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Mexico (IFMSA-Mexico)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Alicia, München

Motivation

Ich hab mich für eine Famulatur im Ausland beworben, da ich einen Einblick in die Gesundheitsversorgung und das Gesundheitssystem eines nicht-europäischen Landes bekommen und natürlich auch dessen Kultur kennenlernen wollte.

Vorbereitung

Ich hatte leider keine Zeit, einen der Vorbereitungskurse der bvmd zu besuchen. Daher habe ich zur Vorbereitung Erfahrungsberichte gelesen und mich im Internet und mit meinem Reiseführer über Mexiko und Xalapa informiert.

Visum

Ich war mit einem Touristenvisum in Mexiko. Das reicht aus und muss vorher nicht extra beantragt werden.

Gesundheit

Ich habe eine Auslandskrankenversicherung speziell für Famulaturen abgeschlossen (wird von der apoBank übernommen, wenn man dort ein Konto hat). Ich habe mich nicht gegen Tollwut impfen lassen und hatte auch nicht den Eindruck, dass es notwendig ist. Malaria-Prohylaxe ist in den meisten Regionen von Mexiko auch nicht notwendig, ich hatte keine dabei. Unbedingt zu empfehlen ist eine Reiseapotheke mit Medikamenten gegen Übelkeit und Diarrhoe.

Sicherheit

Natürlich ist Mexiko weniger sicher als Deutschland und man sollte nachts nicht alleine unterwegs sein. Deswegen haben unsere Contact Persons aber auch immer darum gekümmert, dass wir zusammen nach Hause gefahren sind, oder haben uns ein „Taxi Seguro“ gerufen. Ich habe mich insgesamt trotzdem ziemlich sicher gefühlt. Beim Reisen macht es Sinn im Hostel nachzufragen, welche Stadtteile man eventuell meiden sollte oder ob sonst etwas bezüglich der Sicherheit zu beachten ist.

Geld

In Mexiko zahlt man mit mexikanischen Pesos. An Flughäfen und in sehr touristischen Gegenden werden teilweise auch US Dollar akzeptiert. Ich hatte eine Kreditkarte, mit der ich kostenlos Geld abheben konnte. Deswegen habe immer mal wieder etwas Geld abgehoben, um nicht mit zu viel Bargeld herum zu laufen. Ich hatte außerdem eine zweite Kreditkarte als Back-up dabei, die habe ich aber zum Glück nicht gebraucht. Man kann meistens auch direkt mit Karte zahlen, dass war für mich aber nicht gebührenfrei möglich. Die Lebenshaltungskosten sind sehr viel geringer als in Deutschland. All you can eat-Buffets für ca. 70 Pesos sind zum Beispiel keine Seltenheit.

Sprache

Ich hatte bei der Bewerbung Sprachniveau B1, halte aber zumindest Grundkenntnisse für empfehlenswert. Da viele Mexikaner nur schlecht oder gar kein Englisch sprechen, ist es sonst sehr schwierig wirklich mit Menschen vor Ort in Kontakt zu kommen. Auf meiner Station gab es zum Beispiel niemanden, mit dem ich mich ausreichend auf Englisch hätte verständigen können. Mit den Patienten war Kommunikation nur auf Spanisch möglich. Auch zum Reisen sind Spanisch-Kenntnisse von Vorteil, da gerade in ländlichen Regionen meist nur Spanisch oder eine der vielen indigenen Sprachen gesprochen wird. Bleibt man in den sehrt touristischen Städten, kommt man auch mit Englisch durch.

Verkehrsbindungen

Der vom Fahrkostenzuschuss angesetzte Rahmen ist realistisch für Flüge nach Mexiko. Ich habe für meine Flüge ab Frankfurt etwas mehr als 1000 € gezahlt. Von Madrid oder Amsterdam kann man mit ein bisschen Glück aber deutlich günstigere Angebote finden. Im Land selbst sind für weitere Strecken Inlandsflüge zu empfehlen. Für mittellange Strecken sind die großen Reisebusse super. Sie sind preislich etwas günstiger als Flixbus, aber viel komfortabler und sehr zuverlässig. Außerdem gibt es für kürzere Strecken in ländlichen Gegenden eine Art lokalen Shuttle Service in ausgebauten Vans, die meist alle 10-20 Minuten verkehren.

