warnen sollte, ist die Müllsituation auf der Insel. Wie so vieles ist auch sie ein bisher ungelöstes Problem und auch wenn vor allem unter den jungen Menschen viele, mit denen man spricht, etwas ändern möchten, ist dies bisher noch nicht gelungen und so muss man leider sagen, dass es immer noch überall sehr viel Dreck gibt. Man kann nur hoffen, dass die Menschen mehr und mehr ein Bewusstsein dafür entwickeln und die Politik die nötigen Schritte einleitet um in diesem Punkt eine Besserung zu erreichen.

Fazit

Mit Sicherheit gab es viele kleine Hürden, die wir in diesem Monat überwinden mussten. Anfänglich war es nicht leicht und wir haben uns über Kleinigkeiten aufgeregt doch schnell haben wir ein kleines Stück der Gelassenheit und Lebensfreude der Menschen vor Ort übernommen. Wir haben uns treiben lassen und wenn mal etwas nicht so funktioniert hat wie geplant haben wir bloß den Kopf geschüttelt und gelacht.
So hat dieser Monat meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sie maßlos übertroffen. Es war mit Sicherheit einer der schönsten Monate meines Lebens und so habe ich, als ich an der Reling des Schiffs Richtung Festland stand und die Lichter Messinas immer kleiner wurden, mir mit Tränen in den Augen versprochen ganz bald zurückzukommen.

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