Was ist der MM2020?

Bei der Gestaltung des Medizinstudiums besteht Handlungsbedarf. Auf diesem Grund formulierte die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag eine Reform des Medizinstudiums. Um dies zu verwirklichen, wurde im Frühjahr 2015 eine Konferenz ins Leben gerufen, die sich mit der Erstellung eines "Masterplan Medizinstudium 2020" befasst. An dieser Konferenz, der sogenannten Bund-Länder-AG, nehmen Gesundheits- und Wissenschaftssminister des Bundes und der Bundesländer teil, um zusammen den entsprechenden Gesetzesentwurf entwickeln. Dieser soll Ende dieses Jahres verabschiedet werden. Zur Berücksichtigung der Meinungen medizinischer Interessensverbände wurde unter Anderem die bvmd aufgefordert, eine Position zu beziehen und bei den im November stattgefundenen Anhörungen die Medizinstudierenden zu vertreten.

Zu den erklärten Inhalten des Masterplans gehören die Reformierung der Studienzulassung durch geeignetere Auswahlverfahren. Zudem soll die Allgemeinmedizin gestärkt werden; es gibt Vorschläge, einen entsprechenden Pflichtzeitraum im PJ zu schaffen. Darüber hinaus soll die Praxisnähe vorangetrieben werden, das heißt, dass bereits früh im Studium klinisches Wissen vermittelt werden soll und ein intensiver Patientenkontakt hergestellt werden soll. Leider wurden viele Aspekte wie die Zusammenarbeit mit anderen Medizinberufen oder eine Reform der Promotion bisher noch nicht tiefgehend beleuchtet.

Die Bundeskoordinatoren für Medizinische Ausbildung und Gesundheitspolitik der bvmd arbeiten daher intensiv daran, Verbesserungen und Vorschläge zum Masterplan zu entwickeln, um jedem Studierenden ein faires und flexibles Studium zu ermöglichen. 


Unsere Forderungen und Anliegen

Im Folgenden sind unsere wichtigsten Forderungen und Anliegen, die wir gemeinsam mit den Medizinstudierenden im Hartmannbund formuliert haben, zusammengefasst.

Ausführlicher findet ihr alles im gemeinsamen Forderungskatalog.

Allgemeinmedizin. Qualität statt Quantität

An den Universitäten gehört die Allgemeinmedizin mittlerweile mehr als nur zum Pflichtprogramm. Zu den „Meilensteinen“ zählen zum Beispiel der Ausbau der Anzahl der Lehrstühle und der Forschung oder das Blockpraktikum in der Allgemeinmedizin. Trotzdem ist das Fach aus unserer Sicht noch nicht dort, wo es hingehört – nämlich stärker an den Anfang des Studiums und über den Gesamtverlauf des Studiums verteilt!

Wahlquartal statt Qualtertial

Den Defiziten, die in Sachen Stärkung der Allgemeinmedizin im Studium noch bestehen, sollte allerdings auf keinen Fall mit noch mehr Verpflichtung begegnet werden. Zwangsmaßnahmen weisen in die falsche Richtung und machen die Allgemeinmedizin wahrscheinlich weniger attraktiv! Wir befürworten stattdessen größere Wahlfreiheit und mehr Eigenverantwortung im PJ. Durch eine Quartalslösung beispielsweise könnte ermöglicht werden, dass wir als Studierende selbst ein eigenes Profil bestimmen und so schon im PJ die Weichen für die Weiterbildung stellen.

Lockangebote statt Landarztquote

Ein Freifahrtschein für Bewerber, die sich verpflichten, sich später als Hausärzte im ländlichen Raum niederzulassen? Diese Bevorzugung von Bewerbern lehnen wir ab! Eine Landarztquote ist nicht nur deshalb bedenklich, weil so Studienplätze ungerecht verteilt werden. Sie birgt außerdem die Gefahr eines Arztes „2. Klasse“, der, vermeintlich nur wegen seiner Zusage, aufs Land zu gehen, studieren konnte. Stattdessen sollte der Fokus schon im Studium und vor allem auch in der Assistenzarztausbildung darauf gerichtet werden, das Ansehen des Allgemeinmediziners weiter zu stärken und vor allem die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin attraktiver zu gestalten.

PRAXISNÄHE. Früh übt sich, wer ein Arzt werden will!

Am Patientenbett drückt der Schuh.

Wir möchten die vorklinischen und klinischen Studieninhalte besser verknüpfen und die Studierenden besser auf das Arbeitsleben vorbereiten. Daher spricht sich die bvmd für integrierte Curricula mit bereits früh und kontinuierlich vermitteltem klinischem Wissen und Patientenkontakt aus. So soll das Medizinstudium mehr an der tatsächlichen praktizierten Medizin orientiert sein.

Mehr Wissenschaft ins Studium!

Alle angehenden Ärzte und Ärztinnen sollte zum selbstständigen, wissenschaftlich-methodischen Arbeiten ausgebildet werden. Daher sprechen wir uns für eine stärkere Verankerung der Wissenschaftlichkeit im Medizinstudium aus. Die Studierenden sollen die Fähigkeit erwerben, aus wissenschaftlichen Problemen zu lernen und Lösungen zu finden.  

Nicht nur Ärzte arbeiten im Krankenhaus…

Dementsprechend fordern wir eine stärkere Verbindung mit anderen Gesundheitsberufen in unserer Ausbildung. Interprofessionelle Kurse und Veranstaltungen führen zu einem besseren Verständnis der anderen Berufsgruppen. Durch eine gezielte Zusammenarbeit können unsere Patienten deutlich besser behandelt werden.

Ein guter Arzt braucht mehr im Hirn als nur Bücher!

Arzt oder Ärztin zu werden bedeutet nicht nur, sich theoretisch mit Symptomen und Therapien auseinanderzusetzen. Dafür muss die Masse an reinem Faktenwissen auf ein Kerncurriculum fokussiert werden, um Platz für weiterführende Lehrinhalte zu schaffen. Kommunikative, wissenschaftliche und soziale Kompetenzen gehören ebenso ins Studium wie innovative Prüfungen, die diese Fähigkeiten nachhaltig abfagen. Das muss sich auch in praxisorientierten Staatsexamina wiederfinden.