Kommunikation

Man kann sich direkt bei der Ankunft am Flughafen eine mexikanische Prepaid-Karte zulegen. Damit kommt man am günstigsten weg und ist immer erreichbar, wenn man nicht gerade irgendwo in der Pampa unterwegs ist.

Unterkunft

Die Unterkunft in Xalapa wurde gestellt. Alle drei Austauschstudenten wurden bei den Familien mexikanischer Studenten untergebracht. Da meine Familie gerade erst umgezogen war, musste ich Bettwäsche selbst mitbringen. Ich konnte dort auch die Küche mitbenutzen, was ich aber fast nie gemacht habe. Frühstück und Mittagessen gab’s im Krankenhaus und abends waren wir meistens unterwegs.

Literatur

Ich war vorher schon in Mexiko und habe auch einige Freunde dort. Deswegen habe ich mich nicht sehr ausführlich informiert, kann aber den Lonely Planet sehr empfehlen. Sonst einfach vor Ort mit den Leuten reden, da bekommt man die besten Tipps.

Mitzunehmen

Ich musste für die Arbeit im Krankenhaus weiße Kleidung mitbringen. Da ich im Endeffekt aber die meiste Zeit im Kreissaal oder OP war und dort Scrubs getragen habe, habe ich die Hälfte der weißen Klamotten nicht gebraucht. In Xalapa regnet es sehr viel, Regenjacke etc. sind von Vorteil. Außerdem ganz wichtig: gutes Mückenspray!

Reise und Ankunft

Ich bin vor meiner Famulatur in Xalapa schon ein bisschen durch Mexiko gereist und dann zusammen mit einer der anderen Austausch-Studentinnen mit dem Bus nach Xalapa gefahren. Dort wurden wir von dem sehr engagierten LEO und einem weiteren IFMSA-Mitglied abgeholt und wir sind erstmal Essen und Kaffee trinken gegangen, bevor wir dann zu unseren Gastfamilien gebracht wurden. Am nächsten Morgen haben wir uns dann mit dem LEO am Krankenhaus getroffen und wurden der zuständigen Sekretärin vorgestellt, die uns dann zu den jeweiligen Stationen gebracht hat

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe in Xalapa in der Gynäkologie famuliert. Es ging morgens um 7 Uhr los und meistens konnten wir gegen 14 Uhr gehen. Frühstück gab es von 8-10 Uhr und Mittagessen von 13-15 Uhr. Am ersten Tag wurde ich zur Station gebracht, aber scheinbar hatte dort niemand Lust, sich mit mir zu beschäftigen, denn ich wurde direkt zur Notfall-Ambulanz weitergeschickt. Auch hier hat sich niemand für mich verantwortlich gefühlt bzw. gewusst, weshalb ich überhaupt da bin. Daher waren die ersten Tage etwas anstrengend. Nachdem ich mich dann bei jedem vorgestellt hatte, wurde es etwas besser. Wirklich mitarbeiten oder selbst Tätigkeiten übernehmen durfte ich aber bis zum Schluss nur auf mehrfaches Nachfragen. Auch Erklärungen zu Krankheitsbildern gab es nur nach mehrfachem Nachhaken. In der zweiten Woche habe ich dann eine nette Assistenzärztin kennengelernt, die mir einiges gezeigt und mir auch Aufgaben gegeben hat. Da sie selbst erst im ersten Jahr war und in der Abteilung eine krasse Hierarchie herrschte, konnte sie aber auch nicht alles erklären und stand oft unter großem Druck. Ich habe dann mit ihr ein paar Nachtschichten gemacht, in denen ich mit ihrer Hälfte insgesamt vier Babys entbunden habe. Eine wirklich tolle Erfahrung, die man in Deutschland nicht so einfach bekommt. Allerdings war das auch nur „heimlich“ möglich, während die Oberärzte schliefen. Warum, habe ich nicht verstanden. Insgesamt war das Arbeitsklima aufgrund der Hierarchie und der Überbelastung durch durchschnittlich 10 Geburten am Tag bei zweimal wöchentlich 36h-Schichten nicht besonders gut und die Ärzte habe ihre schlechte Stimmung auf oft an einer vielen jungen schwangeren Frauen ausgelassen. Es war aber auf jeden Fall interessant einen Einblick in das mexikanische Gesundheitssystem und die Arbeit als Arzt dort zu bekommen. In Mexiko kann man sich zum Beispiel immer nur in einem Krankenhaus behandeln lassen, dass der eigenen Versicherung zugeordnet ist. Das Krankenhaus der Universität in Xalapa ist ein Krankenhaus der untersten Versicherungsstufe, dass heißt es kommen vor allem Patienten, die sich keine Versicherung leisten können und die daher für bestimmte Behandlungen vom Staat übernommen wird. Dementsprechend waren die Ressourcen beschränkt und oft Medikamente nicht verfügbar oder Geräte kaputt. Ich weiß jetzt, wie angenehm es im Vergleich ist, in Deutschland Medizin zu studieren und als Arzt zu arbeiten. Außerdem habe ich einige Krankheiten und Fehlbildungen gesehen, die man so in Deutschland gar nicht oder nur sehr selten sieht.

