Fehltageregelung im PJ mit Familie- was die meisten vergessen!

Selbst grad im PJ und aktuell beginnend erkrankt, ist die Fehltageregelung ein Thema.

Auch die BVMD beschäftigt sich ja schon lange mit dem fairen PJ und welche Regelungen- nebst angemessener Vergütung- dafür wichtig wären.

Um die 6% der Medizinstudierenden haben Kinder. Frauen sind häufig die Go-to Parents und übernehmen die dann Care Arbeit in der Familie und machen im Medizinstudium fast flächendeckend über 60% der Medizinstudierenden aus.
Bei den Regelungen des PJ bleiben diese Frauen unbeachtet.

Wer am Ende des Studiums eine Familie gründet und mit einem Kleinkind ins PJ geht, wird vermutlich schon bald die typische Atemwegsinfektionsstrecke beschreiten, die Neueltern meist die ersten Jahre begleitet. Besonders frisch betreute Kinder, denen der erste Winter im Kindergarten bevorsteht, sind davon betroffen.

Liest man den oben stehenden Blogtext aus dem Ärzteblatt aufmerksam, engeht sicher kaum, dass hier eine auch ohne Kinder bereits enge Regelung geschaffen wurde, die Studierende im schlimmsten Fall die M3 Lernzeit kostet oder zu einer Wiederholung des Tertials führen kann.

Die fehlende Unterscheidung zwischen Krankheit und Urlaub kann für Eltern schnell zum Fallstrick werden, wenn es keine alternaitive Betreuungsmöglichkeit als für die Kleinen gibt.

30 Tage insgesamt für 1 ganzes Jahr, inklusive Urlaub, Lernzeit, eigener Erkrankung und ggf. kranker Kinder strapazieren das Organisationstalent junger Mediziner*innen. Fairer wäre eben, Krankheitstage und Urlaubstage gesondert zu berechnen und nicht zu vermengen. Dies wäre auch eine Regelung, die im Sinne der Gleichbehandlung aller Medizinstudierenden, ob mit oder ohne Kind, gerecht erscheint. Keine kranken Kinder, keine Krankentage aufgrund kranker Kinder aber der selbe Urlaubsanspruch, wie die Komiliton*innen mit Kindern.

#fairesPJ

JPV

Hey – ich heiße Elisa, bin 25 und studiere im 10. Semester Medizin. Zusammen mit meinem Mann und unserer 3-jährigen Tochter Anouk lebe ich im schönen Dresden. Am 01.01.2018 trat das neue Mutterschutzgesetz in Kraft, am 04.01.2018 habe ich der Studienkoordinatorin meine Schwangerschaft mitgeteilt. Damit war ich die erste schwangere Studentin dieser Fakultät unter dem neuen Gesetz. Und plötzlich waren viele Dinge für alle Beteiligten neu und ungeklärt. Ich hatte im März 2018 Termin für mein mündliches Physikum: darf ich mit Formalin in Kontakt kommen? Und wenn ja, wie sind hier die Grenzwerte? Werden diese eingehalten? Worauf muss man noch achten? Für mich war die Frage entscheidend: darf ich mein Physikum machen? Plötzlich ging es um Arbeitsschutz, Schutz des ungeborenen Kindes, (Un-)Möglichkeit der Prüfung, rechtliche Grundlagen, mögliche Nachteilsausgleiche und Vieles mehr. Es gab Ansagen wie: „Wenn Sie mit Formalin nicht in Kontakt kommen dürfen, dann können Sie die Prüfung eben erst nach der Stillzeit ablegen.“ Wie bitte? Das wäre in 2,5 Jahren gewesen! Auf einmal war meine universitäre Zukunft abhängig von einzelnen Personen und deren guten Willen. Das waren teilweise sehr unangenehme Erfahrungen. Auf der anderen Seite habe ich auch viel Unterstützung erfahren, z.B. von Seiten der Arbeitsschutzbeauftragten und der Gleichstellungsbeauftragten. Glücklicher Weise waren die Umstände bezüglich des Formalins, des Prüfungsablaufes und meiner Schwangerschaft schlussendlich alle miteinander vereinbar und ich konnte die Prüfung erfolgreich ablegen. Doch die Zeit, in der um diesen Sachverhalt gerungen wurde, war schwierig. „Hätte ich doch meine Schwangerschaft lieber nicht gemeldet.“ „Kann man nicht auch teilnehmen obwohl es ein Risiko darstellt? Mir und dem Baby wird schon nichts passieren.“ „Das ist ungerecht – diese fehlenden Ausgleichsmöglichkeiten können doch nicht wirklich ernst gemeint sein. Oder?“ Das sind Gedanken aus der ungewissen Zeit. Im Nachhinein bin ich einfach traurig und sauer, dass ich diese Gedanken überhaupt haben musste. Dass es immer noch diese riesigen Unsicherheiten für schwangere/stillende Studentinnen oder Studierende mit Kind gibt, Nachteilsausgleiche sind oft Einzelfallentscheidungen, … ich war unglaublich froh, dass ich mein Physikum ablegen konnte aber gleichzeitig enttäuscht vom System. Darum war ich begeistert, als Anna und Maxime im Oktober 2018 die „AG Medi-Eltern“ am Dresdner Medizin-Campus neu gegründet haben. Seitdem engagieren wir uns dafür, dass eine bessere Zusammenarbeit zwischen Fakultät und Studierenden zustanden kommt, mit Fokus auf die Bedürfnisse von stillenden/schwangeren Studentinnen sowie Studierenden mit Kind. Und es tut sich was: es gibt eine Schwangerenberatung seitens der Fakultät, es gibt schöne Stillzimmer, es gibt Kennenlerntreffen, Info-Veranstaltungen, Flyer, … und hoffentlich bald noch viel mehr! Damit in Zukunft hoffentlich keine Studentin mehr darüber nachdenken muss, ihre Schwangerschaft zu verschweigen, um keine Nachteile zu erfahren.“