Land und Leute

Da wir meistens um 14 Uhr mit unserer Schicht fertig waren und außerdem für Nachschichten Tage freinehmen konnten, blieb uns viel Zeit um zu reisen und die Umgebung zu erkunden. In der Nähe von Xalapa gibt es wirklich schöne Natur (Wasserfälle in Xico, Los rapids bei Jalcomulco) und einige „Pueblos magicos“. Ich war die meiste Zeit mit der anderen Austauschstudentin unterwegs, da unsere Gastgeber eigentlich immer den ganzen Tag in der Uni oder am Lernen waren und es kaum Social Program gab. Das war aber auch nicht schlecht, da wir so ganz frei entscheiden konnten, was wir wann machen und was wir lieber ausfallen lassen wollten. Obwohl ich meine Gastgeberin daher kaum gesehen habe, haben wir uns sehr gut verstanden und sie hat sich fast schon zu sehr um mich gekümmert und Sorgen gemacht, wenn ich im Dunkeln alleine mit dem Taxi fahren musste.
Wir waren an unseren Nachmittagen und einzelnen freien Tagen zum Beispiel in Xico, Coatepec, Coscomatepec oder waren in der Innenstadt und den Parks von Xalapa unterwegs.
Über ein Wochenende sind wir nach Papantla und El Tajin gefahren. El Tajin ist eine präkolumbische Ruinenstadt, auf einem rießigen Gelände mit wirklich beeindruckenden Pyramiden. Von Xalapa fährt man ca. 4 Stunden und, weil El Tajin nicht so bekannt ist, wie Teotihuacan oder Tulum, wird man auch nicht von anderen Touristen überrannt. Wir sind dann von El Tajin and die Küste und runter bis Vercrauz Puerto gefahren. Die Küste von Veracruz kann ich nicht wirklich empfehlen. Wenn man noch ein paar Tage Strandurlaub dranhängen möchte, lohnt es sich nach Yucatan oder Oaxaca zu fliegen. Ich war vor meinem Praktikum für 5 Tage in Mazunte und Puerto Escondido und die Strände dort sind einfach traumhaft. Da die Saison dort erst im Novemver beginnt, waren wir außerdem fast die einzigen Touristen im August. Essen kann man fast überall sehr gut und sehr günstig. Nur als Vegetarier hat man es etwas schwer, da die mexikanische Küche sehr fleischhaltig ist. Aber auf Nachfrage, gab es doch auch immer etwas ohne Fleisch und vor allem die Mitarbeiter in der Krankenhaus-Kantine waren ser bemüht darum, uns nicht verhungern zu lassen. Tamales, Enchiladas und Chile Enogada waren meine absoluten Favoriten. Außerdem wird euch jeder von Mole erzählen und, dass sie dort wo er/sie herkommt am besten ist. Also müsst ihr sie überall mal probieren! Alles in allem, habe ich Mexiko jetzt schon zum zweiten Mal als sehr fröhliches, buntes Land kennengelernt und (außerhalb des Krankenhauses) auch nur herzliche und hilfsbereite Menschen kennengelernt.

Fazit

Da ich gerne reise und neue Kulturen und Menschen kennenlerne, würde ich sofort wieder eine Auslandsfamulatur machen. Mexiko ist eines der schönsten Länder, die ich bisher kennengelernt habe, aber dort später zu arbeiten kann ich mir aus vielen Gründen nicht vorstellen.

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